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Neonschwarz

23. März / Faust (H)


Zwischen Feel-Good und Anti-AfD: Die Hamburger Hip-Hop-Band Neonschwarz
reißt am 23. März die Faust in Hannover ab.
KF Neonschwarz Presse2018 1 CreditRobinHinsch art
Neonschwarz – das sind Marie Curry, Johnny Mauser, Captain Gips und Spion Y. Die vier Künstler aus Hamburg bezeichnen sich selbst als Zeckenrapper und wer schon mal ihre Songs gehört hat weiß auch, warum: Schonungslos ehrliche Gesellschaftskritik und ihre linke Haltung machen sie zu dem, was sie sind. Allerdings können die Hanseaten noch mehr: Auf „Clash“, ihrem neusten Album, tanzt man nur so durch
„Ananasland“, wartet dann an „Gleis 13“ und endet in „St. Pauli“. Daneben gibt es gewohnt ernste Lieder wie „2018“ oder „Der Opi aus dem 2. Stock“. Im Rahmen ihrer „40° Fieber“-Tour kommen sie am 23. März in die Faust nach Hannover. Wir haben mit Rapper Johnny Mauser über Nazis, seinen Lieblingsplatz in Hamburg und seine Oma gequatscht.
Wie seid ihr auf den Albumtitel gekommen? Warum Clash, warum Zusammenstoß?
Mal abgesehen davon, dass die Gesellschaft gerade clasht und jeder Position beziehen sollte, geht es da auch um einen Moment, den wir hatten, als wir eine Graffiti-Dokumentation gesehen haben. Es ging darum, dass die Band The Clash als Punkband mit dafür verantwortlich war, dass Graffiti nach Europa gekommen ist, weil sie einen Sprayer aus New York mit auf Tour hatten und der hat in London und Paris Bilder gemalt. Damit hat er einen Teil der Hip-Hop-Kultur mitgebracht, was auf den ersten Blick eigentlich nicht zusammenpasst. Und dann haben wir uns gedacht, dass das eigentlich ganz gut zu uns passt: Wir spielen ja auch mit Punkbands zusammen und fahren nicht den typischen Hip-Hop-Stil und da sahen wir ein Momentum, sowohl musikalisch als auch inhaltlich, wobei der Titel jetzt auch keine wirkliche Hommage an The Clash ist.
In dem Lied „2018“ gibt es die Liedzeile „Wir diskutieren nicht mit ihnen, denn wir kennen ihre Ziele“. Ist nicht gerade die Diskussion mit politischen Gegnern wichtig?
Natürlich! Es gehört zu jeder aufgeklärten Gesellschaftsform dazu, dass man diskutiert und streitet und spricht – das steht völlig außer Frage. Zum Beispiel: Wenn man auf einer Familienfeier ist und der Onkel irgendeine AfD-Position loslässt, mit der wir nicht klarkommen, dann reden wir mit ihm darüber. Rechte Gruppen und Neonazis schaffen es sehr gezielt, Leute auf ihre Seite zu ziehen, auf die Straße zu gehen, Menschen anzugreifen und umzubringen – und das Ganze auch noch unter dem Deckmantel einer demokratischen Partei. Da muss man meiner Meinung nach aufzeigen, dass das in einer offenen Gesellschaft keine Option ist. Aber es ist völlig klar, dass Leute eine andere Meinung haben und da kann man drüber reden.

