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Regisseurin Pernille Fischer Christensen
zur Astrid-Lindgren-Biografie „Astrid“.
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Ihre erste Auszeichnung bekam Pernille Fischer Christensen, eine der erfolgreichsten Regisseurinnen Dänemarks, 2000 in Cannes für ihren Kurzfilm „Indien“, den sie während ihres Studiums an der National Film School of Denmark drehte. Ihr Spielfilm-Debüt „A Soap“ wurde 2006 auf der Berlinale mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet. Darüber hinaus gewann der Film den Preis für das beste Drehbuch in San Sebastian sowie den Preis der Dänischen Filmkritik. Ebenfalls auf der Berlinale liefen „Someone you Love“, „A Familiy“ und in diesem Jahr „Astrid“, ein Liebesdrama über die junge Astrid Lindgren. Beim Filmfest Zürich unterhielt sich SUBWAY-Kinokenner Dieter Oßwald mit der Regisseurin. 
Frau Christensen, als Feministin war Astrid Lindgren ihrer Zeit voraus. Wie passt der Film zur aktuellen #MeToo-Bewegung?
Diese Frage wird mir häufig gestellt. Tatsächlich entstand das Drehbuch zu diesem Film lange vor der #MeToo-Bewegung, insofern gab es keinen unmittelbaren Bezug. Für mich ist diese Geschichte vor allem eine Liebesgeschichte. Astrid braucht diesen Journalisten, um ihren Weg in die Freiheit zu finden und Erfahrungen im Leben zu sammeln – was für sie keineswegs einfach ist.

Hätten Sie gerne in dieser Zeit gelebt, als vieles möglich war und etliches verboten?
Das kommt auf die Umstände und die Herkunft an. In Berlin boten die 20er Jahre eine Bühne der Freiheit und Experimente, auch was die Sexualität betraf. In etlichen Ländern wurde das Frauenwahlrecht eingeführt und Rechte der Frauen gestärkt. In der Provinz hingegen, wo Astrid mit ihrer streng religiösen Familie lebte, herrschten Zustände wie noch hundert Jahre zuvor. Wer rebellierte, riskierte den Ausstoß aus der Gesellschaft.

Was war Ihre Absicht mit diesem Film?
Unser Ziel war es, Astrid Lindgrens Liebe zu zeigen und ihre Fähigkeit darzustellen, wie sie mit einfachen Worten über schwierige Themen wie Leben und Tod berichten konnte. Frauen wie Astrid haben für andere Frauen den Weg gebahnt.

Karin Nyman, die Tochter von Astrid Lindgren, reagiert wenig freundlich auf Ihren Film. Haben Sie mit dem unehelichen Kind ein Geheimnis verraten?
Nein, die Geschichte des unehelichen Kindes war seit Jahrzehnten bekannt. Die Reaktion von Astrids Tochter Karen Nyman verstehen wir nicht. Mein Film über die Jugend von Astrid Lindgren ist eine persönliche Hommage an eine der großartigsten Künstlerinnen Skandinaviens. Eine Liebeserklärung an eine Frau, die mit ihrer starken Persönlichkeit die herrschenden Gesellschaftsnormen von Geschlecht und Religion gesprengt hat.

KW Astrid Artwork FINAL WEB art

Haben Sie durch den Film etwas Neues über Astrid Lindgren gelernt?
Für mich war Astrid Lindgren immer diese alte Märchentante, eine Ikone jenseits der Wirklichkeit. Bei meinen Recherchen wurde mir dann deutlich, wie sehr sie tatsächlich die Bezeichnung Ikone verdient hat. Was sie erlebt hat und wie sie alles durchsteht, ist bewundernswert. Wenngleich sie noch ein Teenager ist, verhält sie sich in unserer Geschichte viel verantwortungsvoller als alle Erwachsenen ihrer Umgebung. Astrid stellt sich dieser neuen Situation nach der Geburt. Da geht es nicht mehr um Religion, um Schuld oder Scham: Es geht allein um ihr Baby und darum, wie man damit lebt.

Biografien sind oft Denkmalpflege mit Heiligenschein. Wie ist es bei Ihnen?
Mir war wichtig, Astrid als Menschen zu zeigen. Als eine Kämpferin, die durchaus Zweifel hat und eben nicht das perfekte Rezept fürs Leben besitzt. Astrid muss gegen die Widrigkeiten im Leben kämpfen, so wie wir es alle tun. Sie stellt sich ständig die Frage, wie sie ein guter Mensch sein kann und wie man die Dinge richtig macht.
Bei Zeitsprüngen zur berühmten Autorin werden Briefe von Kindern an sie vorgelesen. Sind das Originale oder erfundene Texte?
Astrid Lindgren bekam in ihren späten Jahren täglich Hunderte von Briefen von Kindern. Wir haben uns das verfügbare Archivmaterial angesehen und daraus dann unsere Briefe im Film zusammengestellt. Die Texte mussten schließlich thematisch zu der Geschichte passen.

Was meinen Sie, wie viel von Astrid Lindgren steckt in Pippi Langstrumpf?
Das kann ich eigentlich gar nicht beantworten. Bei unseren Recherchen haben wir allerdings ein altes Foto mit ihrer Schulklasse gefunden. Da sitzen alle Kinder brav auf ihren Stühlen – nur eines nicht. Und man kann regelrecht den Lehrer hören: „Astrid, setz dich bitte hin!“.

Wenn Astrid Lindgren nun durch die Tür käme, was würden Sie sie fragen?
Was ich Astrid fragen würde? „Können Sie mir bitte verzeihen?!“ (lacht)

Interview Dieter Oßwald
Fotos FilmPressKit.de

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