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Der große Bob Dylan spielt in Braunschweig klein auf.
SUBWAY-Karikaturist Sven Gebauer ist verwirrt.
KF Dylan Kopie art
Mit Bob Dylan präsentierte man dem kulturinteressierten Braunschweiger im vergangenen Juli eine Entschuldigung für abverlangende Jahre, in denen Besucher der Mehrzweckhalle am Bürgerpark mit fragwürdigen Unterhaltungsgrößen wie den Ehrlich Brothers, Mario Barth und Santiano vorlieb nehmen mussten. Eine Rechnung, die fast aufging.
Pünktlich um 20 Uhr betritt Dylan am Samstagabend die zu etwa zwei Dritteln gefüllte Volkswagen Halle. Viele Plätze bleiben an diesem Tag leer. Nicht etwa, wie einige der Gäste pikiert mutmaßen, da sich junge Leute heutzutage einen feuchten Hering um Hochkultur scheren und an nichts anderem als Pokemon Go oder Aggro Berlin interessiert sind, nein, vermutlich liegt es an den horrenden Ticketpreisen, die durch den Nobelpreisträgeraufschlag von 75 Prozent schlichtweg alles andere alles erschwinglich sind. Der Altersdurchschnitt der Anwesenden beträgt 103 Jahre, Ausnahmen bilden das Servicepersonal an den Getränkeständen und der 28-jährige Germanistik-Student René Lüttger in Reihe 9.

Dylan wird an diesem Abend von einer vierköpfigen Begleitband unterstützt, einem hochgewachsenen, einem kleinen und zwei mittelgroßen Männern. Eingerahmt werden die Musiker von einer geschmackvollen Kulisse aus mehreren überdimensionalen im Halbkreis angeordneten Trockenhauben der Marke Hydrofix.
Es dauert ein paar Minuten, bis klar wird, dass es sich bei dem kratzig-jaulendem Störgeräusch aus der Anlage nicht um einen technischen Defekt, sondern die Stimme des Kult-Sängers und Ausnahme-Lyrikers handelt. Wie ein junger Yorkshire Terrier bellt der Folk-Schrat die folgenden 90 Minuten ins Mikrofon, klimpert auf seinem Piano und liefert die ein oder andere, das Publikum in Ekstase versetzende Steppeinlage.

Der kommunikative und eloquente Dylan zieht sein Programm ohne Rücksicht auf Verluste durch, macht dem Event-Zuschauer dabei wenig Zugeständnisse. Wer etwa auf Mitsingmomente oder Originalfassungen seiner größten Chartbreaker hofft, wird enttäuscht. Die meisten der Stücke hat er bis zur Unkenntlichkeit verändert, Akkordfolgen und Strukturen komplett ausgetauscht. Einzig willkürlich eingestreut wirkende Sprachfetzen lassen Schlüsse auf die Titel zu. Damit mutet er seinen Anhängern einiges zu. Auf der Lauer liegend versuchen sie angestrengt, ihnen bekannte Textphrasen aus dem heiseren Gejaule des Nobelpreisträgers herauszuhören, um dann urplötzlich einen erleichtert-hysterischen Jubelschrei auszustoßen, sobald sie etwas Bekanntes zu erkennen vermögen: „Jubel, Jauchz und Heureka! Doris! ‚Like A Rolling Stone‘! Die 387,34 Euro für zwei Plätze in der dritten Reihe haben sich ja nun doch noch wirklich gelohnt!“

Bei einem Toilettengang in der zweiten Konzerthälfte begegne ich ratlosen Gästen, die fast schon rechtfertigend die eigensinnige Darbietung der Musik-Ikone schönzureden versuchen. „Wirklich schon sehr alt ...schlechter Sound ... Grippewelle!“ Manche können ihre Enttäuschung wiederum nicht verbergen und lassen ihrem Unmut freien Lauf: „Letzte Reihe ... So viel Geld ... Kann nichts sehen, könnte jeder sein, vielleicht ist er es ja gar nicht.“

Bob Dylans Abstecher in die Löwenstadt war in jedem Fall ein Abend, der im Gedächtnis hängen bleibt und bei dem eines nicht bezweifelt werden kann: Wer ohne Erwartungen gekommen ist, der wurde mit Sicherheit auch nicht enttäuscht.

Text & Grafik Sven Gebauer

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