Anzeige

Fettes Brot

18. Juli / Deichbrand Festival

(CUX-Seeflughafen)

Fettes Brot ist mit ihrem neuen Album „Lovestory“ auf großer Festivaltour –
Dokter Renz im Interview
KF 02 Pressebild Fettes Brot Lovestory CJens Herrndorff art
Dokter Renz, Rektor Donz, Speedy Konsalik – Martin Vandreier hat viele Namen. Zusammen mit seinen Bandkollegen König Boris und Björn Beton bildet er bereits seit 1992 eine waschechte Institution in Sachen Deutschrap. Fettes Brot schimpft sich das Ganze. Im Mai haben die Nordmänners ihr neuntes Album „Lovestory“ veröffentlicht und touren in diesem Sommer querbeet über diverse Festivalbühnen. Halt machen sie dabei auch beim Deichbrand im hohen Norden, Heimspielstimmung? Wir hatten den Dokter an der Strippe und haben mit ihm unter anderem über Selbstliebe, Backstage-Käsebrötchen und verzwickte schwedische Möbel geredet.
Warst du immer schon ein leidenschaftlicher Festivalgänger?
Als ich so ins Festivalalter gekommen bin, haben wir teilweise selber schon auf der Bühne gestanden. Die Zeit des reinen Zuschauens habe ich eigentlich nie so aktiv miterlebet. Ich habe aber häufig die Chance ergriffen, das Ganze noch nach unseren Auftritten aus der Beobachterperspektive mitzunehmen. Da bin ich dann mal mit meinem Schwager beim Hurricane noch da geblieben und hab mir die Red Hot Chilli Peppers gegeben. Solche Erlebnisse habe ich mir dann gegönnt, auch als ich schon aktiver Musiker war.

Also für dich damals dann keine Dosenravioli?
Nee, wir sind einfach Backstage gegangen und haben New Orders Kaiserbrötchen weggegessen. So sind wir nämlich drauf. (lacht)

Dann musstest du wohl auch nicht mehr in durchnässten Zelten schlafen?
Nee, wir haben dann im Auto gepennt. Mittlerweile geht der Trend ja auch dahin, sein Zelt hinterher komplett da zu lassen und nicht mehr mitzunehmen, das Zelt quasi wie eine große Mülltüte zu behandeln.
Das sieht dann immer schnell mal aus wie ’n rechtsfreier Raum, diese Zeltwiesen ...
Mich als Jurist triggern rechtsfreie Räume natürlich, da denke ich sofort drüber nach, wie man den schließen oder interessant neu besetzen kann. Aber in diesem Fall ist tatsächlich der Umweltbewusste in mir angesprochen, denn Festivalspaß hin oder her, aber seinen eigenen Müll mitnehmen? Das haben uns doch unsere Eltern schon nach’m ersten Kindergeburtstag beigebracht. Aber inzwischen gibt es ja überall auch grüne Konzepte, um diesen recht vehementen und besoffenen Eingriff in die Natur am umweltfreundlichsten über die Bühne zu bringen.

Was sind für dich drei unverzichtbare Gadgets, die man beim Campen dabei haben sollte?
Je älter ich werde, desto mehr achte ich auf meinen Schlafkomfort. Deswegen: Kissen. Nur noch auf Pullovern schlafen kriegt mein Nacken nicht mehr hin. Dann natürlich ’n Campingkocher, um sich morgens einen leckeren Espresso zu machen. Ich finde nämlich, wenn ein Tag mit einem leckeren Kaffee startet, ist alles andere zweitrangig. Und drittens: Ne Boombox, um Musik zu hören und die Nachbarn zu übertönen. Das ist ganz wichtig.
KF 01 Pressebild Fettes Brot Lovestory CJens Herrndorff art
Ihr steht beim Deichbrand auf der Bühne  ...
Das erste Festival in diesem Jahr, wo es mit eigener Band und ganz viel anderem abgefahrenen Zeug auf die Bühne gehen wird. Komplett neue Bühnenshow – wir können die Leute ja nicht mit 2018er-Quatsch langweilen.

