Moritz Bleibtreu im Interview zu „Lommbock“

Populär wurde Bleibtreu durch Filme wie „Knockin’ on Heaven’s Door“, „Lola rennt“,  „Das Experiment“ oder die Kult-Komödie „Lammbock“. Sein vielseitiges Rollenspektrum reicht vom RAF-Terroristen in „Der Baader Meinhof Komplex“ bis zu Joseph Goebbels in „Jud Süß – Film ohne Gewissen“. Auch Hollywood wurde auf den Schauspieler aufmerksam. Ob in Steven Spielbergs Polit-Drama „München“ oder in Actionstreifen wie „Speed Racer“ oder „World War Z“ mit Brad Pitt. Nun kommt Bleibtreu mit „Lommbock“, der Fortsetzung der Kiffer-Komödie in die Kinos.

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Herr Bleibtreu, was ist Ihre Erklärung für den Erfolg des „Lammbock“-Phänomens? Der Film ist 15 Jahre alt und gilt als Kult!
Ein guter Buddy-Movie ist immer etwas Schönes. Eine starke Geschichte über Freundschaft sieht jeder gerne auf der Leinwand. Eine Komödie um ein ungleiches Paar wird umso lustiger, je besser die Chemie zwischen den Schauspielern stimmt. Das haben Klassiker wie „Blues Brothers“ oder „Die Zwei“ ja bestens vorgemacht. Zudem ist das eben nicht nur eine lustige Kiffer-Komödie über zwei Typen, die  herumhängen. Hier geht es wirklich um etwas.  

Worum geht es für Sie jenseits der Komödie?
Es werden schon sehr existenzielle Themen und soziale Situationen beschrieben. Beim ersten Teil waren es: Erwachsenwerden, Freundschaft und Sexualität. Diesmal geht es zum Beispiel um Karriere oder welche Folgen YouPorn haben kann. Das alles passiert auf eine Art, die so leicht ist, dass sich der Film nie aufzwängt. 

Irgendwann war die Zeit gekommen, dass man über die Figuren etwas Neues erzählen konnte, was mehr war, als eine bloße Aneinanderreihung von blöden Kiffer-Anekdoten.

Die Sprüche aus „Lammbock“ sind Legende. Was ist der beste Spruch im neuen Streich?
Das kann ich nicht sagen, den besten Spruch werden die Zuschauer küren. Das ist beim ersten Teil schon so passiert, als Zitate auf T-Shirts veredelt wurden. Wie sich das verselbständigt, lässt sich nicht vorhersehen. Das Potential ist bei „Lommbock“ auf jeden Fall so groß wie bei „Lammbock“. Und das ist ja schon mal gut.

Haben Sie keinen Lieblingsspruch oder wollen Sie den einfach nicht verraten?
Ich habe tatsächlich keinen Lieblingsspruch, den hatte ich beim auch ersten Teil schon nicht.  

Ihr Film-Stiefsohn Louis Hofmann kann einem schon fast leid tun: Bei Ihrer Jugendslang-Einlage ernst zu bleiben, dürfte nicht leicht gewesen sein.
So viel Disziplin muss man als Schauspieler beherrschen und Louis ist auf alle Fälle ein sehr guter Schauspieler. Er ist nicht nur gerade European Shootingstar geworden, mit dem Film „Unter dem Sand“ ist er aktuell sogar im Oscar-Rennen.

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Es kam beim ganzen Dreh nie zu ungeplanten Lach-Anfällen?
Den einen oder anderen Lach-Kick hat man natürlich hier und da. Aber das liegt nicht an der Komik einer Szene, sondern daran, was zwischen zwei Schauspielern geschieht und sich dann hochschaukelt. Wenn ein Fehler passiert oder man einen Satz anders interpretiert, dann schaut man sich nur an und muss lachen.

Die Dialoge wirken sehr entspannt, wie viel Improvisation war dabei möglich?
Wie schon bei „Lammbock“, wurde auch diesmal überhaupt nicht improvisiert. Alles, was gesagt wird, hat Christian Zübert genau so im Drehbuch vorgegeben. Wenn ein Text derart gut geschrieben ist, eröffnet das dem Schauspieler die Möglichkeit, frei damit umzugehen. Wenn es anschließend wie improvisiert wirkt, ist das ein tolles Kompliment.

