Auf persönlichen Wunsch von Green Day spielten die Donots gemeinsam einige Open-Airs, standen während ihrer knapp 25-jährigen Bandgeschichte auch schon mit den Beatsteaks und den Toten Hosen auf der Bühne und veröffentlichen im August die LP „Split“ in Kollaboration mit Adam Angst. In diesem Sommer findet der geneigte Fan die Donots bei Rock im Allerpark, das umsonst ist und insgesamt zum fünften Mal stattfindet. Wir sprachen mit dem Leadsänger Ingo, der Reiskörnern zum Social-Media-Erfolg verhilft und fast das Geheimnis des Knusperfelix verraten hätte.

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Hallo Ingo, wie geht es dir?
Ganz gut, ich habe heute Morgen den schönsten Kommentar seit Langem bekommen. Beim Gassi gehen hat mir eine ältere Frau entgegengerufen: „So unmöglich wie Sie aussehen, leben Sie nicht lange“. (lacht) Aber sonst geht es mir gut. Wir spielen ja aktuell viele Festivals an den Wochenenden. Demnächst sind wir in Mallorca mit den Toy Dolls und Bad Religion. Das ist gleich wie ein kleiner Urlaub, der auf einen zukommt. Ich möchte mich nicht beschweren.

Passt das denn zusammen, ihr und Mallorca?
(überlegt) Eigentlich nicht. Aber Mallorca ist ja nicht nur Ballermann, wo sich viele drauf fixieren. Es gibt ganz schöne Ecken. Ich habe schon alleine deswegen Bock drauf, weil da so viele tolle Bands spielen. Bad Religion sind natürlich absolute All-Time-Favourites von mir.

Übernächstes Jahr feiert die Band 25-jähriges Jubiläum. Habt ihr schon etwas geplant?
Ach, wir denken eigentlich eher von Jahr zu Jahr. Jetzt haben wir gerade die neue Platte fertig und planen in der Richtung was. Das Jubiläum ist erst mal noch relativ weit weg. Aber so wie ich uns kenne, fällt uns bestimmt was Gutes ein. Es hat wahrscheinlich mit grünen Flaschen zu tun.

Was hat es denn mit eurer Platte „Split“ auf sich?
Wir haben schon mehrere Singles mit Adam Angst aufgenommen. Mit „Keiner kommt hier lebend raus“ hört man schon ein wenig, worum es geht. Wir haben das Ganze aber noch ziemlich unter Verschluss gehalten. Ich kann dir zumindest so viel sagen, wenn ich es mir zu Hause mit etwas Abstand auf Kopfhörern anhöre, habe ich ein Dickes Grinsen im Gesicht – das kann ja nicht so falsch sein.

Wie kam es zu der Kollaboration?
Ich mache mit dem Bassisten Christian Kruse die Band Schrapmesser. Das ist so ‘ne Quatsch-Hardcore-Band mit plattdeutschen Texten. Irgendwann saßen wir abends zusammen. Adam Angst haben auch gerade an einer neuen Platte gearbeitet. Da sollte es einen Song geben, der „Wir werden alle sterben“ heißen soll. Wir hatten einen, der heißt „Keiner kommt hier lebend raus“. Es gab auch ein paar textliche Überschneidungen. So ist die Idee entstanden, gemeinsam eine Platte zu machen.

Welche Themen sprecht ihr an?
Momentan brennt es auf diesem Planeten ja an allen Ecken und Enden, politisch wie religiös. Am Ende des Tages sehe ich die Lösung aber von einem sozialen Standpunkt: Wir verbringen durchschnittlich nur so 70, 80 Jahre hier auf der Erde und da muss man das Leben der anderen nicht noch kürzer machen, sondern sollte sich lieber mal entspannen. Du wirst natürlich keine großen Religionsgemeinschaften aufbrechen können, die Right-Winger nicht davon überzeugen können, sich von ihrer Meinung wegzubewegen, aber wenngleich unser Statement hart ist, hat es am Ende doch eine persönliche positive Message: Lasst uns doch ein bisschen besser miteinander auskommen. Quasi die zynische Variante von „What‘s so Funny ‘bout Peace, Love and Understanding“.