„Es gehört zu jeder aufgeklärten Gesellschaftsform dazu, dass man diskutiert und streitet und spricht“

Dann wiederum gibt es in „Fieber“ die Line „Ihr wollt Tränen, Schweiß und Blut, ich zieh die Vorhänge zu“. Steht dieses Vorhänge-zuziehen nicht im Konflikt zu dem politischen Statement, das ihr eigentlich setzen wollt?
Ich würde nicht sagen, dass dieses „zieh die Vorhänge zu“ heißt „Werd‘ nicht politisch aktiv“, sondern eher so als Geste, mit dem, was jetzt vielleicht im Mainstream oder in gewissen Kreisen so gewollt ist, nichts zu tun haben zu wollen. Aber wenn man das wortwörtlich nimmt, ist Gardinen zuziehen natürlich das Falsche. Das ist ein eher resignierender, sarkastischer Moment, aber an sich sind wir natürlich immer dafür, dass man sich nicht zurückzieht, sondern eher nach draußen geht, seine Meinung sagt und viele Leute auf seine Seite zieht – es gibt ja genügend Menschen, die eine coole Meinung haben. Noch ist es ja noch nicht so weit, dass man die Gardinen komplett zu ziehen muss.

Wie kann man denn deiner Meinung nach den Opis aus dem zweiten Stock helfen?
Das ist eine sehr spezielle Biografie, die zwar fiktiv ist, aber oft so vorkam. Es geht um einen Überlebenden aus dem Holocaust. Es war uns bei dem Song einfach wichtig, dass die Leute, die den Holocaust miterlebt haben, gehört werden. Ein Freund von uns hat mal eine Broschüre mitveröffentlicht, in der Menschen interviewt wurden, die Auschwitz überlebt haben. Sie müssen gehört werden, einfach, damit das nicht nochmal passiert. Denn wenn man sich deren Geschichten anhört ist es so drastisch, dass das hoffentlich bei jedem auslöst, das nicht nochmal zu wollen. Helfen kann man dem Opi eher nicht, außer vielleicht ihm zuzuhören und die Geschichte weiterzutragen.
Ihr seid ja genau wie Feine Sahne Fischfilet bei Audiolith. Die mussten erst im November wegen einer Drohung ein Konzert unterbrechen und auch die sozialen Netzwerke sind voller Hetze gegen sie. Ist euch da schon mal Ähnliches passiert?
So was Drastisches, wie dass wir ein Konzert unterbrechen mussten, zum Glück nicht. Dass es im Vorfeld von unseren Konzerten Probleme mit Nazis gab, ist schon vorgekommen, aber zum Glück nicht so umfangreich wie bei Feine Sahne Fischfilet. In den letzten Jahren ist das aber heftiger geworden. Als wir noch in linken Jugendzentren gespielt haben, gehörte es auch irgendwie dazu; man musste einfach damit rechnen, dass da irgendwelche Nazis aufschlagen könnten. Dieser Problematik sind wir uns schon länger bewusst, es macht keinen Sinn, sich einschüchtern zu lassen.

Wie geht ihr mit Kritik um? In Zeiten von Social Media ballert es ja auf einen ein …
Mich nimmt das nicht so mit. Ich lese mir zum Beispiel YouTube-Kommentare nur am ersten Tag, wenn wir etwas releasen durch, um zu schauen, wie die Reaktionen sind. Es entbrennen oft auch komische Diskussionen, an denen ich mich nicht beteiligen will und lieber meine Zeit im Real Life verbringe.
KF Neonschwarz Presse2018 3 CreditRobinHinsch art
Apropos Real Life: Im Lied „Maradonna“ geht es um die Flucht aus dem Alltag. Was machst du, wenn dein Alltag mal scheiße ist?
Ich glaube, wir als Band haben schon ziemliches Glück, dass wir unser ehemaliges Hobby zum Beruf machen konnten und jetzt coole Dinge erleben. Was ich im Alltag mache, macht mir Spaß. In dem Song haben wir viele Ausweichszenarien dargestellt: Das mit dem Abhauen kennt jeder, es ist immer ganz cool, eine spontane Reise zu machen und die Stadt zu verlassen. Gerade, wenn man in einer Großstadt wohnt und sich oft überlegt: „Es wäre doch geiler, ganz weit draußen zu wohnen und von dem ganzen Stress nichts mehr mitzubekommen.“ Ich liebe es auf St. Pauli zu sein, aber ich genieße es auch, mal einen Tag an die Nordsee zu fahren, wo nichts ist.

