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Interview mit Rachel Weisz zu „Meine Cousine Rachel” | In Sachen charismatischer Lässigkeit nimmt es Rachel Weisz locker mit Ehemann Daniel Craig auf. Ihr Kinodebüt gab die Britin an der Seite von Keanu Reeves im Actionfilm „Außer Kontrolle“. Es folgten Bernardo Bertoluccis „Gefühl und Verführung“, Michael Winterbottoms „I Want You“ und das Stalingrad-Drama „Duell“ von Jean-Jacques Annaud. Zum kommerziellen Erfolg gerieten die beiden Teile des Fantasy-Spektakels „Die Mumie“ und „Das Bourne Vermächtnis“. Den Oscar als Beste Nebendarstellerin bekam Weisz für den Thriller „Der ewige Gärtner“. Nach ihrem Auftritt in „Ewige Jugend“ und „The Lobster“ spielt die 47-Jährige nun die Titelrolle der mysteriösen Verführerin im Liebes-Thriller „Meine Cousine Rachel“.

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Mrs. Weisz, die große Frage lautet: Ist Rachel eine Mörderin oder nicht?
lch musste mich da natürlich entscheiden, um diese Rolle spielen zu können. Allerdings wollte unser Regisseur Roger Michell nicht, dass ich ihm verrate, ob ich Rachel für schuldig halte oder nicht. Es blieb und bleibt mein Geheimnis – die Antwort muss jeder Zuschauer für sich selbst entscheiden. Und diese Schuldfrage wird das Publikum sicher spalten.

Ist es für die Zusammenarbeit eigentlich nicht hinderlich, wenn so ein großes Geheimnis im Raum steht?
lm Laufe der Jahre entwickelt man einen ganz guten Instinkt dafür, ob ein Regisseur tatsächlich versteht, was seine Schauspieler vor der Kamera tun oder nicht. Es gibt Regisseure, die sind Meister des Visuellen. Die wissen genau, wie sie die perfekte Einstellung bekommen. Aber das heißt noch lange nicht, dass sie auch wissen, wie sie am besten mit ihren Schauspielern umgehen. Roger dagegen kommt vom Theater und ist ein Schauspieler-Regisseur. Er kann vom einen Moment zum nächsten lenken und einen dazu bringen, dass man in ein und derselben Szene verschiedene Emotionen unterschiedlicher Höhen und Tiefen erreicht.

War Rachel für Sie eine frühe Feministin?
Das Buch stammt aus den fünfziger Jahren, auch wenn die Geschichte gut hundert Jahre früher in der Mitte des 19. Jahrhunderts spielt. Trotzdem ist Rachel sehr modern für die Zeit, in der sie lebt. Zum Beispiel ist sie davon überzeugt, dass es möglich ist, auch außerhalb der Ehe seinen Spaß am Sex zu haben. Oder man als unabhängige Frau seinen Lebensunterhalt selbst verdient. Sie weigert sich, von einem Mann in Besitz genommen zu werden, nur weil sie mit ihm verheiratet ist. Das alles macht Rachel zu einer Person, mit der sich Frauen von heute leicht identifizieren können.

Spielen Sie gerne starke Frauen?
Ich habe meine Schwierigkeiten mit dem Begriff „starke Frauen“. Ich verstehe nicht so ganz, weshalb man diese Frage nur Frauen stellt. Keine Sorge, Sie sind nicht der einzige, auch Frauen wollen das häufig von mir wissen. Aber haben Sie jemals einen Schauspieler gefragt, ob er gerne starke Männer spielt? Niemals!

Doch!
Wirklich? Wen denn?

Ich glaube, Sie kennen ihn: Daniel Craig.
Den haben Sie gefragt, ob er gerne starke Männer spielt? (lacht) Ich weiß trotzdem nicht, was eine starke Frau bedeuten soll. Rachel ist interessant. Sie ist menschlich. Sie ist kompliziert. Sie kann warmherzig sein und auch temperamentvoll. Sie hat von allem etwas und lässt sich nicht auf eine Sache reduzieren. Genau das macht sie zu einer interessanten Person.

