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Zwischen Eye-Candy und Beat-Krokant: Die Braunschweiger Newcomerin Floss bringt Abwechslung und Experimentierfreudigkeit in die deutsche Pop-Landschaft.
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Sind wir mal ehrlich: Es gibt Musik, die wir voller Stolz öffentlich hören und teilen, um zu präsentieren, wie erlesen doch unser exquisiter Musikgeschmack ist. Dann gibt es wiederum Songs, Interpreten und Playlists, denen man sich nur im geschützten Raum und im Spotify-Inkognito-Modus voller Leidenschaft hingibt, aus Angst, von der Gesellschaft für seine musikalische Notgeilheit geächtet zu werden. Kommt der Genuss von Ariana Grande, Ed Sheeran und Harry Styles doch zu Tage, nennen wir es Guilty Pleasure. Lauschen wir Carly Rae Jepsens „Call Me Maybe“, dann natürlich nur auf ironische Art und Weise. Insbesondere Pop-Musik wird von selbst ernannten Tonkunst-Connaisseurs mit jeder Pore verachtet – alles Plastik, künstlich, ausgelutscht und fad wie der Kaugummi unter ihren Schuhsohlen. Trotzdem wippen auch sie mit dem Fuß, wenn Justin Bieber durchs Radio schallt. Befasst man sich jedoch mit der Geschichte populärer Musik, eröffnet sich ein multidimensionales Pop-Universum mit vielseitigen, talentierten Ikonen – von den Beatles über David Bowie, Prince und Madonna bis zu Lady Gaga, Taylor Swift und Katy Perry.
Auch hierzulande wurde erst kürzlich am wolkenlosen Nachthimmel ein Shooting-Star gesichtet – so schillernd, faszinierend und farbenfroh wie ein Kaleidoskop. Für die deutsche Pop-Landschaft ist die 29-jährige Sängerin Floss, bürgerlich Florentine Schlüter, das personifizierte TikTok-Meme „Let me add a little bit of spice to that“. Mit talentiertem Songwriting, eingängigen Beats und knallbunten Visuals transportiert die gebürtige Braunschweigerin den glanzvollen, facettenreichen US-Pop-Konsens über den Großen Teich in die Endgeräte unserer Wahl.
Girlpower-Snack
Während die erste Singleauskopplung „Floss Like A Boss“ aus der für 2021 angekündigten EP akustisch eine feministische Antwort auf Lil Waynes 2008 erschienenen Hit „Lollipop“ liefert, entführt uns Popkulturexpertin Floss in dem dazugehörigen Musikvideo in ein detailreiches, zuckersüßes Schlaraffenland à la Katy Perrys „California Gurls“. Ähnlich ironisch aufgeladen schmeißt die kreative Sängerin eine diabetesfördernde (Eye-)Candy-Party, rekelt sich im strassbesetzten Latexbody in Zahncreme-Optik auf einer überdimensionalen Bürste und serviert erfrischende Listerine-Cocktails an kandiert-coolen Beats. „Visuell liebe ich es, das Alltägliche und auf den ersten Blick ‚Normale‘ zu glorifizieren, so ähnlich wie Andy Warhol“, gesteht Floss, „wenn ich ein Thema habe, dann kann ich mich absurd genau darin vertiefen, bis ins kleinste Detail.“
Ihr Sinn für Ästhetik kommt dabei nicht von ungefähr, denn nach ihrem Studium am Hamburger Modeinstitut HAW verschlug es die gebürtige Braunschweigerin zunächst nach Paris, um für ihren Lieblingsdesigner Jean-Charles de Castelbajac als kreative Assistentin und Designerin zu arbeiten. „Kreativität ist für mich universell anwendbar und alles, was ich gelernt habe, konnte ich irgendwie genauso auf die Musik übertragen: Erst steht das Konzept und dann wurde beim Texten aus Wörtern eine Art lyrisches Kleid, das dann durch die Musik seine Farbe bekommt“, veranschaulicht die angehende Pop-Prinzessin, deren Künstlername übrigens eine popkulturelle Referenz an Fergies Chartstürmer-Single „Glamorous“ ist.
Unterstützung beim Designen ihrer kunstreichen Lyrik-Fabrikate erhält Floss zum einen aus dem Produzententeam Tim & Matteo, die bereits mit Genetikk und Haftbefehl zusammenarbeiteten, sowie vom Filmemacher Richard Dahlmann, der beispielsweise das Musikvideo zu „Goldrausch“ von Braunschweigs brandheißestem Nachwuchs-Rapper Negatiiv OG produzierte.
„Floss Like A Boss“ ist ein schmackhafter Appetizer und die perfekte Eintrittskarte in die humoristisch-edgy-süße Welt der Sängerin: „Die EP ist fertig und es wird Synth-Pop mit Hip-Hop-Vibes sowie 80's- und 2000's-Elementen“, verrät Floss, „think: 2000er Gwen-Stefani-Attitüde meets Robyn-Sounds.“ Und im Falle einer anstehenden Tour hat die Musikerin schon eine ganz genaue Vision: „Es wird auf jeden Fall ein Augenschmaus und Fest für alle Sinne. Für das Bühnenbild wünsche ich mir bunte Props, die jeweils zu den Songs passen. Außerdem Kostümwechsel von einem bunten Kostüm ins nächste“, sinniert die studierte Modedesignerin.
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Junge Heldin
Obwohl Musik schon immer einen großen Stellenwert im Leben der Popkultur-Anhängerin hatte, kreierte die 29-Jährige ihre Selfmade-Kunstfigur Floss erst kürzlich. Den Anstoß gab ein familiäres Schicksal, denn Florentines Mutter ist seit Anfang 2019 dialysepflichtig und wartet auf eine Spenderniere. „Ich bin seitdem ein absoluter Organspende-Ultra. In Deutschland wissen leider immer noch zu wenig Menschen über die Thematik Bescheid“, erzählt die woke Künstlerin.
Noch immer scheint Organspende hierzulande ein sensibles Thema zu sein und deshalb gab es 2018 bundesweit nur 955 Organspender, während rund 9 500 Patienten auf der Warteliste standen. Um diesem Problem die Aufmerksamkeit zu schenken, die ihm zusteht, schrieb Floss im vergangenen Jahr ihre Debütsingle „Earth To Santa (I Am My Own Gift)“ und produzierte gemeinsam mit dem Junge Helden e. V. und der Braunschweiger Produktionsfirma Jungtrieb ein knallbuntes Musikvideo, das einerseits den Floss-typischen Humor besitzt und andererseits eine wichtige Message vertritt: „Holt euch einen Organspendeausweis, ich gebe einen aus!“, erklärt die junge Sängerin lachend. Sogar Joko Winterscheidt ließ es sich als langjähriger Unterstützer der NGO Junge Helden e. V. nicht nehmen, im Video einen glücksbringenden Organ-Kurier im Weihnachtsmannkostüm zu mimen.
Genau wie ihre Kollegen aus Übersee beweist Floss, dass Pop-Musik keinesfalls fad oder oberflächlich ist. „Mit Pop kann man wichtige Dinge in den Mainstream tragen und er kann gleichzeitig eine Art von Eskapismus sein“, resümiert die Musikerin, „für mich ist es zeitgenössische Kunst: Man erzählt Geschichten und entführt den Zuhörer in kleine Welten.“
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Text Denise Rosenthal
Fotos Gina Bullwinkel, Nick Strutsi

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