Nochmal zurück zu euren Ursprüngen. Wie habt ihr euch seit dem Anfang entwickelt?
Also, ich hoffe wir haben uns entwickelt, sonst wär das ganz fürchterlich. (lacht) Ich bin mir insoweit sicher, dass wir heutzutage viel genauer wissen, was unsere Stärken und Schwächen sind. Oder welche Fehler wir im Laufe der Zeit gemacht haben, aber auch was wir goldrichtig gemacht haben. Ich würde sagen, wir stehen ein bisschen breitbeiniger und mit breiteren Schultern da als früher und erlauben uns auch eine ganze Menge mehr. Dinge, bei denen wir früher überlegt haben, ob man das machen kann. Aber natürlich ist im Punk alles erlaubt und so gehen wir inzwischen mit einer viel größeren Lockerheit dran. Man wird aber gleichzeitig akribischer dabei, den Donots-Sound zu perfektionieren.
Von eurer ersten Demo „We Do Not Care So Why Should You?“ gab es nur 30 Stück. Hörst du die noch manchmal an?
Ob du’s glaubst oder nicht, ich besitze das Tape nicht mal mehr. Ich glaube Guido ist der Einzige, der noch eine Kopie davon hat. Ansonsten sind sie im besten Fall irgendwo im Münsterland vergraben. (lacht) Ich habe die zwischendurch mal bei Ebay gesehen, wo Leute horrende Summen, so was wie 130 Euro dafür bezahlt haben. Aber das Tape fehlt mir in meiner Sammlung. Dabei sammle ich eigentlich alles. Backstage-Pässe und so. Ich habe einen riesigen Fundus an Kram zu Hause, bis auf die ersten Demo-Tapes.

Ihr tretet bei Rock im Allerpark in Wolfsburg auf. Wart ihr schon mal dort?
Nee, es ist für uns eine klassische Stadt, an der man immer auf der Autobahn vorbeifährt, wo man aber irgendwie leider nie anhält. Man spielt dann vielleicht eher mal in Braunschweig, Magdeburg oder Berlin. Aber umso schöner, wenn man sagen kann, dass wir es nach 23 Jahren auch mal nach Wolfsburg geschafft haben. Von Rock im Allerpark habe ich bis jetzt nur Gutes gehört. Wir spielen diesen Sommer sowieso nur zehn oder elf Festivals, was für uns sehr wenig ist. Wir wollten eigentlich sogar noch weniger spielen. Aber dann kam dieses Angebot und wir haben uns schlau gemacht. Madsen haben dort letztes Jahr gespielt, das sind Kumpels von uns und die fanden es super. Wir freuen uns tierisch drauf.

Was ist dein Ritual vor einem Konzert?
Nach dem Konzert gibt es immer das obligatorische Gin-Tonic mit Gurke, was wir auch den „Körper-Bescheisser“ nennen. Der denkt dann nämlich, dass da Vitamine drin sind. Man tut ihm also was Gutes und kann dann mehr davon trinken. Es gibt auch noch ein Ritual, das ist so unglaublich bescheuert, dass man es gar nicht richtig erklären kann. Außenstehende schütteln dann immer mit dem Kopf. Wir haben einen Band-Schutzpatron, der nennt sich der mächtige Knusperfelix, und auf den schwören wir uns ein. Aber das würde zu weit führen. Und wenn ich dir das genau erklären würde, müsste ich dich auch umbringen, weil Du dann zu viel weißt. (lacht)