„Natürlich können wir uns eine Welt ohne starre grenzen, abschiebungen und Kapitalismus vorstellen“

Und was ist dein Lieblingsort in Hamburg?
Am Wasser, das finde ich an Hamburg besonders cool: Dass man durch die Elbe das Gefühl hat, eine Öffnung zur Welt raus zu haben. Vor allem direkt am Strand, wenn dann die großen Schiffe ein- und ausfahren.

Wäre es nicht einfacher, nur Feel-Good-Hip-Hop zu machen statt ständig politisch werden zu müssen?
Bestimmt. Ist wahrscheinlich auch strategisch schlauer, wenn man zum Beispiel im Radio laufen will. Wir in der Band sind schon immer politische Menschen gewesen und das dann so auszuklammern, was um uns herum passiert, das würde uns nicht glücklich machen. Aber es sind ja auch poppige Feel-Good-Komponenten mit positiven Texten in unseren Songs enthalten.

Ich schalte mein Handy aus, wenn ich politischen Weltschmerz habe, um mich damit nicht auseinandersetzen zu müssen – die Chance habt ihr bei Konzerten nicht. Wie geht ihr damit um, euch selbst ständig damit zu konfrontieren und ist das nicht arg anstrengend?
Es schreibt uns keiner was vor. Wir könnten auch frei die Entscheidung treffen, mal ein komplett unpolitisches Album zu machen. Aber wenn man unterwegs ist und sich mit Menschen austauscht, werden diese Themen, die man in der Musik behandelt, immer wieder aufgewärmt. Wenn man zum Beispiel in Sachsen spielt, redet man mit den Leuten dort schon über die Dinge, die da passieren.
KF Neonschwarz Presse2018 4 CreditMalteSchmidt art
… Und die Fans wären enttäuscht, wenn da gar nichts Politisches käme …
(lacht) Ja klar. Wenn wir jetzt ein Album machen, wo gar nichts mit Politik drauf wäre oder zwölf Battle-Rap-Songs – mal davon abgesehen, dass uns das nicht gerade naheliegen würde – wären die schon enttäuscht.

Habt ihr noch die utopische Hoffnung, dass ihr irgendwann aufhören könnt, politische Songs zu machen, weil sich alles irgendwie geklärt hat?
Natürlich können wir uns eine Welt ohne starre Grenzen, Abschiebungen und Kapitalismus vorstellen. Wir würden die Musik ja nicht machen, wenn wir genau diese Hoffnung nicht hätten. Aber in unserer Band-Historie wird es dazu wohl nicht mehr kommen. Wenn alles gut läuft, können das unsere Kindeskinder noch erleben – es gibt ja nicht nur Bands, sondern auch Politiker und Pädagogen, die sich darum kümmern.
Trittst du lieber in großen Hallen oder in kleinen, intimen Clubs auf?
Grundsätzlich eher im Kleinen. Wir haben den Auftakt unserer Tour in kleinen Läden gespielt, da steckt eine ganz andere Energie drin. Aber wir machen schon ewig Musik und haben lange auf kleinen Bühnen gespielt und wenn man dann auf einer großen Bühne oder auf dem Hurricane vor tausenden Leuten steht, ist das natürlich eine Erfahrung, die sich festbrennt und die sehr geil ist. Die Mischung ist ganz cool: Im Sommer auf Festivals spielen und im Winter in Clubs.

Hast du in Hannover etwas vor und gibt es etwas, das du sehen willst?
Ich kenne Hannover ziemlich gut, weil meine Oma da herkommt (lacht). Sie war sogar auf mehreren Konzerten von uns: In der Faust, beim Irie Revoltés Open Air und auch schon im autonomen Zentrum, als wir da gespielt haben. Vielleicht fahren wir auch zum Maschsee? Ansonsten spielen wir ja in der Faust, da kann man gut Graffiti malen und sich die Zeit vertreiben.

Interview Giana Holstein
Fotos MalteSchmidt, Robin Hinsch

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