Freddie-Mercury-Darsteller Rami Malek über das Queen-Biopic „Bohemian Rhapsody“.
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Rami Malek wurde 1981 als Sohn ägyptischer Eltern in Los Angeles geboren. Bekannt wurde er als Kenny in der Sitcom „Familienstreit de Luxe“. Gastrollen spielte er in Serien wie „24“, „Medium“ oder „The Pacific“. Für die Rolle des Elliot Alderson in „Mr. Robot“ bekam er einen Emmy sowie zwei Golden-Globe-Nominierungen. 2012 war Malek Benjamin in der Twilight-Saga „Breaking Dawn“. Zu weiteren Kinofilmen gehören „Need for Speed“, „Nachts im Museum“ sowie das Remake von „Papillon“. Nun präsentiert sich der Schauspieler in „Bohemian Rhapsody“ als der schillernde Sänger und Komponist Freddie Mercury der weltberühmten Rock-Band Queen. Mit Malek unterhielt sich unser Kinocrack Dieter Oßwald.
Mister Malek, auf Ihrem T-Shirt steht „Hero“. War Freddie Mercury auch für Sie ein Held?
Mittlerweile ist Freddie absolut ein sehr großer Held für mich geworden. Ich habe echt viel von diesem Typen gelernt. Seine Persönlichkeit auf der Bühne wurde geprägt durch eine regelrechte Explosion seiner Identität. Freddie führte diesen Kampf, die eigene Identität zu entdecken und hat das in seiner Musik umgesetzt. All das hat er mit Tausenden Fans geteilt. Für mich ist das ziemlich heroisch. Seine Botschaft lautete: Es ist okay, genau der zu sein, der du bist. Damit vermittelte er jedem das kollektive Gefühl, auf sich selbst stolz sein zu können.

Worin lag die Schwierigkeit bei der Rolle?
Gleich am ersten Drehtag stand das „Live Aid“-Konzert im Wembley Stadion auf dem Plan. In diese Szenen musste ich enorm viel Energie und Gefühle stecken, was zu Beginn von den Dreharbeiten ein Sprung ins kalte Wasser ist. Zudem war klar: Wenn mir diese entscheidenden Sequenzen nicht gelängen, würde alles andere auch nicht klappen. Du spielst diese Ikone Freddie Mercury, einen der wichtigsten, revolutionärsten Künstler für Generationen. Und dann sollst du am ersten Tag deine Version liefern von dem vermutlich größten Auftritt in der Geschichte der Rockkonzerte – das kann schon etwas einschüchternd wirken.

Waren Brian May und Roger Taylor von „Queen“ an diesem ersten Drehtag dabei?
Beide waren dabei und boten mir unglaublich große Unterstützung. Brian und Roger hatten mich schon beim Vorsprechen erlebt und mich sehr früh akzeptiert. Wobei Brian zu einem wahren Cheerleader für alle wurde. Er gab mir seine Telefonnummer und Mail-Adresse, was er überhaupt nicht nötig hätte – was ich jedoch reichlich genutzt habe. Brian wurde wie ein Mentor für mich. Es war dann schon etwas seltsam, wenn ich am Set in den Pausen als Freddie mit dem realen Brian plauderte. Der Film hat wohl nostalgische Gefühle bei ihm ausgelöst.
Wie sehen Sie die Ikone, die Sie spielen?
Freddie ist praktisch Gott, er kommt wie aus einer anderen Welt. Er verfügte mit seiner Stimme und den Auftritten über eine Anziehungskraft, die niemand auch nur annähernd erreichte. Aus dieser Perspektive betrachtet wirkt das alles ein bisschen zu überwältigend. Als Schauspieler hat man allerdings auch einen Blick auf den Menschen hinter alledem. Genau darin bestand mein Zugang zu dieser Rolle: Ein junger Mann mit ganz bescheidenen Anfängen, der sich nicht nur wegen seiner Herkunft als Fremder fühlt. Der unter seinen auffallenden Zähnen leidet. Und der nach seiner Identität sucht. Wäre das nicht schon kompliziert genug, muss er um seine sexuelle Identität ringen. Für andere sind das unüberwindliche Hindernisse, doch Freddie entwickelt sich genau zu jenem Menschen, der er sein wollte. Solch eine Geschichte macht einen sehr emotional.

War die Bühne eine Flucht vor den privaten Problemen? War er dort ein anderer Mensch?
Er hat keinen Schalter umgelegt und wurde nicht zu dem anderen Mercury. Freddie auf der Bühne war ein Version von ihm. Es war wie eine Eruption dessen, was in ihm vorging. Wenn das Publikum auf sein Stampfen reagierte, passierte etwas Wildes, Magisches und Schönes in ihm – und ebenso in den Zuschauern von der ersten bis zur letzten Reihe. Anders als andere blickte Freddie nicht nur in die ersten vier Ränge, sondern immer bis ganz ans Ende, wo diejenigen standen, die sich keine teuren Karten leisten konnten.
Eine große Rolle im Film spielt die Beziehung zu Mary Austin. Wie sehen Sie deren Bedeutung?
Mary bedeutete die Welt für Freddie, überraschenderweise wissen nur wenige, welchen Einfluss sie auf sein Leben hatte – was sich nach dem Film ändern wird. Mary war die Liebe seines Lebens, für sie schrieb er „Love of My Life“. Sie war seine engste Vertraute und verstand ihn wie niemand sonst. Sechs Jahre lang lebten sie in einer Beziehung und blieben bis zu seinem Tod in Verbindung. Ohne Mary hätten wir keinen Freddie Mercury, wie wir ihn heute kennen.
Sein Schwulsein wurde in Boulevard-Blättern kolportiert, weshalb hat er sich selbst öffentlich nie zu seiner Sexualität ­geäußert?
Das Außergewöhnlichste an seiner Sexualität war, dass er nie darüber sprach. Er überwand all diese Etiketten und Schubladen, mit denen wir Leute gerne versehen. Er hat sich nie eingeschränkt. Er war einfach. Ich glaube, das macht ihn zu einer noch größeren Ikone, wenn das überhaupt möglich ist. Deswegen ist er so zugänglich für jeden.

