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Interview mit Helena Bonham Carter zu „Eleanor & Colette“.
KT Eleanor Colette 1 Art
Für ihre Rolle der Queen Mum in „The King’s Speech“ wurde sie für den Oscar nominiert. Zum Spektrum der Britin Helena Bonham Carter gehören so unterschiedliche Filme wie „Fight Club“, „Zimmer mit Aussicht“ oder „Harry Potter“. Sie spielte in „Mary Shelley’s Frankenstein“ von Kenneth Branagh oder in „Geliebte Aphrodite“ von Woody Allen. Beim Dreh von „Planet der Affen“ lernte sie 2001 ihren Lebenspartner Tim Burton kennen, mit dem sie zwei Kinder hat. Mittlerweile ist das Duo getrennt. Nach einer wahren Geschichte spielt HBC nun die an Schizophrenie erkrankte Eleanor Riese, die gegen die Zwangsmedikation mit Psychopharmaka vor Gericht zieht und von der resoluten Anwältin Colette (Hilary Swank) unterstützt wird. Mit der Schauspielerin unterhielt sich unser Mitarbeiter Dieter Oßwald.
Frau Bonham Carter, der Film wurde in Köln gedreht, wie war Ihre Erfahrung in Deutschland?
Mir hat Köln ausgesprochen gut gefallen. Mein Hotel lag direkt gegenüber vom eindrucksvollen Kölner Dom, so hörte ich ständig die Kirchenglocken. Ich fand die Menschen sehr warmherzig und freundlich. Meine große Entdeckung in Köln waren die Saunas: Für mich war es völlig ungewohnt, dass die Leute nackt sind und sich auch noch unterhalten. Bei uns in England wäre das undenkbar (lacht).

Hatten Sie Kontakt zu der realen Colette Hughes, die Ihre Filmfigur Eleanor verteidigte?
Unser Kontakt beschränkte sich zunächst auf E-Mails. Ich schickte Colette einen umfangreichen Fragebogen über Eleanor. Beim Filmfestival von Toronto trafen wir uns dann real, was eine ganz große Ehre für mich war. Zugleich war ich sehr aufgeregt, denn erst wenn Colette zufrieden mit meiner Darstellung sein würde, konnte ich selbst es auch sein. Zum Glück meinte sie, sie habe ihre Freundin Eleanor auf der Leinwand wiedererkannt.
Was wollten Sie in dem Fragebogen denn wissen?
Das waren ganz unterschiedliche Fragen, weil ich immer so viel wie möglich über meine Figur erfahren möchte. Das ging von der finanziellen Situation über ihren Glauben bis zur Lieblingsfarbe. Und natürlich der Klassiker: Welches Tier wäre sie gerne gewesen? Diese Antwort verrät sehr viel über eine Person.

Welches Tier wären Sie denn gerne?
Das ändert sich bei mir. Je älter man wird, desto unterschiedlicher die Wünsche. Eine Zeit lang wäre ich gerne ein Katze gewesen. Allerdings zugänglicher als es diese geheimnisvollen und unabhängigen Tiere tatsächlich sind.
War von Anfang an klar, dass Sie Eleanor spielen und Hilary Swank die Anwältin?
Ich bin seit langer Zeit an diesem Projekt beteiligt. Vor zwanzig Jahren gab es die Idee, dass ich Colette spielen sollte und Susan Sarandon Eleanor. Dieses Projekt wurde damals nicht umgesetzt, wie so oft verschwand es einige Jahre in der Versenkung. Als Bille August die Regie übernahm, schlug er vor, dass ich die Rolle der Schizophrenen spielen solle. Die Idee gefiel mir, weil ich Eleanor wirklich liebe. Die Figur war schwierig, zugleich jedoch eine große Befriedigung.

Liegt die Schwierigkeit der Rolle darin, nicht zu sehr zu übertreiben oder im Kitsch zu landen?
Tatsächlich kann man bei solch einer Figur sehr schnell übertreiben. Vor allem aber bestand die Schwierigkeit darin, den unterschiedlichen Aspekten ihrer Persönlichkeit gerecht zu werden. Eleanor war sehr spontan. Sie besaß diese große Unschuld und Verletzlichkeit. Man musste sie einfach mögen, wenngleich sie einem bisweilen auf die Nerven gehen konnte. Für mich ist sie ein sehr faszinierender Mensch.

