Volle Punkbreite |

Authentisch, dynamisch, energetisch – die drei Braunschweiger Jungs von Forkupines geben dir mächtig Druck auf die Ohren.
Nach drei Europatourneen, zwei EPs und Supports für Stiff Little Fingers, Adam Angst, The Ataris, Honningbarna und The Prosecution
haben sie nun ein glanzvolles Debütalbum „Here, Away From“ herausgebracht. Wir haben mit Frontmann Skotty und Bassist Jens über ihre Songs und das B58 gesprochen.

Wie hat bei euch alles angefangen?
Skotty Wir kennen uns alle seit der neunten Klasse. Ich habe mit Jens zusammen 2011 die Band gegründet, damals erst zu viert und mit einem anderen Drummer. Christian haben wir 2013 dazugeholt, den kannten wir auch aus der Schulzeit. Ich hatte erst mit dem Bass angefangen und wollte dann irgendwann eine Band gründen, in der ich mal Gitarre spiele. Jens war Bassist und ich wusste, wir haben den gleichen Musikgeschmack. Die anderen haben wir über ein Musikerforum gefunden. Erst haben wir nur Coversongs gespielt, später sind wir dann zu eigenen Songs zu dritt übergegangen.

Warum singt ihr auf Englisch?
Skotty Das kam bei mir ganz natürlich. Im Moment ändert sich das vielleicht ein bisschen, aber gerade zu unseren Anfangszeiten hatten 95 Prozent der Musik, die ich gehört habe, englische Texte, weil es einfach vor allem amerikanische oder britische Bands waren. Das hat sich für mich dann natürlicher angefühlt für die Musik, die wir machen, und am Anfang war es auch etwas einfacher: Da es nicht die Muttersprache ist, kann man anders mit Worten umgehen. Man muss nicht gleich so sehr die Poetikkeule raushängen lassen, wie vielleicht bei deutschen Texten.

Wie entstehen eure Songs?
Skotty Meistens erst mal bei mir. Ich schraube zuhause oder auch unterwegs erst mal allein an Ideen herum und nehme auch schon mal vorher etwas auf. Was den anderen beiden auch gefällt, gehen wir aktiv zu dritt an, probieren erst meine originale Idee und sehen dann, wo Ansätze sind, die im Bandkontext besser funktionieren oder wo sich einer einen bestimmten Part anders vorstellt. Das Grundgerüst kommt aber komplett von mir.

Was hat dich in der Zeit beschäftigt, als du die Texte für „Here, Away From“ geschrieben hast?
Skotty Das Oberthema bin sozusagen ich selbst. Die Texte sind alle in einem halben bis dreiviertel Jahr entstanden. Das war in einer Verarbeitungsphase nach einer Trennung. Generell in einer Zeit, in der in meinem Leben viel passiert ist, ich war frisch in meiner Ausbildung. Diese Lebenssituation habe ich an verschiedenen Ecken und Enden thematisch verarbeitet. Das ganze Album ist in einer ganz bestimmten Gefühlslage geschrieben und reflektiert aus der Ich-Perspektive heraus. Das heißt, alle Songs sind nicht irgendwie fiktiv, sondern eins zu eins meine Sichtweise auf gewisse Situationen, wie ich sie empfunden habe und versucht habe, damit umzugehen und sie auch ein Stück weit zu verarbeiten.

Das Cover ist sehr cool.
Skotty Danke. Es war mir ganz wichtig, dass das Cover von der Gefühlslage her zum Album passt und nicht, weil es das Debüt ist, unbedingt die Band darauf abzubilden. Ich habe einem Grafiker, dessen Stil ich sehr gerne mag, Ideen und Texte gegeben und wollte gerne ein Foto, also irgendwas Bearbeitetes mit Realitätsbezug und nicht etwas rein Illustriertes haben. Das Foto hatte er selbst in Neuseeland gemacht. Er hat das komplett zerrissen und digital wieder zusammengelegt. Ich finde, auch mit der Meeresthematik, repräsentiert es die Grundstimmung des Albums ganz gut auf grafischer Ebene. „Here, Away From“ haben wir als Titel gewählt, weil es ja auch darum ging, aus der Situation, in der ich mich damals befunden hatte, ein bisschen zu fliehen, sich durch das Reflektieren etwas davon zu distanzieren und auch kathartisch das Ganze aus sich herauszukriegen.

