Anzeige

In Extremo

9. Oktober / Swiss Life Hall (H)

In Extremo veröffentlichen zu ihrem 25-jährigen Bandbestehen ihre neue Platte
"Kompass zur Sonne" und gehen auf große Jubiläumstour.
KF In Extremo c Jens Koch 01 art
In Extremo ist Deutschlands bekannteste Mittelalterband und das obwohl sie von Radiostationen gemieden werden und eher ein Nischendasein pflegen. Nichtsdestotrotz produziert die siebenköpfige Band seit einem Vierteljahrhundert Top-10-Alben am Fließband, spielt große Konzertvenues und ist auch über die Grenzen der Bundesrepublik hinaus äußerst erfolgreich. Ob Chile, Russland oder Japan – loyale In Extremo-Fans finden sich auf dem ganzen Erdball verteilt. Auch wenn Drummer Specki in einem Interview einst meinte, dass Alkohol der Klebstoff der Band sei, liegt das Geheimrezept der Rocklegenden vielmehr in ihrer musikalischen Leidenschaft und sympathischen Nahbarkeit. Ihre letzte Studioplatte „Quid Pro Quo“ erschien vor vier Jahren und war bereits das dritte Nummer-Eins-Album der Berliner Band. Nun legen die Mittelalterrocker mit „Kompass zur Sonne“ nach und greifen zum Bandjubiläum ihre Wurzeln wieder auf. Dort, wo rockige E-Gitarren und Schlagzeugklänge mit mittelalterlichen Instrumenten wie Drehleier, Sackpfeife und Schalmei verschmelzen und melancholische bis gesellschaftskritische Texte sowie Sauflieder aufeinandertreffen, gibt es In Extremo in Vollendung. Wir haben mit Sänger Michael Rhein alias Das letzte Einhorn über die Rolle der Band als Traditionsbewahrer, das neue Album und die anstehende Tour gesprochen, die das Septett am 9. Oktober auch in die Swiss Life Hall nach Hannover bringt.
Im April erscheint bereits euer 13. Studioalbum „Kompass zur Sonne“, mit dem ihr euer 25-jähriges Bestehen feiert. Was geht in dir vor, wenn du dir vor Augen führst, dass In Extremo quasi Silberhochzeit feiert?
Das hätte keiner Gedacht, als wir uns damals gegründet haben, umso schöner ist es jetzt – viel erlebt, viel gesehen; immer noch zusammen und stärker denn je. Es ist quasi wie eine alte Ehe.

Was motiviert euch?
Wir haben den besten Beruf der Welt. Wir leben davon, sind unterwegs, die Leute kommen zu unseren Shows. Wir leben eigentlich einen Traum.

Ihr seid eine siebenköpfige Band. Wie läuft der Album-Entstehungsprozess bei In Extremo ab?
Manchmal ist es schwer, manchmal aber auch einfach. Basti macht beispielsweise sehr viel und schickt mir manchmal schon Songs rüber, die fast fertig sind. Das ist der Wahnsinn. Er schüttelt die Songs manchmal so aus dem Ärmel. Die Mittelalterfraktion steuert dann die Melodie dazu bei und alles setzt sich wie ein Baukasten langsam zusammen. Manchmal ändert man alles, manchmal bleibt es im Groben so. Manchmal haben wir eine Mülltonne voll mit geschriebenen Songs und am Ende gräbt man die erste Songidee wieder aus, die letztendlich doch die Beste war. Es ist schon ein schwieriger Prozess, den man nicht von heute auf morgen macht. Gerade bei so vielen Songs, die wir geschrieben haben, ist es immer wieder eine Neuerfindung, die riesig Spaß macht, aber auch intensive Arbeit ist.
Die ersten Singleauskopplungen „Troja“ und „Wintermärchen“ haben auf YouTube durchweg positives Feedback bekommen. Wie fühlt es sich an, wenn man die ersten Songs seines neuen Albums den Fans präsentiert?
Es ist total spannend und mega schön. Wir haben vor vier Jahren das letzte Album rausgebracht und waren auch vier Jahre damit unterwegs. Deshalb sind neue Songs wie eine kleine Geburt. Man fragt sich aber auch: Sind sie gut? Sind sie schlecht? Weil man selbst keinen Abstand mehr hat. Ich habe schon von so vielen Leuten, die eigentlich nichts mit unserer Musik zu tun haben, positiven Zuspruch bekommen. Zum Beispiel für das Video von „Troja“, was für ein Knaller es doch sei. Das freut uns natürlich sehr.

