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Mister Me

16. Januar 2020/ Eulenglück (BS)

Mister Me geht auf Tour und macht Halt im Eulenglück.
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Früher trug Micha Meißner alias Mister Me dicke Baggy Pants, weite Shirts und machte Rapmusik. Doch als er mit 17 Jahren aufgrund einer Autoimmunkrankheit sein Haar verlor, sank zeitgleich sein Selbstbewusstsein. Emotionalen Halt fand der damalige Schüler als Singer-Songwriter in der Popmusik. Mit seinem aktuellen Album verkündet der 28-Jährige nun „Das Ende vom Hass“. Die durch Crowdfunding finanzierte LP kommt dabei mit pumpenden Beats gepaart mit hymnischen Melodien daher. Lyrisch setzt der sympathische Wahlberliner auf geschmeidig-bildintensive Sprache und gesellschaftskritische Themen abseits des massenkompatiblen Bubblegum-Pops und Gucci-Bratan-Raps. So entsteht der einzigartige Mister Me-Sound, den der nachdenkliche Pop-Poet am 16. Januar 2020 in die Braunschweiger Eule bringt. Im Interview sprechen wir mit Mister Me über sein aktuelles Album, das Aufbrechen von Geschlechterrollen, und was nötig ist, um unsere Welt wieder ein bisschen besser zu machen.
Dein aktuelles Album heißt „Das Ende vom Hass“. Welchen Hass sprichst du damit an?
Ich meine damit vor allem jegliche Konflikte, die wir in uns haben und nach außen tragen. Wie wir geworden sind und wie wir dadurch wirken oder handeln. Ob sich das in anerzogenen Geschlechterrollen widerspiegelt, wie im Song „Pink und Blau“ oder in der Art wie wir Beziehungen leben, wie in „Vision“ oder wie das so sein könnte, bedingungslos und ohne Druck zu sein, wie im Song „Utopie“. Beim Songschreiben schaue ich vor allem sehr viel in mich hinein. Ich glaube, das was man im Innersten findet, trägt man auch nach außen und umgekehrt. Das soll dann auch überhaupt nicht so verkrampft politisch wirken. Mir ist es vor allem wichtig, dass ich nicht den Zeigefinger raushole und erzähle, wie was zu laufen hat. Ich schau in mich hinein und gucke, was ich davon auch in der Gesellschaft finde. Wo gibt es Überschneidungen und Parallelen? Und dann kann man in die Tiefe gehen.
In deiner Single „Pink und Blau“ geht es um nicht hinterfragte soziale Normen der Gesellschaft. Wie können die starren Denkmuster der Gesellschaft deiner Meinung nach durchbrochen werden?
Innehalten ist die Devise. Nicht zu schnell aufgeben, weil das Ändern von Denkmustern ein ewiger Prozess ist. Wir, vor allem auch nachwachsende Generationen, haben gerade die große Chance, so vieles aufzubrechen und infrage zu stellen. Aber alles braucht seine Zeit. Logisch, dass auch meine eigenen Verhaltensweisen nicht von jetzt auf gleich aufzubrechen sind, doch wir müssen sensibel sein. Es geht nicht darum, Menschen zu verbiegen; einfach darum, sie in ihren Möglichkeiten nicht zu beschneiden. Ich glaube, man sollte ganz oft innehalten und sich hinterfragen warum man das, was man gerade macht, überhaupt macht. Seine Sprache, seinen Konsum, seine Privilegien reflektieren und darüber nachdenken, welche Menschen vielleicht nicht so privilegiert sind.
Denkst du, wir können irgendwann alle Klischees und Vorurteile dieser Welt auflösen? Oder ist es nur eine Utopie?
Das weiß ich leider nicht. Ich weiß nur, dass niemand alleine existiert. Nirgendwo. Und das bezieht sich nicht nur auf uns Menschen, sondern auf alles, was uns umgibt. Es gibt nicht nur Mensch und Natur, eigentlich sind wir alle eins. Und nach diesem Wissen, dass wir alle voneinander abhängig sind, kann ich versuchen zu handeln und dieses Wissen weiterzugeben. Aber ich bin auch naiv und glaube daran, dass sich das Ganze in eine gute Richtung entwickelt, wenn man sieht, welche Themen vor Jahren eigentlich noch tabuisiert wurden.