Ihr seid durch eure starken Live-Performances bekannt geworden. Auf dem Album klingen eure Songs natürlich anders. Was war euch bei der Umsetzung wichtig?
Skotty Der Unterschied bei uns als kleine Band zwischen live und im Studio liegt darin, dass man im Studio Möglichkeiten hat, die Sounds zu fahren, wie man sie eigentlich gern hätte. Wir können ja weder die komplette Produktion mit auf Tour nehmen oder zusätzliche Gitarrenspieler und Background-Sänger engagieren, noch hat es sich für uns angeboten, die Songs live aufzunehmen und, wenn überhaupt, hinterher ein paar Spuren drüberzuspielen, sondern es war von Anfang an klar, dass wir alles nacheinander aufnehmen: Man fängt mit den Drums über einen Basistrack an und ergänzt alles Weitere. Das bringt einerseits schon ein anderes Gefühl, weil es etwas getakteter und maschineller ist, aber andererseits kann man sich vorher genau überlegen, wie das Ganze klingen soll. So sind wir auch an das Album herangegangen, anders als noch bei der letzten EP. Uns war wichtig, dass wir uns trotz dieser ganzen Möglichkeiten selber ein bisschen zurücknehmen und nicht zu viel rumspielen. Darum haben wir anfangs festgelegt: So klingt der Bass auf dem Album, so ist der Gitarren-Grundsound, und haben das von vorne bis hinten tatsächlich eingehalten, bis auf dynamische Wechsel, die wir auch live einbringen können. Beim Album wollten wir die Songs so gestalten, wie sie in unseren Köpfen fertig klingen, und uns nicht darauf beschränken, was wir zu dritt live umsetzen können. Wir haben beispielsweise eine Akustikgitarre und einen Schellenkranz bei einigen Songs mit drauf, das sind Sachen, die wir live nicht ergänzen.

Ich kann nur die Musik schreiben, die ich auch so fühle

Wie würdet ihr euren Sound beschreiben?
Skotty Dynamisch. Darauf legen wir auch live großen Wert. Wir sind eben nur zu dritt und können über die ­Dynamik die größte Energie rüberbringen. Es ist kein trendiger Sound, wo man weiß, das funktioniert, das hat ein Publikum. Natürlich sind da Einflüsse und Anleihen, die wir nicht abschütteln können, aber es ist nichts ­Bestimmtes, was sich definieren lässt. Wir gestalten die Songs nicht, um ein konkretes Genre zu bedienen. Das, was man dann bei den Songs raushört, das steckt da eben drin. Ich kann nur die Texte und Musik schreiben, die ich auch so fühle.
Jens Ich finde, dass unser Sound sehr dadurch bestimmt wird, dass wir zu dritt sind. Dass wir versuchen, da viel Kraft und Energie rauszuholen, damit es einfach fetter klingt.

Wie ist es, so sehr persönliche Texte über eine lange Zeit immer wieder zu spielen?
Skotty Man entwickelt natürlich ein anderes Verhältnis zu den Songs, wenn man sie länger und mehrere Abende hintereinander immer wieder spielt. Wenn man einen neuen Song schreibt, ist es natürlich aufregend und man findet immer die aktuellste Idee erst mal am besten. Das setzt sich irgendwann und wird mehr Routine, was letztlich auch gut ist: Die Reflexion darüber hat dann eben schon stattgefunden und beim Spielen denkt man nicht mehr so viel über die Texte nach, sondern kann sich voll auf die Live-Show konzentrieren. Man hat eine größere Distanz zu den Themen, als noch im Studio, wenn man beim Aufnehmen immer wieder damit konfrontiert wird.
Jens Das klingt negativer, als es ist. Es macht trotzdem immer Spaß auch die älteren Songs live zu spielen. Wenn man sie schon so oft gespielt hat, dass es einfach läuft, kann man sich mehr darauf fokussieren, was im Raum eigentlich passiert. Das ist mit neuen Songs die ersten zwei, drei Male eher problematisch, da achtet man viel mehr auf den Song als zum Beispiel auf die Leute, die vor einem stehen. Für mich ist es eigentlich schöner, wenn die Texte sitzen, dann kann ich den Auftritt mehr genießen. Wie ist es bei dir?
Skotty Live ist der Spaßfaktor, auf jeden Fall. Die Energie, die man dabei selbst produziert und die im besten Fall auch beim Publikum ankommt, das ist das Geile am live spielen. Das ist auch für die meisten jungen Bands der Hauptgrund, das Ganze überhaupt zu machen. Mir persönlich macht auch die Studio-Arbeit sehr viel Spaß, weil man nach und nach alles so hinbiegt, wie man es gerne haben möchte, auch wenn es viel Arbeit ist und sehr ermüdend sein kann.