Ich habe gelesen, dass du früher Lokführer werden wolltest. Kam die Idee zum „Troja“-Video also von dir oder war es ein Zufall?
Das war eher ein Zufall. Unser Regisseur Jörn Heitmann kam mit der Idee und für mich war es umso erfreulicher. Ich stand vor der Dampflock wie ein kleines Kind, das sich freut; kannte noch jeden Hebel und habe mich mit dem Lokführer unterhalten. Es hat schon riesig Spaß gemacht und war wie ein kleines Déjà-vu. Ich habe nämlich selbst in der Lehre an so einer Lok gearbeitet.

Ihr habt schon mit vielen Bands und Künstlern zusammengearbeitet.
Auf eurer neuen Platte gibt es zum Beispiel ein Feature mit der österreichischen Ska-Band Russkaja. Welche Wunschkandidaten stehen noch auf eurer Agenda?
Wir nehmen uns das eigentlich nie vor. Es kommt meistens einfach so und muss passen. Bei dem russischen Song „Gogiya“ auf unserem neuen Album bot sich deshalb auch eine Kollaboration mit Russkaja perfekt an. Wir haben außerdem noch den Anspruch, mit Leuten zusammenzuarbeiten, die nicht aus unserem Genre kommen, denn das macht die Vielfältigkeit irgendwie aus. Einfach, um mal in andere Gefilde zu schauen. Man begegnet sich gegenseitig mit so viel Respekt, das macht unheimlich viel Spaß.
KF In Extremo c Jens Koch 02 art
Heutzutage wird von Bands erwartet, dass sie sich politisch positionieren. Wie politisch ist In Extremo? Fühlt ihr euch gezwungen, auch Lieder mit politischem Inhalt zu machen?
Wir sind nicht die politische Band und werden es auch niemals werden. Wir sind auch nicht die Band, die den Finger hochhebt und sagt: „Das müsst ihr machen!“ Wir verpacken es auf unsere Art und Weise. Man kommt aber leider nicht mehr drumherum, wenn man schaut, was in der Welt gerade so abgeht. Wir setzten hier und da Statements, wie zum Beispiel in unserem neuen Song „Lügenpack“, aber dann ist auch wieder gut. Bei uns dreht es sich eher um andere Dinge.

Ihr seid die Gründer des Mittelalterrocks. Was glaubst du, woher bei vielen Menschen die Mittelalter-Faszination kommt?
Ich denke, es kommt daher, dass man das Verlangen hat, dem Alltag zu entfliehen und sich auf das Grundlegende zu besinnen. Also ich möchte nicht im Mittelalter gelebt haben, denn dort ist man nicht alt geworden und es war eine sehr harte Zeit, aber halt auch sehr faszinierend.

Wie kam es dazu, dass ihr traditionelle Mittelaltermusik mit Rock gepaart habt?
Das war eher ein Zufall. Die ersten beiden Scheiben waren rein mittelalterlich. Irgendwann dachte ich mir, da fehlt irgendwie eine Gitarre. Dann haben wir das recht schnell umgesetzt.

Mit eurer Musik helft ihr bei der Überlieferung von mittelalterlichen Texten und Traditionen. Fühlt ihr euch als Traditionsbewahrer?
Auf alle Fälle. Das sind natürlich auch unsere Wurzeln und auf jedem Album hatten wir bislang ein oder zwei solcher Texte. Auf dem neuen Album ist es ein bisschen mehr geworden, weil wir wieder back to the roots gehen wollten. Das haben wir auch mit Absicht gemacht. Allein die Tatsache, dass wir dieses „Wintermärchen“ auf dem neuen Album haben. Das ist ein Stück, das wir auch 1989 auf das „Weck die Toten“-Album hätten packen können. Wir wollten aufgrund des 25-jährigen Jubiläums ein bisschen zurück zu unseren Wurzeln gehen. Trotzdem sind wir moderne Leute und eine Rockband mit mittelalterlichen Instrumenten.

