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Alligatoah

24. Januar / Swiss Life Hall (H)

Alles anschnallen im Reimkettenkarussell, die Alligatoah-Show beginnt.
Wir sprachen mit Lukas Strobel.
KF Alligatoah 18 9 credit Norman Z art
Vorhang auf für das rasant ironische Theater des Lukas Strobel. Nach seinem neuesten Release der „Schlaftabletten, Rotwein“-Reihe tourt das 29-jährige Blumenkind auch durch unsere Großregion. Zu Kredenzen hat der Zungenvirtuose wieder deep-verstörendes Kopfkino, neue Alltags-Terroristen und zusätzlich ein alligatoahrisch-intimes Cover-Mixtape. Wir sprachen über die beiden Alben, seine ersten Rap-Berührungen und wo er seine nächste musikalische Nische sucht.
Hey Lukas, wie bist du eigentlich auf deine Wut-Figuren gekommen?
Ich habe geguckt, was ist schon da und wo ist die Nische, die ich ausfüllen kann. Wo kann ich etwas so machen, wie es möglichst keiner vorher gemacht hat? Und die wütenden Figuren, die ich da spiele, sind ein wiederkehrendes Motiv, egal was, ob es ein Choleriker im Straßenverkehr ist oder ein echter Terrorist, alle haben die Gemeinsamkeit, dass sie wahnsinnig sind, sehr radikal und fanatisch. Solche Figuren interessieren mich, gerade weil sie so fern von meinem eigenen Wesen sind. Ich bin zum Beispiel das Gegenteil von einem cholerischen Autofahrer habe aber sehr viel Freude daran, diese Leute zu beobachten und zu persiflieren.

Welches Feedback gab es von der Hörerschaft?
Die schreibt unter meine Videos auf jeden Fall so was wie „Erster“. Vor allem schreiben die jetzt aber unter jedes neue Video: „Das ist aber nicht so gut wie das von ‚Alli-Alligatoah‘.“ Bei dem ist der Bildschirm komplett schwarz und ich überlasse den Rest der Fantasie des Zuschauers. Und jetzt finden es alle unfassbar lustig, unter jedes andere Video, wo ich mir sehr viel Mühe für die visuelle Umsetzung gebe, zu schreiben, dass es ja nicht so cool ist. Aber immerhin zeigt es, dass die Leute überhaupt etwas mit so einer schwarzen Wand anfangen können, das freut mich wiederum.
Wann spielst du anderen vor Release deine Songs vor?
Das ist bei mir ein sehr kleiner Kreis von Leuten und eher zufällig. Wenn jemand gerade bei mir zu Besuch ist und unbedingt was hören will, sage ich vielleicht doch irgendwann mal ja. Ich bin da eher schüchtern, gerade bei guten Freunden sind die Hemmungen größer, ihnen etwas von mir vorzuspielen. Dann bin ich tausendmal aufgeregter als vor 10 000 Fremden auf einer Bühne.

Hast du schon die nächste Nische im Blick?
Es wird zunehmend schwerer, weil ich begeisterter Musikhörer geworden bin, viel mehr wunderbare Musiker kenne und deswegen noch mehr weiß, was es alles schon für geile Sachen gibt. Das macht es viel schwieriger, dem noch etwas Geiles hinzuzufügen. Ich frage mich gerade stark, was ich eigentlich noch machen soll, ist doch alles da. Ich glaube trotzdem, dass ich irgendwann wieder eine Lücke für was Neues sehe. Nichts liegt mir ferner, als jetzt meine Alligatoah-artige Schiene entdeckt zu haben und beizubehalten bis ich 70 bin. Das würde mich selbst langweilen.

