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Die Indie-Rocker Madsen trotzen der Corona-Krise und bringen am 9. Oktober ihr überzeugendes Punk-Album „Na gut dann nicht“ raus.
KF Madsen2020 2 byDennisDirksen art
Für uns alle war das Jahr 2020 bisher irgendwie Murks – wie solls denn auch schon laufen ohne Urlaub, ohne Freunde, ohne Ausgehen und teilweise sogar ohne Arbeit? Da kann einem schon mal die Decke auf den Kopf fallen und die Motivation für alles verlassen. Insbesondere für Künstler und Musiker ist das Corona-Jahr eine echte Herausforderung, denn alle Konzerte sind abgesagt, Touren verschoben und ohne aufregende Erlebnisse und inspirierende Begegnung kommt auch keine Kreativität für neue Musik. Oder?
Bei Madsen sieht das ganz anders aus. Zwar konnte auch das eigentlich für den Sommer geplante neue Album nicht aufgenommen werden und sämtliche Termine sind geplatzt, aber die fünf Rocker aus dem Wendland denken sich einfach, was soll’s, dann eben nicht. Was bringt es, zu meckern, zu warten und Zeit zu verschwenden? Madsen haben mir nichts, dir nichts eine neue Platte geschrieben, sie selbst aufgenommen und frei Schnauze alles ausprobiert und gemacht, wofür sonst Mut und Zeit fehlen. Auf ihrem achten Studioalbum „Na gut dann nicht“ werden wir von ungewohnt scheppernden Drums und rotzigen Gitarrenriffs begrüßt und die Indie-Chartstürmer, die sonst eher poppigen Rock anstimmen, holen überraschend zum Punk-Schlag aus. Mit viel konfrontativer Gesellschaftskritik aber auch gehöriger Selbstironie erwecken sie den eingestaubten Musikstil aus dem Dornröschenschlaf.
Punk’s not dead
Denkt man an seine Jugend zurück, erinnert sich sicher jeder auch an eine Phase, in der man ausbrechen und rebellieren wollte und stets nach der Freiheit gesucht hat, alles rauszuschreien, was in einem brennt. Dazu eine zerrissene Hose und „Blitzkrieg Bop“ der Ramones auf den Ohren und schon ist alles ein klein bisschen besser. Gestärkt und motiviert von schnellen Riffs und Joeys eindringlichem „Hey ho, let’s go“ kann man sich einfach gegen alles auflehnen und vielleicht sogar die Welt verändern.
Heute ist man längst zu alt für bunte Haare und Sicherheitsnadeln im Ohr, die romantische Vorstellung von Rebellion schlummert oft aber noch tief im Inneren. So auch bei Madsen-Sänger und Gitarrist Sebastian: „Punk ist unsere Jugendliebe. Als Teenies waren Grunge, Punk und Hardcore voll unser Ding. Punk steckt auf jeden Fall in unseren Wurzeln. Auf unseren ersten Alben hört man das auch sehr deutlich, aber im Laufe der Jahre ist es mehr und mehr in den Hintergrund geraten“, erinnert er sich. Trotzdem traf Sebastian dieses Jahr plötzlich noch einmal der Punk-Blitz und so kaufte er sich kurzerhand das Debütalbum der Ramones. „Ich habe es gehört und bekam Gänsehaut am ganzen Körper. Ich hätte nicht gedacht, dass mich Punk noch mal so erwischt“, erzählt der Musiker ganz begeistert im Interview. Also hat er mit seinem Bruder Johannes an der Gitarre drauflosgespielt und aufgenommen. „Als ich die Demos den anderen geschickt habe, wollten sie sofort vorbeikommen“, berichtet Sebastian. Sogar Drummer Sascha, der in Wien lebt und den die Madsens seit über einem halben Jahr nicht gesehen haben, packte kurzerhand sein Hab und Gut zusammen, um im heimischen Clenze die Sau rauszulassen. Inspiriert von Bands wie Slime oder Daily Terror klatschen die Revoluzzer uns ihre Meinung kreischend und grölend, johlend und schimpfend auf die Schnauze. Die Wendländer sind zwar keine typischen Iro-Träger, tragen aber trotzdem den Punk im Blut. Wie im Rausch hat die Band innerhalb von nur zwei Wochen zwölf Lieder geschrieben und aufgenommen und so war „Na gut dann nicht“, das wohl höflichste Punkalbum aller Zeiten, das dennoch sämtliche Komma-Regeln ignoriert, geboren.
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Madsen, is it you?
Eigentlich stimmen die Indie-Rocker mit Hits wie „Lass die Musik an“ oder „Kompass“ eher poppigere Sounds an und bringen die Massen zum Tanzen und Feiern statt zum Pogen und Moshen. Jetzt werden wütend-satirische Lines wie „Die Menschheit ist die größte Plage, die es jemals gab. Wenn ihr wirklich helfen wollt, dann schaufelt uns ein Grab“ ins Mikrophon gebrüllt. „Das ist etwas, das ich an Punk immer mochte: Die respektvolle Respektlosigkeit. Pöbeln, aber es eigentlich lieb meinen“, erklärt Sebastian. Madsen waren noch nie so politisch wie auf der neuen Platte. Jetzt sagen sie klar und frei heraus, was sie so zornig macht – jedoch mit einer schönen Portion Punk-Humor. „Wir haben noch nie so viel gelacht wie dieses Mal und noch nie so gut als Kollektiv funktioniert“, freut sich der zweitälteste der drei singenden Madsen-Brüder.
Alte weiße Männer, der Klimawandel, Flüchtlingskrise, Corona – sämtliche relevanten Themen werden von Madsen am Sack gepackt: „Scheinbar hatte sich da einfach eine Menge angestaut, unterbewusst, das irgendwie raus musste.“ Und wie könnte man die aktuelle ungewohnte Zeit besser nutzen als sich neu zu erfinden, seinem Frust produktiv Luft zu machen und auf humorvolle Art zu rebellieren? „Diese Mischung aus Ironie, Ernsthaftigkeit, Spaß und Ungezügeltheit war es, die uns durch die Wochen getragen hat“, besinnt sich der singende Gitarrist. „Na gut dann nicht“ ist kein trashiges Wut-Album, das aus Leere und Langeweile entstand, sondern ein gelungenes DIY-Experiment, das auf eine einzigartig anständige Art schön auf die Kacke haut. Dennoch geht’s demnächst weiter mit dem nächsten „normalen“ Madsen-Album. Bis es aber soweit ist, genießen die Wendländer ihren Ausflug in die Punk-Welt in vollen Zügen. 
KF Madsen Lichtjahre coDennisDirksen art
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Text Louisa Ferch, Merle Scholz, Nadine Wenzlick
Fotos Dennis Dirksen

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