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WestBam

12. Oktober/ Hallenbad (WOB)

Techno- und Elektronik- Pionier WestBam ravet am 12. Oktober im Wolfsburger Hallenbad.
KF Westbam Andreas Bleckmann art
Techno-Altmeister WestBam ist eine Legende auf dem Feld der elektronischen Musik. Wie kaum einer hat er den Sound von Techno seit Stunde Null geprägt und weiterentwickelt. Dabei hat er in seiner DJ- und Producer-Karriere stets die Scheuklappen abgelegt, sich immer neu erfunden und seine Sinne und Fühler in alle möglichen Richtungen ausgestreckt: House, Punk, Hip-Hop – Pop? Sechs Jahre nach „Götterstraße“ (Platz 12 in Deutschland!) hat das Urgestein für sein 2019er Album „The Risky Sets!!!“ Kollabos unter anderem mit Kendrick Lamar, Tyler The Creator und Drake produziert. WestBam wird einfach nicht müde. Big Business, auch noch als alter Hase nach mehr als 40 Jahren Musik- und Bandhistorie. Im Oktober spielt er mit Techno- und House-Größen wie Alfred Heinrichs im Hallenbad. Wir haben uns vorab mit dem Berliner Pionier unterhalten.
Zum Einstieg: Wann hast du zuletzt einen Rave auf der Tanzfläche verbracht?
Ich bin mir nicht sicher, ob ich in meinem ganzen Leben überhaupt schon mal eine Nacht auf der Tanzfläche verbracht habe. Am ehesten vielleicht als Teeny ... Aber da gab es noch keine Techno-Partys ...

Du bist inzwischen ein alter Hase, der ruhiger feiern geht. Wie hat es sich auf deine Inspiration, deine Produktionen und dein Verständnis für elektronische Musik ausgewirkt, am Wochenende kürzerzutreten? Ist es wichtig, raven zu gehen, um Raves zu machen?
Der junge Künstler muss immer nach links und rechts schauen, was die Konkurrenz so macht. Bei älteren Künstlern wird das aber irgendwann würdelos, weil das Hip-Sein-Wollen dann keinen jugendlichen Charme mehr hat. Es ist irgendwann schleichend zu einer abgefuckten Kulturtechnik geworden. Danach strebe ich nicht. Ich versuche, in meinen Sets nicht so zu klingen, wie ein 20-jähriger DJ von jetzt. Ich schöpfe aus meinen Erfahrungen der Jahrzehnte bis heute. Mit Generationen von Beats, von Partys und von Leuten, die ich von der DJ Booth aus erlebt habe, bis zu dem Moment, der letztes Wochenende war. Und das mixe ich zusammen. Und genau dadurch habe ich etwas zu bieten, was ein junger DJ nicht bieten kann.
Die meisten Techno-Artists produzieren einen zwar individuellen, dabei aber auch sehr homogenen Sound. Deine Produktionen dagegen sind stets sehr abwechslungsreich, vielfältig, innovativ und voller musikalischer Quereinflüsse. Woher kommt dein Drang nach Neuem?
Siehste, da haben wir es schon. Obwohl ich dieser „homogenen“ DJ-Kultur in den Sattel geholfen habe und obwohl es mir damals sehr gefiel, der althergebrachten Musikgeschichte damit in den Arsch zu treten. Aber in dem Moment, in dem sich die DJ-Kultur etabliert hatte und die Leute die neue DJ-Herrschaft mit ihren neuen Regeln mit derselben Ergebenheit für sich annahmen und für selbstverständlich hielten, wie sie alle gegebenen Regeln und Gesetze immer für selbstverständlich gehalten und sich ihnen immer gerne unterworfen hatten, da kam bei mir wie immer der Wunsch auf, der Sache einen neuen Entwurf entgegenzuhalten. „Kunst ist Veränderung“, sagte Joseph Beuys. Und solche Worte inspirieren und beeindrucken mich – auch ohne Bühnenshow und Pyrotechnik.