Wie sähe dein Leben aus, wenn du alles auf null setzen würdest?
Das weiß ich nicht genau, es ist ein Gedankenspiel. Vielleicht wie in „Hurra die Welt geht unter“ von K.I.Z? Vielleicht würde ich auch keine Musik mehr machen, vielleicht würden wir uns alle mega viel ehrenamtlich engagieren, wenn sich nicht alles über Leistung und Lohnarbeit definieren würde.

Mit 17 bist du an einer Autoimmunkrankheit erkrankt. Hat es sich auf deine Musik ausgewirkt?
Naja, damals sicherlich, aber jetzt, zwölf Jahre später, sind die Auswirkungen natürlich nur noch minimal. Aber man weiß ja nie, wo man gelandet wäre, wenn dieses oder jenes nicht passiert wäre. Klar, fühlte ich mich ständig angeglotzt, weil ich eben so große kahle Stellen auf meinem Kopf hatte. Außerdem wurde in meiner Heimat viel getuschelt und ich war als Rapper mit meinen großen Hosen eh schon so ein Kanarienvogel. Jetzt begreife ich das ganze haarlose Thema eher als „normal“, sogar als Möglichkeit, damit in meiner Kunst zu spielen, wie auch auf dem Cover von „Das Ende vom Hass“. Das Ganze ist in schwarz-weiß gehalten und würde mit Haaren vermutlich nicht so wirklich funktionieren.
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Warum sollte man mal langsamer machen und sich einen Balkonmoment gönnen?
Ich glaube, die bessere Frage ist, warum man das nicht machen sollte und dazu fällt mir keine Antwort ein. Wir rennen immer vorwärts, weil uns irgendjemand beigebracht hat, dass es so zu laufen hat und unser gesellschaftliches System es natürlich verlangt. Schneller, höher, weiter – Ellenbogen raus, Karriere, Haus, Auto, Kind, Leistung, Miete. Wir vergessen dabei total, was uns eigentlich im Jetzt erwartet. Es ist immer wieder enorm wichtig, seine Sinne zu schärfen und sich zu erden, weil es einen spüren lässt, wie gut wir es eigentlich haben. Und für mich ist das extrem wichtig, weil ich mich in meinen Phasen der Produktion, des Schreibens und Tourens tatsächlich oft selbst verliere. Das Aussteigen und einfach mal Nichtstun fängt mich immer wieder auf.
Deine neue Platte wurde durch eine Crowdfunding-Kampagne unterstützt. Was bedeutet dir die Unterstützung deiner Fans?
Bei meinen ersten Veröffentlichungen haben wir alles ein wenig aus der Not heraus selbst gemacht. Ich habe schon immer extrem viel live gespielt, weil das für mich das Schönste am Musizieren ist. Auf der Bühne kannst du nämlich grundsätzlich erst mal machen, ohne ein lautes „Halt, Stopp, aber“ zu bekommen. Ich lass mich einfach sehr in die Songs fallen und trete mit den Menschen vor der Bühne in Verbindung. Nach und nach ist eine tolle Fanbase herangewachsen und sie gab mir so einen Vertrauensschub, dass ich sagte, diese ganze große Labelmaschine braucht man nicht zwingenderweise – zumindest nicht zum jetzigen Zeitpunkt. Das ist ein Musterbeispiel dafür, was entstehen kann, wenn man Vertrauensvorschüsse bekommt und nicht durch Druck gegeißelt wird. Dementsprechend ist die Platte auch direkt ein Ergebnis all derer, die meine Musik in den letzten Jahren unterstützt haben.
Du bist bald auf großer Tour und kommst auch nach Braunschweig. Was können die Zuschauer von einer Mister Me-Show erwarten?
Mein Ziel ist es immer, dass jeder das Konzert so erlebt, wie er oder sie es möchte. Da gibt es die Menschen, denen nach Tanzen und Klatschen zumute ist oder die Leute, die, so wie ich als Konzertgänger, eher mit verschränkten Armen irgendwo stehen und nur zuhören wollen. Die Konzerte, bei denen das Publikum gemeinsam mit den Menschen auf der Bühne zu einer Einheit zusammenwächst, sind immer die schönsten. Da, wo man spürt, dass sich alle gerade wohlfühlen. Das live zu kreieren ist immer mein Ziel, Musik ist der Schlüssel dafür.

Was gefällt dir am besten am Touren?
All diese Menschen zusammenzuführen und einen Ort zu schaffen, an dem sich wirklich alle einfach wohlfühlen.

Was ist dein sehnlichster Wunsch?
Inspiriert zu werden und zu inspirieren.

Interview Denise Rosenthal
Fotos Christoph Voy

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