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Ich wollte Sänger einer Heavy-Metal-Band sein


Interview mit Michael Fassbender zu „Assassin’s Creed“

Er gilt als das coole Chamäleon unter den Hollywood-Stars. Als IRA-Gefangener in „Hunger“ magerte sich Michael Fassbender 20 Kilo ab. In „Shame“ ließ er als Sex-Süchtiger freizügig die Hüllen fallen. Umgekehrt trägt er in der Musik-Komödie „Frank“ stets eine Ballon-Maske, und zeigte sein Gesicht gar nicht erst. Nach seinem Auftritt als Steve Jobs und in „Macbeth“ kommt der 1977 als Sohn eines deutschen Vaters und einer irischen Mutter in Heidelberg geborene Schauspieler nun in der Videospiel-Verfilmung „Assassin’s Creed“ in die Kinos.

Michael Fassbender bei der Pressekonferenz zu Assassins Creed 2016

Herr Fassbender, wie gut sind Sie als Zocker von Videospielen?
Ich habe „Assassin’s Creed“ einige Male gespielt, war dabei jedoch ziemlich schlecht. Meine Videospiel-Zeiten sind ohnehin vorbei seit ich mein Fernsehgerät entsorgt habe. Die Glotze lief bei mir den ganzen Tag bis in die Nacht, das wollte ich beenden. An Videospielen gefällt mir vor allem das Konzept, das dahinter steckt. Die Idee von einem genetischen Gedächtnis hat mich begeistert.

Im Film durchleben Sie eben dieses genetische Gedächtnis Ihrer Vorfahren. Wenn es denn möglich wäre: Welche Ihrer eigenen Erinnerungen würden Sie gerne an Ihre Kinder weitergeben?
Ich würde jene Erinnerungen gerne weitergeben, die ich von meinen Eltern und Großeltern übernommen habe. Es ist doch wichtig, dass dieses Wissen von Generationen nicht verloren geht. Dass man sich etwa daran erinnert, wie viel härter das Leben zur Zeit der Großeltern war. Im Vergleich zu damals erkennt man sehr schnell, wie gut wir es heute alle haben.

Was ist Ihre bislang schönste Erinnerung?
Die schönsten Erinnerungen sind die an meine ersten Filme. Ich wollte seit so vielen Jahren als Schauspieler arbeiten und von diesem Beruf leben können. Dann kam 2007 schließlich dieses Angebot für „Hunger“ und zwei Jahre danach folgte „Inglourious Basterds“ von Tarantino.

Für mich ist Jesus eine sehr außergewöhnliche Person und seine Erlebnisse haben eine großen Eindruck bei mir hinterlassen.

Wie steht es um die Erinnerungen an Ihre Geburtsstadt? Es gibt immerhin diesen alten Schlager „Memories of Heidelberg“...
(lacht) Stimmt! Ich habe vor wenigen Wochen erst wieder meine Großtante, meinen Onkel und Cousins in Heidelberg besucht. Das ist eine wunderschöne Stadt, an die ich tolle Erinnerungen habe – ich muss meine vorige Antwort also besser wieder korrigieren! (lacht)

Wenn Sie irgendeinen Menschen wählen könnten. Bei welcher Persönlichkeit würden Sie gerne einmal ins Gedächtnis blicken?
Jesus Christus! Obwohl er, soweit ich weiß, nicht mit mir verwandt ist. Oder vielleicht doch? Vielleicht ist er ja auch mit uns allen verwandt!

Weshalb gerade Jesus?
Die erste Geschichte, die mich als Kind wirklich beeindruckt hat, war die Geschichte von Jesus Christus. In jungen Jahren gab es eine Zeit, in der ich Priester werden wollte – aber da war ich wirklich sehr jung! (lacht) Für mich ist Jesus eine sehr außergewöhnliche Person und seine Erlebnisse haben eine großen Eindruck bei mir hinterlassen.

Assassins Creed Filmausschnitt 1
Assassins Creed Filmausschnitt Dach

Sind Sie grundsätzlich ein gläubiger und religiöser Mensch?
Eigentlich bin ich nicht sehr religiös, ich würde mich eher als spirituell bezeichnen. Ich wurde katholisch erzogen, aber ich bin kein regelmäßiger Kirchgänger – nur zu Weihnachten besuche ich die Messe.

Zu welchem Zeitpunkt haben Sie beschlossen, Schauspieler zu werden?
Ich war in den meisten Dingen eher durchschnittlich, einschließlich Schule und Sport. Mit 13 oder 14 Jahren habe ich dann meine Leidenschaft für die Musik entdeckt und wollte unbedingt Sänger einer Heavy-Metal-Band werden. Ich habe jeden Tag fleißig geübt, bis ein Freund mir etwas vorspielte und mir klar wurde: Musik sollte ich wohl besser aufgeben, denn sein Talent hatte ich bei Weitem nicht. Zum Glück wurden an unserer Schule gerade Theaterkurse eingerichtet. Die habe ich besucht und war sofort begeistert: Das fühlte sich richtig an.

