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28. Oktober / Buchhandlung Graff
19.30 Uhr

Bestseller-Autor Sebastian Fitzek zur „Abgeschnitten“-Verfilmung,
ab 11. Oktober im Kino.
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Er ist einer der erfolgreichsten Thriller-Autoren Deutschlands. Mehr als zehn Millionen Bücher hat Sebastian Fitzek, 46, weltweit verkauft. Mit „Die Therapie“ begann im Jahr 2006 die Autoren-Karriere des promovierten Juristen und Journalisten. Es folgten Titel wie „Amokspiel“, „Das Kind“ oder „Der Seelenbrecher“. Gemeinsam mit dem Rechtsmediziner Michael Tsokos schrieb Fitzek den Thriller „Abgeschnitten“, bei dem ein verzweifelter Pathologe die Hinweise auf seine entführte Tochter in diversen Leichenteilen finden muss. „Tatort“-Regisseur Christian Alvart inszenierte das düstere Gruselstück und fand mit Moritz Bleibtreu, Fahri Yardim und Lars Eidinger eine hochkarätige Besetzung. Und auch für Fitzek blieb ein kleiner Gastauftritt. Mit dem Erfolgsautor unterhielt sich unser freier Redakteur Dieter Oßwald.
Herr Fitzek, haben Sie als Kind zu viel „Aktenzeichen XY“ angeschaut oder woher rührt diese Obsession für das Verbrechen?
Tatsächlich bin ich, wie weite Teile der Nation, durch „Aktenzeichen XY“ traumatisiert worden. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich als kleiner Junge mit dem Rad abends vom Sport nach Hause fuhr und an einem Parkplatz vorbeikam, auf dem ein einsames dunkles Auto stand. Da hatte ich sofort diese sonore Erzählerstimme von „Aktenzeichen XY“ im Hinterkopf, die sagte: ‚Sebastian F. wurde zum letzten Mal lebend gesehen, als er den Sportplatz verließ‘ (lacht).

Was ist dran an der Faszination für Grusel?
Diese Faszination beobachte ich gerade bei meinen Kindern. Als ich mit ihnen „Vaiana“ im Kino gesehen habe, sind sie regelrecht in ihren Sitzen versunken. Danach waren sie völlig begeistert von dieser Achterbahn der Gefühle. Wenn man sich in einem angstfreien Raum einer Angst stellt und diese Situation durchstanden hat, können durchaus Glückshormone freigesetzt werden.
Wie weit kann man beim Schreiben des Schreckens gehen?
Mir eilt zwar häufig der Ruf voraus, ich würde besonders hart und grausam schreiben. Da werden aber Kollegen wie Karin Slaughter oder Chris Carter wahrscheinlich nur müde lächeln. Meine Beschreibung der Gewalt gilt der Auswirkung auf die Opfer. Bei meinen Büchern steht nicht der Serienkiller im Vordergrund, den ich als Figur ohnehin für sehr auserzählt halte. Mir geht es um den ganz normalen Menschen, der nicht darauf trainiert ist, mit Gewalt umzugehen: Wie verändern solche Erlebnisse die Psyche des Menschen?

Gleichwohl gibt es doch reichlich Blutzoll in „Abgeschnitten“ ...
Professor Dr. Michael Tsokos, mit dem ich das Buch geschrieben habe, ist Rechtsmediziner und Direktor des Instituts für Rechtsmedizin der Berliner Charité. Unser gemeinsames Ziel war es, in „Abgeschnitten“ realistisch darzustellen, was bei einer Autopsie tatsächlich passiert – das verläuft nämlich in der Wirklichkeit ganz anders als im „Tatort“ oder in Hollywood. Michael Tsokos ist Fachmann, durch sein Wissen und seine Erfahrung konnten wir so authentisch schreiben. Er hatte ja auch die Idee zu unserem Roman. Als wir dann die filmische Umsetzung zum ersten Mal sahen, dachten wir beide allerdings schon: Holla die Waldfee! Auf der Leinwand ist das noch mal etwas anderes als im Buch. Wir waren heilfroh, dass es im Film wie im Buch einen „Comic Relief“ gibt, weil der Humor die Sache erheblich auflockert.
Könnten Sie selbst auch das machen, was die Heldin im Film mit der Leiche tut?
Solch ein Held bin ich nicht und würde mir das zunächst nicht zutrauen. Allerdings, und genau das ist der Punkt, kommt es auf die besondere Situation an. Ich glaube, dass es Umstände geben kann, in denen man auf einmal gar keinen anderen Ausweg mehr sieht, als über sich selbst hinauszuwachsen.

In Ihrem Cameo-Auftritt spielen Sie einen Rechtsanwalt. Wäre ein Killer oder die Leiche nicht die passendere Rolle für den Gastauftritt gewesen?
Eine Leiche hätte ich gerne gespielt, da wäre mein schauspielerisches Talent voll zur Geltung gekommen. Für einen Killer hätten meine darstellerischen Qualitäten hingegen nicht gereicht. Der Regisseur wollte, dass ich einen Satz spreche und erkennbar im Bild bin. Da hat sich der Anwalt einfach angeboten.