Was ist die wichtigste Qualität in Ihrem Beruf als Schauspielerin?
Die Vorstellungskraft zählt zu den wichtigsten Qualitäten. Wir werden dafür bezahlt, uns Dinge vorzustellen und an sie zu glauben. Sehr wichtig ist zudem, ein guter Zuhörer zu sein – nur dann gelingt es, etwas wirklich Magisches zu schaffen.

„Der Entscheidungsprozess für einen Film ist nie ganz einfach. Ein bisschen verhält es sich, wie sich zu verlieben.“

KT Eleanor Colette 3 Art

Nimmt man einen „Harry Potter“ so ernst wie „King‘s Speech“?
Absolut. Gerade bei „Harry Potter“ ist man so exponiert, dass man ihn unbedingt ernst nehmen muss. Ich nehme meine Rollen nie auf die leichte Schulter, sonst wären sie nicht glaubwürdig. Für „Planet der Affen“ habe ich sogar die Affenschule besucht – es klingt verrückt, aber so war es. Nur so konnte man lernen, wie Primaten sich bewegen.

Benötigen Sie Gemeinsamkeiten mit den Figuren, die Sie spielen? Oder könnten Sie auch eine Massenmörderin verkörpern?
Die Bellatrix Lestrange in „Harry Potter“ war doch schon eine ziemliche Sadistin! Auch wenn es sich um einen Fantasy-Film handelt, muss die Rolle glaubhaft sein. Selbst bei einer bösen Figur ist es notwendig, eine Form von Menschlichkeit zu finden. Man sollte nach den Gründen suchen, weshalb eine bestimmte Entwicklung so dramatisch verlaufen ist – genau das macht die Sache spannend für den Schauspieler.


Sind Sie noch nervös?
Natürlich bin ich noch immer nervös. Was allerdings von ganz unterschiedlichen Faktoren abhängt. Bei bestimmten Szenen ist man weniger entspannt als bei anderen, bei gewissen Kameraeinstellungen steigt die Nervosität ganz automatisch. Beim Filmemachen hofft man immer auf das richtige Momentum – schließlich sind rund 80 Leute an einem Dreh beteiligt.

Bei „Eleanor & Colette“ war die Produktion allerdings eher relativ klein ...
Ich brauche keinen großen Wohnwagen und fünf Assistenten. Mir genügt ein Platz zum Essen und zum Schlafen. Der kleinere Rahmen war für dieses Projekt sehr hilfreich. Oft wurde mit zwei Kameras gleichzeitig gedreht, was Hilary und mir große Spielräume ermöglichte. Wir konnten ganze Szenen an einem Stück absolvieren, ohne die üblichen Pausen für Umbauten.

Wonach entscheiden Sie, welche Filme Sie machen?
Der Entscheidungsprozess für einen Film ist nie ganz einfach. Ein bisschen verhält es sich, wie sich zu verlieben. Man ahnt, ob man mit dem anderen zurechtkommen wird. Ich hatte Panik vor dieser Rolle. Zugleich war mir klar, dass es eine einmalige Chance war. Instinktiv wusste ich, dass ich diese Figur einfach spielen musste. Wenngleich der Dreh in Köln eine Trennung von meinen Kindern bedeuten würde.
Weshalb haben Sie sich für die Schauspielerei entschieden?
Für mich ist die Schauspielerei eine Flucht: Ich war schon immer lieber andere Leute als ich selbst.

Sie haben mit Woody Allen gedreht. Natalie Portman oder Timothée Chalamet haben sich öffentlich von ihm abgewendet mit Blick auf die Vorwürfe, er habe seine Adoptivtochter sexuell missbraucht. Wie ist Ihr Standpunkt?
Ich bin in dieser Sache nicht auf dem aktuellen Stand. Prinzipiell unterstütze ich jeden, der Missbrauch zur Sprache bringt – ganz egal, wo und in welcher Form dies passiert. Wichtig ist allerdings, dass solche Vorwürfe von einem Gericht bewertet und beurteilt werden.

Interview Dieter Oßwald
Fotos siebbi/wikipedia.org, Screenshots, Warner Bros.

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