Wie schwer ist es, eine reale Person zu spielen?
Ich wollte Freddie nie imitieren oder als Karikatur darstellen. Mein Plan war, mich als Rami zu verschmelzen mit dem Freddie Mercury, wie ich ihn mir vorstelle. Die Figur entspricht nicht exakt dem realen Freddie, sondern es steckt auch ein Stück Seele von mir darin. Wichtig war für mich, die Verspieltheit, den Übermut und die Freude von Freddie zu vermitteln.

„Das Außergewöhnlichste an seiner Sexualität war, dass er nie darüber sprach. Er überwand Etiketten und Schubladen.“

Haben Sie für die Dreharbeiten Freunde oder Familie von Freddie Mercury getroffen?
Freddies Schwester kam einmal zu Dreharbeiten. Als sie bemerkte, dass ich bei einer Szene ein paar Wiederholungen zu viel verlangte, meinte sie zu mir: „Freddie war zwar ein extremer Perfektionist. Aber er wusste auch, wie man Spaß haben kann!“

Der Film endet mit dem „Live Aid“-Konzert 1985. Weshalb fehlt das für Mercury sehr bedeutende „Barcelona“ mit Opernsängerin Montserrat Caballé?
Ich liebe „Barcelona“, mir gefällt die Idee, dass Freddie Opern singt. Diese gemeinsame Aufnahme mit Montserrat Caballé wäre eine schöne Geschichte, aber wir haben eben nur zwei Stunden Zeit für den Film und ich finde „Live Aid“ ein schönes Ende – vielleicht machen wir „Barcelona“ dann ja in der Fortsetzung, falls es zum Kassenerfolg wird (lacht).
Wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet?
Ganz am Anfang des Projektes, noch bevor wir eine Finanzierung hatten, boten mir die Produzenten einen Dialog-Trainer. Darauf sagte ich, ich brauche Gesangs-, Klavier- und Tanzunterricht. Also habe ich auf eigene Kosten einen Flug nach London gebucht und dort gelernt. Ich dachte, wenn das Projekt zustande kommt, bin ich sofort parat. Diese Gelegenheit, Freddie Mercury zu spielen, wollte ich auf keinen Fall verpassen. Wenn diese Chance tatsächlich kommt, wollte ich gut vorbereitet sein. Unsicherheit wäre das letzte, was man mit Freddie Mercury verbindet.

Wie groß ist die Unsicherheit in Ihrem Beruf?
Schauspielerei kann einen schon ganz schön high machen. Da wird man manchmal so abhängig wie von Drogen. Es ist ein großartiges Gefühl, mit Kollegen und der Crew in so phänomenalen Kulissen zu arbeiten. Für mich ist das wie Disneyland. Als wäre das nicht genug, stehst du auf der Bühne und spielst diesen Rockstar – mehr geht nicht!

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Wie haben Sie das mit dem Singen gemacht? Es wirkt wie ein sehr perfektes Playback ...
Aus dem oberen Brustkorb heraus zu singen ist schwierig, ich bin schließlich kein ausgebildeter Sänger. Also haben die Techniker so viel wie möglich von meiner Stimme entfernt und jene von Freddie verwendet. Das war der Wunsch von Brian May und Roger Taylor – und auch von mir. Schließlich wollen die Fans möglichst oft die Stimme von Freddie hören.

Haben die künstlichen Zähne, die sie tragen mussten, keine Probleme verursacht?
Das Küssen fiel damit schwer. Und einmal stieß ich zu stark gegen das Mikro und hatte Angst, dass sie zerbrechen. Ich konnte mich nie an dieses Gebiss gewöhnen, wollte das aber auch nicht. Diese Zähne waren eine versteckte Verletzbarkeit. Sein ganzes Leben lang hat er versucht, sie zu verbergen. Noch in seinem letzten Interview kann man sehen, wie er mit der Hand seinen Mund verdeckt.

Waren Sie mit „Queen“ in Ihrer Jugend vertraut?
Ich war noch ziemlich jung, als ich „Bohemian Rhapsody“ zum ersten Mal im Radio hörte. Ich wusste nicht, was das sein sollte. Für mich war das noch nicht einmal ein Song. Aber ich hatte sofort das Gefühl, auf einer emotionalen Achterbahn zu sein. Ich war begeistert.

Wenn Freddie Mercury jetzt zur Türe hereinkäme, was würden Sie ihn fragen?
Was ich ihn fragen würde? Ich wäre ein Narr, diese kostbare Zeit mit meiner eigenen Stimme zu verschwenden. Ich würde einfach nur zuhören, was er alles zu sagen hat. 

Interview Dieter Oßwald
Fotos Twentieth Century Fox

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