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Regisseur Detlev Buck im Interview zu „Asphaltgorillas“. Kinostart ist der 30. August.
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Buck is back: Nach seinen vier ­Kinderfilmen „Bibi & Tina“ macht der Regisseur ein bisschen Urlaub vom Immenhof und präsentiert eine lässige Ganoven-Groteske nach der Vorlage von Ferdinand von Schirach. Wie schon in seinen frühen Kultfilmen „Erst die Arbeit und dann?“, „Karniggels“ oder „Wir können auch anders ...“ beweist der gelernte Landwirt, wie man die Leinwand mit lakonischer Komik brillant beackert. Das Prädikat cool findet der 56-Jährige ziemlich uncool, lässig gefällt ihm da schon besser. Genau so kommen diese „Asphaltgorillas“ daher. Die Machos auf Testosteron-Trip im Lamborghini haben kaum Chancen gegen die cleveren Frauen. Auch visuell gelingt Buck ein Coup. Mit dem Regisseur unterhielt sich unser freier Redakteiur Dieter Oßwald.
Herr Buck, wäre nicht auch der Titel „Erst der Lambo und dann …“ geeignet?
Nö, eigentlich hätte der Film „Der ­Schlüssel“ heißen sollen, so wie die Kurzgeschichte von Ferdinand von Schirach. Als Verfilmung hat das aber nicht mehr ganz so gut gepasst. Statt den Gorillas hätte man vielleicht Alphamännchen nehmen können, oder Betamännchen. Also etwas, das diese mit Testosteron aufgeplusterten Jungs gut beschreibt.
 
Es tauchen auch echte Gorillas auf, weshalb ist deren Hintergrund ganz in Rosa?
Der Gorilla taucht im Traum auf. Und unser Held Atris träumt eben gern so wirres Zeug.
Die Titel Ihrer Filme sind zu geflügelten Worten geworden. Wie kommen Sie auf Sachen wie „Wir können auch anders“ oder „Erst die Arbeit und dann?“?
Das hängt damit zusammen, wo man ­geprägt wurde und groß geworden ist. Ich mache für den NDR bisweilen Spots, da heißt es einmal: „Das Beste am Norden ist, wir lassen uns nichts sagen.“ Das würde auch als schöner Filmtitel taugen. Das sind Weisheiten aus der Jugend, die man inhaliert hat. Wobei „Asphaltgorillas“ tatsächlich eine ganz neue Wortschöpfung darstellt. Man kennt „Asphalt-Cowboy“ mit Dustin Hoffman und Jon Voight, die gestrandete Typen in der Großstadt spielen. Davon erzählen wir nun ebenfalls.
Sie haben den Film als „Liebeserklärung an Berlin“ bezeichnet …
Das sagte immer Kida, der den El Keitar spielt. Für mich könnte so eine Geschichte in vielen Großstädten passieren, egal ob in Frankfurt, Hamburg oder Berlin. Wobei in Berlin schon auffallend viele Lambos auf dem Ku‘damm ständig hin- und herflitzen unter dem Motto: Je lauter, desto besser. Das ist schon irre und in anderen Städten nicht so extrem vorhanden.
 
In Sofia Coppolas „Somewhere“ fährt Stephen Dorff gerne mit seinem Ferrari im Kreis und im Abspann gibt es eigens eine offizielle Danksagung für die Genehmigung an den Autohersteller. Brauchten Sie ebenfalls eine Lizenz der Sportwagenbauer für den Filmeinsatz?
Das brauchten wir nicht, andererseits wurde unsere Bitte nach Unterstützung von Lamborghini abgelehnt. Denen gefiel nicht, dass der Hund neben dem Auto herlaufen muss und anschließend keinen ausreichenden Platz im Fahrzeug hat. Wir mussten unsere Lambos also irgendwo leihen, was gar nicht so einfach war, zumal in diesen Farben, die wir haben wollten. Die Goldlackierung musste eigens mit Folien bewerkstelligt werden.

