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Interview mit Richard Gere zu „The Dinner“
Er war „Ein Mann für gewisse Stunden“, der „Offizier und Gentleman“ oder „Der 1. Ritter“. Als verliebter Millionär flirtete Richard Gere in „Pretty Woman“ einst heftig mit Julia Roberts. Nun kommt der 67-Jährige als Karriere-Politiker mit delikaten Familien-Problemen im Kammerspiel „The Dinner“ auf die Leinwand. Die Premiere fand auf der Berlinale statt, wo sich der Schauspieler und engagierte Buddhist auch zum Gespräch mit Kanzlerin Angela Merkel traf.

Mister Gere, wie war Ihre Begegnung mit Bundeskanzlerin Angela Merkel?
Von Kanzlerin Merkel war ich schon immer beeindruckt. Nach unserem Treffen, das fast eine Stunde dauerte, hat sich dieser Eindruck noch verstärkt. Ich erlebte sie als sehr standfeste, rationale und engagierte Person, die sehr präsent war. Unser Gespräch verlief lebendig und interessiert. Bekanntlich habe ich einige Erfahrung mit Tibet und Frau Merkel war neugierig, das zu erfahren. Ich finde, diese Kanzlerin ist einfach großartig. Sie verspürt ja einen großen Druck in einer Welt von Trump und der zunehmenden extremen Rechten. Auf gewisse Weise sind Merkel und Deutschland die letzten Aufrechten. Auf einmal blickt Amerika zu euch nach Deutschland – was in meinem Leben zum ersten Mal der Fall ist.

In „The Dinner“ spielen Sie einen einflussreichen Politiker. Im realen Leben sind Sie seit Langem ein politischer Aktivist. Welche Rolle ist befriedigender für Sie?
Für mich ist beides gleich befriedigend, wenngleich aus unterschiedlichen Gründen. Ich führe zwei Kalender, der eine für die Schauspielerei, der andere für meine politischen Aktivitäten. Wobei ich gerade heute Morgen einen Termin völlig vergessen habe. Jemand klopfte an meine Hotel-Tür und musste mich daran erinnern, dass ich an diesem Morgen ein Treffen zum Thema „Tibet“ hatte. Aber generell bekomme ich die zwei Bereiche ganz gut unter einen Hut. Beides ist ganz eng mit meinem Leben verbunden, da gibt es keine Trennung – was ich ganz wunderbar finde.

Was würden Sie tun, wenn Sie für einen Tag der Präsident der Vereinigten Staaten wären?
Das weiß ich nicht. Wenn ich jetzt etwas sage, würde ich diese Antwort später vielleicht bereuen! (lacht) Wir waren auf einem sehr guten Weg mit Obama. Bei ihm ging es um Gemeinsamkeit, auf dieser Basis kann man gute Entscheidungen treffen. Wenn man „Ich zuerst“ als Motto ausgibt, ignoriert man, wie tief wir alle miteinander verbunden sind. Es ist das Denken von Höhlenmenschen, was dieser Trumpismus heute hervorbringt. Das müssen wir natürlich stoppen und Widerstand leisten. Wir sehen ja bereits, dass Menschen aufstehen und auf den Straßen demonstrieren. Es gibt Frauenmärsche in ganz Amerika, besonders große in Washington. Es ist atemberaubend zu erleben, wenn die Menschen sagen: „Nein! Das ist nicht wer wir sind!“ Wir haben eine positive Vision davon, wer wir sind, als Individuen, als Land und als Planet.
FW The Dinner c Tobis Film 01

Auf gewisse Weise sind Merkel und Deutschland die letzten Aufrechten.

Werden diese Proteste etwas erreichen? Wie sieht das Trump-Szenario aus?
Wer weiß? Vielleicht überscheitet er eine rote Linie und wird hinausgeworfen. Er ist dieser Persönlichkeitstyp, der ständig bis an die Grenzen geht. Und vielleicht überschreitet er sie einmal.