Das Festival ist ja im hohen Norden, also ein Heimspiel für euch ... Habt ihr die Gummistiefel im Gepäck?
Das letzte Mal als wir auf dem Deichbrand gespielt haben hat es tatsächlich so sehr geregnet, dass wir gegen Ende die Ansage bekommen hatten, doch bitte ganz schnell die ­Bühne zu verlassen. Es drohte nämlich die Gefahr, dass wir, die Künstler, nass werden könnten. Das Publikum ist natürlich kein Problem, aber die Künstler?! Nee, ohne Witz, das war so ein Wolkenbruch, dass Gefahr bestand, Stromschläge auf der Bühne zu kriegen und wir mussten früher gehen. Ansonsten ist es beim Deichbrand immer großartig – egal ob’s regnet oder ob die Sonne scheint. Und natürlich macht’s im Norden immer viel Spaß, weil wir ja sowas wie eine norddeutsche Institution sind. (lacht) Nein im Ernst, man merkt, dass uns hier immer viel Liebe entgegenschwappt. Es ist ein Heimspiel, das sich auch so anfühlt.

Ärgert ihr euch, wenn das Publikum bei Festivals häufig nur die richtigen Hits kennt und gerade neuere Songs vielleicht nicht so feiert wie „Jein“ oder „An Tagen wie diesen“?
Ach, wir wissen doch selbst, wie es ist, auf einem Festival zu sein. Wenn ich die Killers auf der Bühne sehe, will ich natürlich auch „Mr. Brightside“ hören und bin sauer, wenn sie den dann nicht spielen. Ich bin selber so sehr Musikfan, dass ich keine Schwierigkeiten habe, mich in die Festivalbesucher hineinzuversetzen. Ich glaube, wir sind aber auch mittlerweile echt Meister darin, aus aktuellen und alten Songs ein ausgewogenes und tolles Set zusammenzubauen, das wirklich alle mitreißt. Bei uns geht keiner traurig nach Hause, das verspreche ich. Dafür stehe ich mit meinem Namen.

„Man merkt, dass uns hier immer viel Liebe entgegenschwappt“

Wer ist der beste Breakdancer bei euch?
Björn Beton. Er ist übrigens auch der beste Graffiti-Writer unter uns. Er hat die meisten Kurse belegt an der Hip-Hop-University. Dafür bin ich gut im Kunsttaxi-fahren. König Boris kann hingegen besonders gut La Paloma pfeifen. Wir haben alles dabei.