Was mit Reggae?
Das kann ich tatsächlich schon mal ausschließen. Eigentlich bin ich allen Musikrichtungen gegenüber aufgeschlossen. Reggae ist nun allerdings die einzige, gegen die ich so ein bisschen eine Allergie habe. In meinen Playlisten sind Songs aus aller Herren Genres, aber Reggae ist nicht dabei. Ich weiß nicht, woher das kommt, vielleicht weil ich nie ein Kiffer war.
KF Alligatoah 18 5 credit Norman Z art
Apropos vielfältiger Musikgeschmack: Was verbindest du denn mit Die 3. Generation?
Speziell mit dem Song „Leb!“ verbinde ich das Gitarrensolo, was ich sehr cool finde. Deswegen habe ich den gecovert. Aber eigentlich, dass ich als Kind immer heimlich ins Zimmer meiner großen Schwester geschlichen bin, um mir ihre CDs zu klauen und die zu hören, obwohl ich das gar nicht durfte. Und da war auch Die 3. Generation dabei. Irgendwie war es mit meine erste Rap-Berührung, auch wenn es dann noch sehr lange gedauert hat, bis ich mich richtig mit Rap auseinandersetzt habe.

Und Rammstein?
Das war eine der Bands, die ich später für mich entdeckt habe, die zu den ersten Musikrichtungen zählten, für die ich mich begeistern konnte. Das war diese Jugendphase, wo jeder die Musik findet, die ihn fürs Leben prägen wird, die man – egal, was man später noch hören wird – immer wieder begeistert rauskramen kann. Und das war bei mir eben diese Nu-Metal-Rock-Zeit der 2000er Jahre, wo auch Slipknot und System of the Down dazugehörten. Die ersten CDs, die ich von Rammstein in die Hände bekommen habe, haben mich sehr begeistert. Und was ich natürlich damit verbinde ist, wie ich da selbst in meinem Kinderzimmer stehe und mit ausgedruckten Tabulaturen aus dem Internet versuche, diese Songs auf meiner E-Gitarre nachzuspielen und dazu durchs Zimmer springe und abgehe.

In „StRw V“ steckt wieder sehr viel Textarbeit. Hatte es Einfluss auf dein Schreiben, zu wissen, die Fans interpretieren alles Zeile für Zeile?
Ich merke auf jeden Fall, dass ich länger brauche, akribischer werde und es mir schwerer fällt, meine eigene Messlatte zu halten. Meinen Anspruch an mich selber, immer am besten noch mal das letzte Projekt toppen und das letzte Album in den Schatten stellen zu wollen. Das wird natürlich immer schwieriger. Aber es zwingt mich auch, immer wieder in neue Richtungen zu denken, alte Muster zu überwerfen und zu gucken: Wie kann man einen Song noch schreiben oder strukturieren? Muss er immer aus Strophe, Refrain, Strophe, Refrain, Bridge, Refrain bestehen? So was passiert gerade bei mir, dass ich mich frage, wo man noch mehr Muster aufbrechen kann – eigene und die von dem, was man so im Radio hört.
Auf welchen Teil bist du besonders stolz?
„Die grüne Regenrinne“ ist etwas, was ich mir zu schreiben lange vorgenommen hatte, so eine Art Detektivgeschichte, was Größeres mit viel Text. Aber ich habe lange gewartet bis ich mich in der Lage dafür gefühlt habe, die richtige Sprache und die richtigen Metaphern dafür zu finden.

Hättest du Interesse, das auszuweiten und mal ein Buch oder Drehbuch zu schreiben?
Bestimmt. Ich glaube, dass es wichtig ist, auch mal was anderes zu schreiben als gereimte Raptexte, weil man einfach auch einen Tapetenwechsel braucht. Manchmal merke ich selbst, dass ich irgendwann in dem Zwang festgefahren bin, alles in Reimen sagen zu müssen und überall noch mehrsilbigere Reime einzubauen, sodass es mich bis in den Schlaf verfolgt – ist natürlich auch nicht gesund.

Was würdest du gern machen?
Ich kann mir gut vorstellen, mich demnächst mal wieder an ein Drehbuch zu setzen. Denn das ist ja nichts Neues für mich, ich habe in meiner Jugend, bevor ich Alligatoah ins Leben gerufen habe, schon Kurzfilme mit meiner Mini-DV-Kamera gedreht. Kleine Geschichten umgesetzt, die meistens davon handelten, dass ich mit einer Spielzeugpistole durch den Garten gelaufen bin – aber mit Drehbuch! Vielleicht knüpfe ich da mal wieder an.

