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Samy Deluxe

17. Dezember/ Stadthalle (BS)

Rapstar Samy Deluxe kommt mit „SaMTV unplugged“ in die Braunschweiger Stadthalle.
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Ob als Wickeda MC, Herr Sorge, Teil von Dynamite Deluxe oder ASD– Samy Deluxe mischt seit über 20 Jahren im deutschen Rapgame mit und hat sich als einer der außergewöhnlichsten Künstler der Republik mit eigenem Studio in Hamburg fest verankert, legendäre Musiker wie die Beginner, Megaloh, Sido, Joy Denalane, Kool Savas – die Liste lässt sich ewig weiterführen – gefeatured und als Höhepunkt seiner Karriere letztes Jahr ein MTV unplugged Album herausgebracht. Mit zwei großen Tourbussen und einem Truck voller Equipment reist Samy seitdem von Bühne zu Bühne und stattet auch Braunschweig am 17. Dezember einen Besuch ab. Bevor es mit dem „SaMTV unplugged“-Tourstress und einer Handvoll Freestyle-Sessions losgeht und keine Zeit mehr für einen ausgiebigen Mittagsschlaf bleibt, wollten wir die Chance nutzen, um mit Samy über alte MTV-Zeiten, Gelassenheit und junge Nachwuchsmusiker zu klönen. Nachdem er tatsächlich zwei Interviewtermine verpennt hat, haben wir die Schlafmütze doch noch an die Strippe bekommen.
Moin Samy, du bist aktuell mit „SaMTV“ auf Tour. Was schätzt du am Tourleben im Vergleich zur Arbeit im Studio?
Ich denke, das ist vor allem das soziale Ding. Vor allem jetzt auf der „Unplugged“-Tour ist man mit so vielen Leuten unterwegs – wir sind eine riesengroße Family on the road. Obwohl ich noch nie mit so vielen Menschen unterwegs war, sind wir eine echt nice Truppe, total entspannt. Alle Leute sind egofrei und supernett.

Endlich ein eigenes MTV-unplugged-Album – ein neuer Haken auf deiner Bucketlist?
Ja, so kann man das sehen. Es war so etwas, das ich schon immer machen wollte und am Ende hat es geklappt und ist ein richtig schönes Ding geworden.
MTV hat ja so ziemlich jeden Musikliebhaber super geprägt ...
Ja voll, vor allem zum Aufwachsen war das echt wichtig. Die erste Hip-Hop-Sendung, die es je irgendwo im Fernsehen gab, war auf MTV – „Yo! MTV Raps“ hieß die. Das war früher in den 80ern, bis in die 90er hinein. Das war ein wichtiger Teil meiner Sozialisation.

Hast du viel Charts geguckt oder eher Sendungen wie „South Park“?
Ich war noch nie in meinem Leben ein großer Fernsehgucker. Als Kind hatten wir keinen Fernseher und ich hab nur manchmal bei Freunden mitgeguckt. Als ich dann später selber entscheiden konnte, was ich machen will und mir einen Fernseher kaufen konnte, hat er mich auch nicht interessiert. Ich habe das nie gelernt – Fernsehen, wenn man nichts zu tun hat. Ich habe immer Musik gemacht und bin zum Glück nicht so ein Zapp-Mensch.
Welches MTV-unplugged-Album steht bei dir zu Hause im Regal?
Das von Jay-Z auf jeden Fall, Nirvana und Lauren Hill – die drei waren echt fett.

Macht „SaMTV“ noch richtig Bock oder hast du auch mal wieder Lust auf back to the Roots und reine Samy-Konzerte?
Wir haben zwischendurch auch immer wieder andere Konzerte, ab und zu mal nur mit DJ oder nur mit Drummer, Bassist und einer Sängerin. Man kann das sozusagen in verschiedenen Größen buchen. Ich bin gerade aber einfach voll happy, das Unplugged-Ding machen zu können und das ist alles so gut zusammengewachsen ... Wenn ich auf der Bühne stehe, würde ich nie denken, dass da gerade 20 Leute live spielen, weil es so tight ist, was da in meinem Kopfhörer ankommt. Das ist wirklich, als würde da schon eine Platte laufen, weil die so eingespielt sind und das bringt echt 'ne Menge Spaß.

