Wincent Weiss im Interview | Den sicheren Job im Restaurant hat er für seinen Plattenvertrag gekündigt – eine gute Entscheidung, wie sich jetzt herausstellt. Wincent Weiss ist gerade einer der Dauerbrenner in den deutschen Charts. Zwar ist er erst 24, musste seinen Führerschein aber schon zwei Mal abgeben. Zu unserem Interview hat es Wincent trotzdem geschafft und spricht über Groupies, seine Berliner WG mit Max Giesinger und Schwiegermütter.

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Wincent, du bist verhältnismäßig neu in der Szene und schnell berühmt geworden. Wie und wo hat deine Karriere eigentlich begonnen?
Ich würde sagen, das war als 2015 der Song „Unter meiner Haut“, mit Gestört aber GeiL groß wurde. Zu dem Zeitpunkt habe ich meinen Plattenvertrag bekommen und damit ging dann alles los.

Hattest du jemals einen anderen Job als Musiker?
Ich habe davor in einem Restaurant gearbeitet, das fing beim Kellern an und dann kamen noch eineinhalb Jahre als Filialleiter dazu. Gekündigt habe ich dann, als der Plattenvertrag kam. Ich bereue es auf keinen Fall, was Besseres hätte mir nicht passieren können. Das war schließlich der Traum, auf den ich hingearbeitet habe und als dann die Möglichkeit kam, habe ich alles stehen und liegen lassen. Das war bisher eine ganz gute Entscheidung. (lacht) Meine Familie steht da auch voll und ganz hinter mir. Am Anfang waren sie natürlich skeptisch, als ich nach Hause gekommen bin und erzählt habe, dass ich meinen Job gekündigt habe, weil ich jetzt Musik mache. Aber wenn sie mich mittlerweile im Radio hören, dann verstehen sie schon, dass es eindeutig weit mehr als ein Hobby ist.

Wir haben dort eher so nach dem Motto „Lass uns da übernachten und den Rest ausblenden“ gelebt.

Wincent Weiss

Wie hat dieses Musiker-Leben den Wincent Weiss, der vor vier Jahren bei DSDS angetreten ist, eigentlich verändert?
Seit meiner Zeit bei DSDS konnte ich bis jetzt auf jeden Fall sehr, sehr viel Bühnenerfahrung sammeln. Das war auch das, was damals gefehlt hat, weil ich nie vor Publikum gesungen habe und davor auch immer ganz große Angst hatte. Ich hatte Angst, vor Menschen zu singen und habe das dann deswegen auch nicht gemacht. Mittlerweile ist es aber das Schönste, was ich machen kann. Ich würde auch sagen, dass das die größte Veränderung ist, die ich bisher gemacht habe: Vom Schiss haben vor Auftritten bis zum „Ich kann es kaum abwarten, bis ich auf die Bühne kann“.

Jan Böhmermann hat in seiner Show Kritik an den neuen deutschen Pop-Poeten geübt, zu denen du ja mit deiner Musik auch zweifellos zählst. Wie sehr trifft dich so etwas?
Also, wenn du sagst, dass ich zu den neuen Pop-Poeten gehöre, dann finde ich das ganz gut. Für Jan Böhmermann gehörte ich bisher noch nicht dazu, denn ich wurde damals nicht persönlich von ihm benannt, aber klar, es trifft mich irgendwie auch, weil er die ganze Sparte angesprochen hat. Aber hey, es ist sein Job, Kritiker zu sein. Was er gesagt hat, das hätte man auch auf jedes andere Genre münzen können. Dass er sich nun gerade für den Deutsch-Pop entschieden hat, ist ein bisschen blöd für uns, aber jetzt haben wir von den ganzen Personen, die das Genre sonst nicht hören, auch nochmal die Aufmerksamkeit bekommen. Die Klicks waren auf jeden Fall auf unserer Seite! (lacht)

Mit Max Giesinger hast du mal zusammen in einer WG gewohnt – also verbindet euch nicht nur die Musik. Wie kam’s dazu und wie war das Zusammenleben? Wer war der, der immer überall alles hat liegen lassen?
Max hat damals noch in Hamburg gewohnt und ich in München. Ich habe zu der Zeit auch noch meinen Job im Restaurant gehabt und die ersten eigenen Songs geschrieben. Wir mussten ganz oft nach Berlin, weil dort die Plattenfirmen und Studios sind und anstatt uns jedes Mal ein Hotelzimmer zu nehmen, haben Max und ich uns da einfach eine Wohnung gemietet, wo seine Bandmitglieder und auch meine Leute schlafen konnten.

Hand aufs Herz: Wer war denn schmuddeliger?
Ach, da nimmt sich keiner was. Wir haben dort eher so nach dem Motto „Lass uns da übernachten und den Rest ausblenden“ gelebt.

