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Interview mit Monty Python-Legende Terry Gilliam
zu „The Man Who Killed Don Quixote“.
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Mit der britischen Komikertruppe Monty Python hat Terry Gilliam einst seine anarchistischen Späße im „Leben des Brian“ und als „Ritter der Kokosnuss“ getrieben. Es folgten die Fantasy-Spektakel „Time Bandits“ und „Brazil“ – beim Streit um Kürzungen seines Kultfilms lehrte er die Universal-Studios das Fürchten. Nach dem oscarprämierten Erfolg mit der poetischen Großstadttragödie „König der Fischer“ setzt Gilliam erneut auf kreatives Risiko: In „12 Monkeys“ schickte er Bruce Willis in surreale Welten, mit „Fear and Loathing in Las Vegas“ macht er Johnny Depp zum Junkie. Mit „Das Kabinett des Dr. Parnassus“ folgte die nächste Wundertüte, ein wahnwitziges Projekt allein schon deshalb, weil Hauptdarsteller Heath Ledger während der Dreharbeiten starb. Noch komplizierter geriet „The Man Who Killed Don Quixote“. Darsteller starben, Geldquellen versiegten. Nach fast 30 Jahren ist der Kampf gegen Windmühlen beendet. Mit dem Filmemacher sprach Dieter Oßwald.
Mister Gilliam, Sie haben sich reichlich Zeit gelassen mit diesem Film. Wollten Sie mit den längsten Dreharbeiten der Welt in das Guinness-Buch?
Stimmt, im kommenden Jahr könnten wir das 30-jährige Jubiläum vom Beginn dieses Projekts feiern. Das ist schon ziemlich doof (lacht)!

Was bewog Sie, den Kampf gegen die Windmühlen nicht aufzugeben?
Ich wusste es nicht besser. Ich bin wirklich dumm (lacht). Warum wollen die Menschen ständig den Mount Everest besteigen? Weil er da ist! Ich habe entdeckt, dass mein Kopf eine ganz besondere Form besitzt: Wann immer ich eine Mauer aus Ziegelsteinen sehe, muss ich mit dem Kopf solange dagegen schlagen, bis die Mauer zerbricht – oder eben mein Kopf!

Das passt kaum zu dem Eindruck, den man bei Interviews von Ihnen bekommt: Da wirken Sie immer sehr fröhlich und auffallend gut aufgelegt …
Das ist die komplette Lüge. Das bin ja nicht ich. Bei Interviews spiele ich lediglich die Rolle des Regisseurs Terry Gilliam. Meine Frau kennt die wahre Person dahinter: Das ist ein ganz kläglicher Versager!
Was interessierte Sie an diesem Don Quixote?
Ich glaube nicht, dass ich an Don Quixote interessiert war. Vielmehr war er umgekehrt interessiert an mir. Er kam auf mich zu, rang mich nieder und verlangte, dass ich mit meinem Blut unterschreibe, ihn wieder zum Leben zu erwecken. Bei dieser Geschichte geht es um zwei Figuren, Don Quixote ist ohne Sancho Panza nicht möglich. Mit der Kombination dieser beiden lässt sich zeigen, wer wir alle sind. Auf der einen Seite sind wir Träumer, auf der anderen Realisten.

Welche Seite ist Ihnen wichtiger?
Man benötigt beides, auf die Balance kommt es an. Wer nur pragmatisch und ohne Fantasie durchs Leben geht, hat viel verpasst. Wer nur träumt und keinen Bezug zur Wirklichkeit hat, endet schnell in der Irrenanstalt.
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In einer Szene des Films heißt es: „Regisseure müssen grausam sein“ – gilt das auch für Sie?

Nein, das ist nicht der Ansatz für meine Arbeit. Ich weiß, was ich will. Und ich mache das, was notwendig ist, um dieses Ziel zu erreichen. Meine Aufgabe als Regisseur besteht darin, eine verspielte Atmosphäre zu schaffen. Ich lese oft, dass all die großen Filmemacher stets auch große Manipulationskünstler waren. Dazu gehöre ich nicht. Ich möchte nicht manipulieren, ich halte Ausschau nach den passenden Leuten für das Team und dann spielen wir. Dafür werden wir sogar noch bezahlt, was diesen Job so großartig macht.