In deinem ultimativen Selbstinterview nimmst du uns Presseleute ganz gut aufs Korn. Kann es sein, dass du zu oft dieselben Fragen beantworten musstest?
Ja das kommt schon vor, in der Tat. Aber es ist nicht so, dass damit irgendwer ein Problem hätte. Ich stelle da ja nicht nur fragwürdige Interviewfragen, sondern stelle auch mich und meine Geduld dar. Die Ruhe, mit der ich diesen Sachen begegne. Es ist tatsächlich so, ich bin da sehr geduldig und kann auch gut und gerne dieselbe Frage zehnmal am Tag beantworten.
Was würdest du gern mal gefragt werden?
(überlegt) Ich würde gerne mal über Tonleitern sprechen. Das ist etwas sehr Spezielles und Nerdiges, das die meisten Leser wahrscheinlich gar nicht interessiert, aber es ist die Freude des Musikers. So in der Art: Dieser Tonartwechsel in dem einen Song, an dieser einen Stelle, was ist das für ein Akkord und Intervall?

Hast du Vorsätze für 2019?
Ich werde wieder mal wandern gehen und anfangen, auf die Signale meines Körpers zu achten. Das verliert man nämlich schnell als Musiker, wenn man einfach nur im Studio sitzt, Hungergefühle und Schmerzen ignoriert und sagt, in zwei Jahren gehe ich mal zum Arzt.

Gibt es schon was, worauf du dich freust?
Natürlich den Auftritt in Hannover, klar. Dann aber auch so was wie ... (überlegt) ... einen guten Tag in einem Paddelboot.
Welches Bühnenbild hast du dir ausgedacht?
Ich habe für diese Show schon zwei Bühnenbilder angefertigt und das erste ist nicht akzeptiert worden. Manchmal ist es so, dass wenn ich was aufzeichne und das meinen Bühnenbildbauern zeige, die nur mit dem Kopf schütteln und sagen, das haut statisch nicht hin, das kriegen wir nicht aufgebaut. Es ist ja nicht wie im Theater, dass alles stehen bleiben kann, wenn es einmal aufgebaut ist. Wir müssen es einpacken und in Trucks laden können. Aber ich glaube mit der zweiten Variante kann man sich auf ein gigantisches Bühnenbild freuen, was es so auch noch nie gegeben hat und was vielleicht wieder eine Nische ausfüllt.

Mit deinem Kenia-Release-Konzert hast du schon was Krasses realisiert. Was würdest du mit absolut unbegrenztem Budget machen?
Stimmt, dass man am Album-Veröffentlichungstag dem Livestream bei YouTube beiwohnen konnte, war eine unglaublich spannende, aufwändige und teure Aktion. Sowas hatte ich in dem Maße noch nicht. Wenn allerdings Geld an Bäumen wachsen würde, dann würde ich wahrscheinlich nur noch in Kenia spielen oder auf der chinesischen Mauer oder im Himalaya. Und dann einfach alle Leute, die sich eine Karte kaufen wollen, auf meine Kosten mit ins Flugzeug setzen – aber besser in durch Ökostrom betriebe Flugzeuge.

Gibt es was, das du in Hannover sehen willst?
Was ich von einem guten Freund weiß: Dort steht irgendwo eine Statue und wenn man sich da trifft, dann trifft man sich lustig „unter’m Schwanz“. Das ist hängengeblieben. Ich werde da auf jeden Fall den Schwanz aufsuchen.

Ein für alle Mal – FAQ an Alligatoah

„StRw V“ – Mixtape oder ­Album?
Mittlerweile Album.
Was soll der Titel?
Meine Antwort auf „Carlo Cokxxx Nutten“.
Nennst du dich noch Kaliba 69 und DJ Deagle?
Ja klar, heimlich.
Was macht dich wütend? ­
Eigenes Unvermögen.
Lenkst du mit deiner Kritik nur von eigenen Fehlern ab?
Auf gar ­keinen Fall. Ich kritisiere sogar mich selbst stärker als die Gesellschaft.
Die Songauswahl auf ­„Fremde Zungen“?
Liebe.

Hast du wirklich alle Instrumente selbst gespielt?
Bis auf ein Schlagzeug auf dem Song „Hass“.
War ein Buttplug involviert?
Nicht in mir.
Private Enthüllungen?
Ich habe mal eine Lakritzschnecke geklaut.
Wie viel Dorfkind steckt noch in dir?
50 Prozent.

Interview Evelyn Waldt
Fotos Norman Z

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