"Es ist quasi wie eine alte Ehe"

KF In Extremo c Jens Koch art
Einige Texte eurer Songs stammen aus dem Europa des Mittelalters und der neuen Frühzeit und sind auf Isländisch, Altnordisch, Alt-Französisch oder Mittelhochdeutsch. Wie merkst du dir die Texte und gewährleistest die richtige Aussprache?
Zum Beispiel die „Merseburger Zaubersprüche“, die wir vertont haben, da könnte ich mich manchmal totlachen, wenn die Leute sagen: „Ja, das wird aber ganz anders ausgesprochen!“ Frei nach dem Motto: „Herr Lehrer, ich weiß auch was.“

Es hat noch nie jemand im Leben gehört, wie es richtig ausgesprochen wird. Ich habe es einfach so gemacht, wie ich es fühle und denke. Viele Menschen machen das mittlerweile genauso.
Was hörst du privat für Musik?
Ich höre alles. Ich bin zum Beispiel ein total bekennender Reggae-Fan. Höre aber auch total viel Rockmusik, gern mal gute Popmusik, mag aber auch heftigere Musik. So wie ich es lebe und denke, einfach nicht so einseitig und das habe ich mir so bewahrt. Man kann von der Musik viel lernen. Reggae ist zum Beispiel so eine lebensbejahende Musik und In Extremo ist das auch, denn es gibt genug Blut und Scheiße auf der Welt. Das müssen wir nicht noch unterstützen.

Bei 13 Alben und 25 Jahren Bandgeschichte sammeln sich einige Songs und Hits an. Wie einigt ihr euch auf eine Setlist?
Uh, ganz schwer. (lacht) Das wird immer von Jahr zu Jahr schwieriger. Wir haben jetzt aber auch mal eine Umfrage mit den Fans gemacht, was sie am liebsten hören wollen, vielleicht klappt das ja ganz gut.
Hand aufs Herz – hat man auch mal keine Lust, seine Evergreens zu spielen?
Das gibt es auch. Zum Beispiel den „Spielmannsfluch“, den habe ich eine ganze Zeit lang – ich will jetzt nicht gehasst sagen – aber der ist mir aus den Ohren rausgekommen und ich wollte ihn nie spielen. Irgendwann hat es aber Klick gemacht und ich habe mir gedacht, dem Song haben wir so viel zu verdanken. Er ist es einfach wert, immer wieder gespielt zu werden – einfach so aus Dankbarkeit. Das hört sich jetzt doof an, aber es ist quasi so, als würde Deep Purple „Smoke On The Water“ nicht spielen. Deshalb muss er einfach in der Setlist sein.

Ihr habt sehr treue Fans und das nicht nur in Deutschland. Diesen Festival-Sommer spielt ihr neben dem Wacken-Festival auch in Belgien und Russland. Wie ist es, im Ausland zu spielen?
Es ist total irre, die können einfach die Texte komplett mitsingen. Egal, in welchem Land wir sind – ob in Argentinien oder Japan. Da stehen Leute vor der Bühne und singen deine Texte mit und man denkt sich: „Was ist denn hier los? Das kann doch nicht wahr sein.“ Das ist natürlich total schön. Die Welt ist global geworden und dank dem Internet beschäftigen sich die Leute mit unseren Songs. Ich erinnere mich noch an Chile oder auch an China, da standen 10 000 Menschen vor der Bühne und sangen unsere Songs.
Das war phänomenal und Gänsehaut pur.

Ihr geht bald auf „Kompass zur Sonne“-Tour und macht am 9. Oktober auch Halt in der Hannover Swiss Life Hall. Was kann das Publikum erwarten?
Ich verspreche euch eine absolut ehrliche, feurige In Extremo-Show.

Interview Denise Rosenthal
Fotos Jens Koch

User Rating: 0 / 5

SUBWAY Newsletter

 

Mit SUBWAY verpasst Du kein Event mehr in Braunschweig und der Region. Hol Dir unseren Newsletter!

Kontakt

SUBWAY – Eine Region, ein Magazin

#Redaktion

oeding magazin GmbH
Erzberg 45
38126 Braunschweig

Telefon: 0531-48015-134
Telefax: 0531-48015-79
E-Mail: info@subway.de

Durch Nutzung dieser Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies für Analysen, personalisierte Inhalte und Werbung zu. Weitere Informationen über Cookies finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.