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Ida Gard im Interview

Sie kommt aus Dänemark und ist genauso sophisticated wie witzig. Auf ihrer „Womb“-Tour besucht Ida Gard auch Braunschweig. Das erste Konzert war ratzfatz ausverkauft, schnell wurde ein zweiter Termin vereinbart. Ihre Texte erzählen von einer jungen unabhängigen Frau, die ihren eigenen Weg geht. Wir haben mit der Sängerin gesprochen.

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Hallo Ida, deine Konzertauftritte wirken viel minimalistischer als deine Studioarbeiten.
Welches Setting ist dir wichtiger?
Diese beiden Settings sind natürlich total verschieden. Der Vorteil einer Aufnahme im Studio ist, dass man sehr vieles machen kann. Das Schwere ist aber, dass du letztendlich nur eine einzige Version eines Songs machst. Das liebe ich an Live-Auftritten: Es gibt immer wieder eine neue Version des Liedes. Ich denke, beides ist gleich wichtig, aber ich genieße es sehr, live zu spielen. Dann bin ich selbst ein physischer Teil des Liedes. Wenn man sich aber die Aufnahme anhört, kommt das eher von außen. Für das Publikum beim Konzert ist es wahrscheinlich nochmal etwas anders als für mich. (lacht)

In Dänemark bist du schon sehr bekannt und warst mit Bob Dylan zusammen auf Tour. In anderen Ländern Europas sind deine Konzerte kleiner, haben ein persönliches Feeling. Was gefällt dir besser?
So bekannt bin ich in Dänemark auch nicht. Wenn ich auf Tour gehe, sind das schon eher kleine Konzerte. Die wenigen Male, die ich auf großen Bühnen stand, haben mir natürlich gefallen. Das sind allerdings zwei sehr verschiedene Dinge. In den kleineren Clubs interagiere ich gerne mit dem Publikum und es ist schön, wenn ich direktes Feedback bekomme. Wenn dir aber 5 000 Menschen zuschreien, ist das auch ziemlich verrückt.

 

Wir leben in einer Zeit, in der es cool ist, feminist zu sein.

„Populärmusik aus Vittula“ von Mikael Niemi inspiriert. Alle Geschichten, die du darauf erzählst, sind aus der Sicht eines der Charaktere. Wie hast du die Geschichte musikalisch übersetzt?
Ich habe das Buch gelesen, war aber eher frei in meiner Interpretation. Ich habe mich für Szenen aus dem Buch entschieden, die mir gut in Erinnerung geblieben sind und sich für mich am wichtigsten anfühlten. Dann habe ich einfach so getan, als sei ich einer der Charaktere. Es hat sehr viel Spaß gemacht, einige Details wiederzugeben, die vielleicht gar nicht unbedingt im Buch standen, aber von denen ich dachte, dass sie darin hätten stehen können. Es ist eine sehr persönliche Interpretation und nicht immer 100 Prozent originalgetreu. Ich habe mir die Frage gestellt, was ich wahrnehmen würde, wenn ich der Junge in der Geschichte wäre. Ich würde beispielsweise den Fußboden, bestimmte Materialien oder einen bestimmten Tonfall wahrnehmen.

Die Geschichte im Buch dreht sich um zwei Jugendliche, die in einer ländlichen Gegend aufgewachsen sind und eine Rock ‘n‘ Roll Band gründen. Gibt es für dich einen persönlichen Zugang zu dieser Story?
Ja. Je mehr ich über das Buch gesprochen habe, desto mehr ist mir aufgefallen, dass es auch meine eigene Geschichte sein könnte. Ich bin in einem kleinen Ort aufgewachsen. Im Buch war der Ort nah an einem Fluss, bei mir war es ein Fjord. Meine beste Freundin und ich haben auch immer Gitarre gespielt, das war bei uns unüblich, denn Gitarre spielen war Männersache. Ich kann mich deswegen selbst sehr gut mit der Geschichte aus dem Buch identifizieren.

War es ein Problem für die Leute, Mädchen Gitarre spielen zu sehen?
Damals haben es einfach nicht viele Mädchen gemacht. Es war nicht so, dass es den Leuten nicht gefallen hätte. Aber wenn ein Junge Gitarre spielte, haben alle zugehört und mitgesungen. Wenn ich dann dran war, war es auf einmal nicht mehr so interessant. Wenn man sich einen Gitarristen vorstellt, ist der einfach auch heute noch für viele männlich. Vor 15 Jahren haben die Jugendlichen sogar gesagt, dass es falsch wäre und ich nie ein Kurt Cobain sein könnte.

Warum hast du deinem Album den Titel „Womb“ (engl. für Mutterleib) gegeben?
Es war tatsächlich ziemlich schwierig, den Titel auszusuchen. Aber ich fand, dass der Song „Womb“ den Kern des Albums gut eingefangen hat. Es gibt eine seltsame Szene im Buch, die ich zuerst gar nicht richtig verstanden habe. Aber je mehr ich mich mit der Geschichte auseinandergesetzt habe, desto mehr Sinn macht sie. Es geht um die Idee, wiedergeboren zu werden. Im Buch ist die Figur in einem Metallkessel gefangen. Er wird also auf eine harte, unbequeme Weise wiedergeboren, was im Kontrast zu einer richtigen Geburt steht, bei der man aus dem weichen Mutterleib kommt. Als er dort herauskommt, ist er erwachsen.