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Ihr habt direkt eine große Deutschland-Releasetour gemacht. Wie war das?
Skotty Super. Das war unsere beste Tour. So wie man es sich immer erhofft, vor der nächsten Tour. Da waren ein paar Städte dabei, in denen wir vorher schon aufgetreten sind und ein paar Leute kannten, aber auch Städte wie Jena, wo wir zum ersten Mal waren, auch noch an einem Sonntag, aber auch da wurden wir sehr herzlich empfangen.
Jens Das war wirklich schön, für mich der beste Abend der Tour. Die Leute waren einfach unheimlich nett und von unserem Support, Donnokov, war ich sehr begeistert.
Skotty Für mich war Münster das schönste Konzert. Da waren wir vorher schon zwei Mal, wir haben mit befreundeten Künstlern gespielt und es war einfach eine gute, ausgelassene Stimmung. Die Stadt ist an sich sehr kulturaffin und man trifft selten so viele Menschen, die mit dem Ort, an dem sie leben, so glücklich sind. Das spiegelt sich auch in der vielfältigen Musikszene dort wider mit unglaublich vielen Musikern und Freiberuflern.

Als B58-Booker kriegst du ja einiges mit, Skotty. Wie empfindest du die regionale Musikszene?
Skotty Die entwickelt sich gerade wieder ein bisschen. Eine Zeit lang war Braunschweig ein relativ guter Standort für Hardcore und Metalcore, das geht aber gerade in ganz Deutschland wieder zurück. Große Hardcorebands gibt es noch, aber die ganzen kleinen Szenedinger, das war wirklich eine Zeiterscheinung Ende der 2000er, Anfang der 10er Jahre. In den letzten zwei bis drei Jahren habe ich gemerkt, es gibt immer Bandnachwuchs, aber das ist eine neue Generation, ein neuer Schwung an Musikern, die sich in Braunschweig ein Standbein aufbauen und etablieren werden. Wir müssen dafür aber auch einige wichtige Sachen erhalten wie das B58 zum Beispiel – den Jugendkulturverein gibt es auch bald seit 30 Jahren – oder Kulturpunkt West und andere Projekte, da fehlt etwas die Aufmerksamkeit. Das merkt man bei städtischen Maßnahmen wie dem Umbau der Stadthalle, der jetzt noch mal komplett nach hinten verschoben wurde. Es fehlt die Kulturförderung und ein bisschen mehr Feingefühl für Subkultur. Es wird städtisch schon viel gefördert, das ist auch alles gut und wichtig, aber die Subkultur wird oft vergessen. Seit die Meier Music Hall zu ist, haben wir hier keine Anlaufstelle für die Kapazität von 700 bis 800 Leuten.

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Was würde denn dem B58 helfen?
Skotty Wir haben die Räumlichkeiten im ebenerdigen Bereich der ehemaligen Holz- und Metallwerkstadt, die wegen Baufälligkeit schon seit einigen Jahren komplett geschlossen sind. Da versuchen wir gerade die Mittel zu bekommen, dass da was gemacht wird. Weil es ein städtisches Gebäude und ein wichtiger Punkt für Jugendkulturarbeit ist. Im oberen Bereich können wir keine Barrierefreiheit bereitstellen. Wir könnten den Raum unten so gestalten, dass er für Künstler und Veranstalter mehr Sinn macht, und gleichzeitig oben für die Kinder- und Jugendarbeit mehr Raum und neue Möglichkeiten schaffen, bevor es oben aus irgendwelchen baulichen Gründen auch einmal nicht mehr möglich sein sollte. Dass man wenigstens die Räume, die vorhanden sind, wieder auf den neuesten Stand bringt und nutzbar macht, würde dem B58 sehr helfen.

Text: Evelyn Waldt
Fotos: Frank Tobian, Kathleen Kalle

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