Interview mit Beatsteaks-Bassist Torsten Scholz | Was macht das Yak auf dem Feld? Wie ist das neue Album „Yours“ entstanden und wer außer den Beatsteaks ist noch darauf zu hören? Diese und andere Fragen beantwortete uns Bassist Torsten und schwärmte nebenbei von seinem Braunschweiger Bass. Was ihn sonst noch mit der Löwenstadt verbindet, liest du hier.

Hallo Torsten, wie war dein Urlaub?
Ich war eine Woche lang mit meiner Tochter auf Ibiza. Aber jetzt ist schon wieder so viel Irrsinn, dass ich den fast schon wieder vergessen habe. (lacht)

Singt ihr nicht auch in „40 Degrees“ von Ibiza?
Genau, ich habe aber im Gegensatz zum Lied nur drei Bier getrunken und war ganz brav. Wir sind ans Mittelmeer gefahren, weil meine Tochter gesagt hat, dass sie nicht immer nur in den Garten oder mit dem Wohnmobil an die Ostsee will, sondern mal was von der Welt sehen möchte.

Euer neues Album „Yours“ erscheint Anfang September. Erkläre doch bitte mal euer Albumcover – da steht ein Yak auf einer Wiese in Tibet.

Eigentlich ist es ein ganz dummer Zufall. Wir haben uns vor einem Dreivierteljahr mit der Plattenfirma getroffen, ein paar Sachen vorgespielt und wussten schon, dass das Album „Yours“ heißen soll. Kevin, der Produktmanager von Warner, hat mir aus Spaß ein Foto von dem Yak mit der Aufschrift „Beatsteaks – Yours“ geschickt. Das fanden alle ganz geil, auch am nächsten Tag noch. Dann haben wir es einfach als Cover genommen. Das ist die ganze Geschichte. Eigentlich total profan und nicht besonders spannend. (lacht)

Warum der Titel?
Wir hatten schon seit anderthalb Jahren diesen Mixtape-Gedanken, weil wir viele verschiedene Produzenten hatten und auch diverse Herangehensweisen und Lieder. Wir haben erst mal gesammelt und dann irgendwann festgestellt, dass es sich ein bisschen wie ein Mixtape anfühlt, also eines, das man früher auf Kassette oder CD für Freunde gemacht hat, mit seinen Lieblingsliedern. Es gibt auch einen Song, der so heißt. „Yours“ fanden wir toll für jemanden, der sich die CD kauft. Heutzutage sind das ja vielleicht gar nicht mehr so viele. Es ist dann sein Album.

Beatsteaks Gangbild Gross PaulGaertner 9 von 24 Beitrag4

Herz + Blitz = BS: Das Bandmotto der Beatsteaks

Hat der Mixtape-Gedanke auch etwas mit den vielen Gastbeiträgen zu tun?
Im weitesten Sinne schon. Wir haben irgendwann angefangen, Leute zu fragen, auf die wir Bock haben. Nach und nach haben sich einige Namen angesammelt und wir haben mitbekommen, dass wir bei über 20 Songs landen. Das Album fühlt sich ein bisschen wie ein Best-of unserer Lieblingslieder an. Ohne die Gäste wäre es nicht so ein langes Album geworden und auch nicht so konsequent bunt.

Farin Urlaub ist beim Lied „ABBADU“ dabei, Peter Fox hat „Filthy Crime“ produziert und spielt Keyboard, Deichkind sind bei „L auf der Stirn“ zu hören. Wie kam die Zusammenarbeit zustande?
Wir sind auf die Künstler zugegangen. Das klingt jetzt vielleicht esoterisch, aber am Ende lief es fast wie vorherbestimmt. Bei „Hate to Love“ haben wir an The Clash gedacht und an England. Dann ist uns Jamie T. eingefallen, mit dem wir vor ein paar Jahren mal auf Tour waren. Farin Urlaub hatten wir auf dem Schirm, weil er mal bei uns war, um sich ein paar Demos anzuhören. Arnim hat dann einen deutschen Text angeschleppt und uns gefragt, was wir von einem Song mit Farin halten. Philipp von Deichkind saß auch irgendwann bei uns im Proberaum und wir haben ihm was vorgespielt. Bei einem Lied sind wir nicht weitergekommen und er meinte, dann machen wir doch einfach einen Song übers Scheitern. Thomas ist ein großer Stereo-Total-Fan und wir wussten, dass Brezel Göring noch mit Kassettendecks aufnimmt und produziert. Als Françoise Cactus auch dabei war, haben wir überlegt, mit „Vélosolex“ ein französisches Chanson zu machen. So hat sich nach und nach alles ergeben.

Ihr habt mit „I Do“, „40 Degrees“, „Hate to Love“ und „Sucker Punch“ schon einige Singles veröffentlicht. Ist es euch trotzdem schwergefallen, mit den restlichen neuen Songs noch hinterm Berg zu halten?
Das war tatsächlich überhaupt kein Problem, weil die anderen Songs zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Singles noch gar nicht fertig waren. In der Diskussion war immer relativ schnell klar, was als nächstes kommt. Die ersten vier waren deswegen wichtig, weil das Album relativ lang ist. Bei den vier Singles, die wir rausgegeben haben, war es uns wichtig, einen guten Querschnitt zu haben. So bekommen die Fans einen Überblick. Die nächsten Monate haben wir auch schon geplant und es fühlt sich alles ganz gut an.