Reden Sie mit dem Dalai Lama über aktuelle Politik? Oder geht es da nur um spirituelle Dinge?
Wir reden über fast alles. Der Dalai Lama möchte erfahren, was in der Welt vor sich geht. Dazu spricht er mit Menschen mit ganz unterschiedlichen Ansichten. Seine Neugierde ist unendlich. Ebenso wie seine Fähigkeit, eine positive Vision von diesem Planeten zu schaffen. Dazu muss er wissen, was in der Welt geschieht.  

Wie tritt man mit dem Dalai Lama in Kontakt? Rufen Sie da einfach mal kurz an?
Wir haben uns gerade erst in Indien getroffen, wo er eine große wichtige Vorlesung hielt.

Sie haben vor Jahren Ihre eigene Stiftung gegründet. Was ist Ihr Anliegen?
Ich habe meine eigene Stiftung ins Leben gerufen, weil ich ein wenig frustriert war von den anderen öffentlichen Stiftungen. Ich hatte eine klare Vorstellung, was wir erreichen wollten und auf welchem Weg das möglich ist. Tatsächlich konnten wir auf diese Weise den Menschen viel direkter helfen. Den Schwerpunkt bildet Tibet, zudem geht es ganz generell um Menschen- und Bürgerrechte. Wir wollen Menschen unterstützen, die keinen Schutz haben und die endlich eine Stimme brauchen.

Ihr aktueller Film „The Dinner“ handelt davon, wie Eltern mit den kriminellen Taten ihrer Kinder umgehen. Wie ist Ihr Verhältnis zur Familie?
Die Familie ist sehr wichtig für mich – und ich habe extremes Glück dabei. Ich bin 67 Jahre alt und entdecke noch immer, wie einzigartig meine Familie ist. Ich habe drei Schwestern und einen Bruder. Meine Mutter verstarb im letzten Jahr, mein Vater wurde vor kurzem 94. Wir alle haben ein sehr enges Verhältnis. Wir unterhalten uns ständig. Jeder unterstützt jeden. Bisweilen erkenne ich, wie außergewöhnlich das ist. (lacht) Es gibt so viele Familien, die überhaupt nicht miteinander reden und wo keiner dem anderen hilft. Ich kenne Horrorgeschichten über Geschwister, die seit Jahren kein einziges Wort miteinander gesprochen haben. Über Eltern, die enteignet wurden. Oder Kinder, die man enterbt hat. Insofern betrachte ich mich als außerordentlich glücklich, dieses enge emotionale System der Unterstützung zu haben.
FW The Dinner c Tobis Film 02
Wie bekommen Sie Ihr Familienleben mit dem Beruf unter einen Hut?
Vor vielen Jahren habe ich die Entscheidung getroffen, nie länger als eine Stunde Reisezeit von meinem Sohn entfernt zu sein. Deswegen habe ich in den letzten sechs Jahren nur Filme gemacht, die in New York oder Philadelphia gedreht wurden. Die einzige Ausnahme war „Best Exotic Marigold Hotel 2“ in Indien. Aber da habe ich meine Drehzeit auf zwei Wochen begrenzt.

Sind Sie auf ambitionierte Filme wie „The Dinner“ mehr stolz als auf Popcorn-Unterhaltung à la „Pretty Woman“?
Als Schauspieler gibt es für mich da keine Unterschiede. Glauben Sie mir, das kommt alles vom selben Ort. Es sind ja alles Charaktere. Keine meiner Rollen bin ich selbst. Natürlich steckt immer ein Teil von mir und von meinen Erfahrungen in diesen Figuren, sonst könnte ich sie nicht zum Leben erwecken. Aber ich bin nie der Typ, den Sie auf der Leinwand erleben.

