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Buddy Meyerholz

7. September / Kyongpaul /

Polyphon Festival / Westand (BS)

Loudog, Symbiz, Kyongpaul – Der Ex-Braunschweiger Musik-Tausendsassa Buddy Meyerholz widmet sein Leben der Erschließung immer neuer Live-Klangwelten.
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Musik ist mein Leben!“ – jeder drittklassige Dorfdisco-DJ behauptet das ja von sich. Doch so abgedroschen, wie das auch klingt, auf manche Musiknarren trifft es zu. So lässt sich ohne jedes Klischee behaupten, dass der in Braunschweig aufgewachsene Sebastian „Buddy“ Meyerholz seine Passion Musik zur Lebensaufgabe gemacht hat. „Ich habe erkannt, dass es für mich Sinn macht, nicht auf eine stabile Zukunft hinzuarbeiten, sondern den Luxus, Musik in Vollzeit machen zu können, als Teil des Ziels zu sehen. Die Chance, ein bürgerliches Leben dafür zu opfern, scheint mir dabei ein komplett vernünftiger Tausch“, verrät er im SUBWAY-Interview. Mutig, doch ebenso logisch, denn schon als Kind hat Buddy Geige gelernt, später Bass gespielt und als junger Erwachsener das Produzieren am Computer für sich erschlossen. Als Jugendlicher fing er an, in Schulbands zu spielen, ist am Wochenende in bierversifften Proberäumen versackt und hat im Sommer mit Dreadlocks, Wanderklampfe und Sportzigarette im Prinzenpark gejammt. Daraus haben sich immer schon Bandprojekte ergeben und irgendwann ist er schließlich als zweiter Frontsänger in die Braunschweiger Skapunk- und Rock’n’Roll-Sessionband Loudog gespült worden, die fortan seinen weiteren Lebensweg als Musiker entscheidend prägen sollte. „Loudog war quasi meine Bühnen-Schule“, erzählt er. „Die erste Band, mit der ich in andere Städte gefahren bin, Festivals gespielt habe und und und. Ohne Loudog wäre ich vielleicht Versicherungsvertreter geworden. Who knows.“ Mit dem Tourbus ging es durch ganz Deutschland, Konzerte für mal mehr und mal weniger Gage wurden gespielt, mal vor kleinem und mal großem Publikum. Über die Jahre supportete Loudog auch US-Szenegrößen wie The Slackers, Mad Caddies oder The Toasters. Buddy sammelte Erfahrungen und festigte seinen Weg.
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Professionalisierung
Aus all dem spaßigen, teils chaotischen, aber dabei auch immer überzeugten und leidenschaftlichen Getingel und Gedudel wurde irgendwann mehr. Schon seinem eigentlich eher theoretischen KuWi-Studium in Hildesheim hat er versucht, eine musikalische Färbung zu verleihen. „Streng genommen habe ich wohl das Falsche studiert“, muss er sich eingestehen, „allerdings gab es auch die Freiräume, viele Bands und Projekte zu realisieren. Mein Kalender war damals fast ausschließlich gefüllt mit musikbezogenem Zeug. Viel Zeit für Musik zu haben, die Räumlichkeiten der Uni nutzen zu können und Gleichgesinnte zu treffen – das alles hat mir viel gebracht.“
Als er 2009 für ein Praktikum nach Berlin ging, ist er wie so viele vor ihm gleich ganz dort geblieben. In der Kreativ-Metropole hat er mit seinem Bruder Chris, HBK-Absolvent und -Ex-Dozent, die Live-Kombo Symbiz formiert, die ihren fett pumpenden Dubstep-Sound fortan als „Kreuzberger Ghetto Bass“ und mit selbstgebauten Midi-Controllern in die Welt tragen sollte. In den kommenden Jahren gab es für Symbiz nicht nur viel Aufmerksamkeit und Props aus der Hip-Hop-, Bass-Musik- und DIY-Szene, sondern auch die Möglichkeit, weltweit jede Menge Konzerte spielen zu können. Die beiden Brüder und ihren Vocalisten-Freund Zhi MC trug es mit Sack und Pack durch ganz Europa, nach Venezuela, Indien, China, sogar nach Palästina und auf eine Tour durch Ost-Afrika. „Das Reisen war natürlich extrem wertvoll“, erinnert sich Buddy, „es gibt kaum etwas Besseres, als eingeladen zu werden, um Konzerte zu spielen. Man ist automatisch mit Einheimischen unterwegs, hat eine Aufgabe, im Gegensatz dazu, halt als Tourist unterwegs zu sein.“ Symbiz ließ den heute 36-Jährigen musikalisch reifen. „Wir haben die Sache zu unserem Beruf gemacht und uns Jahre lang nur darauf fokussiert. Die Band war für mich auch eine Weiterführung des Live-Performance-Stils, der bei Loudog entstanden war: Viel Energie, extrovertiert, Nonsens-Scheiße erzählen, dancen, schwitzen, Arme hoch und der ganze Quatsch.“

