Markus Schultze mit Entertain Us in der Wegwarte in Lucklum |

Bands wie Sisyphean Task, Milk auf Ex und Underwater Circus verhalfen Markus erst zu regionalem, dann zu nationalem Erfolg. Der ehemalige MTV-VJ engagiert sich heute in der Region unter anderem als Moderator der Mega-Show Pop Meets Classic und spielt in der Wintertheater-Produktion „Hänsel, Gretel, Frosch & Wolf“ mit. Mit seinen Bandkollegen, Gitarrist Florian Arnold, Schlagzeuger Jan Jacobsen, Bassist Stefan Stürmer und Keyboarder Christian Stappmanns gibt er nun das erste Konzert unter dem neuen Bandnamen Indiegos, ehemals Entertain Us, zum Jahresabschluss in Lucklum. Wir sprachen mit Markus über die Musik der 90er, Weihnachtsalben und lasen die Zukunft aus Tee.

25. Dezember | Wegwarte Lucklum

Du trittst mit Entertain Us am 25. Dezember in der Wegwarte in Lucklum auf. Das macht ihr jetzt schon seit einigen Jahren in Folge. Warum ist es dir wichtig, dort zu spielen?
Es ist eine Tradition. Ich selber mache das schon seit über zehn Jahren. Die ersten Male war ich alleine oder mit Kumpels. Aki Bosse war zum Beispiel mal dabei, der ist ja auch ein Elm-Kind. Ich komme aus Dettum bei Wolfenbüttel. Es kam dann irgendwann die Idee auf, die Jungs zu fragen, mit denen ich als Sisyphean Task schon Ende der 80er zusammen Musik gemacht habe. Wir haben uns Mitte der 90er getrennt und seitdem nie wieder zusammen gespielt. Es war wunderschön, dass sie sich darauf eingelassen haben – ein Wundenheiler. Denn es war nicht so einfach, als wir damals auseinandergegangen sind. Das Konzert hat dann allen so Bock gemacht, dass aus dieser einmaligen Sache eine zweimalige Sache geworden ist und dann haben wir irgendwann wieder gemeinsam Konzerte gespielt. Früher waren das eigene Sachen, heute machen wir alles, was wir toll finden. Das Weihnachtskonzert in Lucklum ist ein Ritual, eines der ganz wenigen Sachen, die ich jedes Jahr wieder mache. Oft weiß ich nicht genau, was ich im nächsten Monat für Pläne habe. Aber das Konzert in Lucklum ist ein Herzensding. Da spielen wir auch immer ein besonderes Set – etwa ein Drittel der Setlist ist jedes Jahr neu. Dieses Jahr wird es natürlich eine Extraportion Tom Petty geben. Es ist aber nicht nur eine Party mit Rockmusik, sondern ein Treffen unter ganz vielen Freunden, vielen Heimkehrern. Und der Anlass, unseren musikalischen Helden die Ehre zu erweisen. Es geht wirklich um das Fest der Liebe. Da ist viel Herz im Spiel und deshalb passt es so gut zu Weihnachten und ist ein schöner Jahresabschluss.

Das Schlucklum, die heutige Wegwarte, gab es seit Anfang der 70er. Welche Erinnerungen hast du an diese Location?
Ganz viele. Bei der 40-Jahre-Schlucklum-Feier letztens habe ich kurzfristig drei Songs gespielt. Es ist für mich einer der wichtigsten Plätze in der ganzen Region. Das Schlucklum war ein Ort des Abenteuers, der Freiheit, des Loslassens. Es war eigentlich ein bisschen verboten. Mir wurde oft gesagt: Bloß nicht ins Schlucklum, das ist eine Drogenhöhle. Das hat es nur noch spannender gemacht. Letztendlich war es für mich ein Ort der Inspiration und der Freude, aber auch der Arbeit. Ich habe hinterm Tresen gestanden, Platten aufgelegt, damals schon mit meiner Band dort gespielt und auf die Kinder vom Chef aufgepasst. Oder Sachen repariert. Ich bin mit 16 das erste Mal dort aufgeschlagen, später wurde es dann eine Art zweites Zuhause. Es war für mich total prägend, was den Musikgeschmack oder die Art des Feierns angeht. Alles war immer sehr frei, hippiemäßig, sehr liebevoll. Eine tolle Zeit. Deshalb war es auch so, dass die letzten Schlucklum-Betreiber, die seitdem die Wegwarte betreiben, gesagt haben, dass ich dort wieder Musik machen muss. Bis heute fühle ich mich mit Lucius, Rio, ihren Söhnen, den tollen Menschen und dem Ort sehr verbunden.
Bosse hat dort seinen Song „Schönste Zeit“ geschrieben. Was lockt die Leute so weit raus?
Ich habe angefangen dort hinzufahren, als ich noch bei meinen Eltern in Dettum gewohnt habe. Ungefähr sechs, sieben Kilometer Feldweg mit dem Rad, kein Ding. Aber was die Leute lockte … Im Schlucklum traf sich eine bestimmte Szene. Wenn man da erst mal dran geschnuppert hatte, dann musste man eben unbedingt wieder hin. Klare Sache. In Wolfenbüttel zum Beispiel, am Ortsausgang Richtung Ahlum, gab es eine Tramp-Stelle an einer Kreuzung mit einem Blumenladen. Davor stand ein Stromkasten. Darauf setzte man sich – normalerweise mit Wegbier – und dann hielt das nächste Auto, das zum Schlucklum fuhr und nicht voll war, an. Man ist immer irgendwie hin- und zurückgekommen.

