Voodoo Lounge feiern 20-jähriges Jubiläum | Ihr Zusammenschluss war eher ein Zufall, trotzdem haben Voodoo Lounge es geschafft, zu einer der erfolgreichsten Rolling-Stones-Cover-Bands Deutschlands zu werden. Benannt hat sich die sechsköpfige Gruppe nach dem Album, auf dem unter anderem der Hit „You Got Me Rocking“ zu hören ist. Im September feiert sie ihren 20. Geburtstag mit einem Konzert im Lokpark – fast zeitgleich zum Deutschland-Auftritt ihrer großen Vorbilder. Wir sprachen mit dem Sänger Bobby Ballasch über die Bandhistorie und seine Ähnlichkeit zu Mick Jagger.

16. September | Lokpark (BS) | voodoo-lounge.de

PK VoodooLounge c KlausManns 01

Herr Ballasch, wann haben Sie Ihre Leidenschaft für die Rockmusik entdeckt?
Schon ganz früh. Diese Art von Musik lief bei uns zu Hause. Während sich andere Platten kaufen mussten, habe ich immer das Regal meines Vaters durchstöbert. Ich konnte mich da frei bedienen. Ich schätze mal, das fing in der Grundschule an.

Gab es dort auch Musik von den Beatles?
Ja. Das ist die Gnade der späten Geburt, da musste man sich nicht zwischen den Stones oder den Beatles entscheiden. Ich finde beides gut.

Wussten Sie schon als Jugendlicher, dass Sie mit Ihrem Gesicht Mick-Jagger-Double werden wollen und haben deshalb angefangen, Gesangsunterricht zu nehmen?
Am Reißbrett geplant habe ich das nicht. Eine gewisse Ähnlichkeit ist aber vielleicht vorhanden. Ich habe als Gitarrist angefangen, Musik zu machen, und ab und zu auch mal ein Stück gesungen. Als Rückmeldung bekam ich dann, dass es die Leute an Mick Jagger erinnert. Das hat mich darin bestärkt, es weiter zu probieren. Die Gesangsanteile in der Band, in der ich damals gespielt habe, wurden größer. Irgendwann kam es dann bei Voodoo Lounge so, dass ich nur noch gesungen habe. Inzwischen darf ich gar nicht mehr Gitarre spielen. Wir haben zwei Gitarristen, die es gar nicht gut finden, wenn ich spiele. (lacht) Privat spiele ich aber noch. Gerade zum Üben macht das ja auch Sinn.

Wie viel Übung war nötig, um so zu klingen und aufzutreten wie Mick Jagger?
Ich habe nie vorm Spiegel geübt. Dadurch, dass ich mich sehr früh damit auseinandergesetzt habe und auch schon früh bei Konzerten war oder Konzert-Filme geschaut habe, ist es eher von alleine gekommen. Das hat aber sicherlich damit zu tun, dass ich früh damit in Kontakt gekommen bin. Heute ist es gar nicht mehr vermeidbar, sich selbst auf der Bühne zu sehen – alle halten ihr Handy hoch. Wenn man die Aufnahmen dann selber sieht, ist das etwas komisch. Bestimmte Sachen lässt man dann auch wieder weg. (lacht) Andere Sachen passen aber ganz gut und die werden beibehalten.

Wenn man erstmal mit einer Sache Erfolg hat, schweißt das zusammen. Dann ist eins zum anderen gekommen.

Bobby Ballsch (Voodoo Lounge)

Wie kam der erste Auftritt der Voodoo Lounge zustande?
Das war bei der Monsterparty. Dort haben sich Braunschweiger Bands für einen Abend zusammengefunden. Man durfte dann nicht in seiner eigenen Band spielen, sondern nur in neuer Kombination. Wir haben dort erstmals vier Stücke zusammen gespielt. Das hat so viel Spaß gemacht und ist so gut angekommen, dass wir uns dazu entschieden haben, ein ganzes Konzert zu geben. Damals haben wir natürlich nicht daran gedacht, dass eine Band entsteht, die 20 Jahre hält. Es hat aber auch menschlich gut gepasst. Außerdem gab es zu dem Zeitpunkt noch nicht viele Tribute-Bands. Zwar haben viele gecovert aber dass jemand sich nur einer Band widmet, war selten. Dadurch hatten wir das Glück, schon am Anfang relativ dicke Konzerte zu spielen. Wenn man dann erstmal mit einer Sache Erfolg hat, schweißt das zusammen. Dann ist eins zum anderen gekommen.

