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Schauspieler Jannis Niewöhner über seine Hauptrolle in der
Hermann-Hesse-Verfilmung „Narziss und Goldmund“
KW NARZISS UND GOLDMUND c Sony Pictures 02 art
Bei seiner Bewerbung an der Schauspielschule wurde er abgelehnt, mittlerweile hat Jannis Niewöhner, 27, etliche Auszeichnungen im Regal – vom Bayrischen Filmpreis über den Jupiter Award bis zum Grimme-Preis. Auch zum European Shooting Star wurde er vor fünf Jahren gekürt. Bekannt wurde Niewöhner durch die Hauptrolle des Gideon de Villiers in der „Rubinrot“-Trilogie. Es folgten Filme wie „4 Könige“, „Jugend ohne Gott“, „High Society“ und „Asphaltgorillas“ von Detlev Buck. Nun spielt er an der Seite von Sabin Tambrea den Goldmund in der Hermann-Hesse-Verfilmung „Narziss und Goldmund“ von Oscar-Preisträger Stefan Ruzowitzky. Mit dem Schauspieler unterhielt sich unser Mitarbeiter Dieter Oßwald.
Herr Niewöhner, Sie haben sich mit einem Klosterbesuch auf die Rolle vorbereitet. Wie war die Erfahrung?
Ein Klosteraufenthalt schien mir sinnvoll als Vorbereitung auf einen Film, in dem ein Kloster die wesentliche Rolle spielt. Für mich selbst war dieser Ort der Ruhe und Zurückgezogenheit eine ganz besondere Erfahrung, die ich jedem empfehlen kann – zwar nicht für immer, aber für eine Woche als intensives Erlebnis allemal.

Wie steht es um Ihre Hesse-Erfahrungen?
„Narziss und Goldmund“ habe ich zum ersten Mal mit 19 Jahren gelesen und vier Jahre später dann nochmals. Mich begeisterte diese unfassbar elementare Geschichte mit all den Gefühlen, die das Leben so ausmachen. Als junger Mensch fühlt man sich beim Lesen wahnsinnig an sich selbst erinnert und bekommt auch einfach Lust aufs Leben. „Narziss und Goldmund“ geht jeden etwas an, das macht den Roman so außergewöhnlich und schön.
War von Anfang an klar, wer den Narziss und wer den Goldmund spielen wird? Oder haben Sie mit Sabin Tambrea darum gewürfelt?
Nein, um die Rollen haben wir nicht gewürfelt! (lacht) Ich war von Anfang an als Goldmund vorgesehen und ganz froh darüber. Wobei der Narziss als Rolle nicht weniger intensiv und spannend ist. Viele Leser sehen sich wohl zunächst gerne als Goldmund, das ging mir ebenso. Bei näherer Betrachtung der Geschichte stellt man allerdings fest, dass auch sehr viel Narziss in einem steckt. Letztlich ergeben die beiden zusammen erst das Ganze.

Regisseur Stefan Ruzowitzky sagt, wenn Narziss sich Gefühle erlauben würde, wäre er wahrscheinlich schwul und hätte am liebsten etwas mit Goldmund. Wie sehen Sie das?
So ist es. Bei Hesse wird das ganz deutlich beschrieben, im Film wird einfach nur gesagt „Ich durfte dich nie lieben!“ Es gibt eine ganz klare Anziehung von Narziss zu Goldmund, die eine normale Freundschaft übersteigt und bestimmt auch ein körperliches Verlangen einschließt. Goldmund ist der Seelenverwandte für Narziss, der Mensch, der ihm am nächsten ist und für den er die meiste Liebe empfindet. Für mich geht es da einfach um den Menschen, das hätte ebenso ein Mädchen sein können – was im Kloster eben nicht möglich ist.