Entertain Us spielen Musik der 90er. Was macht dieses Jahrzehnt so besonders für euch?
Das Jahrzehnt hat uns mächtig geprägt, da waren wir am meisten unterwegs. Unser Fokus als Band sind die 90er Jahre, Indie, Alternative, Rock. Das, was zu der Zeit eben durch die Decke gegangen ist und uns mitgenommen hat. Die Smashing Pumpkins, Nirvana – später Foo Fighters –, Radiohead, Pixies, Weezer oder Placebo und viele andere mehr. Wenn wir Bock haben, spielen wir aber auch R.E.M., Oasis, Smokie, The Black Crowes oder was auch immer. Es ist Rock, es ist kernig aber auch melodisch und es gibt immer eine persönliche Verbindung. Seitdem wir uns Entertain Us genannt haben, fanden wir den Namen allerdings nur halb geil. Er sollte sich an die Songzeile aus dem Riesen-Hit von Nirvana anlehnen – „here we are now, entertain us“. Das hat aber keiner verstanden. Also haben wir uns jetzt noch mal umbenannt. Das nächste Weihnachtskonzert in der Wegwarte ist das erste, das wir unter dem neuen Namen Indiegos spielen. Unsere musikalische Herkunft ist Indie und Alternative. Go indie – IndieGos. Ich finde das klingt super und passt perfekt.
Was hältst du von den neuen Alben von Bands wie Weezer oder den Pixies?
Die kenne ich nicht wirklich, muss ich zugeben. Ich kann nicht so richtig sagen, warum das so ist, aber ich bin vor einigen Jahren davon abgekommen, neue Musik kennen zu müssen. Es fühlt sich fast so an, als hätte ich genug gute Musik im Speicher. Manchmal kriege ich etwas mit, was mich echt packt. Über 20 Jahre habe ich das durchgezogen, neue Musik haben zu müssen, ich habe bestimmt über 1 000 CDs. Die sind alle mal bei einem Wasserschaden abgesoffen und stehen seitdem in Kartons rum. Aber wenn etwas zu mir kommt, das mich anspricht, dann besorge ich mir das, ich warte nur nicht mehr drauf. Ich habe oft das Gefühl, keine wirklich neuen musikalischen Informationen mehr zu bekommen, sicher auch, weil ich mich nicht wirklich darum bemühe. Die abgefahrensten und schrägsten Sachen höre ich tatsächlich durch meinen Sohn – und der ist neun. Ich habe ihm vor Kurzem ein paar Alben, die ich für wichtig halte, aus meinen alten Kartons rausgesucht. Zum Beispiel „Nevermind“, in meinen Augen ein absoluter Klassiker. Oder die Erste Rage-Against-the-Machine-Platte. Es ist total cool zu sehen, worauf er abfährt. Er steht zum Beispiel total auf die Beastie Boys. Aber auch auf Peter Fox. Dann kommt er manchmal mit Sachen wie Skrillex oder Marshmello. Die kenne ich wiederum nicht und stelle fest, das ist wirklich ganz anders, als alles, was ich höre. Schon spannend. Naja und dann entdecke ich dauernd alte Sachen wieder, Bruce Springsteen etwa.

