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Jason Bartsch

30. April / Eulenglück (BS)

Das Bühnen-Chamäleon Jason Bartsch im Interview.
KF JASON BARTSCH c Marvin Ruppert art
Jason Bartsch ist wie ein dickes Buch voller Kurzgeschichten – hinter jeder Seite verbirgt sich eine andere Story, die mal lustig und albern, mal ernst und politisch, aber auch mal poetisch und träumerisch ist. Der 25-jährige Bochumer hat ein großes Mitteilungsbedürfnis und so verwandelt er seine literarischen Ergüsse entweder in Poetry Slams, Kabarett oder, wie zuletzt, auch in Musik – und die klingt nach sanfter Gitarre, leichtem Elektro und Texten, die ordentlich Tiefgang haben. Auf einem Konzert von Jason Bartsch bekommt man mehr als seichte Ständchen und Singer-Songwriter-Genuschel – das Bühnen-Chamäleon untermalt ehrliche und authentische Monologe mit Musik, die fast schon nach Indie-Pop klingt. Zwar ist Jason nicht das typische Cool-Kid, aber Swag ist trotzdem kein Fremdwort für ihn und so haut er auch mal Lines wie „Fick die Ficker, denn die Welt gehört nicht denen“ raus. Mit seinem zweiten Album „Eine Idee für das Klappen aller Dinge“ reist Jason quer durch Deutschland und macht dabei trotz Corona – so zum Redaktionsschluss der Stand der Dinge – am 30. April einen Boxenstopp in der Braunschweiger Eule. Wir haben vorab mit ihm über Horst Seehofer, Coldplay und darüber, was uns bei deinem deepen Abend mit Jason alles erwartet, geplaudert.
Jason, du bist Musiker, Comedian, Poetry Slammer, Kabarettist, Lyriker und Podcaster ... Siehst du dich selbst als Multitalent? Für was schlägt dein Herz am meisten?
Uff. Also den Begriff des Multitalents finde ich etwas prätentiös. Ich nehme mir grundsätzlich viel vor und manches davon kann ich auch ganz gut, manches davon wird mir ja auch von außen irgendwie erst zugeschrieben. Ich glaube auch nicht so wirklich, dass sich manche Künstler in eine Schublade stecken lassen können – oft sieht man, wie verkrampft ein dahinterstehendes Management versuchen muss, eine Geschichte zu konstruieren, die den Künstler oder die Künstlerin für die Leute einsortierbar erscheinen lässt. Derzeit fühle ich mich aber der Musik am nähesten.

Welcher Aspekt gefällt dir am Poetry Slam am meisten?
Ich mag, dass es bei der Offenheit des Formats so einen großen Zuspruch gibt. Ich finde es wahnsinnig spannend zu sehen, wie divers die Beiträge an einem Abend sein können und wie unterschiedlich das Publikum an zwei aufeinanderfolgenden Abenden auf denselben Beitrag reagieren kann. Es bleibt eine explosive Mischung.

Sind die Ausdrucksmittel Musik und Poetry Slam für dich gleichermaßen stark?
Je nachdem, was man sagen möchte. In der Musik nimmt der Text eine ganz andere Funktion ein. Man muss dichter texten und es muss irgendwie mit der Musik einhergehen können. Slam-Texte haben ja mehr Raum und man kann etwas breiter erzählen, was es nicht immer unbedingt tiefer machen muss. Aber ich empfinde „Aber dann“ und „Extravaganza“ als wichtige Songs – der erste über Depressionen und der zweite über meine Vorstellungen davon, wie unser Land aussehen sollte, als Retoure an Horst Seehofer.
Wie würdest du selbst deine Musik beschreiben?
Meine Musik gibt es in der Form nicht. Ich bin da ein kleines Chamäleon. Manchmal schreibe ich elektronische, humoristische Lieder und dann ein eher melancholisches Lied mit der Gitarre. Gerade deswegen ist irgendwie immer alles auf einem Konzert von mir dabei. Ich möchte die Leute eher auf eine Show mitnehmen, weswegen ich auch so viel bei den Shows rede. Eine Band, die starr ihr Album durchspielt, könnte nicht weiter von mir entfernt sein.

Woraus ziehst du deine Inspiration?
Ich habe sehr viele Vorbilder, die mich auch sehr inspirieren. Und die verändern sich auch je nach Zeit und Phase, in der ich mich befinde. Ich lese wahnsinnig viel, weswegen es viele Schriftsteller gibt, die mich beeindrucken – derzeit finde ich Ingeborg Bachmann unglaublich faszinierend. Hannah Arendt hat meine politische Denke stark geprägt. Ich gehe aber auch unvoreingenommen an Musik heran, mag Coldplay völlig unironisch, so wie ich auch Bach hören und am selben Abend bei Kurt Krömer vor Lachen auf dem Boden liegen kann. Wobei Krömer da wirklich die Ausnahme in der Comedylandschaft ist.

Was war bisher dein persönlich größter Karriere-Meilenstein? Was hat dich bislang am stärksten beeindruckt?
Das ist in der Form nicht zu beantworten, aber was meine Karriere angeht, gab es viele kleine Schritte, die sich immer richtig angefühlt haben. Es gab nicht den einen großen Moment, wobei ich zugeben muss, dass der Tag, an dem ich die erste Schallplatte mit meiner Musik in der Hand halten konnte, schon eindrücklich war.
Du behandelst immer wieder politische Themen. Wie wichtig findest du es, dass Leute sich politisch engagieren?
Ich bezeichne mich manchmal gerne etwas hochgestochen als radikaler Demokrat. Ich engagiere mich für die Themen, bei denen ich glaube, dass die Zukunft unseres Gemeinlebens in Würde bedroht wird, also gegen Rechtsradikalismus und -extremismus, gegen Antisemitismus und Vorurteile, für den Klimaschutz und die Sensibilisierung für Minderheiten. Dabei muss es konstruktiv bleiben und nicht identitär oder ideologisch. Jedes Dogma halte ich für falsch. Der Mensch ist in seinem Leben nun mal einem kontinuierlichen Lernprozess unterworfen. Und ich finde auch, dass man sich da engagieren sollte. Man hat ja auch keine Wahl – selbst mit fehlendem Engagement positioniert man sich eindeutig und zwar als jemand, dem anscheinend nichts daran liegt.

Was verbindest du mit Braunschweig?
Ich war einmal in Braunschweig und der Abend dort war toll – was das genau für eine Veranstaltung war, weiß ich allerdings nicht mehr. Ich weiß aber noch, dass wir abends vor einer Kneipe saßen und es geregnet hat. Es war wunderschön dort!
Was können deine Fans bei deiner Show in der Braunschweiger Eule erwarten?
Wir spielen Lieder, ich erzähle sehr viel und was dazwischen passiert, kann niemand so genau vorhersagen. Ich habe sehr viel Spaß dabei, mich auf das Publikum einzulassen und zu schauen, wohin die Reise geht. Manchmal ist es absurd komisch, manchmal sehr laut und manchmal geht es irgendwie schnell vorbei. Aber es wird auf jeden Fall ein bisschen politisch, ein bisschen musikalisch und hoffentlich vor allem schräg-komisch.

Was ist deine Message an deine Braunschweiger Fans?
Bringt mir den BTSV zurück in die zweite Liga! Und alle, die ihr kennt, mit zum Konzert!

Interview Elia von Essen, Louisa Ferch
Foto Marvin Ruppert

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