Würden Sie „Abgeschnitten“ als idealen First-Date-Film bezeichnen?
Natürlich sollen auch Verliebte in den Film gehen. Allerdings bin ich mir nicht ganz sicher, ob man hier überhaupt dazu kommt, zwischenmenschliche Kontakte zu intensivieren – vielleicht dann doch eher nach dem Kinobesuch (lacht)!
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Was halten Sie vom häufig genutzten Prädikat ‚Der deutsche Stephen King‘“?
Das ist sicher als Kompliment gemeint. Wobei Stephen King es vermutlich kaum gefallen wird, dass sein Name ständig für solche Vergleiche herhalten muss, um andere Autoren zu definieren. Abgesehen davon, dass wir völlig unterschiedliche Stile haben, würde ich mich von mir aus niemals mit solch einer Ikone vergleichen.

Literaturkritiker Denis Scheck sagte einst, Fitzek sei ein „talentloser, klischeeverhafteter und – mit Verlaub – dummer Autor“ ...
In einer Zeit, in der dem Buchmarkt sechs Millionen Leser abhanden gekommen sind, setze ich mich nicht mit Menschen auseinander, die das Buch an sich diffamieren. Ich versuche, Menschen für Literatur zu gewinnen. Viele schreiben mir, dass sie durch mich zum Lesen zurückgefunden hätten. Vor Kurzem erzählte ein Analphabet, er versuche mit meinen Büchern das Lesen zu lernen. Das motiviert mich mehr als jemand, der Bücher in den Papierkorb wirft.

Wo sehen Sie die Ursachen für den massiven Rückgang im Buchgeschäft?
Die Verlockung, bei Netflix und Co. hängen zu bleiben, ist groß. Hinzu kommt die ständige Dosis Smartphone. Dieses Überangebot an Unterhaltungsmedien überfordert die Menschen. Nach einer aktuellen Studie fühlen sich die Leute extrem unter Freizeitstress und behaupten gleichzeitig, sie hätten noch nie so wenig Freizeit gehabt wie heute. Denn die täglichen zwei Stunden Surfen im Internet und in sozialen Netzwerken werden nicht als Freizeit empfunden. Das geht mir selbst durchaus ähnlich.

„Holla die Waldfee! Auf der Leinwand ist das noch mal etwas anderes als im Buch“

Was tun Sie dagegen?
Ich habe mir einen guten alten Wecker gekauft, damit ich vor dem Einschlafen nicht mehr auf die Handy-Funktion zurückgreifen muss, denn dann checkt man automatisch eben doch noch mal seine Mails, anstatt zum Buch zu greifen. Um kreativ zu sein, muss man sich auch langweilen. Früher habe ich an einer Bushaltestelle die Menschen beobachtet und mir Geschichten dazu ausgedacht. Heute ist die Verlockung groß, in jeder freien Minute zum Handy zu greifen – was wir durchschnittlich 93 Mal am Tag machen.

Sie haben weltweit mehr als zehn Millionen Bücher verkauft. Würden Sie uns Ihre Erfolgsformel preisgeben?
Zunächst muss man sagen, dass nicht jedes Buch gleich erfolgreich ist und in den verschiedenen Ländern jeweils anders wahrgenommen wird. Eine universelle Erfolgsformel habe ich leider nicht, ein entscheidender Faktor ist das Glück. Der Erfolg war zwar von Anfang an spürbar, das erste Buch landete auf Platz 26 der Bestsellerliste, was für ein Debüt wahnsinnig gut ist. Allerdings war das nur ein interner Besteller sozusagen, weil nur die ersten 20 Plätze publiziert werden. Trotzdem wurde das Buch weiterempfohlen. Dank dieser gewachsenen Leserschaft hatten es die nachfolgenden Romane entsprechend einfacher.
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Von Woody Allen weiß man, dass er sich morgens um 8 Uhr an seine alte Schreibmaschine setzt und loslegt. Wie sieht Ihr alltäglicher Arbeitsprozess aus?
Meine erste Aktivität nach dem Aufstehen besteht darin, gemeinsam mit meiner Frau die Kinder in die Schule und den Kindergarten zu bringen. Wenn ich in einer Schreibphase für ein neues Buch bin, beginne ich um 9 Uhr mit der Arbeit. An diesen Tagen versuche ich, mich von allen sozialen Kontakten fernzuhalten und nur auf das Schreiben zu konzentrieren. Das muss dann tatsächlich diszipliniert jeden Tag geschehen, sonst verliert man die Dichte und den Bezug zu den Figuren. Nach drei, vier Monaten ist der erste Entwurf fertig – der laut Hemingway bekanntlich immer Mist ist. Deswegen folgt anschließend die Phase der Überarbeitung.

Könnten Sie auch eine Komödie schreiben? Oder ist Ihr „Aktenzeichen XY“-Trauma einfach zu heftig?
Die wenigsten Autoren sagen von sich: Ich wollte Autor werden und habe dann nach einer Idee gesucht. Vielmehr verhält es sich so, dass diese Idee eben kommt und man denkt: Wow, das fasziniert mich! Danach schreibt man einen Kurzinhalt und beginnt mit den ersten Seiten. Auf einmal verliebt man sich in den Stoff und schreibt ein Buch, weil man meint, man müsste die Geschichte in die Welt tragen. Wäre meine erste Idee eine Komödie gewesen, hätte ich vielleicht zwei, drei Komödien geschrieben. Manchmal habe ich das Gefühl, da steckt etwas Komödiantisches dahinter. Seltsamerweise lande ich aber spätestens nach 15 Seiten doch wieder beim Psychothriller (lacht).

Interview Dieter Oßwald
Fotos Warner Bros., H. Henkensiefken

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