Als die Nebenprojekte seines Bruders Chris mit der Zeit immer größer wurden, kam für Symbiz die Kehrtwende. Chris, der ein Album für Denyo produzierte, später maßgeblich am Nummer-1-Album „Advanced Chemistry“ der Beginner mitwirkte und schließlich das Kult-Kollektiv KitschKrieg mit ins Leben rief, stieg aus. Um seinen Lebensunterhalt weiter zu bestreiten, fing Buddy an, immer häufiger als Komponist und Sounddesigner für die Werbebranche Geld dazuzuverdienen. Sich dabei seine Passion zu bewahren, blieb für ihn aber immer oberstes Gebot. „Ich muss mir das Ausleben meiner Leidenschaft leisten können. Finanziell und zeitlich. Wenn man prioritär Musik mit einer eigenen Band spielen will, erfordert das einiges an Logistik.“ Und da Loudog sich nach mehr als zehn Jahren Bandgeschichte schon eine Weile in alle Winde zerstreut hatten und die letzten Symbiz-Konzerte bevorstanden, musste ein neues Projekt her, das neben all dem Business zum Kühlschrankfüllen, die Kreativität und Neugier kickt.
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Fokussiert bleiben
Als er vor etwa zwei Jahren wie viele andere Zugezogene von der unaufhörlich brechenden Berliner Technowelle erfasst wurde, eröffnete sich für Buddy ein ganz neues Klanguniversum – neue Facetten und Dimensionen elektronischer Musik fanden den Weg in seine Produktionen und schließlich entstand daraus das Live-Electro-Duo Kyongpaul als eine Fusion der Spielarten, die sein musikalisches Schaffen immer bestimmt haben: analog und digital, akustisch und elektronisch. Zusammen mit seinem guten alten Musikerfreund aus Braunschweig-Zeiten, dem Drummer Hannes Dunker, bringt er deep-treibende Four-to-the-Floor-Sounds als Live-Session auf die Bühne. „Es geht um Improvisation. Es gibt keine fertigen Stücke, sondern eher Vorlagen“, erklärt Buddy. „Wir wissen also in etwa, wie es klingt, aber nicht, wie sie sich entwickelt. Das entscheidet sich spontan auf der Bühne.“ Beim Berichten über das Projekt vertieft er sich mit leuchtenden Augen in technische Erklärungen, beschreibt die Vorteile des Setups und benennt die Möglichkeiten des Projekts. Die tiefe Leidenschaft ist nicht zu übersehen.
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Im September beehrt Buddy seine alte Heimat Braunschweig, um am Ursprungsort seiner musikalischen Kreativität drei Konzerte zu spielen – mit allen seiner großen Bandprojekte. Live-Elektronik von Kyongpaul gibt es bei der großen Eröffnungsfeier des Westand, dem Polyphon-Festival Anfang September und die altbewährte Skapunk-Spaßkanone Loudog findet sich zum SummerVibes Festival wieder für einen exklusiven Gig zusammen. Bei diesem Event werden auch Symbiz spielen.

Mit dem Loudog-Konzert haben viele alte Fans wohl nicht gerechnet, ist die Band doch zwangsläufig schon längere Zeit auf stand-by. „Es ist schon ein kleines Wunder, dass wir noch Konzerte spielen, wo wir alle alte Säcke sind und zum Teil auf anderen Kontinenten leben. Die unendliche Energie dabei, die Freiheit und Flexibilität auf der Bühne, die alten Songs, die alle noch so gut kennen ... Und natürlich die Typen. Loudog ist einfach ein geiler Haufen – und vermutlich der Grund, warum mein Leben so ist, wie es ist. Das Fundament meines Musikerlebens quasi ...“

Text Benyamin Bahri
Fotos Sebastian Meyerholz

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