„Musik sein“ ist ein echter Ohrwurm und weckt gleichzeitig Assoziationen an bestimmte Lebensereignisse, die man mit einem Song verbindet. Welche Lieder sind das bei dir?
Da gibt es ja, so wie der Song auch sein soll, für jede Situation was anderes. Bei mir war es der Song „Numb“ von Linkin Park. Für mich hat der eine große Bedeutung, denn das war das erste Lied, was ich vor Publikum gesungen habe, zusammen mit einem Freund, der mich dazu auf dem Klavier begleitet hat. Von daher könnte man sagen, dass „Numb“ der Startsong meiner Musikkarriere ist.

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 „Da müsste überall Musik sein, wo du bist“: An wen hast du beim Schreiben dieser Zeile gedacht?
Als wir in der Songwriting-Session saßen, ging es uns eher um das Thema „Musik allgemein“ als um eine bestimmte Person. Wir dachten da wirklich an alle und haben uns gefragt, ob jemand eigentlich keine Musik mag, und sind am Ende auf die klare Antwort „Nein“ gekommen, da jeder Musik hört. Und in jeder Situation, die man durchlebt, sollte im Kopf eigentlich eine Melodie durchlaufen – quasi wie eine Art Soundtrack.

Du hast überwiegend weibliche Fans und man könnte dich als „Schwiegermutter-Liebling“ bezeichnen. Wie gehst du mit Groupies um?
Ich habe letztens erst den Unterschied zwischen Groupies und Fans gelernt. Als ich letztes Mal im Interview saß und mich der Journalist gefragt hat, wie ich denn zu Groupies stehe, habe ich mit „Das finde ich ganz toll!“ geantwortet. (lacht) Jetzt habe ich gelernt, dass Groupies die sind, mit denen Prominente schlafen, also distanziere ich mich davon eher. Ich wusste das damals nicht, sondern dachte einfach, dass „Groupie“ ein anderes Wort für „Fan“ ist. Von daher habe ich noch nicht so viel Erfahrung mit Groupies gemacht, eher gesagt gar keine. (lacht) Aber mich freut es, wenn die Schwiegermütter mich gern als Schwiegersohn hätten, denn dann ist es ja ein Zeichen dafür, dass sie meine Musik auch hören. Ich erlebe es auch ganz oft, dass die Eltern mit den Kindern zum Konzert kommen und dann denkt man eigentlich, dass sie die Kinder vorne abstellen und selbst hinten stehen, aber so ist das meistens gar nicht, sie haben beide viel Spaß und kommen wieder zum Konzert und bringen beim nächsten Mal sogar noch Freunde mit. Ich finde es super, wenn die Erwachsenen meine Musik hören und verstehen und dementsprechend auch noch so tolle Kommentare dalassen. Aber nochmal zu den Groupies: Nein, den Unterschied habe ich jetzt verstanden, das möchte ich hier und heute noch einmal klarstellen. (lacht) Es war echt unangenehm, als ich darüber aufgeklärt wurde, was ich da eigentlich gesagt habe.

Apropos Fans und Komplimente: Welche Person hat dir das bisher schönste Kompliment zum neuen Album gemacht?
(überlegt) Oh Gott, da muss ich kurz nachdenken. Besonders sind vor allem die Komplimente aus der Branche. Natürlich weiß man nie, wie ernst man das nun nehmen kann, wenn ein anderer Musiker zu einem kommt und sagt, „Hey, super Platte“, da fragt man sich schon, ob das eher eine nette Aufmerksamkeit war oder nun purer Ernst. Alle Komplimente sind super, ich kann mich da an kein bestimmtes erinnern. Aber besonders toll ist es, wenn ich höre, dass Menschen meine Lieder zu ihren ganz persönlichen und intimen Ereignissen spielen, wie ja beispielsweise mit „Musik sein“ bei Hochzeitstänzen.

Du hast eine mächtig steile Karriere hingelegt. Wie kannst du da noch am Boden bleiben?
Ich war gestern noch bei meiner Mama und die hat mich gefragt, ob ich das überhaupt alles gerade checke, was da so abgeht und ich meinte, „Nö, eigentlich rauscht das gerade so an mir vorbei“. Wir haben einen Gig nach dem anderen und wenn man mich fragt, wo ich letzte Woche war, habe ich keine Ahnung. Da merkt man erst so richtig, wie sehr es alles gerade rennt. Ganz oft zur Familie gehen, zu den besten Freunden fahren – das alles erdet und holt einen wieder zurück, denke ich. Ich glaube, Abheben ist auch ein Stück weit Erziehungssache aus dem Elternhaus.

"Musik sein" – Wincent Weiss

"Feuerwerk" – Wincent Weiss

"Frische Luft" – Wincent Weiss

Interview: Lisa Matschinsky
Fotos: Sascha Wernicke / Vertigo Berlin, Alexander Kasemir

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