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Jodie Foster über das Polit-Drama „Der Mauretanier“
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Sie steht seit 55 Jahren vor der Kamera. Als Achtjährige gab Jodie Foster ihr Debüt 1970 im Fernsehfilm „Gefährliche Begegnung“. 1976 spielt der Teenager an der Seite von Robert De Niro in „Taxi Driver“ und wurde für den Oscar nominiert. Zu weiteren Filmen gehören „Bugsy Malone“, „Das Mädchen am Ende der Straße“ und „Angeklagt“, für den es 1989 den Oscar gab. Der nächste Academy Award folgte zwei Jahre später für „Das Schweigen der Lämmer“. Ihr Regiedebüt gab Foster 1991 mit „Das Wunderkind Tate“, gefolgt von „Familienfeste und andere Schwierigkeiten“ und „Der Biber“. Nach Polanskis „Der Gott des Gemetzels“ ist die Schauspielerin nun als Anwältin im Polit-Drama „Der Mauretanier“ zu erleben. Mit Jodie Foster unterhielt sich unser Film-Experte Dieter Oßwald via Zoom-Interview.
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Frau Foster, Sie haben sich in der letzten Zeit auffallend rar gemacht. Woran liegt das?
Warum ich nicht mehr so häufig auftrete, hat mehrere Gründe. Mit zunehmendem Alter geht man die Dinge naturgemäß etwas langsamer an. Nach 55 Jahren in diesem Job bin ich mittlerweile auch etwas wählerischer, was die Projekte betrifft. Mittlerweile führe ich selbst Regie, was mir sehr wichtig ist. Vor gut zehn Jahren wurde mir klar, dass es andere Möglichkeiten der Arbeit für mich gibt. Davor dachte ich, es gibt nur diesen einen Weg der Schauspielerei.

Wonach entscheiden Sie Ihre Projekte?
Der Stoff muss mich berühren. Ich brauche das Gefühl, dass ich dazu beitragen kann, eine Rolle besser ausfallen zu lassen. Es ist dabei ganz egal, ob es sich um eine Komödie oder eine Nebenrolle handelt: Etwas muss mich so stark berühren, dass ich gerne Zeit und Leidenschaft dafür investieren möchte.

Was hat für Sie den Ausschlag für „Der Mauretanier“ gegeben?
Die Geschichte von Mohamedou kann einen vieles lehren, zumindest mir erging es so. Es geht um den Kampf für Menschlichkeit, um das Gesicht von Angst und Terror. Ich bewundere diesen Menschen sehr und wollte seine Geschichte erzählen. Zudem fasziniert mich meine Figur der Anwältin Nancy. Die Welt der Gesetze fand ich immer spannend, wenngleich ich nie Jura studierte – vielleicht ist das Kino jetzt mein Zugang dazu.
Ist es schwieriger, eine reale Person zu spielen als eine fiktive Figur?
Tatsächlich ist dies erst das zweite Mal, dass ich eine reale Figur verkörpere – die erste hat vor ein paar hundert Jahren gelebt, was die Sache damals ziemlich einfach machte. Für „Der Mauretanier“ habe ich mich vor den Dreharbeiten etliche Male mit der realen Nancy Hollander getroffen. Ich besuchte sie in ihrem Haus und sah, wie sie lebte. Sie zeigte mir ihren Nagellack und ihre Lippenstifte. Ich bekam also einen guten Eindruck von ihr. Gleichwohl war mir wichtig, keine bloße Imitation von Nancy abzuliefern. Ich wollte wahrhaftig ihr gegenüber bleiben, aber sie bleibt eine Kreation von mir. Ich sagte ihr schon vorab: Meine Nancy wird sehr viel bösartiger sein als die reale. Was nicht sehr schwierig ist, denn die echte Nancy ist eine sehr nette und liebevolle Person.

Wie hat sich das Bild der Frau im Laufe Ihrer Karriere gewandelt?
Zu Beginn meiner Karriere, Ende der 60er Jahre, gab es gar keine anderen Frauen am Set. Ich war allein unter Männern. Die gesamte Crew war komplett männlich, erst Anfang der 80er-Jahre hat sich das langsam verändert. Die Leute wirkten sehr viel glücklicher als diese Blase des Filmemachens plötzlich durch größere Diversität aufgelöst wurde. Es hat noch lange gedauert, bis mehr Frauen auf Regiestühlen saßen, aber das hat sich mittlerweile sehr verbessert. Es ist die wohl dramatischste Veränderung im Filmgeschäft.
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Wie gelang es Ihnen, so auffallend viele starke Frauen zu spielen?
Die Frage höre ich häufig: Hast du mit Absicht all diese starken Frauen gespielt? Tatsächlich haben starke Frauen eine größere Anziehungskraft auf mich. Und wenn eine Rolle zunächst nicht so stark aussah, habe ich sie eben stärker gemacht. Wer möchte schon einen Film sehen über eine Figur, die keine Meinung hat und nichts unternimmt? Das finde ich nicht besonders interessant. Solche Rollen habe ich möglichst vermieden.

Wann beginnt eine Figur, Sie zu interessieren?
Mir gefallen komplexe Figuren, das war schon immer meine Vorliebe. Mich reizt es, die verschiedenen Seiten einer Person herauszuarbeiten. Jeder von uns steckt voller Widersprüche. Da mag es einen Teil geben, für den man sich schämt. Einen Aspekt, den man versteckt. Eine Lüge, für die man hofft, geliebt zu werden. Diese Komplexität finde ich spannend, das macht für mich den Reiz beim Spielen aus. Man benötigt intellektuelle und emotionale Arbeit, um zu verstehen, wie jemand durch die Welt geht. Genau das bereitet mir viel Vergnügen.

Gibt es unter all Ihren Filmen eine perfekte Jodie Foster-Szene?
(Lacht) Oh Gott, ich weiß nicht. Ich schaue nicht zurück auf meine Arbeit, das würde mich verrückt machen. Wenn Sie fragen, was ich gerne besser gemacht hätte, könnte ich viel erzählen. Wenn Sie fragen, worauf ich besonders stolz bin, weiß ich darauf keine Antwort. Was mir ganz besonders gut gefällt sind körperliche Einsätze: rennen, klettern, segeln. Für mich ist es ein Geschenk, dass Filmemachen nicht völlig intellektuell abläuft, sondern auch der Körper gefragt ist.

Gibt es eigentlich noch eine Rolle, die Sie gerne spielen würden?
Es ist weniger eine Rolle als die Herausforderung, etwas sehr Schwieriges erlernen zu müssen. Ich wollte schon immer einen Film machen, bei dem ich acht Monate benötige, um eine Fähigkeit zu lernen – und danach wäre ich die große Expertin darin. Suaheli zu sprechen, wäre ein gutes Beispiel dafür. Aber dieser Wunsch hat sich bislang noch nicht erfüllt.
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Interview Dieter Oßwald
Fotos Tobis Film

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