Können Sie einen der eher unbekannten Songs nennen und warum Sie finden, dass er nicht in Vergessenheit geraten solle?
Wir machen es auch für uns, dass wir auch mal Lieder spielen, die nicht so bekannt sind. Gerade, weil man die nicht so oft hört. Es macht Spaß, diese live zu präsentieren, weil dann andere Reaktionen kommen als sonst. Bei bestimmten Stücken ist das zu erwarten – wenn man „Satisfaction“ oder „Brown Sugar“ spielt, ist klar, dass eine Menge im Publikum passiert. Aber es freut uns sehr, wenn das auch bei nicht so bekannten Stücken der Fall ist. Die Blues-Ballade „Love in Vain“ spielen wir zum Beispiel besonders gern live. Es gibt eine ganze Reihe von Songs, die wir einfach immer mal wieder reinschummeln. Das fällt dann auch gar keinem auf, wenn man die geschickt über den Abend verteilt.

Verfolgen Sie Aktuelles um die Stones? Zum Beispiel was Mick Jagger heute getwittert hat?
Bei Twitter nicht so unbedingt. Aber die Stones sind jetzt wieder auf Tour – zu wahnsinnig gigantischen Preisen – ich habe mir trotzdem Karten geholt. Ich habe noch kurz überlegt, dass es ganz schön übertrieben ist, aber dann musste das doch sein. Man weiß eben nicht, wie viele Konzerte es noch geben wird. Als wir selbst angefangen haben, dachten wir, dass wir das ein paar Jahre machen können, bis die Musik keinen mehr interessiert. Auch damals dachte man schon, jetzt ist vielleicht wirklich die letzte Tour der Stones. Wir haben überlegt, wenn es die nicht mehr gibt, ist auch das Genre Rock ‘n‘ Roll vielleicht nicht mehr so in aller Munde.

Das klingt traurig.
Die ganz heiße Scheiße ist Rock ’n‘ Roll derzeit nicht. Das muss man auch mal so sagen. Aber wenn uns jemand gesagt hätte, dass es uns 20 Jahre nach unserem ersten Konzert noch gibt und dass es auch die Stones noch gibt, hätten wir das nicht geglaubt. Das freut mich natürlich.

Sie selbst waren also schon oft auf Rolling-Stones-Konzerten? Gibt es einen Auftritt, an den Sie sich besonders erinnern?
Ich bin Fan und mag die Musik total gerne. Ich verfolge zwar keine Twitter-Nachrichten oder lese jedes Interview, aber alles, was mit der Musik zusammenhängt, interessiert mich schon. Als Fan bin ich fast genauso aufgeregt, wie wenn ich selbst ein Konzert gebe. Das ist etwas ganz Besonderes. Ich kann mich noch erinnern, dass ich 1998 mit meiner Schwester bei einem Konzert war. Damals konnte man sich in die vorderen Plätze noch nicht einkaufen, sondern musste eben rechtzeitig da sein und loslaufen. Das haben wir dann auch gemacht, waren ganz früh da und als die Tore aufgingen, sind wir losgerannt. Auf einem Schotter-Platz. (lacht) Meine Schwester hat es dann hingeschmirgelt, sie hat es total zerlegt. Das ganze Bein war offen und das Erste, was sie gesagt hat, war: „Entschuldigung“, weil wir es nicht mehr ganz nach vorne geschafft haben. Aber nach einer Weile sind wir doch noch in den Front-of-Stage-Bereich gekommen und dann war wieder alles gut.

Was ist Ihre Meinung zu den teilweise horrenden Ticketpreisen? Die billigsten waren mit knappen 80 Euro, die teuersten VIP-Tickets mit fast 1 300 Euro zu haben …
Naja, man muss sagen, wenn es ausverkauft ist, war es offensichtlich noch nicht teuer genug. Viele Stones-Fans sind vielleicht inzwischen selber auch ganz gut situiert. Aber die ganz jungen Leute hält man dann natürlich von so einem Konzert fern. Es gibt sogenannte „Lucky Dip“-Tickets, bei denen man vorher nicht weiß, wo man landet. Das ist recht Fan-freundlich. Die kann man zu einem niedrigen Preis kaufen. Es kann dann sein, dass man in der ersten Reihe steht, aber auch, dass man auf dem Rang sitzt.

