Kettcar ist wieder da |

Wir haben es alle gehofft, aber kaum erwartet: Mit „Ich vs. Wir“ erscheint fünf Jahre nach „Zwischen den Runden“ wieder eine Platte der Hamburger Indieband.
Und was für eine, die Begeisterung, die auch Chris vom Riptide in seiner Rezension (Seite 47) kundtut, teilt er mit uns, Bosse und vielen anderen.
Gitarrist Erik Langer, der früher unter anderem bei der Punkband Missing Link gespielt hat, steht uns Rede und Antwort.

30. Januar | Altes Theater (MD)
8. Februar | Capitol (H)

Wie fühlt es sich an, nach einer längeren Pause wieder im Kettcar-Sattel zu sitzen?
Sehr gut! Ich habe mich ja schon 2001 dafür entschieden und ein paar Jahre später dann für die Band sogar mein Studium abgebrochen. Ich habe es immer sehr genossen, Musik zu machen und in einer Band spielen zu können. Also freue ich mich, dass es weitergeht.

Wie war der Entstehungsprozess von „Ich vs. Wir“? Hat jeder Ideen an den Tisch gebracht?
Es war bei dieser Platte mehr als jemals zuvor ein Bandprojekt. Wir haben alle Musik und Ideen geliefert und haben auch viel über die Texte geredet. Natürlich gab es die übliche Rollenverteilung mit den Lyrics. Marcus war hauptverantwortlich und Reimer hat wie immer ebenfalls Texte beigesteuert. Es ist eine richtige Bandplatte geworden.

Wenn du „Ich vs. Wir“ einem Thema zuordnen müsstest, welches wäre das?
Empathie und Menschlichkeit.

Kettcar bezieht eindeutig Position gegen einen Mob, der mit AfD und Co. gut gefüttert wird. Warum ist es euch wichtig, gerade jetzt dieses Album am Start zu haben?
Weil wir in politisch unsicheren Zeiten leben. Um uns herum bricht vieles zusammen, was gefühlt immer da war oder funktioniert hat – im Großen wie im Kleinen. Wenn man an den US-Präsidenten denkt, den „Brexit“ oder hierzulande an AfD und Pegida – dann macht sich eine Brutalisierung in der Zwischenmenschlichkeit und in der Politik breit. Wir hatten das Gefühl, das können wir nicht ignorieren, und wollten uns an den Themen abarbeiten.

Waren diese Dinge dann auch ausschlaggebend für das Album?
Man kann es tatsächlich so sagen. Wir haben uns 2015 zusammengesetzt und überlegt, ob wir noch eine Platte machen wollen und wenn ja, wie das aussehen kann. Da war schon klar, dass die politischen Umstände danach verlangen, Songs zu schreiben, Fragen zu stellen. Das Ganze hat sich in den letzten zwei Jahren sogar noch intensiviert – die Platte ist ein direktes Ergebnis dieser Zeit.
Warum gibt es so wenig Künstler, die so eindeutig Position beziehen?
Es gibt sie schon, wenn ich an die aktuellen Platten von Casper, teilweise Kraftklub, Zugezogen Maskulin oder Feine Sahne Fischfilet denke. Aber insgesamt ist es wirklich wenig, das finden wir auch. Vor allem wenn man überlegt, in welcher Zeit wir leben, hängt die Kultur etwas hinterher. Woran das liegt, kann ich nicht wirklich sagen, vielleicht ist da eine Angst, zu viel vom Hörer zu fordern. Manche sind aber auch einfach nicht dafür geschaffen, auf politische Themen in Songtexten einzugehen. Das ist schließlich nicht leicht. Manchmal ist es einfacher, über Liebe zu singen als über die AfD. Aber uns als Band war klar – wir können das machen und sollten es auch.

Was hat sich für euch seit „Du und wieviel von deinen Freunden“ verändert?
Viel. (lacht) Wir sind älter geworden, haben Kinder gekriegt. Das erste Album war stark von Marcus‘ damaligen Lebensumständen geprägt. Da ging es viel um den Blick nach innen, also sein Seelenleben, in den Texten. Dann wurde es von Platte zu Platte eher so, dass geschaut wurde, was um einen herum so geschieht und diese Dinge wurden dann mehr und mehr kommentiert.

Manchmal ist es einfacher, über Liebe zu singen als über die AfD. Aber uns als Band war klar – wir können das machen und sollten es auch.