Wie hat sich das amerikanische Kino verändert, seit Sie Ihre Karriere begonnen haben?
Ich mache nach wie vor dieselben Filme wie zu Beginn meiner Karriere. Ich habe nie in einer dieser Big-Budget-Produktionen gespielt. In meinen Filmen geht es um Charaktere und darum, ein gewisses Maß an Qualität zu erreichen. Ich arbeite gerne mit Regisseuren, denen Nuancen und Raffinesse wichtig sind. Das Filmgeschäft selbst hat sich natürlich radikal verändert. Die Studios machen nur noch große Produktionen.

Wie steht es mit großen Comic-Verfilmungen?
Ich habe nichts dagegen, wenn es eine passende Rolle wäre, könnte ich mir das vorstellen. Mir wurden solche Filme auch schon angeboten, aber das Drehbuch war einfach nicht gut genug.

Welche Bedingungen müssen erfüllt sein, um Richard Gere vor die Kamera zu bekommen?
Ich kann nur arbeiten, wenn ich mich frei fühle. Dieses Gefühl von Freiheit bedeutet ein angenehmes Vertrauen. Wenn diese Grundlage fehlt, funktioniert mein Mechanismus nicht. Ich brauche Offenheit, das Gefühl von Unterstützung und positiver Grundstimmung. Mit schlechten oder komplizierten Leuten kann ich nicht arbeiten.

Haben Sie einen Ratschlag für junge Leute, die gerne Schauspieler werden würden?
Jeder macht es auf seine Weise, es gibt nicht die eine Blaupause, wie man eine Karriere gestaltet. Wie in jedem kreativen Bereich gilt, je mehr man an sich arbeitet und erforscht, was es ausmacht, ein Mensch zu sein, desto schärfer wird der Blick auf die eigenen Gefühle und das Denken. Je besser man sich selber kennenlernt, desto größer werden die Möglichkeiten. Womit die Kreativität eine größere Tiefe bekommt.

Was ist für Sie der beste Grund, ins Kino zu gehen?
Da geht es mir wie allen Leuten: Manchmal gehe ich im Kino in Filme, die anspruchsvoller oder schwieriger sind. Und bisweilen will ich im Kino auch einfach nur Spaß haben. Wenn ich müde bin oder an schwierigen Projekten gearbeitet habe, dann will ich einfach nur pure Unterhaltung. Auch das finde ich eine absolut herrliche Motivation, ins Kino zu gehen.  

Sehen Sie sich Ihre eigenen Filme gern an?
Ich sehe mich überhaupt nicht gerne selbst auf der Leinwand. Auch sonst betrachte ich mich nicht gerne selbst. Es gibt nicht viele Spiegel bei uns, das entspricht einfach nicht meinem Interesse. Zudem bin ich für gewöhnlich hyperkritisch mit mir selbst und wünsche mir, es besser gemacht zu haben. Das ist auch bei Filmen so.

Wann haben Sie zum letzten Mal „Pretty Woman“ angesehen?
Der läuft ja ständig irgendwo und wenn man ihn zufällig sieht, dann schaut man zwangsläufig ein bisschen zu. In ganzer Länge habe ich „Pretty Woman“ allerdings vermutlich vor zwanzig Jahren gesehen. Ich erinnere mich noch gut, wie ich gemeinsam mit Julia Roberts in einer der ersten Previews war. Wir hatten eine wunderbare Zeit bei den Dreharbeiten, Julia und ich haben immer noch ein sehr enges Verhältnis. Wir saßen also unerkannt in der hinteren Reihe mit Popcorn. Und haben gemeinsam mit dem Publikum sehr gelacht. Wir mochten diesen Film. „Pretty Woman“ hat so eine echte Magie. Niemand weiß, woher das kommt. Man kann so etwas nicht mit einer Formel erzeugen. Dieser Zauber entsteht jenseits aller Kalkulierbarkeit.

Ihr zweiter Vorname lautet „Tiffany“?
Das war der Mädchenname meiner Mutter, die Doris Tiffany hieß – es hat also nichts mit dem Schmuckgeschäft oder dem Film zu tun! (lacht)

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Interview: Dieter Oßwald
Fotos: Tobis Film

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