Anzeige

Forkupines Releaseshow

13. Februar 2021 / B58 (BS)
Support: Snareset und Chalk

Braunschweigs feinstes Alternative-Trio Forkupines
veröffentlicht im Oktober sein zweites Album „Islands“.
KF Forkupines Promo 2020 FulRes 3 c Andreas Rodemann art


Ein Release ohne Release-Show, ja danke Corona, wir haben es verstanden. Das zweite Album der Forkupines „Islands“ erscheint am 23. Oktober. Mit 1,5 Metern Abstand trafen wir Gitarrist und Sänger der Band Skotty und Bassist Jens in der Quasi-Herzkammer der alternativen Szene Braunschweigs, dem B58. Über die Entstehung des neuen Albums, eine neue Art Musik zu hören und warum Taylor Swift so super ist, hier im Interview.


Warum entscheidet ihr euch im Streaming Zeitalter für das langatmige Album-Format?
Jens Alben wirken in meiner Wahrnehmung relevanter. Das mag überromantisiert sein, aber das kleinere Format der EP hat irgendwie immer den Beigeschmack von: Für ein Album hat's nicht gereicht.
Skotty Ein Album bringt aufgrund seiner Länge die Möglichkeit, sich mehr auszuprobieren, Songs miteinander zu verbinden, kreative Wege einzuschlagen. Bei einer EP würde ich tendenziell eher gucken: Welche sind die für sich gesehen stärksten Songs, mit der besten Hook, welche sind am meisten catchy, egal ob die sehr gut zueinander passen oder nicht. Das heißt nicht, dass auf der anderen Seite ein Album viele Songs als Füller enthält, wenn ich aber den kreativen Prozess so angehe, bereite ich jetzt nicht genau zwölf Songs vor, sondern habe als Demos vielleicht 20 bis 25 Grundideen und wähle hinterher dann, welche Nummern in das Werk entsprechend thematisch reinpassen.
Ganze Alben durchzuhören ist doch aber anstrengend für den modernen Musikhörer ...
Skotty Aus Spotify-Sicht gesehen, machen Alben tatsächlich nicht mehr so viel Sinn. Das ist die Realität. Aber wir haben ja auch die Freiheit, Songs als Single auszukoppeln und vorab schon zu releasen.
Jens Das ist praktisch der Mittelweg, viele Singles zu haben, die Abstände zwischen den Releases klein zu halten und sich so einfach an die modernen Hörgewohnheiten anzupassen und trotzdem ein Album machen zu können.
Skotty Vor allem haben wir auch das Live-Spielen im Kopf und wie wir das Liverepertoire ausgestalten. Da kommen ja dann auf einen Schlag zwölf neue Songs dazu, in die du Zeit, Herzblut, Schweiß und auch Geld gesteckt hast. Da hast du natürlich richtig Bock, die live zu spielen. Gerade im Rap-Genre ist es mittlerweile ja üblich, kontinuierlich aufzunehmen und in sehr kurzen Zeitintervallen Singles zu releasen, die rutschen dann nach und nach in die Setlist. Das ist für uns nicht unbedingt erstrebenswert. Mit einem neuen Album bietet sich die Möglichkeit, ein neues Programm auszuarbeiten. Man wird einfach geil darauf, den Leuten etwas zu präsentieren und nicht zu sagen: Ey guckt mal, wir haben eine neue Single. Sondern kommt auf die Tour, wir haben ein neues Album für euch. Das kickt dich auch selber.