Einige der Facebook-Kommentare haben angedeutet, dass ihr nicht mehr punkig genug seid, was sagst du dazu und wie siehst du selbst eure Entwicklung?
Ich bin ja erst seit 18, 19 Jahren in der Band, aber das fing schon beim zweiten Album an. Ich glaube, wenn eine Band ihr achtes Album macht und darauf immer noch so klingen würde wie beim ersten, damit man noch punkig ist, würde es die Band entweder nicht mehr geben oder es wäre halt eine Hobby-Band, die man aus Spaß macht. Für mich hat Punk auch nicht nur etwas mit dem Sound oder der Geschwindigkeit zu tun, deswegen verstehe ich diese Kritik nicht wirklich. So richtig konstruktiv klingt das für mich nicht. Eine reine Punkrock-Band waren wir auch nie. Songs wie „Disconnected“ auf dem dritten Album, „I Don’t Care“ oder „Automatic“ und viele andere haben auch alle nichts mit Punk nach dem klassischen Schubladendenken zu tun. Dadurch, dass auf „Yours“ so viele Lieder sind und mit „Sucker Punch“ auch ein Punkrock-Song, ist fast für jeden etwas dabei. Wer alle vier scheiße findet, ist dann wahrscheinlich auch kein Beatsteaks-Fan. Dem ist dann nicht zu helfen und uns auch nicht.

Beatsteaks Foto TimmyHargesheimer Beitrag1
Beatsteaks2017 MG 3463 Ute Langkafel MAIFOTO Beitrag2

Ihr habt inzwischen auch einen Podcast, der unter anderem auf Spotify verfügbar ist. Was hältst du als Musiker generell von Streamingdiensten?
Ich bin noch jemand, der sich Schallplatten kauft, mal eine CD bestellt oder maximal ein paar Songs zum Auflegen kauft. Streaming an sich nutze ich eher nicht. Aber ich höre da auf mein Management, das sagt, Streaming ist die Zukunft. Leute, die bei einem Abo zehn Euro im Monat bezahlen, geben im Jahr 120 Euro aus. Das ist vermutlich mehr, als die meisten Leute für CDs bezahlen. Also ist das erst mal eine starke Sache. Wenn dann noch die Abrechnung transparent ist und alle gerecht entlohnt werden, ist das fein.

Hast du deinen sandberg-Bass noch?
Ja, von der Firma sandberg aus Braunschweig. SUBWAY kenne ich auch. Zu Braunschweig habe ich eine sehr innige Beziehung. Ich besitze ausschließlich sandberg-Bässe, mittlerweile ungefähr zehn Stück. Der Gründer Holger ist ein sehr guter Freund von mir. Sandberg ist weltweit eine der besten Buden für Instrumente, ich kenne die schon von Anfang an. Es gibt mittlerweile einen Signature-Bass von mir, den TSBS. Zwei unserer Backliner sind Braunschweiger – Hendrik und Antek, der mal bei Such A Surge gespielt hat, einer großen Braunschweiger Crossover-Legende. Den California-Bass gab es schon ganz lange, ich kannte ihn also und fand ihn gut, habe aber rumgemosert und hatte einige Veränderungsvorschläge. Holger hat ihn daraufhin ein bisschen modifiziert und gefragt, ob wir nicht ein Signature-Modell machen wollen. Dazu hatte ich natürlich Lust, das hat mich stolz gemacht.

Du hast sogar beim Bau selbst mitgeholfen. Was hast du genau beigetragen und wie war die Erfahrung für dich?
Naja, ich durfte ein paar Ecken reinhauen, aber wenn ich ehrlich bin, habe ich nicht wirklich etwas dran gemacht, außer so zu tun, als ob ich ihn zusammenbaue. (lacht) Dafür muss man schon Profi sein. Das sind ja alles Leute vom Fach. Selbst das Kaputtmachen ist nicht so einfach. Der Prozess heißt ageing, das bedeutet, der Bass wirkt alt. Damit das auch gut aussieht, habe ich ein paar Tipps bekommen. Wenn man die nicht beachtet, kann es leicht peinlich werden und scheiße aussehen. Bei sandberg geben sie sich richtig Mühe. Die Farbe, das Aussehen des Halses und die Inlays habe ich mir selbst ausgesucht und zusammengestellt. Dann wurde geschabt und verbrannt, aber dafür habe ich den Kennern Freiraum gelassen.

Was verbindest du sonst noch mit Braunschweig?
Ganz viel. Man sagt immer, dass so viele Schwaben in Berlin leben, ich glaube aber, dass es mehr Braunschweiger sind. Das ist auch in meinem engen Freundeskreis repräsentiert. Ich war oft in der Stadt unterwegs: im Jolly Joker, in der Haifischbar, im Brain … das finde ich alles ganz toll. Mit der Fußballmannschaft habe ich nicht so viel am Hut, die sind mir aber sympathischer als Hannover. Als Kind war ich mit meinem Opa oft in Leipzig, die haben auch blau-gelbe Trikots und einen Löwen im Wappen, deswegen fällt es mir leicht.

"L auf der Stirn" (feat. Deichkind) – Beatsteaks

"Ticket" – Beatsteaks

"Gentlemen Of The Year" – Beatsteaks

Interview: Katharina Holzberger
Fotos: PaulGaertner, Dennis Fischer

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