Wie sieht die Vorbereitung auf die Tour aus?
Wenn wir bei einer Tour neue Stücke spielen wollen, dann proben wir im Vorfeld alleine, also die jeweiligen Parts, die jeder von uns übernimmt. Teilweise treffen wir uns zu zweit oder zu dritt und gehen die Songs durch. Irgendwann kommt die Phase, in der wir mindestens eine Woche jeden Tag richtig lange im Proberaum spielen, spielen, spielen, bis es uns alles in Fleisch und Blut übergeht.

Auf welchen der Songs von „Ich vs. Wir“ freust du dich besonders in der Live-Version? Und warum?
(überlegt kurz) Ja, auf den letzten, auf „Den Revolver entsichern“, weil das einer der Songs ist, die für mich am emotionalsten sind. Ich hoffe, dass der gut ankommt und dass wir den Song auch oft live spielen können. Es ist einfach ein perfekter letzter Song. Uns war das sofort klar: Das muss der Abschluss auf dem Album werden. Leider wird der letzte Song oft von den Hörern etwas stiefmütterlich behandelt, aber wir werden es sehen, vielleicht kann er sich durchsetzen.

Über was macht man sich Gedanken vor so einer Tour?
Ich persönlich gucke immer gern, wo wir in den Städten spielen. Wenn man auf Tour ist, dann hängt man immer dicht aufeinander und hat wenig Privatsphäre. Ich gehe dann mindestens zwei Stunden am Tag spazieren, um alleine zu sein. Dann schaue ich mir die Städte an, wobei es natürlich oft nur die Industriegebiete sind, weil die Clubs da liegen. Da freue ich mich immer schon drauf.

Du bist in Goslar aufgewachsen und hast hier auch Musik gemacht, nimmst du heute noch wahr, was in der Region passiert?
Ich bekomme doch noch einiges mit. In Goslar gibt es ja seit einiger Zeit eine Konzertreihe im Bergwerk, Miner‘s Rock. Da war ich bei dem allerersten Konzert und habe mir die Location angesehen. Das ist ziemlich toll.
Ich finde es super, dass sich Leute in Goslar zusammengetan haben und versuchen, Bands ranzubekommen, und so noch mehr Kultur in die Stadt holen. Vor allem Kultur auf dieser Rockmusik-Ebene. Braunschweig nehme ich eher am Rande wahr.
Aber da wir nun gerade drüber sprechen, wo könnte man denn in Braunschweig spielen? Das Meiers ist ja nun weg.

KF Kettcar byAndreasHornoff 2017 2 Art

 Es gibt in der Größe nicht wirklich was. Vielleicht das Hallenbad in Wolfsburg, da habe ich euch auch schon gesehen. Oder das Eulenglück, was aber zu klein sein könnte.
Lieber zu klein als zu groß! Ach Mensch, Braunschweig! Man kann es ja auch einfach positiv sehen, wenn man als Braunschweiger Kettcar sehen will, dann kann man sich zwischen zwei Terminen entscheiden: Magdeburg oder Hannover. (lacht)

Oder man geht zweimal! Oder vielleicht in den Lokpark, eine alte Lokhalle, da wurden in letzter Zeit viele Konzerte gemacht.
Das werde ich gleich mal recherchieren. Wir haben natürlich schon mal in Braunschweig gespielt, das war mit Fettes Brot im Raffteichbad. Mit denen haben wir vorab ein Wettschwimmen gemacht.

Was wünscht sich Kettcar? Gibt es noch eine Sache, die ihr als Band unbedingt mal machen wollt?
Noch ’ne Platte! Nachdem wir so viel Arbeit in das Album gesteckt haben und damit auch total glücklich sind, freuen wir uns darauf, das alles live zu spielen. Ansonsten sind wir alte Hasen, die schon viel erlebt und damit sich auch schon viele Träume und Wünsche erfüllt haben. Was ich mir mit der Band wünsche, ist dass wir ein paar Erlebnisse noch einmal haben. Egal, ob wir in einem kleinen Club oder auf einer riesigen Bühne spielen, dass wir nach dem Konzert von der Bühne gehen und sagen können: „Wow! Der Funke ist zwischen Band und Publikum wirklich übergesprungen. Wir hatten gemeinsam einen tollen Abend.“ Das ist mein großer Wunsch!

Text: Kathleen Kalle
Fotos: Andreas Hornoff

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