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Gisbert zu Knyphausen

3. März / 20 Uhr / Aquarium (BS)
(Kleines Haus)

Leben und Tod – das sind die elementaren Leitmotive auf dem Album
„Das Licht der Welt“ von Liedermacher Gisbert zu Knyphausen.
KF 01 GisbertzuKnyphausen von DennisWilliamson art
Es ist eine wilde Achterbahnfahrt der Gefühle, auf die er den Hörer gekonnt mitnimmt. Der 39-Jährige gilt nicht umsonst als trauriger Mann, der Musik für traurige Männer macht. Und auch auf seinem dritten Album, inzwischen mit eigener Band, hört man die Melancholie und den Schmerz, aber auch die Freude und das Glück der letzten Jahre, die für ihn keine einfachen waren, heraus. Aber ist er wirklich so ein trauriger Mann? Warum singt er auf „Das Licht dieser Welt“ auch mal auf Englisch oder gar nicht und worauf freut er sich beim alljährlichen „Heimspiel Knyphausen“ am meisten? Wir haben nachgefragt.
Du bist immer noch mit „Das Licht dieser Welt“ aus dem Jahr 2017 auf Tour. Vor dem Album war es lange Zeit still um dich. Musstest du nach deiner langen eigenen Schaffenspause einfach mal wieder raus?
Ich bin in den Jahren vorher wenig getourt und habe ja auch nur ein oder zwei Jahre wirklich pausiert, also bin ich jetzt viel unterwegs. Aber das ist normal, das habe ich mit den beiden Alben davor auch gemacht.

Wie erholst du dich von den Tour-Strapazen?
Mittlerweile sind wir ja recht luxuriös unterwegs auf Tour: Wir können im Nightliner schlafen, es gibt auch sehr gutes Essen und wir werden gut versorgt. Es ist also nicht so strapaziös wie früher, als wir noch in Clubs unterwegs waren. Zwischendurch haben wir auch immer mal zwei Tage frei, da können wir noch im Hotelbett rumgammeln und ansonsten muss man halt aufpassen, dass man nicht zu viel trinkt (lacht).

Du bist richtig viel unterwegs, hast aber inzwischen auch eine Familie.
Wünschst du dir da nicht manchmal einen ganz normalen Nine-to-five-Job?
Nee, das wünsche ich mir nicht. Das ist ja so das Ding mit dem Künstlerleben, dass ich gerne unterwegs bin und mir meine Zeit frei einteilen kann. Mein eigener Boss sein zu können, ist ein ziemliches Privileg. Es ist ziemlich anregend und ich würde auf keinen Fall tauschen wollen.
Erstmals sind zwei englische Lieder auf deinem Album. Hat das mit deinen Reisen in den letzten Jahren zu tun? Bist du sprachlich selbstbewusster geworden?
Ja, so ein bisschen. Vor allem bei dem Lied „Teheran Smiles“: Die Grundidee für den Song hatte ich bei meiner Reise in den Iran und irgendwie lag es dann für mich nahe, das mit englischem Text zu füllen. Ich wollte da über Erinnerungen sprechen, das ganze Lied spielt im Iran. Und dann habe ich noch ein bisschen weiter herumexperimentiert und gemerkt: Die Fertigkeit ist da und das klingt ganz gut in Englisch. Dabei kam dann noch ein zweites Lied, „Cigarettes & Citylights“, heraus, mit dem ich zufrieden genug war, um es auch mit auf die Platte zu nehmen. Und in Zukunft wird es das wohl auch öfter geben.