„man bekommt unfassbar Lust auf das Suchen – auf welche Art auch immer“

KW NARZISS UND GOLDMUND c Sony Pictures 01 art
Die Geschichte spielt im Mittelalter. Wo sehen Sie die Aktualität für heute?
Die Aktualität liegt in der Universalität. Besonders junge Menschen bekommen einen unglaublichen Antrieb von dieser Geschichte. Durch die beiden Charaktere erfährt man, was das Leben ausmacht. Dass es um die Suche geht. Und man bekommt unfassbar Lust auf das Suchen – auf welche Art auch immer.

Als gelernter Mädchenschwarm der „Rubinrot“-Trilogie: Ist das nun eher ein Jungs-Film?
Mädchenschwarm ist weniger gelernt als in die Schublade gesteckt worden zu sein! (lacht) „Narziss und Goldmund“ ist eine Geschichte über die Freundschaft – eben zwischen Jungs.

Brauchen Sie Schnittmengen zu den Figuren, die Sie spielen?
Ich glaube, dass solche Schnittmengen ohnehin immer schon vorhanden sind. Es gehört zum Beruf des Schauspielers, den Glauben dafür zu schärfen, dass alles in einem steckt. Man muss nach diesen verborgenen Teilen in einem suchen und sie möglichst intensivieren.

An der Schauspielschule wurden Sie einst abgelehnt. Welche Folgen hatte das für Sie?
Ich war damals ja erst 16 und hatte mich dort beworben, um eine Rechtfertigung zu haben, aus der Schule herauszukommen. Die Frustration nach der Absage hielt nicht sehr lange an. Die Schauspielschule hätte mir sicher viel gegeben. Aber auch der Weg, den ich danach eingeschlagen habe, gab mir sehr viel und fühlt sich sehr richtig an. Wenn man eine klare Vision hat von dem, was man erreichen möchte, ist man nicht abhängig von bestimmten Dingen. Ein Weg muss nicht unbedingt vorgegeben sein, man kann ihn sich auch selber bauen.
Sie sind demnächst im Regie-Debüt von Moritz Bleibtreu zu erleben. War das ein anderes Drehen als mit einem Oscar-Preisträger?
Nein, es gab immer denselben Respekt. Man sollte sich von Titeln und Preisen nicht beeinflussen lassen, sondern die Person kennenlernen. Und da haben es Stefan und Moritz mir beide gleichermaßen sehr einfach gemacht.

Wonach suchen Sie Ihre Filme aus?
Mir ist vor allem wichtig, neue Dinge ausprobieren zu können. Sei es ein anderes Genre, eine unterschiedliche Figur oder auch die Sprache, wie aktuell in „Felix Krull“. Ich bin immer neugierig darauf, etwas Neues zu lernen.


KW NARZISS UND GOLDMUND c Sony Pictures art
Sehen Sie Ähnlichkeiten zu Robert Pattinson, der unter dem „Twilight“-Image gelitten hat und dann ganz andere Rollen gespielt hat?
Da gibt es durchaus Parallelen. Bereits als wir „Rubinrot“ gedreht haben, wurde ich einfach immer nur als dieser bestimmte Typ wahrgenommen. Entsprechend habe ich ganz bewusst nach Rollen Ausschau gehalten, bei denen ich etwas anderes zeigen konnte. Mir war immer klar, dass das vorhanden ist. Aber die anderen mussten das erst entdecken. Mit „4 Könige“ ist der Image-Wandel dann gelungen.

Vermissen Sie die kreischenden Teenies am roten Teppich aus den „Rubinrot“-Zeiten?
Die große Fan-Gemeinde von „Rubinrot“ fand ich eine schöne Erfahrung. Wenn bei „Narziss und Goldmund“ jetzt nicht mehr viel am Teppich gekreischt wird, fehlt mir allerdings auch nichts. Wichtiger ist mir, die Zuschauer mit diesem Film mitzunehmen.

Was ist das Wichtigste in Ihrem Beruf?
Dass das Suchen nicht aufhört. Und man nicht an einem Punkt anlagt, bei dem man sich zufriedengibt.

Interview Dieter Oßwald
Fotos Sony Pictures

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