Auch dein aktuelles Album „The Risky Sets!!!“ vereint typische WestBam-Sounds, greift weit über die Grenzen elektronischer Musik. Was ist daran für dich „risky“?
„The Risky Sets!!!“ ist selbst kein Set, sondern ein Album, der Titel weist nur auf meine Idee eines Sets hin. Wenn du das Album oft genug hörst und vielleicht ein paar meiner Sets und dann noch mal an den Titel denkst, wird er sich dir vielleicht irgendwann erschließen und dich inspirieren. Das wäre jedenfalls mein Wunsch. (lacht)

„Viele der tollsten Momente passierten plötzlich in the middle of nowhere. Man weiß es nur nie vorher“

Du wurdest musikalisch als Punk sozialisiert. Wie „Punk“ ist deine Musik heute noch?
Meine fehlende Bereitschaft, mich herrschenden Realitäten unterzuordnen. Das ist auch das Punk-Credo, oder nicht?

40 Jahre seit deiner Münsteraner Punk-Band Anormal Null – wie fühlt sich dieser epische Zeitraum als Musiker für dich an?
Ja, ich habe auf jeden Fall einen Sinn für diese Zeit. Mein Album „Götterstrasse“ ist davon inspiriert. Eine lange musikalische Lebensgeschichte ist auch immer eine Welt für sich, die sich dann irgendwann auch aus sich selbst heraus weiter erzählt. Oder ist dir das jetzt zu philosophisch? (lacht) Ach so, falls es dich interessiert: Ich mache im Moment am ersten Dienstag des Monats auf Radio 1 aus Berlin eine Sendung, wo ich alles Mögliche spiele, wozu ich was zu sagen habe. Also von Punk bis Techno und theoretisch auch von Chanson bis Folk. Mein Soundtrack der Jahrzehnte.
KF Westbam Andrea Stappert art
Gibt es etwas, dass du in deiner Musiker-Karriere unbedingt noch verwirklichen willst?
Ein Traum von mir: Irgendwann noch mit meinem Gesamtwerk verstanden zu werden. Ist natürlich etwas eitel, ich weiß. Aber, hey – ohne den Wunsch, verstanden zu werden, wäre man ja kein Künstler geworden, der sich vor ein Publikum stellt.

Spielst du lieber verhältnismäßig kleine Venues wie das Wolfsburger Hallenbad oder Mega-Raves wie die Mayday? Wo spürst du als DJ mehr Energie im Publikum und was macht für dich und deine Performance den Unterschied aus?
Der große französiche Surrealist Picabia sagte einmal: „Leben ist überall“. Nicht nur hier, sondern dort und dort und dort. Ich suche an den verschiedensten Orten. Nicht nur der Club UK in London, nicht nur im Liquid Room in Tokio, nicht nur der kommende Gig am Brandenburger Tor zum 30-jährigen ­Jubiläum des Mauerfalls am 9. November ... Die Leute fragen: Was war das für ein Gefühl, vor einer Million Leute auf der Love Parade zu spielen? Das fühlte sich für mich manchmal nicht viel anders an, als eine Kassette in meinem Wohnzimmer zu mixen. Und viele der tollsten Momente passierten plötzlich in the middle of nowhere. Man weiß es nur nie vorher.

Wusstest du, dass Braunschweig so etwas wie eine Drum-and-Bass-Hochburg in Norddeutschland ist? Kannst du mit der Musikrichtung etwas anfangen?
Ich höre keinen DnB, höchstens mal random. Aber ich sympathisiere damit, als die kleine, zähe Widerstandsmusik, die tapfer und schon so lange gegen den Strom schwimmt. Also big up to Braunschweig posse! (lacht)

Dein abschließender Tipp für verfeierte, zerknartschte, regnerische, triste, graudunkle Sonntage im anrückenden Herbst?
Everyday is like sunday, das ist für mich eine ziemliche Horrorvorstellung. Für Sonntage habe ich keine Tipps. Außer pennen. Der Herbst hingegen ist vielleicht sogar meine Lieblingsjahreszeit. Vielleicht weil er alles wegfegt ... 
KF WB 20190220 181113 art

Interview Benyamin Bahri
Fotos Andreas Bleckmann, privat

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