Ist „Islands“ ein Konzeptalbum?
Skotty Jein. Ich bin kein wahnsinnig guter Geschichtenerzähler, ich schreibe meistens aus meiner Perspektive, aus meiner Wahrnehmung heraus und über Dinge, die mich selbst beschäftigen. Dadurch gab es auch beim ersten Album schon einige Kernthemen, die in den Songs behandelt wurden, praktisch aus Versehen. Jetzt bei „Islands“ bin ich im Vorhinein die thematische Richtung, was die Lyrics angeht, sehr viel bewusster angegangen. Dadurch ist es schon deutlich konzeptiger als noch „Here, Away From“.
Hat sich der Schaffensprozess beim neuen Album verändert?
Jens Vom Entstehungsprozess gar nicht so viel. Es ist nach wie vor so, dass Skotty den meisten Output hat und wir uns dann an den Ideen abarbeiten. Was wir wussten war, dass wir noch mal eine Schippe drauflegen wollten, es eine Schiene professioneller machen und etwa das Schlagzeug separat in einem anderen Studio aufzunehmen. Es war jetzt nie viel Talk drumrum, aber irgendwann haben wir uns kurz abgestimmt: Arbeiten wir jetzt richtig dran? Gut, dann wird’s auch ein bisschen mehr gepusht und dann womöglich auch etwas teurer.
Skotty So ein halbes bis dreiviertel Jahr vorher haben wir uns darauf geeinigt, dass nun das Schreiben für ein neues Album losgeht. Bevor wir damals „Here, Away From“ gemacht haben, haben wir nicht unbedingt ein Album geplant. Wir hatten nur einfach viele fertige Songs rumliegen. Bis dann der Entschluss gefasst wurde, das zu recorden und dann damit auch auf Labelsuche zu gehen, stand von der Platte schon sehr viel mehr. Diesmal stand einfach früher fest, dass auf ein Album hinausgearbeitet wird.

Weichen in Genres zunehmend Grenzen auf?
Skotty Ich denke, die starrsten Grenzen schon ja. Manche Menschen brauchen einfach klare Zuordnungen und Schubladen, das wird sich nie ganz legen. Innovative Künstler wie eben Billie bringen Output bei denen klassische Genrebezeichnungen nicht mehr greifen. Wenn man sich Lil Peep anschaut oder das was Post Malone oder Machine Gun Kelly gerade machen wird das auch sehr deutlich. Bring Me The Horizon war eine Deathcore Band und veröffentlicht jetzt sehr poppige Produktionen mit stark elektronischen Elementen. Ich begrüße das total. Anstatt sich einzuschießen auf diesen einen Einfluss und die eigene Musik dann genauso daran auszurichten, finde ich es absolut logisch, dass es so viel mehr gibt an Musik, für die man sich begeistern kann und die einen prägt.
Jens Ich war früher auch sehr engstirnig und habe nicht viel für andere Musik übriggehabt als das, was ich halt so gehört habe. Aber ich habe dann einfach nach und nach eine Faszination ausgebildet für Sachen, die funktionieren. Ronnie Radke von Falling in Reverse zum Beispiel war einer der ersten, den ich wahrgenommen habe als jemanden, der sich aus so einem Metalcore-Bereich herausbewegt und Songs mit Rap-Elementen gemacht hat. Das war 2012 oder so und der Typ hat da noch richtig Hate für kassiert. Heutzutage ist sowas viel normaler und wird nicht mehr belächelt.
KF Forkupines Promo 2020 FulRes 2 c Andreas Rodemann art

Skotty, warum feierst du Taylor Swift?
Skotty Es ist nicht nur Taylor. Über die letzten Jahre steh ich einfach mehr und mehr auf gut produzierten Pop. Der Musiker in mir weiß ein hohes Level an Songwriting einfach zu schätzen und sieht den Aufwand hinter Produktionen. Wenn wir über Taylor Swift reden, ist es auch nicht so, dass ich sie als Person unbedingt abfeiere, aber bei allem was sie über die Jahre so veröffentlicht hat, ist konstant sehr hochwertiger Kram dabei und auch vergleichsweise diverse Sachen. Pop hat sich sehr gewandelt und ich denke, gerade Taylor Swift hat da Türen geöffnet für etwa eine Billie Eilish.

Bist du auch Billie-Eilish-Fan?
Skotty Ja, mega. Find ich sau gut. Auch ihr Bruder, der die Musik produziert. Das ist wahnsinnig gutes Songwriting. Unglaublich gute Produktion und auch total wegweisend, weil es ein ganz anderer Sound war, als die ersten Sachen rauskamen. Es klang nicht wie gewohnter Pop. Das wird weiterhin eine Menge beeinflussen, denke ich, auch weil sie sich Wege zunutze gemacht hat, die eigentlich eher im Hip-Hop und Rap angesagt waren. Sie hat vor ihrem Mainstreamerfolg schon eine große Fanbase über SoundCloud und YouTube aufgebaut.