Zum 5-, 10- und 15-jährigen Jubiläum ist die Band in der Meier Music Hall aufgetreten. Was ist fürs 20-jährige geplant?
Das findet im Lokpark statt. Dort gibt es jetzt auch einige Konzerte. Wir waren sehr traurig, als es mit der Meier Music Hall zu Ende gegangen ist. Zum einen, weil es um die Location schade war, denn in der Größenordnung gibt es nicht so viel. Zum anderen aber auch, weil die Leute so toll waren. Der Christian, der das gemacht hat, war immer tiefenentspannt und es war alles ganz easy. Gerade bei Live-Musik kann es sein, dass Veranstalter nicht gerade unanstrengend sind. Deswegen finden wir es wahnsinnig schade. Wenn man bedenkt, dass dort jetzt ein Parkplatz ist, ist das natürlich aus kultureller Sicht eine ziemliche Katastrophe. (lacht)

Es wird also ein reines Konzert sein?
Der Lokpark ist etwas größer, da passen knapp 800 Leute rein. Wir sind ganz froh drum, viele Karten sind schon weg und wir gehen davon aus, dass es ausverkauft sein wird. Wir haben immer schon Konzerte zu unseren Jubiläen gespielt. Ohne allzu großes Brimborium. Natürlich ist es nochmal etwas anderes, wenn man zu Hause spielt und einen die Leute kennen. Aber wir wollen in erster Linie ein richtig tolles Konzert spielen.

Wie haben euch die 20 Jahre verändert?
Wenn man so lange zusammen ist, ist es ein bisschen so wie in einer Ehe oder bei einer Fußballmannschaft, die lange zusammen spielt. Man weiß gegenseitig um seine Stärken und Schwächen. Das ist gerade gut, wenn man live spielt. Es ist toll, wenn man etwas so lange zusammen macht, dass dann auch Dinge klappen, ohne dass man vorher groß darüber sprechen muss. Gerade in dieser Musik gibt es Freiräume – da sie vom Blues kommt, lebt sie von der Improvisation. Da ist es gut, wenn man sich kennt und weiß, was der andere macht. Wenn man im Tour-Bus unterwegs ist, sind auch irgendwann alle Geschichten erzählt und dann kann man auch mal schlafen. (lacht) Das war früher nicht so. Es ist ganz entspannt, wenn man sich vor und nach dem Konzert nicht beweisen muss, sondern der Fokus allein auf der Musik liegt.

Wie hat sich Braunschweig seitdem verändert?
Wie gesagt, was die Auftrittsmöglichkeiten unterhalb der Stadthalle aber oberhalb der Brunsviga angeht, fehlt einfach was. Auch der Lokpark kann wegen der Anwohner nur eine bestimmte Anzahl von Konzerten machen. Aber was Bands angeht, gibt es in Braunschweig total tolle Sachen. Es gibt eine wirklich gute und funktionierende Musik-Szene. Wobei, es ist inzwischen auch nicht mehr so, dass wir uns andauernd abends treffen. Ich habe drei Kinder, da teilt man seine Kräfte ein bisschen anders ein, was das Nachtleben angeht. Aber das ist schön, denn wenn der Fokus auf dem Konzert liegt, spielt man auch besser.

PK VoodooLounge c MartinHuch 04

Warum hört die Bandbiografie auf der Website 2012 auf?
(lacht) Irgendwann hat, glaube ich, keiner mehr Lust gehabt, das fortzuführen. Wir haben vieles erlebt, das da gar nicht drinsteht. Wir haben mit Tour-Musikern von den Stones zusammen gespielt. Das war der Hammer. Wenn die dann hinterher sagen, das war nett, ist das schon ein bisschen wie ein Ritterschlag. Wenn man außerdem etwas schon so lange zusammen macht, verwendet man eine Menge Energie darauf, es fortzuführen. Man ist dann auch beruflich anderweitig eingespannt. Oder mit Familie und Kindern. Deswegen ist die Bandbiografie wahrscheinlich eingeschlafen. Aber es passiert noch was. (lacht)

Auch SUBWAY feiert dieses Jahr ein Jubiläum. Was verbinden Sie mit dem Magazin?
Es war am Anfang das Magazin, in dem etwas über die Musikszene drinstand. Ab 18 bin ich zu Konzerten gegangen und wusste noch gar nicht, was da auf mich zukommt. Die Quelle war dann immer SUBWAY. Einige der Bands, die mit uns begonnen haben, gibt es inzwischen gar nicht mehr. Es ist schön, dass einige Leuchttürme auch nach dieser langen Zeit noch da sind.

 

Tickets für den 16. September im Lokpark (BS), 21 Uhr gibt es etwa bei der Konzertkasse oder bei uns im Gewinnspiel!

Text: Katharina Holzberger
Fotos: Klaus Manns, Martin Huch, Hartmut Springer

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