„Die Reise des helden ist auch meine reise“

Im Unterschied zur Kurzgeschichte ist Ihr Atris ziemlich gewachsen.
Man musste die Hauptfigur vollkommen neu erfinden, weil der Atris in der Kurzgeschichte nicht zu gebrauchen ist für den Film. Einfach, weil er dämlich ist. Der ist richtig dumm. Bei uns hingegen macht er eigentlich die klassische Heldenreise. Atris ist ein Suchender, der merkt, dass er eine Entscheidung in seinem Leben treffen muss. Er soll verheiratet werden und den Laden übernehmen. Er lädt sich mit der flüchtenden Frau ein Abenteuer in sein Auto, ohne genau zu wissen, was er da macht. Diese geheimnisvolle Frau kommt wie aus dem Nichts, eine Femme fatale, die Atris dazu bringt, zum ersten Mal seinem Chef zu widersprechen und sich zu emanzipieren.

Bei seinem besten Kumpel Frank gilt eher das Motto „Gib dem Affen Zucker“?
Vermutlich kennt jeder solche Freunde wie Frank: Immer ein großes Ding am Laufen. Der erste mit einem Moped. Der viel Erfolg bei Frauen hat. Der immer wusste, wie alles geht. Und dabei ständig übertrieben hat. Und doch ist diese Freundschaft so groß, dass Atris seinem Kumpel verzeiht, obwohl er ihn verraten hat.
In der Kurzgeschichte heißt es noch, man könne keiner Frau vertrauen. Bei Ihnen kommen die Frauen sehr viel besser weg …
Stimmt, bei uns stellt die Frau den Status der Männer in Frage. Besonders deutlich wird das im Gespräch mit El Keitar, den Marie selbstbewusst provoziert. Und dessen ­Phobie, einer Frau die Hand zu geben, ihn am Ende ziemlich lächerlich wirken lässt. Auch unsere ­mongolische Killerin ist den männlichen Gegenspielern ganz klar überlegen.

Wie wichtig ist es Ihnen, dass die Zuschauer solche Aspekte einer Geschichte erkennen? Wären Sie enttäuscht, wenn das Publikum einfach nur Spaß haben will?
Das kommt darauf an, wie ein Zuschauer organisiert ist. Es gibt bei jeder guten ­Geschichte immer den inneren und einen äußeren Bogen. Der äußere Bogen ist die Verwechslungsgeschichte mit dem Falschgeld und dem großen Deal. Die innere Kiste ist die Liebesgeschichte.
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Wie viel Spaß hat es Ihnen gemacht, Gewalt zu ­inszenieren?
Gewalt ist Bestand der Kurzgeschichte und als ich einmal was auf die Nase bekommen habe, war das Adrenalin so hoch, dass ich alles in Zeitlupe gesehen habe, auch danach. Damit war die Idee mit Stuntman Ferdi Fischer da, und mit der Agentur Slamartist hat es Spaß gemacht, das zu entwickeln.

War so ein Genre-Film für Sie notwendig nach vier kuscheligen Kinderfilmen mit „Bibi & Tina“? Ist man beim Inszenieren auch ein bisschen auf Testosteron?
Nein, beim Inszenieren bin ich nicht auf ­Testosteron. Da erfreue ich mich eher an bestimmten Bildern, die man generiert hat und die eine stimmige Welt vermitteln. Die Reise des Helden ist auch meine Reise. Und sich genremäßig damit zu befassen, war mir ­einfach eine Freude. Während wir vier Teile „Bibi & Tina“ gedreht haben, haben wir dieses Projekt parallel vorbereitet. Das war das Hobby, der Kontrast! Ich brauche immer ein Ying und ein Yang!

Coolness war bei Buck schon immer auf dem Etikett. Sind Sie einverstanden mit dem Prädikat?
Der Begriff cool ist so eine Riesennummer. ­Eigentlich ist mir lässig lieber. Wenn man cool sein will, dann ist es schon schlecht.

Wie lässig ist der Vorspann, auf dem nur noch „by Buck“ steht?
„Asphaltgorillas von Detlev Buck“ – das liest sich nicht gut. Zudem werde ich oft auch einfach so genannt.

Interview Dieter Oßwald
Fotos Constantin Film

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