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DJ Stylewarz + Tim Starr
 
 
2. März / Eulenglück (BS)

 
Social-Media, iPhone und Cloud-Rap: Hip-Hop-Urgestein DJ Stylewarz hat Redebedarf.
Zur Party-Reihe „Iz Back“ holt ihn die Braunschweiger Event- und Medienagentur Point 54 am 2. März ins Eulenglück.
Seit den frühen 90ern hat er die deutsche Hip-Hop-Szene prägend mitgestaltet, Platten veröffentlicht und für nahezu alle Stars der „Alten Schule“ aufgelegt und produziert. Braunschweig ist dabei schon früh Teil seines musikalischen Wirkungskreises gewesen. DJ Stylewarz ist ein alter Hase im Hip-Hop-Geschäft – auch wenn er das nicht so gerne hört.
Zum Thema „Einheitssound“: Wie stehst du denn als alter Hase zur aktuellen deutschsprachigen Trap- und Cloud-Rap-Welle, auf der die junge Generation gerade reitet?
Mein Ding ist es nicht. Ich will das auch gar nicht bewerten. Und mir vor allem nicht die Stiefel der „alten Generation“ anziehen und behaupten: „Das ist kein Hip-Hop“. Das hat man uns damals auch gesagt. Derjenige will ich nicht sein.

„Einheitlicher Sound“ und „Rezept“ sind da ja eigentlich sehr deutlich erkennbar, oder?
Ey, total. Ich glaube, das ist so ein gesellschaftliches Ding. Wenn du dir die Kids heute anguckst, die sind eigentlich derbe spießig. Da spielt auch das Internet eine riesen Rolle. Keiner will gemobbt werden für „anders sein“. Wenn du anders bist, musst du dich gerade machen, weil sie dich angreifen, wenn du nicht bist wie sie. Es fehlt der Mut. Keiner will mehr unangenehm auffallen. Das spiegelt sich halt auch im Cloud-Rap wieder. Das ist angesagt und das macht man. So biete ich am wenigsten Angriffsfläche. Es gibt ja auch keine verschiendenen Szenen mehr, wenn du heute auf einen Schulhof gehst. In der einen Ecke die Heavy-Metal-Dudes, in der anderen die Punks, da die Hip-Hopper ... Die klare Trennung, die wir damals hatten – ich hasse es, das zu sagen: „Das, was wir damals hatten“ – gibt es heute nicht mehr. Heute will jeder einen Yeezy und das neue iPhone haben. Und das spiegelt sich auch einfach im Sound wider. Kann man mögen oder nicht.

Hype kann jeder. IM hypE ist alles einfach. Das hat keinen Wert

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Wenn man das als Entwicklung von Hip-Hop, als einen modernen Zweig betrachtet, hat es doch jedenfalls seine Berechtigung …
Hip-Hop ist für mich ein Live-Ding. Wenn man Hip-Hop sprechen will und das hart in den klassischen Hip-Hop-Kontext mit einbeziehen will, dann muss ich aus dieser Sicht sagen, dass das live – und das sag ich dir ganz ungefiltert – scheiße ist. Wenn ich das als traditioneller Hip-Hop-Typ bewerten will, dann muss ich sagen, dass das für mich live nicht existiert. Wenn du live nicht performen kannst, bist du für mich wack, egal wie deine Platte ist. Ganz einfache Regel.

Nochmal zu „das, was wir damals hatten“: Da fallen mir sofort Torch und Toni-L mit „Wir waren mal Stars“ ein – inzwischen 18 Jahre her. Findest du dich da heute drin wieder?
Ich finde das heute immer noch extrem lustig. Freddy sagt diesen Satz: „Ihr habt jetzt den Stress und wir den Spaß“. Jeder kann heute bei Instagram damit rumprahlen, dass er bei Rock am Ring gespielt hat, dass er da und da ist, das und das macht. Ich kann mich ganz entspannt zurücklehnen und sagen: Ey, hab ich alles gemacht, alles gesehen. Mit dem Unterschied, dass es kein Social Media gab. Das heißt, ich konnte es viel mehr genießen, weil ich nicht diesen Druck hatte, es der gesamten Welt mitteilen zu müssen. Wie stressig muss das für die Kids sein.
Verblassen deine Erinnerungen nicht, während die Kids den Vorteil genießen, alles auf Video zu haben?
Momente, die ich erlebt habe, an die ich mich erinnere und die gut waren, kann mir keiner nehmen. Die habe ich. Und natürlich gibt es auch Momente, die muss ich nicht teilen. Vielleicht möchte ich die auch gar nicht teilen. Wir waren ohne Social Media viel anwesender, viel mehr im Hier und Jetzt. Wir konnten alles viel intensiver genießen. Ich war da! Und: Vielleicht sind wir der Grund, warum DIE heute da sind. Weil wir uns gut benommen haben, weil wir derbe gerockt und abgeliefert haben. Ich frage mich, ob die kommende Generation das auch noch können wird. Ich hoffe es für sie. Ich habe heute auf jeden Fall meinen Spaß.

