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Interview mit Sönke Wortmann zu „Sommerfest“
Mit der Verwechslungskomödie „Der bewegte Mann“ landete er vor 23 Jahren den großen Coup. Und seine Erfolgsserie ging weiter: „Das Superweib“, „Der Campus“, „Das Wunder von Bern“ – und dann folgte 2006 die WM-Dokumentation „Deutschland. Ein Sommermärchen“, die über 3 Millionen Kinozuschauer lockte. Nach der Bestseller-Verfilmung „Die Päpstin“ und „Frau Müller muss weg!“ präsentiert der Sohn eines Bergmanns nun mit „Sommerfest“ eine humorvolle Hommage an das Ruhrgebiet. Mit dem Regisseur unterhielt sich unser Mitarbeiter Dieter Oßwald.

Herr Wortmann, im Jahr 1992 haben Sie in „Kleine Haie“ den Helden vom Ruhrgebiet nach München geschickt, um sich an der Schauspielschule zu bewerben. Nun kehrt ein Münchner in den Pott zurück – schließt sich da ein Kreis?
Ja, es gibt diese Klammer. Das hat mich auch gleich an Frank Goosens Roman interessiert: Dass sich da was trifft, auch mit meinem persönlichen Leben. Daher versammelt „Sommerfest“ viele persönliche Motive und Themen: Heimat, Leben in der Fremde, Älterwerden und Jugendlieben.

Gewidmet ist der Film „Für alle Jugendlieben“ – wie autobiografisch ist das?
Das ist absolut autobiografisch, jeder hat in seinem Leben doch mindestens eine große Jugendliebe gehabt. Bei diesem Thema dürften wohl bei allen Erinnerungen auftauchen.  

Welche Rolle spielt Heimat für Sie?
Heimat war schon immer ein Thema, mit dem ich mich in meinen Filmen beschäftigt habe. Dieser Ruhrpott-Roman war ein guter Anlass, mich ganz intensiv mit Heimat zu befassen.

Heimat liegt im Trend. Regionale Krimis schießen wie Pilze aus dem Boden. Hat das mit den als unsicher empfundenen Zeiten etwas zu tun?
Als Gefühl hat das ganz sicher etwas damit zu tun. Je unübersichtlicher die Zeiten empfunden werden, desto größer ist die Wertschätzung für Heimat. Nicht umsonst gilt die Provinz mittlerweile wieder als sehr lebenswert.
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Wie haben Ihnen die deutschen Heimatfilme aus den 60er Jahren gefallen?
Wenn ich an Heimatfilm denke, habe ich immer Berge und Seen im Kopf – das war Bayern oder Österreich. Vor ein paar Jahren hätte ich gesagt, Heimatfilm und Ruhrgebiet passt nicht zusammen. Aber warum sollte es nicht zusammenpassen? Es gibt dort viel mehr Themen als Schimanski, Currywurst und Grönemeyer.

Was ist das Besondere am Ruhrgebiet?
Das lässt sich nicht in einem einzigen Satz beschreiben. Charakteristisch ist auf jeden Fall, dass die Menschen sehr herzlich sind, was man jedoch nicht unbedingt auf den ersten Blick erkennt. Beleidigungen sind dort eher nett gemeint. Man würde nie jemanden beleidigen, den man nicht gut findet oder der einen nicht interessiert. Das ist mir während der Arbeit nochmals richtig klar geworden, deswegen fallen ganz viele und sehr schöne Schimpfwörter in dem Film.

Schwaben oder Sachsen hatten keinen Einlass zu Ihrem „Sommerfest“ – warum sollten alle Schauspieler aus dem Ruhrpott kommen?
Bei Dialekten bin ich immer in bisschen empfindlich: Wenn das nicht authentisch klingt, sondern nur nachgemacht, finde ich das immer störend. Wer aus Hamburg kommt, wird kaum glaubhaft einen Schwaben sprechen können, und umgekehrt genauso.

Unsere „Omma“ ist echt, es ist die 76-jährige Wirtin Elfriede Fey. Sie ist ein Original. Wenn man ihr zuhört, liegt man am Boden.

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Die „Omma“ in der Kiosk-Szene ist auf jeden Fall authentisch. Wie kamen Sie auf die Dame?
Unsere „Omma“ ist echt, es ist die 76-jährige Wirtin Elfriede Fey, die hier ihr Schauspieldebüt gibt. Sie ist ein Original. Wenn man ihr zuhört, liegt man am Boden. Sie hat Dinge erlebt, die wären einen eigenen Film wert. Diese Authentizität ist schwer herzustellen. Entweder man ist sehr, sehr gut oder man ist das Original. Also haben wir sie einfach mit ihr selbst besetzt. Und sie hat das großartig gemacht.

Wie groß ist die Gefahr von Klischees?
Die besten Komödien, wie „Sein oder Nichtsein“ von Ernst Lubitsch, spielen mit Klischees und bauen sie geschickt ein – warum sollten wir das nicht auch dürfen? Klischees beruhen schließlich stets auf Wahrheiten. In „Sommerfest“ gibt es natürlich auch die Leute, die sagen „datt“ und „watt“. Für die einen mag das ein Klischee sein. Für die anderen ist das eben genau die Sprache, die man dort häufig hört.

