Undercover hat im Januar Fortuna Ehrenfeld auf die Eulen-Bühne gebracht, eine Akustik- und Electro-Pop-Formation des Hamburger Independent-Labels Grand Hotel van Cleef. „Pop-Musik für Erwachsene“, hieß es. Wir waren da.

Ein fast zwei Meter großer Mittvierziger in gestreiftem Pyjama steht am Mikrofon, um den Hals eine silberne Federboa und eine schwarze Gibson-Les-Paul-Gitarre. Verpennt, müde und wie ein vom Leben gezeichneter Künstler sieht der Kölner Sänger Martin Bechler aus. Auf der anderen Seite der Bühne seine Band, die gut und gerne 20 Jahre jünger ist: Die Singer-Songwriterin Jenny Thiele bedient Synthesizer und Keyboards, Percussionist Paul Weißert an Schlagzeug und Drum-Computer. Fortuna Ehrenfelds Sound bewegt sich zwischen reduziertem, fast ambient-artigem Akustik-Pop und sanfter, analoger Elektronika. Das verspricht schon das Intro: Die Kombo starrt geschlossen in die Ferne, eine langgezogene Keyboardfläche mit pointierter Gitarre ist zu hören, bis schließlich eine Four-to-the-Floor-Kickdrum einsetzt. Dann geht‘s los: Lockere Ansage und ein Witz, es folgt Fortuna Ehrenfelds Hit „Matrosen“. Das Publikum ist geknackt. Bechler hat die Aufmerksamkeit. Eigentlich ist er gar nicht so müde und verpennt, sondern voll da, geht voll auf und ab in seinen Liedern.

E Eulenpost 1 Art

E Eulenpost 2 Art

Der Saal lauscht den ruhigen Stücken mal bedächtig berührt, mal amüsiert und erheitert über Bechlers unterhaltsame Anekdoten. Im gemütlichen, rot schimmernden Eulenglück, wo sonst junge Studenten um die Wette feiern, tanzen, saufen, aufreißen, stehen heute Zuschauer zwischen 20 und 50 Jahren, größtenteils aber diese sogenannten „Erwachsenen“, die ihren Weg (vermeintlich) schon gefunden haben und mit den durchdacht-melodischen, ziemlich deepen Kompositionen etwas anfangen können. Es ist zwischendurch so ruhig, man könnte einen Kronkorken fallen hören. Das Konzert hätte auch bestuhlt stattfinden können, doch das wird Fortuna Ehrenfeld nicht gerecht. Beim Off-Beat-Stück „Rakete“, wo nun auch Keyboarderin Jenny Thiele im Chorus mitsingt, oder dem Synthie-Pop-Track „Ein analoges Mädchen“ kommt Bewegung auf die Tanzfläche.

Nicht zuletzt auch Bechlers raue, eigenwillige und einfangende Persönlichkeit nimmt die Leute mit. Er hat Humor, ohne zynisch zu sein, und kann entertainen. Aber seine Message ist eigentlich ernst, manchmal auch politisch, mit hoher gesellschaftlicher Relevanz. Zugleich ist das alles sehr melancholisch, verträumt, gelassen und eben doch auch vom Leben gezeichnet und müde. Deswegen der Pyjama? In seinen Texten mal er Sinnbilder, findet einfache, aber sehr treffende Metaphern für allseits bekannte Sorgen, Nöte und Befindlichkeiten. Zwischen den Songs gibt er Seitenhiebe gegen Trump und die AfD, erzählt vom mühseligen Musikgeschäft, von frustrierenden Verhandlungen mit Plattenbossen und findet immer wieder hochlobende Worte für sein neues Zuhause Grand Hotel van Cleef, auf dem auch Tomte, Kettcar und Olli Schulz veröffentlichen.

Bechler, Thiele und Weißert kassieren dankbaren und ehrlichen Applaus. So gibt es auch nicht nur eine Zugabe, sondern gleich fünf. Von der ganzen Band, aber auch von Bechler allein. „Einen schöneren Tourauftakt kann man sich nicht wünschen!“, verabschiedet er sich, bevor er mit Bierflasche in der Hand durch die Schiebetür in Richtung Backstage das Rampenlicht verlässt. Ob dieser noch weitere folgten oder ob er sich nun endlich seiner Müdigkeit hingab, ist nicht bekannt. Den Schlafanzug hatte er ja schon an.

E Eulenpost 3 Art
E Eulenpost 4 Art

Erwähnt werden sollte noch der der Braunschweiger Liedermacher Marian Meyer, der den Abend mit seinen Stücken eröffnet hat. Bis zum Ende seines Sets hat der 25-Jährige es sogar geschafft, das am frühen Abend langsam eintrudelnde und zunächst lose auf der Tanzfläche verteilte Publikum zum Mitsingen zu animieren.

Am 23. Februar kommt übrigens das Rap-Rock-Trio Shoshin aus Manchester für undercover ins Eulenglück.


Eulenglück | Gieseler 3 | Braunschweig | disko-kolchose.de | undercover.de

Text: Benyamin Bahri
Fotos: Tim Schulze

User Rating: 0 / 5

instagram

subway_magazin
Da ist sie endlich, die Juni-SUBWAY! ☀️ . Dieses… https://t.co/UZRcC53ylr
subway_magazin
Am 19. Mai eröffnet die… https://t.co/0NiD5aKEtn
Follow subway_magazin on Twitter

SUBWAY Newsletter

 

Mit SUBWAY verpasst Du kein Event mehr in Braunschweig und der Region. Hol Dir unseren Newsletter!

Kontakt

SUBWAY – Eine Region, ein Magazin

#Redaktion

oeding magazin GmbH
Erzberg 45
38126 Braunschweig

Telefon: 0531-48015-134
Telefax: 0531-48015-79
E-Mail: info@subway.de

Durch Nutzung dieser Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies für Analysen, personalisierte Inhalte und Werbung zu. Weitere Informationen über Cookies finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.