Du machst seit über 20 Jahren Musik. Was war dir früher wichtig und worauf legst du heute Wert?
Ich glaube, das Grundprinzip war immer das Gleiche. Ich bin immer ein Fan von Musik gewesen und geblieben und das, was ich selber viel und gerne höre, fließt dann am Ende auch in meine Musik ein. Das ist der entscheidende, gleichbleibende Faktor. Aber natürlich habe ich mir über die Jahre auch viel Wissen angeeignet. Am Anfang war ich eher ein Rapper, der gewartet hat, bis jemand einen Beat schickt. Mittlerweile produziere ich die nicht nur für mich selber, sondern auch für andere Künstler und schreibe auch für andere. Das ist einfach mein Beruf – in jeder Hinsicht.

Hast du das Gefühl, dass das Älterwerden sich auf deine Musik auswirkt?
Ja, voll. Aber im positiven Sinne. Man hat irgendwie mehr zu erzählen, man hat mehr erlebt. Man weiß mehr, wer man selber ist und aus welcher Perspektive man zu den Leuten sprechen will. Meine Musik war schon immer sehr inhaltsstark und ich habe viele Songs, mit denen die Leute inhaltlich was verbinden. Musik zu machen und zu wissen, was meine Position ist, wird für mich irgendwie Jahr für Jahr leichter. Früher war das ein bisschen schwerer.
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Wie wichtig findest du es, sich als Künstler politisch zu positionieren?
Ich finde bei politischem Aktivismus geht es darum, dass man wirklich inhaltlich 'nen Plan hat, wovon man redet und dass es einen wirklich interessiert. Wenn es von der Seele kommt, dann ist Aktivismus wichtig und richtig, aber ich finde nicht, dass Künstler allgemein eine Position einnehmen sollen oder müssen. Viele interessiert einfach nicht, was außerhalb von ihrem Leben los ist und die sollten dann auch lieber nichts sagen, wenn sie keine Ahnung haben. Das wäre irgendwie Pseudo-Aktivismus, nur weil sie prominent sind.

Welche Songs spielst du im Moment am liebsten live?
Wir spielen echt einen Mix aus 20 Jahren. Der älteste Song aus dem Set ist irgendwie von 1998 und der neuste von 2018. Das ist echt eine schöne Zeitreise, auf die wir die Leute mitnehmen und welcher Song dann am meisten kickt, ist immer unterschiedlich.
„Weck mich auf“ ist einer deiner erfolgreichsten Songs und immer noch topaktuell. Konntest du dir damals vorstellen, dass dieser Song so dermaßen zeitlos ist?
Das werde ich oft gefragt. Viele Leute sind da immer super überrascht, aber weißt du, es geht darin um menschliche Sachen. Ein Liebeslied wird auch 100 Jahre später noch für irgendwen aktuell sein, weil irgendwer immer verliebt ist. Und genau so wird immer irgendwo jemand diskriminiert oder ist arbeitslos. Das sind gesellschaftliche Probleme, die immer irgendwie da sind und auch bleiben. Ich weiß nicht mehr, was ich damals dachte, aber dass „Weck mich auf“ länger als ein Jahr aktuell ist, weil ich damit Rassismus ja nicht abschaffe, war irgendwie klar. Die Gesellschaft ändert sich in manchen Dingen einfach nicht. Menschen werden immer Menschen bleiben, Menschen sind immer ängstlich vor fremden Dingen und wollen sich immer durch irgendwelche Faktoren von anderen unterscheiden und das führt dazu, dass solche Songs immer aktuell bleiben. Außer die Zeile mit dem BSE, die ist nicht mehr so aktuell. (lacht)
Was bringt dich aus der Fassung und macht dich so richtig aggro?
Hmm nö, also mich bringt nichts aus der Fassung. Ich bin immer gelassen und rauche einfach zu viel Weed, um aggro zu werden. (lacht) Und ich bin komplett medienfrei, das trägt vielleicht auch dazu bei. Dadurch kann mich im Alltag wenig aus der Fassung bringen.