Machen Sie Witze? Ich hasse Werbespots! Ich habe in meinem Leben einige gedreht und weiß jetzt: Nie wieder!

Terry Gilliam
Welche Rolle spielt Phantasie in Ihrem Leben?
Ich spiele ständig kleine Spielchen mit mir selbst. Wenn ich länger auf eine marmorierte Wand starre, kann ich da schon Gesichter entdecken. Ich reagiere gerne auf Dinge und gebe ihnen eine andere Gestalt. Damit unterhalte ich mein Gehirn, was amüsanter ist, als Sache als das zu akzeptieren, was sie sind. Sehr gerne laufe ich durch fremde Städte und schaue mir die Gebäude aus unterschiedlichen Blickwinkeln an. Ich lasse mich gern von der Welt überraschen.

Wäre es keine Versuchung für Sie, Werbung zu machen wie der Held Ihres Filmes?
Machen Sie Witze? Ich hasse Werbespots! Ich habe in meinem Leben einige gedreht und weiß jetzt: Nie wieder! Meine letzte Werbung war für Nike beim World Cup 2002. Da habe ich an zehn Tagen mehr verdient als in einem Jahr bei „Don Quixote“. Das viele Geld ist natürlich eine große Versuchung. Aber was macht man da? Es geht nicht um Ideen, sondern darum, Klopapier zu verkaufen.
Was hat es mit Ihrem Spitznamen „Captain Chaos“ auf sich?
Mir ist klar, dass ich nicht zu den am besten organisierten Menschen auf diesem Planeten gehöre. Deswegen umgebe ich mich mit Leuten, die sehr gut darin sind.

„Always Look at the Bright Side of Life“ gehört zu den berühmtesten Sprüchen der Monty Python. Gilt das Optimismus-Motto auch für Sie?
Nein (lacht)! Ich schaue auf die düstere Seite! Da ist man dann überraschter, wenn etwas doch gut wird. Es ist einfacher, das Schlimmste anzunehmen und sich dann über Sonnenschein freuen zu können. Wer hätte gedacht, dass die Sonne jemals wieder scheinen könnte? Das ist mein Ansatz. Und wenn es dann doch schlecht läuft, wird man nicht überrascht, sondern kann sagen: „Ich hab’s ja immer schon gewusst.“

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Jonathan Pryce & Terry Gilliam

Finden Sie es nicht seltsam, dass es nie würdige Nachfolger der Monty Python gab? Das Alleinstellungsmerkmal ist fast wie bei den Beatles …
Es kamen sehr viele Comedians nach den Monty Python, aber keiner hatte diese Wirkung wie wir. Das verhält sich ganz ähnlich wie mit den Beatles. Wir haben ja in jenem Jahr begonnen, als die Beatles aufgehört hatten. George Harrison sagte oft, er sei überzeugt, dass der Geist der Beatles auf die Monty Pythons übergegangen sei – was ja kein schlechter Weg ist. Jedenfalls hätten wir „Das Leben des Brian“ oder „Time Bandits“ nicht gemacht, wenn es George nicht gegeben hätte. All seine Alben, die ich in meiner Jugend gekauft hatte, haben sich dementsprechend ausgezahlt.

Wie haben Sie letztlich die Finanzierungslücke gestopft?
Meine Tochter traf eine Frau, die ein großes Vermögen besitzt und die Dokumentation „Lost in La Mancha“ über unsere Probleme gesehen hatte. Darauf sagte sie: „Ich will deinen fertigen Film sehen, hier hast du drei Millionen Dollar.“ Seit dieser Zeit möchte ich nur noch mit Millionären zum Essen gehen. Das ist die einzige Chance, meine Filme in der Zukunft zu finanzieren (lacht)!

Interview Dieter Oßwald
Fotos Concorde Filmverleih

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