Weichen die Genre-Grenzen zunehmend auf?
Skotty Ich denke, die starrsten Grenzen schon. Manche Menschen brauchen einfach klare Zuordnungen und Schubladen, das wird sich nie ganz ­legen. Innovative Künstler wie eben Billie bringen Output, bei denen klassische Genrebezeichnungen nicht mehr greifen. Wenn man sich Lil Peep anschaut oder das, was Post Malone oder Machine Gun Kelly gerade machen, wird das auch sehr deutlich. Bring Me The Horizon war eine Deathcore Band und veröffentlicht jetzt sehr poppige Produktionen mit stark elektronischen Elementen. Ich begrüße das total. Anstatt sich einzuschießen auf diesen einen Einfluss und die eigene Musik dann genauso daran auszurichten, finde ich es absolut logisch, dass es so viel mehr gibt an Musik, für die man sich begeistern kann und die einen dann auch prägt.
Ihr habt schon gut aufgetischt für „Islands“. Die Drums wurden in den Toolhouse Studios (Silbermond, Fjørt, Heisskalt) aufgenommen. Das Mixing und Mastering hat Jay Maas, Gründungsmitglied der Defeater, übernommen, der schon mit Szenegrößen wie Title Fight, Counterparts und The Story so Far zusammenarbeitete. Ihr habt viel investiert, muss das Album jetzt was reißen?
Jens In der letzten Zeit habe ich diese Frage öfter mal gestellt bekommen. Eigentlich liegt darin voll das schöne Kompliment. Denn wenn durch das, was wir produziert haben, der Eindruck entsteht, dass man damit berühmt werden könnte, dann gibt uns das schon eine gewisse Bestätigung. Durch eine gute Studioproduktion wollen wir natürlich auch die Leute dazu bringen, sich das ganze live ansehen zu wollen.
Skotty Natürlich hofft man auch darauf, dass man mit einem neuen Album viele Leute erreicht. Aber wir haben jetzt nicht im Kopf, damit auf einmal berühmt zu werden oder Geld zu verdienen. Aus rein wirtschaftlicher Sicht ist eine Band sowieso eine ziemlich miese Idee. (lacht)
Würdet ihr Live mal etwas vom Band holen?
Skotty Die Überlegung steht tatsächlich im Raum. Auf dem neuen Album sind einige Ambient-Sounds und Synthesizer, die wir so halt nicht abrufen könnten. Wenn diese Sachen Live fehlen würden, wäre es auch sicher kein Beinbruch, aber wenn sie mit über die PA laufen, ist es halt vielleicht noch ein Stückchen geiler.
Jens Eine Gitarre würden wir nie übers Band ersetzen, aber sonst. Hier haben sich für mich auch wieder Grenzen aufgeweicht. Früher hätten wir uns aus puristischen Gründen sicher noch mehr dagegen gewehrt etwas vom Band abspielen zu lassen. Und vor dem Album hätte ich auch nicht gedacht, dass wir mit diesen digitalen Sounds so viel herumexperimentieren. Es ist ein neuer Schritt aber es fühlt sich natürlich an. Ich kann damit sehr gut leben.
Bitte aktivieren Sie Marketing Cookies, um das Video zu sehen.

Interview Simon Henke
Fotos Andreas Rodemann

User Rating: 5 / 5

SUBWAY Newsletter

 

Mit SUBWAY verpasst Du kein Event mehr in Braunschweig und der Region. Hol Dir unseren Newsletter!

Kontakt

SUBWAY – Eine Region, ein Magazin

#Redaktion

oeding magazin GmbH
Erzberg 45
38126 Braunschweig

Telefon: 0531-48015-134
Telefax: 0531-48015-79
E-Mail: info@subway.de