Steckt in solch einem Projekt mehr Herzblut von Ihnen als in einer großen Bestseller-Verfilmung wie „Die Päpstin“?
Im „Sommerfest“ steckt sehr viel Herzblut. Wobei ich ohne Herzblut gar keine Filme drehen könnte. Auch bei „Die Päpstin“ war das der Fall. Je mehr ich mich in der Vorbereitung mit dem Mittelalter beschäftigt hatte, desto faszinierter war ich. Ganz ähnlich erging es mir vor Kurzem bei dem TV-Mehrteiler „Charité“. Mit jedem Buch, das ich über Medizin las, steigerte sich mein Interesse. Beim „Sommerfest“ war die Begeisterung natürlich ganz automatisch ausgesprochen groß.

Sind Sie bei so einem Projekt entspannter?
Die Dreharbeiten waren schon entspannter, weil ich mich total sicher gefühlt habe. Diese Welt ist mir bestens vertraut, deswegen kann ich hier viel leichter zwischen richtig und falsch unterscheiden. Das war eine schöne Art, zu arbeiten.

Wie so oft ist das Thema „Fußball“ dabei. Gibt es Ähnlichkeiten zwischen Film und Fußball?
Es gibt viele Gemeinsamkeiten zwischen Kicken und Kino. Beides ist Mannschaftssport. Alleine kann man kein Spiel gewinnen und keinen Film drehen. Die Hierarchien und die psychologischen Abläufe sind dieselben: Der Regisseur ist wie der Trainer. Auch er kann nicht jeden seiner Spieler gleich behandeln, sondern muss dessen Eigenarten berücksichtigen.

Wie viele Freiheiten haben Sie bei der Verfilmung eines Romans?
Ich habe keine Angst vor Autoren. Die guten wissen, wenn sie etwas aus Hand geben, dann wird das ein anderes Medium und anders aussehen. Man kann auch nicht sagen, ich verkaufe die Rechte und will danach noch weiter bestimmen, wie der mögliche Film gemacht wird.   

Als Running-Gag gibt es die Frage „Wie ist die Ferres denn so privat?“ – Sie haben mit ihr einst das „Superweib“ gedreht. Was hat es mit der Promi-Pointe auf sich?
Das stand bereits so im Roman. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Veronica das als Kompliment versteht – schließlich ist so ein Spruch ja auch ihrem Bekanntheitsgrad geschuldet.

Sie standen Ende der 80er Jahre selbst in der Serie „Die glückliche Familie“ vor der Kamera. Mit welchen Gefühlen sehen Sie das heute, wenn die Wiederholungen gezeigt werden?
Ich schaue mir das nicht an, ich erschrecke fast immer ein bisschen, wenn mich jemand darauf anspricht. Diesen Job habe ich damals nur gemacht, damit ich nicht Taxi fahren muss, um mein Studium zu verdienen. Ich war jung und brauchte das Geld.

Mit der TV-Serie „Charité“ gelang Ihnen ein Coup. Geht es weiter in Richtung Serie?
„Charité“ war im Serienbereich zum Glück der größte Erfolg in den letzten 25 Jahren, das gibt einem natürlich schon Rückenwind. Mir war wichtig zu beweisen, dass so ein Erfolg eben auch gelingen kann, wenn man nicht immer nur auf dieselben bekannten Darsteller setzt, was sonst häufig gemacht wird. Ich persönlich finde es viel spannender, unverbrauchte Schauspieler zu erleben, die man nicht schon tausendmal gesehen hat. Zum Glück konnte ich bei „Sommerfest“ meine Produzenten von diesem Konzept überzeugen.

Liegt in Netflix und Co. die Zukunft oder ist der aktuelle Hype nur eine Blase?
Es ist schon verlockend, wenn man so viel Zeit zum Erzählen hat und andere Entwicklungen zeigen kann. Bei „Charité“ hatten wir 300 Minuten, bei einem Spielfilm sind es nur ein Drittel davon. Ich würde das auf alle Fälle gerne nochmal machen. Das entscheidende Kriterium ist freilich, welches Thema zu welchem Format am besten passt und wie es umgesetzt werden kann.

Ist das Filmemachen im Karriereverlauf  leichter geworden? Oder ist Routine hinderlich?
Das ist auf jeden Fall leichter geworden. Man hat mehr Erfahrung. Durch gewisse Erfolge bekommt man leichter Finanzierungen zustande und Schauspieler, die mit einem arbeiten möchten. Trotzdem ist das kein Selbstläufer, ich muss schon noch dafür kämpfen. Im Vergleich zum Anfang ist die Arbeit inzwischen aber ziemlich leicht.  

Auch aus Liebeskomödien können wir jede Menge lernen. Was sollen die Zuschauer aus dem „Sommerfest“ mitnehmen?
Wenn die Zuschauer nach dem Film das Gefühl haben, dass sie gut unterhalten wurden und etwas glücklicher aus dem Kino kommen, dann bin ich mit meiner Arbeit absolut zufrieden. Und vielleicht fällt ihnen ja ihre erste große Liebe wieder ein und wie sie das selbst erlebt haben!

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Interview: Dieter Oßwald
Fotos: X-Verleih

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