Was macht dir denn mehr Spaß: Produzieren oder Auflegen?
Auflegen. Da komm ich her und das wird auch immer so sein. Ich produziere seit Tag eins. Aber in erster Linie bin ich immer DJ. Scratchen ist mein Instrument.

Als DJ steht man ja immer in der zweiten Reihe hinter Rapper, Frontmann oder Band. War das für dich jemals ein Problem?
Ich habe das eigentlich gar nicht so sehr so empfunden. Es kommt ja auf den DJ an, wie charismatisch er ist oder was er mit einbringt. Es gibt DJs, die sind präsenter, andere weniger. Das spielt eine große Rolle. Es kommt auch auf die Konstellation an, auf die Wertschätzung von den Leuten, mit denen du zusammenarbeitest. Da hatte ich nie das Gefühl, in der zweiten Reihe zu stehen.
Und aus Fan-Perspektive? Ferris oder Eißfeldt wurden vielleicht im Supermarkt öfter angesprochen als du …
Klar, der Fokus liegt auf dem Frontmann. Aber es kommt darauf an, wie cool der DJ kommuniziert und wie gesund präsentiert wird. Die Beginner machen das super. Da ist DJ Mad mittendrin. Der ist live die Schaltzentrale. Und Ferris ist einfach ein krasser Typ. Da war ich manchmal ganz froh, dass ich hinten war und nicht vorne. (lacht)

Du hast ja als DJ, wie auch Mad, eine starke öffentliche Wahrnehmung erreicht …
Die Leute haben halt gecheckt, dass uns was an dem liegt, was wir machen. Uns ist die Sache wichtig und das kommunizieren wir auch auf allen Ebenen. Dazu gehört harte Arbeit. Ich stehe immer noch jeden Tag an den Plattenspielern und übe. Das können viele gar nicht glauben. Ja, ich übe noch, weil ich einfach Bock drauf habe. Harte Arbeit macht sich irgendwann bezahlt. Was meinst du, wie viele DJs gekommen und gegangen sind. Viele haben zeitweise einen riesen Hype. Mir ging es eher um den langen Atem, darum beständig da zu sein. Hype kann jeder. Die Dudes, die jetzt ihren Hype haben, die haben noch nicht das Loch erlebt, das folgt – wenn das Telefon plötzlich leise ist. Im Hype ist alles einfach. Das hat keinen Wert.

Jeder kann heute DJ sein. Djing ist für mich das neue Ed Hardy

KF STYLEWARZ Art

Was wirst du in Braunschweig auflegen? Womit versuchst du die Leute zu catchen?
Ich setze mir beim Auflegen keine Grenzen. Die Musik, die wir machen, hat ja irgendwo auch ihren Ursprung. Modernes Zeug, klassischer Hip-Hop-Sound, Dub-Geschichten, alles Mögliche. Das kommt immer auf die Leute an, die da sind. Am schönsten ist es, wenn die Leute sich darauf einlassen und Bock haben. Das ist dann auch eine gute Feier, auf der man aus dem vermeintlichen Gerüst, in das Leute einen immer stecken wollen, ausbrechen kann. In Braunschweig hat das bisher immer ganz gut geklappt. Ich glaube, Braunschweig ist eine relativ offene Stadt. Es gibt eine Drum-and-Bass-Szene in Braunschweig, die gar nicht mal so schlecht ist, es gibt die Hip-Hop-Szene und es gibt viele Leute, die einfach Bock auf guten Sound haben. Wenn du so eine Mischung hast, geht alles gut. Als ich das letzte Mal da war, im Pantone, war es ein richtig geiler Abend. Es hat mir derbe Spaß gemacht. Man hat selten Clubs, wo man rausgeht und sagt: Ey, hier will ich wieder herkommen.

Was ist dabei der Unterschied zwischen einer Großstadt wie Hamburg und einer kleineren Stadt wie Braunschweig?
Prinzipiell ist es cooler, in kleineren Städten zu spielen. Die Erfahrung hab ich über die Jahre gemacht. Die Leute in Großstädten sind satt, manchmal auch ein bißchen selbstverliebt und glauben, sie sitzen am Nabel der Zeit. In kleineren Städten kümmern sie sich mehr um Musik und checken mehr, einfach weil sie nicht ständig selbstverständlich präsent ist. Das merkt man. Ich mag Hamburg und möchte in keiner anderen Stadt leben, aber musikalisch, clubmäßig ist die Stadt tot. Alle spielen denselben Scheiß. Am Ende des Tages ist es manchmal schlimmer als in der Black-Ecke einer Großraum-Disko. Tut mir leid, dass ich das sagen muss, aber manche Clubs in Großstädten sind eine Katastrophe. Die Leute verlieren den Fokus. Es geht dann mehr um „Sehen und Gesehen werden“ als um einen geilen Abend. In Zeiten von Social Media, iPhone und so weiter ist natürlich jeder ein Superstar. Alles ist einfach zugänglich und dadurch nichts mehr besonders. Es gibt keine natürliche Selektion mehr. Jeder kann irgendwie alles. Jeder mit einem guten Smartphone ist ein Fotograf, jeder ist alles und besonders gut darin. Jeder kann heute auch DJ sein. DJing ist für mich das neue Ed Hardy.

Text: Benyamin Bahri
Fotos: Privat

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