Bei Rock im Allerpark gibt es auch eine Nachwuchsförderung für junge Bands aus der Region. Hast du einen Geheimtipp für eine Band, die noch nicht so bekannt ist, wie sie es deiner Meinung nach verdient hätte?
Wir werden das in der Tat echt oft gefragt. Es ist heute natürlich eine andere Zeit als vor 23 Jahren, als wir angefangen haben. Ich habe es immer mit dem stumpfen Punk-Credo gehalten, wenn du etwas erreichen willst, dann mach’s halt selbst. Alles, was du aus eigenem Antrieb hinbekommen kannst, solltest du auf jeden Fall machen. Behalte die Kontrolle und gibt nicht einfach deine Song-Rechte ab, nur damit du auf irgendeinem kleinen Festival spielen darfst. Probiere mit deiner Band eigene Trademarks zu entwickeln, etwas Individuelles, Eigenständiges. Du brauchst nicht die 3000. Green-Day-Kopie sein. Die Leute freuen sich über etwas Neues. Ansonsten gilt: spielen, spielen, spielen. Sei dir nicht zu schade drum, auch mal 800 Kilometer für einen guten Gig zu fahren, selbst wenn dann nur zwei Leute vor der Bühne stehen. Diese zwei Leute bringen das nächste Mal wieder zwei Leute mit und so weiter. Das potenziert sich. Man muss einen langen Atem beweisen und ich glaube es ist nicht einfacher dadurch geworden, dass das Internet eine solche Informations-Schwemme auf die Welt loslässt. Man sollte auf jeden Fall live spielen und sich nicht nur auf seine Facebook-Präsenz verlassen. Gleichwohl sollte man auch zusehen, dass man das Internet schlau nutzt.

Apropos Facebook. Mit einem Reiskorn hast du fast 400 Likes bekommen. Hast du einen Social-Media-Tipp für uns?
(lacht) Ich wunder mich manchmal selbst, mit was für Sachen man Likes bei Facebook bekommt. Ich haue ab und zu soziale oder politische Statements raus oder Dinge, die ich halt wichtig finde. Aber genauso gerne mag ich natürlich absoluten Schwachsinn. Wenn das dann auch noch 400 Leuten gefällt, fühlt man sich positiv wie negativ bestätigt, dass das Internet ein ganz finsterer Ort ist.

Ich frage, weil es auf unserem SUBWAY-Account mal ein kontroverses Posting von einer angebissenen Stulle gab …
Also wenn man heutzutage keine Stulle mehr posten kann, dann weiß ich es auch nicht. Das ist doch DAS soziale Statement schlechthin. Sagt einfach euren Leuten auf jeden Fall: Keep on Stulle posting. Ihr könntet den Stullen-Montag einführen, wo jeden Montag eine angebissene Stulle gepostet wird. Das ist ein sehr wichtiges Statement zur Weltlage.

Ihr seid ja auch politisch. Du gehst also im September wählen?
Ja natürlich. Ich kenne viele Leute aus meinem Umfeld die sagen, eigentlich ist ja keine Partei so richtig wählbar und man müsse eigentlich Protestwählen gehen. Das habe ich früher ähnlich gesehen, heute ist das nicht mehr so. Ich finde, dass jede Stimme ihre Wirkung hat. Denn jede Stimme, die man gegen das rechte Lager nicht abgibt, ist tendenziell eine Stimme, die denen zugutekommt.

Was denkst du über Menschen, die ihre Stimme nicht abgeben?
Ich kann es denen irgendwie nicht verübeln. Viele sagen über Politiker: große Reden, nix dahinter. Aber ich glaube heutzutage ist es eigentlich verantwortungslos, nicht zu wählen. Bevor die eigene Stimme unter den Tisch fällt, sollte man sich überlegen, welche Partei immer noch am deckungsgleichsten mit der eigenen Meinung ist. Man wird sich wahrscheinlich nie komplett auf einer Wellenlänge mit einem Parteiprogramm befinden, aber sein Kreuz sollte man bestenfalls trotzdem machen, wenn die richtigen und wichtigen Grundaussagen da sind.

Termin: 12.8.
Ort: Allerpark (WOB)
Web: hallenbad.de

Lasst uns doch alle ein bisschen besser miteinander auskommen.

Text: Katharina Holzberger
Fotos: Donots

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