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Schauspielstar und Regisseur Ralph Fiennes über seinen Film
„Nurejew - The White Crow“
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Für seine Rolle des KZ-Kommandanten Amon Göth in „Schindlers Liste“ bekam er 1994 eine Oscar-Nominierung, die zweite folgte drei Jahre später für seine Darstellung des László Almásy in „Der englische Patient“. In mehr als 70 Filmen trat der 56-jährige Brite Ralph Fiennes auf. Das Spektrum reicht von ambitionierter Filmkunst wie „Sunshine – Ein Hauch von Sonnenschein“, „Das Ende einer Affäre“ oder „Der ewige Gärtner“ bis zu Blockbustern wie „Harry Potter“ (als Lord Voldemort) oder „James Bond“ (als M). Mit der Shakespeare-Adaption „Coriolanus“ präsentierte Fiennes 2011 auf der Berlinale sein Regiedebüt. Nach dem Kostümfilm „The Invisble Woman“ folgt als dritte Regiearbeit nun mit „Nurejew – The White Crow“ ein Biopic über den sowjetischen Ballett-Star, der sich 1961 auf dem Pariser Flughafen spektakulär in den Westen absetzte. Auf dem Filmfest München wird Fiennes mit dem CineMerit geehrt. Mit dem Regisseur und Schauspieler sprach unser Mitarbeiter Dieter Oßwald.
Mister Fiennes, was sagen die russischen Behörden zu Ihrem Film über einen schwulen Ballettstar, der auch noch das Land verlässt?
Wir wollten russische Investoren für dieses Projekt, was für Ausländer nie einfach ist. Es gab jedoch nie Bedenken in dieser Richtung, im Gegenteil: Wir hatten viele Interessenten, die diesen Film machen wollten. Nurejew ist eine ambivalente Figur. Er wird verehrt und als großer russischer Künstler akzeptiert. Es mag sein, dass sein Privatleben der aktuellen Regierung nicht gefällt, doch das wurde nie zum Ausdruck gebracht. Russen, die den Film gesehen haben, mögen ihn. Und „Nurejew – The White Crow“ kommt in Russland auch in die Kinos.

Homosexualität wird in Russland gleichwohl verfolgt ...
Homosexualität ist nicht illegal in Russland. Es gibt dort durchaus ein schwules Leben. Die Frage ist aber immer, in welchem Ausmaß es stattfindet. Als problematisch gilt die sogenannte Förderung von schwulen Inhalten und in welcher Form sie stattfindet. Von einem Behördenvertreter wurde mir gesagt, wenn mein Film sich auf das Privatleben von Nurejew konzentriere, hätten wir ein Problem. Darauf antwortete ich, das sei zwar nicht das zentrale Thema, aber ich könne keinen Film über Nurejew machen, ohne seine Sexualität anzuerkennen. Damit war man einverstanden. Ich habe den Eindruck, es kommt immer auf das Ausmaß der Darstellung an.
Sie haben sehr lange an der Umsetzung von diesem Projekt gearbeitet. Schlägt Ihr Herz für das Ballett?
Nein, ich bin kein großer Ballett-Fan und wusste nicht allzu viel über Rudolf Nurejew. Aber ich fand die Geschichte seiner frühen Jahre spannend. Seine Jugend in Ufa in den 1940er Jahren, seine Zeit als Tanz-Student in Leningrad, dem heutigen St. Petersburg. Und schließlich seine Entscheidung, 1961 in den Westen zu gehen. Diese Geschichte ging mir unter die Haut.

Was genau hat Sie an diesem Tänzer so sehr fasziniert, dass Sie einen Film über ihn gemacht haben?
Mich fasziniert, wie dieser Junge aus armen Verhältnissen sich mit einem unbändigen Willen selbst verwirklichen will. Nurejew besaß dieses unbändige Gespür für seine Begabung. Für mich ist es wie eine Parabel für den künstlerischen Geist, der entfesselt werden möchte – und zwar um jeden Preis. Sei es um den Preis von Freundschaften oder den Verlust der eigenen Heimat. Wenn nötig, gehört eine gewisse Rücksichtslosigkeit dazu, wie sie in jener Schlüsselszene am Flughafen zum Ausdruck kommt, wo ihm die KGB-Agenten ein folgenschweres Ultimatum stellen.

„Die ‚Harry Potters‘ und ‚James Bonds‘ sind sehr hilfreich für mich“

Wie sehr wurde der Künstler vom Sowjetsystem unterdrückt?
Nurejew war eine extreme Persönlichkeit. Es wäre zu einfach zu behaupten, das System hätte ihn unterdrückt. Das System hat ihn gefördert, er galt als der große, aufsteigende Star in Leningrad. Man hat ihn nicht eingezwängt. Zum Verhängnis geriet Nurejew vielmehr sein sehr extremer Charakter, der ihm schon früh etlichen Ärger einbrachte. Seine Heimat, die ihn groß gemacht hat, wollte dieses Verhalten nicht tolerieren.

Sie drehen zum einen ambitionierte Filme, zum anderen spielen Sie in „Harry Potter“ und „James Bond“ – nehmen Sie das Popcorn genauso ernst wie Filmkunst?
Das lässt sich einfach beantworten. Wenn du in einem sehr erfolgreichen Franchise wie „Harry Potter“ mitspielst, steigert das deine Bekanntheit. Wenn du danach in einem kleinen Independent-Film auftrittst, geben die Investoren viel schneller grünes Licht, weil man deinen Namen international kennt. Dein Wert als Schauspieler steigt also automatisch. Bei unabhängigen Filmen fragen Verleiher immer zuerst: Wie sieht die Besetzung aus? Wenn Russell Crowe oder Cate Blanchett dabei sind, gibt das Verleihern ein sicheres Gefühl. Die „Harry Potters“ und „James Bonds“ sind also sehr hilfreich für mich, zudem finde ich sie gelungene Filme in der Franchise-Welt.
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Die Nachfolger von „Liebesgrüße aus Moskau“ machten Ihre russischen Liebesgrüße erst möglich?
Auf gewisse Weise schon! (lacht)

Wie kam Louis Hofmann in Ihren Film?
Ich entdeckte Louis in dem wunderbaren Drama „Unter dem Sand“. Beim Vorsprechen fielen mir sofort seine Augen auf, für mich als Regisseur ist das immer ein entscheidendes Kriterium. Bei der Besetzung kann man sich nur auf sein Gefühl verlassen, schließlich weiß man nie, was man bekommen wird und wie man zurechtkommt. Louis verfügt über eine sehr außergewöhnliche Sensibilität und präsentiert sich in einer gewissen Nacktheit. Zugleich ist Louis sehr stark und hat seinen eigenen Willen.

Sie sollen sehr populär sein in Russland – ein echter Kreischalarm-Auslöser, behauptet Ihr Drehbuchautor David Hare. Stimmt das denn?
Das ist etwas übertrieben. Sagen wir so: Man kennt mich in Russland.

Wenn Nurejew jetzt in diesen Raum käme, was würden Sie ihn fragen?
Ich weiß nicht, ich wäre wohl ziemlich eingeschüchtert!
(lacht)

Interview Dieter Oßwald
Fotos Alamode Film

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