Schreibst du auch noch eigene Songs?
Ja, schon. Ich werkele da immer mal wieder ein wenig weiter. Manchmal streuen wir beim Weihnachtskonzert etwas davon ein. Das ist allerdings schon eine andere Welt. Meine eigenen Songs, die in den letzten Jahren entstanden sind, sind … (überlegt). Also jemand, der es mal nicht so toll fand, sagte: „Auf deinen Seelen-Striptease habe ich keinen Bock“. (lacht) Meine Songs kommen tief aus dem Herzen und aus dem Bauch. Es geht aber immer weiter. Ich glaube weiterhin daran, dass ich irgendwann genügend meiner Songs so gut finde, dass ich noch mal eine Platte veröffentliche.

Kommt alle in die Wegwarte und lasst euch bis tief in eure Herzen berocken

Was hältst du von diesen ganzen Weihnachtsalben? Bob Dylan hat ein ganz verrücktes gemacht, von Weezer gibt es auch eins.
Ich glaube, ich habe nur ein einziges Weihnachtsalbum und das ist von Monster Magnet.

Wenn du nur noch ein Konzert in deinem Leben besuchen könntest, von wem wäre das?
Das ist eine krasse Frage. Am heutigen Tage würde ich auf die Frage mit Bruce Springsteen antworten. Vor einem oder zwei Jahren hatte ich die Gelegenheit und habe sie nicht wahrgenommen. Ein Freund hatte mir kurz vorher noch eine Karte angeboten und meinte, es war das beste Konzert, das er je gesehen hat.
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Zu deiner Zeit bei MTV: Hast du mal jemanden interviewt, der so unsympathisch war, dass du später dachtest, von dem covere ich nichts – oder andersrum?
Auf mein Verhalten bezüglich Coversongs hatten die Interviews keinen Einfluss, glaube ich. Aber natürlich gab es sehr vielfältige Erfahrungen. Ich würde ungerne Namen nennen, aber als ich bei MTV gearbeitet habe, ging das los mit diesen ganzen Casting-Shows. Ich habe die No Angels mal auf Ibiza getroffen – da gibt es ein lustiges Video. Mit denen habe ich mich allerdings gut verstanden, die waren super. Wir hatten einen guten Draht und haben uns noch Jahre später in ganz anderen Zusammenhängen getroffen. Aber als diese ganzen Shows aufkamen, war ich schon Ende 20 und hatte über zehn Jahre in Proberäumen zugebracht. Ich dachte: was soll dieses Konzept? Dieses von-0-auf-100-Phänomen macht komische Sachen mit einem. Da kann man auch mal ein bisschen überdreht sein. Ich frage mich dann, kannst du denn auch dein Fahrrad reparieren?
Mit Richard Ashcroft hast du Kaffeesatz gelesen. Können wir das heute auch mal probieren? Ich habe allerdings nur Minztee …
(Sieht tief in die Tasse) Also, ich erkenne darin eindeutig, dass der Trend zu selbstangebautem Gemüse und Kräutern immer weiter voranschreiten wird. Und dass das Bewusstsein für Ökologische Belange immer weiter wachsen wird. Immer mehr Menschen werden begreifen, wie wenig wichtig materielle Besitztümer und wie wichtig geistige, seelische, körperliche Gesundheit und ein liebevoller Umgang miteinander sind. Das wird zur Folge haben, dass bestimmte, unheilvoll agierende Menschen, die heute machtvolle Positionen bekleiden, dort irgendwann nicht mehr sind. Weil die Menschen als Ganzes in ihren Herzen immer mehr zusammenwachsen, wird dieser Planet heilen. Der Tee erzählt ganz schön viel. (lacht)
Dein Schlusswort?
Ich finde es einfach super, weiterhin Musik zu machen, und am allerschönsten ist es, wieder und immer noch mit den Jungs zu spielen, mit denen ich vor so vielen Jahren angefangen habe. Dass wir uns wieder zusammengefunden haben, war sehr heilsam für mich. Der einzige Musiker, der damals nicht in unserer Band war, ist unser Bassist Stürmer. Der ist heute ein ganz wichtiger Teil von Indiegos, ein großartiger Musiker und ein echter Typ. Ich liebe es, mich mit Menschen, die ich wirklich mag und schätze, in einem muffigen Proberaum zu treffen und gemeinsam tolle Songs zu spielen. Und an Weihnachten wird das auf die Bühne gebracht und mit ganz vielen lieben Menschen an einem wunderbaren Ort geteilt. Kommt alle in die Wegwarte und lasst euch bis tief in eure Herzen berocken.

Text: Katharina Holzberger
Fotos: Rüdiger Knuth, Kathleen Kalle

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