Sie ist eine Frau, die gern manipuliert.
Ich bin mir nicht sicher, ob ich Rachel so sehr manipulierend finde. Hält sie bei ihrem Verehrer berechnend die Fäden in der Hand, oder ist sie nicht vielleicht nur ein unschuldiges Opfer von Frauenfeindlichkeit und Missachtung, die im 19. Jahrhundert vorherrschten?

Sie wickelt ihren Verehrer lässig um den Finger ...
Ja, Rachel flirtet. Immerhin trifft sie auf einen Mann, der genau so aussieht wie ihr verstorbener Gatte. Wer würde da nicht flirten? Erst recht, wenn es um einen so attraktiven Typen geht. Ist das wirklich Manipulation?

Warum sträuben Sie sich so gegen den Begriff?
Manipulation ist ein abschätziges Wort, mit dem automatisch eine Wertung verbunden ist. Haben Frauen Qualitäten, die sie im Leben weiterbringen können? Alle Menschen können das! Bisweilen hilft ein bisschen Höflichkeit, manchmal ist es Diplomatie. Nehmen sie zum Beispiel Trump und Macron: Sie geben sich vor laufenden Kameras freundschaftlich die Hand, dabei würden sie sich in Wirklichkeit am liebsten an den Hals gehen. Jeder tut Dinge, um das zu bekommen, was er möchte. Aber sobald es um uns Frauen geht, klingt das immer gleich so, als wäre das etwas Verwerfliches.

Was findet Rachel an Rachel spannend?
Was ich faszinierend finde, ist, dass das Ganze ein großes Spiel ist. Ich als Rachel spiele mit dem Regisseur und der Film wiederum spielt mit dem Publikum. Selbst die Beziehung zwischen Rachel und Philip ist von vornherein als Rätsel aufgebaut. Dabei war es richtig schwer für meine Figur, Philip nicht permanent nur an der Nase herumzuführen, weil er so herrlich naiv ist und ihm seine Gedanken stets ins Gesicht geschrieben stehen.

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Hätten Sie ein Beispiel dafür?
Zum Beispiel als Rachel und Philip einander zum ersten Mal begegnen und sie einen schlüpfrigen Witz über Tante Phoebe macht. Er fragt, woran sie in ihrer Hochzeitsnacht gestorben sei, und Rachel meint daraufhin nur: Schock. Dabei weiß sie ganz genau, dass er damit nicht umgehen kann und sofort rot wird. Da sehe ich durchaus Ähnlichkeiten zwischen Rachel und Rachel: Auch mir gefällt es manchmal, Leute auf scherzhafte Art und Weise zu provozieren.

Ein Thema des Films ist das Vertrauen. Was muss ein Regisseur haben, dass Sie sich in sicher fühlen?
Vertrauen ist das A und O, besonders wenn es um einen Film geht, der so sehr von der Möglichkeit des Betrugs lebt, von Intrigen und von Paranoia. Da ist es extrem wichtig, dass man seinem Regisseur vertrauen kann, zumal die Beziehung zwischen den beiden Hauptfiguren so intensiv ist. Auch meinem Partner Sam musste ich hundertprozentig vertrauen können, als Mensch und als Schauspieler. Nur dann kann man sich auf diesen gefährlichen Reigen einlassen und in der Hinsicht war Sam der perfekte Filmpartner.

Nach welchen Kriterien entscheiden Sie sich für eine bestimmte Rolle?
Sam hat dafür eine hervorragende Erklärung gehabt. Für ihn sind es drei entscheidende Faktoren: Regisseur, Besetzung und Drehbuch. Wenn zwei davon erfüllt sind, kann eigentlich nichts mehr schiefgehen. Für mich kommt es darauf an, dass die Rolle zum Drehbuch passt und außerdem ein guter Regisseur dahinter steht. Dann bin ich dabei.

Trailer zu "Meine Cousine Rachel"

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Interview: Dieter Oßwald
Fotos: Fox_Deutschland

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