Du beschäftigst dich ja auch viel mit Nachwuchskünstlern. Was ist deine Message an junge Leute?
Ich bin ein großer Freund von Selbstverwirklichung und bin auch der Meinung, dass jeder irgendein Talent hat und etwas, das ihn als Mensch ausmacht und seine Berufung ist. Wenn ich Nachwuchsförderung betreibe, geht es mir wirklich darum, Leute auszubilden. Klar freut es mich auch, wenn Leute erfolgreich werden, aber Erfolg ist heutzutage auch so eine undefinierte Sache und hängt mittlerweile viel mit materiellen Dingen zusammen. Für mich ist das nicht so. Ich hatte teilweise die größten Depressionen gerade dann, wenn ich nach außen hin am erfolgreichsten war. Dementsprechend geht es mir darum, Leuten mit dem Beruf als freischaffender Künstler und der Industrie, die dahinter steht, zu helfen und ihnen zu erklären, wie sie in dieser Welt vorankommen und davon leben können. Das ist, worum es mir am meisten geht; junge Leute vor den Fehlern zu bewahren, die ich und meine Generation machen mussten. Verträge, Labels, Geldprobleme ... das kann viele negative Seiten haben und da habe ich irgendwie so einen inneren Bildungsauftrag und möchte mein Wissen weitertragen.

Hast du da eine Art Vorbildfunktion?
Ich biete einfach nur durch meine Erfahrung Sachen an, die Leuten helfen könnten. Informationen über das, was ich kenne, aber die anderen noch nicht. Der, der diese Hilfe will, kann sie sich nehmen, aber ich sage nicht, ich bin ein Vorbild, hört mir alle zu. Viele sind auch zu ignorant dafür. Ich treffe viele junge Musiker, die sich nicht einmal einen Satz anhören wollen und die werden diese Fehler machen, obwohl die Möglichkeit da ist, sich davor beschützen zu lassen. Viele reden einfach lieber, als zuzuhören. Ich war da umgekehrt und glaube, dass das auch dazu beigetragen hat, dass ich nächstes Jahr 25-jähriges Bühnenjubiläum feiere und meine Karriere noch voll am Start ist. Ich hatte nie den krassen Geltungsdrang, der Lauteste und Coolste zu sein. Ich observiere, höre viel zu und lerne dadurch. Über diese Tugend bin ich auch sehr froh; diese Lust, zu lernen und zu wachsen. Wenn du immer nur so tust, als wärst du cool und als bräuchtest du nichts mehr lernen, wirst du nie weiterkommen.
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Was liebst du an Hamburg?
Ich bin hier aufgewachsen, ich komme hier her. Ich glaube, der ganze Mix an kultureller Vielfalt, auch im subkulturellen Bereich, hat mich definitiv zu dem Künstler gemacht, der ich heute bin, mit vielen Einflüssen von Punk bis Reggae bis Rap. Außerdem ist Hamburg eine sehr politische Stadt, die eine Haltung hat. Das hat mich auch geprägt und in meiner Musik bestärkt. Wenn ich aus München oder so kommen würde, wäre das anders. Da schwingt nicht die ganze Zeit so ein politischer Tenor. Ich bin aber trotzdem kein krasser Lokalpatriotisten-Dude, der die ganze Zeit über seine Stadt schreibt.
Ich habe auch viel von anderen Orten gelernt und da meine Inspiration herausgezogen.
Was verbindest du mit Braunschweig?
Braunschweig ist tatsächlich eine Stadt, in der ich vergleichsweise selten aufgetreten bin, aber an eine Situation kann ich mich sehr gut erinnern. Das war im Joker, da hatten wir einen Gig und da hat jemand ein T-Shirt auf die Bühne geworfen, auf dem „I love BS“ stand. Für mich steht „BS“, weil ich immer so englisch sozialisiert war, für Bullshit. Und ich so „Was ist das für ein T-Shirt? I love Bullshit?“ – alle haben mich ausgebuht und da habe ich erst gemerkt, dass „BS“ wohl für Braunschweig steht. Da habe ich eure Stadt komplett unwissend beleidigt – und das in einem Kultort wie dem Joker, wo schon viele Generationen sich sinnlos weggefeiert haben. Aber das war way back in 2005 oder so. Ich hoffe, ihr habt mir mittlerweile verziehen! (lacht) 

Interview Louisa Ferch
Fotos Janick Zebrowski

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