Ihr habt gerade erst im Mai euer neues Album „Lovestory“ released. Verarbeitet ihr eure eigenen Liebesgeschichten auf der Platte?
Ich denke schon, dass wir unsere eigenen Erfahrungen mit der Liebe einfließen lassen, wäre ja auch schön blöd, wenn wir dieses Potential ungenutzt ließen. Dennoch ist es wie immer eine Mischung aus Erfahrungen, die man selbst gemacht hat und Geschichten, die man so hört. Vieles ist aber auch ausgedacht, wir sind nämlich fantasiebegabte Menschenaffen.
Die erste Single trägt den Titel „Ich Liebe Mich“. Wie steht ihr zum Thema Selbstliebe?
Ich glaube, es ist ein lebenslanger Prozess, die Person, die man selber ist, lieben zu lernen. Manchen fällt es leichter, für andere ist es ein langer Weg. Ich muss sagen, für mich ist es auch durchaus ein steiniger Pfad. Da steckt natürlich eine ganze Menge innerer Frieden als Versprechen dahinter. Wenn man lernt, sich selbst mit all seinen Facetten und Fehlern zu akzeptieren und zu lieben, dann kann einem die Welt da draußen auch nicht mehr so viel anhaben. In dem Song geht es aber auch darum, dass die Gesellschaft bestimmte Forderungen zu haben scheint und dass man häufig versucht, bestimmten Idealen zu entsprechen. Es geht darum, eine gute Balance zu finden, zwar das Spiel irgendwie mitzuspielen, gleichzeitig aber auch auf die Meinung anderer zu dir zu scheißen; den inneren Kritiker einfach mal stummzustellen, der einem einredet, ungenügend zu sein. Diesem Optimierungswahn wollen wir mit dem Track etwas entgegensetzen.
KF 03 Pressebild Fettes Brot Lovestory CJens Herrndorff art
Geht euch der Hang zur Selbstdarstellung in den sozialen Medien zunehmend auf den Sack?
Es darf halt nicht Überhand nehmen. Wenn man zu sehr damit beschäftigt ist, über die Verwertbarkeit seines Lebens nachzudenken und jeden erlebten Moment dahingehend abcheckt, ob es ein geiler Post sein könnte oder ein tolles Foto, dann kann es sein, dass man genau das im Leben verpasst, was wirklich lebenswert ist. Ansonsten habe ich nichts dagegen, wenn Leute ein bisschen dokumentieren wollen, was bei ihnen so los ist. Das ist eine Form der Kommunikation, die ich als solche überhaupt nicht ablehne. Das ist wie Alkohol trinken: Es macht Spaß in Dosen und auch in Maßen, man muss nur aufpassen, dass es nicht zum Selbstzweck wird.

Generell Bier lieber in Dosen oder in Flaschen?
Finde ich beides gut. (lacht) Sogar im Glas und auch im Fass. Bier ist generell eine sehr, sehr schöne Erfindung von Gott.

Bist du gläubig?
Nicht besonders, nein. Besonders schöne Dinge – wie Bier – stelle ich dann aber doch dem lieben Gott auf die Schaffensliste. Ich komme meinem Gott entgegen und eurem auch, je nachdem welchen ihr gut findet.

Auf dem Album ist auch der Song mit dem knackigen Namen „IKEA“. Würdet ihr sagen, dass ihr gute KALLAX-Aufbauer seid?
Das klassische DJ-Regal heißt ja EXPEDIT und davon haben wir natürlich jeder eins im Wohnzimmer, weil da Platten perfekt reinpassen. Ansonsten sind die Talente unterschiedlich gut verteilt was sowas angeht. Ich scheitere zum Beispiel im Moment an meinem Kleiderschrank. Da ist die Tür rausgesprungen und ich krieg sie nicht mehr rein. An der Stelle würde ich mich übrigens über die Hilfe der Leserinnen und Leser sehr freuen. Wenn ihr einen Tipp habt, einmal bitte melden.

Was ist dein liebster norddeutscher Satz?
Ein Trinkvers von unserer langjährigen Freundin und Tourmanagerin Maggie: „Ik seh di. Dat freit mi. Ik sup di to. Dat do. Prost! Ik heb di tosapen. Hest´n Rechten drapen.“ Übersetzt heißt das: Ich sehe dich. Das freut mich. Ich trinke dir zu. Das tu. Prost! Ich habe dir zugetrunken. Hast den Richtigen getroffen.

Interview Simon Henke
Fotos Jens Herrndorff

User Rating: 0 / 5

SUBWAY Newsletter

 

Mit SUBWAY verpasst Du kein Event mehr in Braunschweig und der Region. Hol Dir unseren Newsletter!

Kontakt

SUBWAY – Eine Region, ein Magazin

#Redaktion

oeding magazin GmbH
Erzberg 45
38126 Braunschweig

Telefon: 0531-48015-134
Telefax: 0531-48015-79
E-Mail: info@subway.de

Durch Nutzung dieser Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies für Analysen, personalisierte Inhalte und Werbung zu. Weitere Informationen über Cookies finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.