Würdest du auch ein hard-core-feministisches Lied singen, wie es Amanda Palmer in „Map of Tasmania“ macht?
Ich habe tatsächlich noch einige solcher Songs in der Warteschleife. Wir leben allerdings auch in einer Zeit, in der es cool ist, Feminist zu sein. Ich bin in einer Familie mit sehr starken und unabhängigen Frauen aufgewachsen. Deswegen habe ich wohl auch begonnen, Gitarre zu spielen. Und als die Männer gesagt haben, ich könnte es nicht, habe ich gesagt: „Doch, das kann ich!“ Ich finde es toll, dass man diese Themen immer offener ansprechen kann. Es ist allerdings immer noch mehr auf dem Papier möglich als in der Realität und es kommt noch viel Arbeit auf uns zu. Auch in Bezug darauf, wie wir uns gegenüber anderen verhalten und wie die Menschen über das Thema „Gender“ denken. Und ich rede dabei nur über unseren Teil der Welt, denn in anderen Ländern sieht das noch ganz anders aus. Aber … „Map of Tasmania“ … yay! (lacht)

Gibt es für dich eine eigene Definition für Weiblichkeit?
Ich glaube, es ist ein großes Missverständnis, dass Frauen feminin und Männer maskulin sein müssen. Wir als einzelne Individuen müssen beides sein. Und die Welt braucht beides, denn das Ziel ist es, ein Gleichgewicht zu haben. Man kann nicht eines ohne das andere haben. Wir müssen erreichen, dass der feminine Aspekt genauso geschätzt wird wie der maskuline. Wir können zwar sagen, dass beide gleich sind aber wir wissen, dass der männliche Part der selbstbewusste ist und die Initiative ergreift. Diese Eigenschaften werden bisher noch mehr geschätzt als vielleicht andere.

Du hast dein eigenes Label „Oh My Gard“ gegründet, nachdem du einen Vertrag mit einem größeren Label abgelehnt hast. Wie war es für dich als junge Künstlerin, auf dich alleine gestellt zu sein und wie hast du es geschafft, deine Ziele zu erreichen?
Damals habe ich mit so vielen Labels gesprochen. Es hat dadurch drei Jahre gedauert, bis ich mein erstes Album fertig hatte. An dem Punkt war ich einfach nur genervt von all den Leuten. Also war es für mich einfach und eine Erleichterung, alles alleine zu machen. Ich glaube, ich war schon sehr gut darauf vorbereitet. Drei Jahre ist eine lange Zeit, ich war auf Tour, habe viel gespielt und Leute kennengelernt. Deswegen hat es im Endeffekt so gut geklappt.

Was macht einen guten Song aus?
Ich persönlich mag es, wenn Melodie und Lyrics wie aus einem Guss sind. Ein Gutes Lied ist natürlich und fließend. Die Worte sind richtig gewählt. Es fühlt sich wie eine einzige Sache an und nicht wie drei verschiedene.

Hast du ein musikalisches Vorbild?
Nein, tatsächlich höre ich gar nicht so viel Musik. Es klingt komisch, aber ich spiele mehr, als dass ich höre. Als Teenager habe ich Nirvana und Alanis Morissette gehört, Bands, die irgendetwas in mir bewegt haben und meinen Wunsch verstärkt haben, Musiker zu werden. Ich habe neulich ein Video von Michael Jackson gesehen und es war unglaublich. Ich lasse mich schon von Musikern inspirieren aber ein konkretes Vorbild habe ich nicht. Ich stelle sie mir lieber als Menschen vor, die etwas Großartiges erreicht haben.

Dänemark ist perfekt zum Radfahren geeignet. Gibt es einen bestimmten Ort, an den du gerne fährst?
Ich fahre Fahrrad aber im Moment gehe ich auch viel zu Fuß. Ich wohne in einer Gegend, in der es viele Grünflächen gibt und auch viel Wasser. Das gefällt mir.

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Wenn du ein Ort oder eine Stadt wärst, welche wäre das?
Schwierige Frage. (überlegt) Vielleicht wäre ich Stockholm. Weil es da so viel Wasser gibt und die Stadt schön aber auch sehr belebt ist.

Was sind deine Pläne für die nahe Zukunft?
Ich werde durch Deutschland und die Schweiz touren. Danach begebe ich mich an meinen eigenen kleinen Wohlfühlort und werde anfangen, neue Musik zu machen.

Würdest du gerne noch etwas zu deinem Publikum in der KaufBar sagen?
Ich freue mich sehr, wieder dorthin zu kommen, ich finde den Veranstaltungsort toll, auch wenn er für ein Musik-Venue ungewöhnlich ist. Er ist sehr besonders.

Text: Katharina Holzberger, Evelyn Waldt, Kathleen Kalle
Fotos: Veranstalter

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