Sie haben das Image, jede Rolle spielen zu können – einverstanden?
Nein, das ehrt mich, aber damit bin ich nicht ganz einverstanden. Es gibt sehr viele Rollen, die ich mit Sicherheit nicht spielen kann. Auch wenn ich zum Beispiel Arbeiten von Kollegen sehe, denke ich oft: „Das hätte ich nie so gut gekonnt wie er.“

Was ist die wichtigste Eigenschaft für einen Schauspieler?
Das ist schwierig zu sagen, man kann das eigentlich kaum auf nur eine einzelne Eigenschaft reduzieren. Ich würde sagen, entspannt zu sein ist ausgesprochen wichtig. Denn nur im entspannten Modus bemerkt man, was wirklich um einen herum passiert. Man wird zum guten Zuhörer, was ebenso wichtig ist.

Sie sind diesmal auch zugleich der Produzent des Films. Wie groß war dabei Ihr persönlicher kreativer Einfluss?
Ich war von Anfang an bei diesem Projekt sehr intensiv beteiligt, was für mich eine völlig neue Erfahrung gewesen ist. 2011 traf ich mich mit den Leuten des Videospiel-Herstellers Ubisoft. Gemeinsam mit deren Autoren habe ich an der Entwicklung des Drehbuchs mitgearbeitet. Dann holte ich Justin Kurzel als Regisseur und Marion Cotillard als meine Partnerin mit an Bord. Beim Drehen selbst konzentriert man sich vor allem auf seine Rolle, aber die Funktion des Produzenten kann man natürlich nicht einfach abschalten.

Wenn Videospiele für das Kino verfilmt werden, endet das nicht immer mit Erfolgen. Hatten Sie keine Angst vor einem Flop?
Nein, daran habe ich überhaupt nicht gedacht. Ich wusste auch gar nicht, dass so ein Fluch auf den Verfilmungen von Videospielen liegen soll, das wurde mir erst später von Journalisten berichtet. Jedenfalls treten wir nun an, diesen Fluch zur brechen! (lacht)

Assassins Creed Filmausschnitt 3
Assassins Creed Filmausschnitt Bogenschuss

Wie verbringen Sie Ihre Freizeit?
Ich habe vor vier Jahren mit dem Surfen angefangen, was ich allerdings noch nicht sehr gut beherrsche. Außerdem bin ich ein Formel-1-Fan und fahre auch selbst gerne Autorennen.

Diesen Adrenalinkick hatten Sie sicher auch schon am Set. Ist Ihnen der Körpereinsatz wichtig?
Mich reizen Herausforderungen und ich möchte neue Dinge lernen. Riskante Szenen zu spielen, bedeutet so einen Lerneffekt. Diesen Hunger auf neue Erfahrungen möchte ich mir bewahren, das ist befriedigender als sich bequem zurückzulehnen. Wobei dieses Projekt schon enorm aufzehrend gewesen ist. Die Rolle des Produzenten war eine völlig neue Welt. Zuvor hatte ich zwar schon den Western „Slow West“ produziert, aber das war ein kleiner Film für zwei Millionen Dollar. „Assassin’s Creed“ ist eine völlig andere Dimension, das war eine echte Feuertaufe.

Im neuen „Alien“-Film spielen Sie auch eine doppelte Rolle – wird das ein Trend?
Das ist bloßer Zufall! Aber ich muss zugeben, als ich meinen Freunden davon erzählte, wurde mir selbst klar: Zwei Doppelrollen in zwei Filmen – das sieht schon ein bisschen aus wie ein Ego-Trip! Tatsächlich stand das in beiden Fällen einfach so im Drehbuch. Im einen Fall spiele ich eine Figur in der Vergangenheit und der Gegenwart. Im anderen Fall gibt es zwei Roboter.

Wie war es, mit Regie-Ikone Ridley Scott, „Prometheus“ zu drehen?
Ridley ist ein einzigartiger Regisseur. So einem Meister bei der Arbeit zuzusehen, ist ein Erlebnis. Er hat ja nicht nur den Film absolut im Blick, sondern kümmert sich auch selbst um die Vermarktung. Bei den Trailern von „Prometheus“ etwa gab es damals keine einzige Szene des Films zu sehen, was ich absolut großartig finde. Mich stört es total, wenn in einem Trailer bereits alles verraten wird. Ich möchte das vorher nicht wissen, wenn ich ins Kino gehe.

Hätten Sie nicht Lust, einmal einen Film in Ihrem Geburtsland zu drehen?
Absolut, für einen deutschen Film wäre ich auf alle Fälle gerne zu haben! Allerdings habe ich in letzter Zeit zehn Filme in Folge gedreht, deshalb wird es erst einmal Zeit, die Batterien wieder aufzuladen. Die Leute brauchen schließlich auch einmal eine Pause von mir!

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4 Fakten über Michael F.

Als er 18 Jahre alt war, startete Fassbender eine eigene Produktionsfirma namens Peanut Productions, die inzwischen aufgegeben wurde.
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Fassbenders ältere Schwester, Catherine, ist Neuropsychologin.
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Um rund 20 kg Körpergewicht für seine Rolle in „Hunger“ zu verlieren, ging Fassbender auf eine Diät
von Beeren, Nüssen und Sardinen.
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Fassbender spielte in einer Guinness-Werbung mit, in der er von Irland bis New York schwamm, um sich bei seinem Bruder zu entschuldigen.

 

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Text: Dieter Oßwald
Fotos: 20th Century Fox

User Rating: 5 / 5

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