Das Lied „Carla Bruno“ ist Singer-Songwriter untypisch komplett ohne Gesang. Warum hast du das mit auf die Platte genommen?
Ich habe mir ein Klavier gekauft, darauf in den letzten Jahren viel gespielt und herumexperimentiert und versucht, darauf auch Songs zu schreiben. So kam ich zu diesem kleinen Instrumentalstück, von dem ich erst mal nicht wusste, was ich damit machen soll. Und nach dem Song von Nils Koppruch dachte ich, dass da jetzt keine Worte mehr kommen und wollte aber auch nicht, dass es das Ende ist, sondern wollte eine musikalische Brücke zum Ende hin bauen. Da hat sich „Carla Bruno“ angeboten.
KF 03 GisbertzuKnyphausen von DennisWilliamson art
Das Thema „Tod“ ist auf der Platte ein immer wiederkehrendes Thema, das ja auch sehr emotional und persönlich ist. Hast du keine Sorge, dass du emotional abstumpfst oder überwältigt wirst, wenn du vor deinem Publikum stehst, gerade bei einem Lied wie „Etwas Besseres als den Tod finden wir überall“, das dein Freund und Bandkollege von Kid Kopphausen Nils Koppruch geschrieben hat?
Vor dem Abstumpfen habe ich keine Angst, vor dem Überwältigtwerden irgendwie schon. Das ist aber zum Glück noch nie vorgekommen, deshalb kann ich darauf vertrauen, dass mir das beim Singen nicht passiert. Ich finde das ganz schön, ich meine, das Thema „Tod“ ist für den Menschen ja nie abgeschlossen. Es ist einfach eine Grundangst, mit der man irgendwie fertig werden muss. Und meine Art, damit fertig zu werden, sind eben die Lieder. Die Songs zu singen ist mir eine Stütze, auch, wenn sie traurig sind. Aber die traurigsten Songs sind ja auch oft die, die einem weiterhelfen: Sie sind ein Ventil für die Traurigkeit. Es ist allerdings schon jeden Abend unterschiedlich, wie ehrlich die Lieder in dem Moment gemeint sind und wenn ich merke, dass ich ein Lied nicht mehr ehrlich singen kann, dann spiele ich es einfach nicht mehr. Mittlerweile habe ich ja genug Songs.

Du wirst in der Presse sehr oft als „trauriger Mann“ bezeichnet. Ist das eine Schublade, in der du dich selber siehst oder wundert dich das ein bisschen?
Das wundert mich überhaupt nicht, weil ich ja auch sehr viele traurige Lieder geschrieben habe. Es ist allerdings nur ein sehr kleiner Teil meiner Persönlichkeit, der da zum Vorschein kommt. Von daher ist das keine Beschreibung, die ich mir selbst geben würde (lacht).

Wie würdest du dich selbst beschreiben?
Am liebsten gar nicht, aber ich habe viel mehr Facetten als nur die Traurigkeit. Ich bin zum Beispiel auch ein sehr alberner Mensch.

Lass uns doch über fröhlichere Sachen sprechen: Die Karten für dein jährliches Festival „Heimspiel Knyphausen“ waren in nur 36 Stunden ausverkauft…
Ja, Wahnsinn! Das hat uns ganz schön überrascht, dass das so schnell ging. Also es ist ja die letzten Jahre schon gut gelaufen, aber das hätte ich nicht gedacht. Aber es ist natürlich sehr schön.

„Vor dem Abstumpfen habe ich keine Angst, vor dem Überwältigtwerden irgendwie schon.“

Gibt’s etwas, worauf du dich beim Festival jedes Jahr wieder freust?
Ich freue mich jedes Jahr wieder über die Tatsache, dass es auf der Wiese stattfindet, auf der ich früher mit meinen Brüdern Fußball gespielt habe. Und, dass ich da unsere Lieblingsbands hinbuchen kann, wie Element of Crime oder Sophie Hunger. Das ist jedes Mal wieder ein bisschen Gänsehaut für mich.

Gibt es Bands, die dich inspirieren?
Ich bin musikalisch ein riesiger Radio Head-Fan. Die sind so als Band, die schon seit Jahren zusammenspielt, ein Vorbild, wie man sich weiter entwickeln kann und immer neu erforschen kann, was die Band noch sein kann.

Warst du schon mal in Braunschweig und was willst du hier gerne sehen?
Ich war vor zehn Jahren oder so schon mal in Braunschweig, ich weiß aber nicht mehr, wo genau. Also freue ich mich darauf, alles neu kennenzulernen und schaue, was mich im März dort erwartet.

Interview Giana Holstein
Fotos Dennis Williamson

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