Eigentlich wollte Christian Zübert gar keine Fortsetzung machen, aber Sie hätten ihn dazu gezwungen – stimmt das?
Gezwungen nicht wirklich. Aber klar, ich hätte immer unheimlich gerne eine Fortsetzung gemacht. Ich verstehe allerdings, dass Christian nach seinem Debüt mit „Lammbock“ erst einmal andere Filme drehen und sich ausprobieren wollte. Irgendwann war die Zeit gekommen, dass man über die Figuren etwas Neues erzählen konnte, was mehr war, als eine bloße Aneinanderreihung von blöden Kiffer-Anekdoten. Christian hat das aufgeschrieben und es hat zu unser aller Überraschung sehr gut funktioniert. Da war klar: Jetzt wird’s richtig lustig!
Haben Sie auch so einen besten Kumpel, wie Ihr Kai im Film?
Ich habe zum Glück einen sehr stabilen Freundeskreis, der bereits seit meiner Jugend besteht. Ich weiß, wie viel ein Buddy einem bedeutet und bedeuten kann.

Wie viel Kai steckt in Moritz?
Genauso viel wie umgekehrt wahrscheinlich: alles und gar nichts. (lacht) Ich spiele Kai zwar in Filmen, aber charakterlich habe ich mit ihm wirklich nicht wahnsinnig viel zu tun – eher im Gegenteil.

In einer Szene spielt Kai der Freundin seines Kumpels etwas vor und hat prompt Erfolg damit. Nutzen Sie im realen Leben bisweilen auch Ihre Schauspieler-Qualitäten, um zu schummeln?
Das Schöne an dem Beruf ist unter anderem, dass man fürs Schummeln bezahlt wird. Aber wenn ich von der Polizei bei einer Ordnungswidrigkeit erwischt werden würde, wäre ich genauso nervös wie jeder andere. Da bringt mir die schauspielerische Erfahrung  auch nichts.

Im Film spielt „Der kleine Ich-bin-nie-zufrieden“-Mann im Kopf eine große Rolle. Kennen Sie das Phänomen bei sich auch?
Überhaupt nicht, ganz im Gegenteil. Ich würde mich als ziemlich bis sehr glücklich bezeichnen. Mein Glas ist im Zweifelsfall immer halb voll.

Apropos Glas: Sollte man „Lommbock“ besser nüchtern anschauen oder berauscht?
Für „Lommbock“ muss man überhaupt nicht berauscht sein. Das Prädikat Kiffer-Film stimmt ja nur bis zu einem bestimmten Grad. Drogen sind zwar ein wichtiger Teil dieser Geschichte, vor allem aber ist das ein gelungenes Buddy-Movie. Daran haben auch Leute Spaß, die keine Joints rauchen.

Es stimmt also, was Kai im Film sagt: „Man kann ja auch ohne Drogen Spaß haben“?
Definitiv. Man kann auch ohne Spaß Drogen haben. Die beiden verpeilten Figuren Frank und Schöngeist sind ja ein warnendes Beispiel, für das, was nach jahrelangem Drogenkonsum so alles passieren kann. (lacht)

Was wird im Film eigentlich vor der Kamera so geraucht?
Das ist ganz normaler Tabak. Und die Nichtraucher nehmen Salbei-Zigaretten. Diese ständige Raucherei war das einzige, was bei diesem Film auf Dauer schon ziemlich unangenehm war.

Über Mehmet Scholl gab es in „Lammbock“ etliche derbe Sprüche, die er nicht so lustig gefunden haben soll, zumal er beim FC Bayern ständig damit aufgezogen wurde. Wie sieht er das heute?
Ich hatte Mehmet damals um Erlaubnis gefragt, ob wir seinen Namen verwenden dürften. Er meinte „Klar, mach’ mal“, aber ahnte eben nicht, was auf ihn zukam. Worum es wirklich gehen würde, hatte ich ihm nicht erzählt. Mehmet war dann wohl mit seiner Freundin damals im Kino und was dann kam, war vielleicht ein bisschen anders als er es erwartet hat. (lacht) Aber so wie ich ihn kennengelernt habe, glaube ich nicht, dass ihm das wirklich Sorgen gemacht hat. Außerdem setzt der Film ihm ja ein Denkmal.

Text: Dieter Oßwald
Fotos: Wild Bunch

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