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Schauspielstar Moritz Bleibtreu im Interview zu „Ich war noch niemals in New York“
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Moritz Bleibtreu wurde 1971 als Sohn von Monica Bleibtreu und Hans Brenner geboren. Populär wurde er Ende der 90er Jahre durch Filme wie „Knockin’ On Heaven’s Door“, „Lola rennt“, „Das Experiment“ oder die Kult-Komödie „Lammbock“. Sein vielseitiges Rollenspektrum reicht vom RAF-Terroristen in „Der Baader Meinhof Komplex“ bis zu Joseph Goebbels in „Jud Süß – Film ohne Gewissen“. Auch Hollywood wurde auf den Schauspieler aufmerksam – ob durch Steven Spielbergs Polit-Drama „München“ oder durch Actionstreifen wie „Speed Racer“ oder „World War Z“ mit Brad Pitt. Auch im Wachsfigurenkabinett von Madame Tussauds ist der Darsteller zu finden. Nun präsentiert sich Bleibtreu singend und tanzend zu den Songs von Udo Jürgens in der Verfilmung des Musicals „Ich war noch niemals in New York“. Mit dem Schauspieler sprach unser Mitarbeiter Dieter Oßwald.
Herr Bleibtreu, der Trailer verspricht den „gute Laune Film des Jahres“. Wie gut war die Laune bei den Dreharbeiten?
Der Trailer liegt nicht falsch: Ich glaube, der Film kann den Menschen viel Freude bereiten. Uns Schauspielern ist das schon bei den Dreharbeiten so gegangen. Bei den meisten Filmen hat man nach einer Woche ein Gefühl dafür, ob die Sache lustig werden wird oder in eine falsche Richtung läuft. „Ich war noch niemals in New York“ stand von Anfang an ganz klar unter einem guten Stern.

Sie haben schon Terroristen, Nazis und Kiffer gespielt. Ein Musical-Auftritt wirkt gleichwohl überraschend. Wie kam es dazu?
In meiner Karriere habe ich ja immer wieder Filme gemacht, bei denen ich versuchte, mich selbst zu überraschen. Das Ergebnis hat bisweilen auch andere überrascht – und dies ist wieder so ein Fall. (lacht) Zunächst war ich skeptisch: Udo Jürgens ist ein Universum, mit dem ich nie so wahnsinnig viel zu tun hatte. Aber an diesem Projekt waren viele Leute beteiligt, die ich schätze und mag. Mit Regisseur Philipp Stölzl habe ich schon „Goethe!“ gedreht, da wusste ich, dass das etwas Besonderes wird. Gerade, weil mir das Thema so fremd war, hat es mich gereizt.
Das Musical hat sechs Millionen Zuschauer verbucht – je komplizierter die Zeiten, desto beliebter die heile Welt in der Kunst?
Das würde ich so gar nicht sagen. Musicals waren ja schon im deutschen Kino der 50er und 60er Jahre die großen Publikumslieblinge. Irgendwann geriet das Genre in Vergessenheit und wurde erst durch Erfolge von „Mamma Mia“ wiederentdeckt. Wenn unser Film daran anknüpfen kann, würde mich das persönlich sehr freuen, schließlich lebt Kino von seiner Genre-Vielfalt.

Wenn schon kein Fan von Udo Jürgens, wie sieht Ihr Verhältnis zum Schlager aus?
Wenn es um eigene Künstler geht, tun wir uns in Deutschland emotional immer noch ein bisschen schwer. Da wird ein Udo Jürgens schnell in die Schublade Schlager gesteckt, wo er vollkommen falsch aufgehoben ist. Jürgens ist im besten Sinn ein Chansonnier, vergleichbar mit Ute Lemper oder Patricia Kaas. Diese Qualität wurde vielfach verkannt – auch von mir. Erst jetzt habe ich erkannt, dass es bei diesem Musiker viel mehr zu entdecken gibt. Mein Respekt und meine Achtung vor dem Künstler Udo Jürgens ist immens gestiegen. Schade, dass er diesen Film nicht mehr erleben konnte, er hätte sich bestimmt sehr darüber gefreut.

Haben Sie mittlerweile einen Lieblingssong von Udo Jürgens?
„Merci, Chérie“ – ich kann‘s zwar nicht so gut wie Helene Fischer, aber ich habe mein Bestes gegeben. (lacht)

Wie fühlten Sie sich in dem schrill blauen Pullover, den Sie im Film tragen?
Wir wussten von Anfang an, dass wir mit einer Überhöhung spielen. Es war völlig klar, dass wir Screwball-Elemente wie jenen blauen Pulli benötigen. In der richtigen Balance liegt die größte Herausforderung des Films: Man darf nicht zu sehr übertreiben, andrerseits soll eine Welt geboten werden, die jenseits der bekannten Normalität liegt.

„Ich kann's Zwar Nicht so Gut wie Helene ­Fischer, Aber ich habe Mein Bestes Gegeben“

Demnächst geben Sie mit „Cortex“ Ihr Regiedebüt. Wie sitzt es sich auf dem Regiestuhl?
Beim Regieführen verhält es sich ganz ähnlich wie bei der Schauspielerei: Der Weg ist größtenteils das Ziel. Bei meinem ersten Film habe ich unheimlich viel gelernt. Jetzt freue ich mich darauf, hoffentlich weiter Filme zu machen, weiter zu lernen und vielleicht irgendwann auch als Regisseur ganz gut zu werden.

Was war die schönste Erfahrung im neuen Job als Regisseur?
Es gemacht zu haben! Diesen Gedanken, einmal selbst Regie zu führen, haben viele Schauspieler. Die meisten kennen aus Erfahrung jene Momente, wo sie denken: Die Szene hätte ich jetzt ganz anders gemacht. Einmal die Möglichkeit zu haben, es zu tun, empfinde ich als riesengroßes Geschenk.

Wann gibt es „Cortex“ im Kino zu sehen?
Wir haben gerade den Rohschnitt fertiggestellt. Der Kinostart wird irgendwann im nächsten Jahr stattfinden, einen genauen Termin gibt es bislang noch nicht.
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Im Unterschied zum Filmtitel waren Sie schon in New York – wie sind die Erinnerungen an den Big Apple?
Ich habe in New York meine Schauspielschule gemacht und zwei Jahre dort gelebt, von 1990 bis 1992. Die Schauspielschulzeit war nicht so einfach, und ich habe leider Gottes die Stadt nicht genug genießen können, weil ich einfach zu viel mit anderen Sachen beschäftigt war. Aber es ist ein sehr wichtiger Ort innerhalb meines Lebens. Und das wird auch immer sein.

Wie ergeht es Ihnen denn eigentlich im Wachsfigurenkabinett von Madame Tussauds, wo Sie ausgestellt sind?
Bei Madame Tussauds gibt es richtig starke Puppen und welche, die eher nicht so gut gelungen sind. Und die Puppe von mir gehört leider nicht zu den besten. (lacht) Die Erfahrung ist natürlich bizarr, aber trotzdem auch ziemlich lustig.
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Interview Dieter Oßwald
Fotos Universal Pictures

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