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Regisseur Valdimar Jóhannsson zum isländischen Fantasy-Erfolg „Lamb”
KW LAMB Pressefoto 06 c Koch Films art
Valdimar Jóhannsson wurde 1978 im Norden Islands geboren. Er arbeitet seit 20 Jahren in der Filmindustrie und war während dieser Zeit als Kameramann, Spezialeffekt-Koordinator und Belichtungstechniker für isländische sowie internationale Projekte tätig – unter anderem für die Erfolgsserie „Game of Thrones“ und „Star Wars: Rogue One“. Mit „Lamb“ gibt Jóhannsson sein Spielfilmdebüt. Das mysteriöse Drama in der isländischen Einsamkeit avancierte zum Oscar-Kandidaten seiner Heimat. In den US-Kinos folgte der Sensationserfolg: Am Startwochenende kletterte der Umsatz auf eine Million Dollar. Mit dem Regisseur unterhielt sich unser Filmexperte Dieter Oßwald.
Mister Jóhannsson, Ihr Debüt wurde von Ihrer Heimat Island in das Oscar-Rennen geschickt. In den US-Kinos avancierte es zum erfolgreichsten Isländer überhaupt. Hatten Sie mit dem Erfolg gerechnet?
Wir waren völlig überrascht vom Ausmaß des Erfolgs. Natürlich hofft man als Regisseur immer, dass die Zuschauer deinen Film mögen. Diese enorme Popularität beim Kino-Publikum in den USA ist freilich schon der totale Wahnsinn: Eine Million Dollar Einnahmen am ersten Wochenende – damit kann keiner rechnen.

Ist „The Lamb“ die isländische Rache an „Shaun das Schaf“?
Die Antwort darauf überlasse ich vielleicht doch lieber dem Publikum. (lacht)

Für die einen ist es ein Horrorfilm, für die anderen ein Märchen. Manche sprechen von einem Erziehungsdrama oder einem isländischen Heimatfilm. Wie sehen Sie das?
Jeder soll den Film so sehen, wie er möchte. Allerdings fände ich Horror eine falsche Schublade. Wer mit dieser Erwartung ins Kino geht, dürfte vermutlich enttäuscht werden. Für mich persönlich geht es um Elternschaft, um Trauer und Akzeptanz. Zudem wollte ich einen Film drehen, wie er so bislang noch nicht zu sehen war.
Die Brüder Grimm hätten wohl ihr Vergnügen an dieser Geschichte ...
Den Brüdern Grimm würde „Lamb“ sicher schon deswegen gefallen, weil wir viele Elemente von isländischen Überlieferungen und Märchen verwenden. Unser Ziel beim Schreiben des Drehbuchs war es, unsere ganz eigene Folklore zu schaffen! (lacht)
Eine alte Filmregel besagt, dass man nie mit Kindern oder Tieren drehen sollte.

Haben Sie Ihren Regelverstoß beim Drehen bisweilen bereut?
Ich bin auf einer Farm für Lämmer aufgewachsen, mein Opa war Schafzüchter. Insofern bin ich mit diesen Tieren bestens vertraut, so wie auch etliche andere im Team. Ursprünglich hatte ich mir den Dreh schwieriger vorgestellt, aber dann hat alles sehr unkompliziert funktioniert. Ein ganz entscheidender Faktor ist es, den Tieren ausreichend Zeit zu geben. Wenn Schafe entspannt sind, tun sie fast alles, was man von ihnen möchte. Zum Glück hatten wir ein sehr nettes Mutterschaf.

„Den Brüdern Grimm würde das sicher gut gefallen“

KW LAMB Pressefoto 01 c Koch Films art
KW LAMB Pressefoto 03 c Koch Films art
Noomi Rapace gibt überzeugend eine Geburtshelferin. Für solche Szenen reichen Regieanweisungen allein vermutlich kaum. Wie dreht man das?
Noomi ist ebenfalls auf einer Farm in Island aufgewachsen, erst mit sechs Jahren zog sie mit ihrer Familie nach Schweden um. Wenngleich ihr der Umgang mit Tieren vertraut ist, hatte Noomi keine Erfahrung mit Schafen, geschweige denn damit, wie man Lämmer zur Welt bringt. Ich finde, sie macht ihre Sache ausgezeichnet, zumal wir diese Szene gleich am ersten Drehtag gefilmt hatten.

Wie überredet man einen Filmstar zum Auftritt im eigenen Regie-Debüt?
Das Drehbuch hat ihr einfach gut gefallen. Wir trafen uns dann in London und verstanden uns auf Anhieb sehr gut. Ein zusätzlicher Reiz waren für Noomi sicherlich die Dreharbeiten in ihrer alten Heimat Island.

Wie gemütlich geraten Dreharbeiten in der Einsamkeit mit Nebel, Schnee und Kälte?
Bei der Eröffnungsszene wurden wir von einem Schneesturm überrascht, das macht Dreharbeiten dann schon ziemlich anstrengend und schwierig. Auch Szenen nach Mitternacht sind nicht unbedingt ein großes Vergnügen, aber die Atmosphäre und das Licht sind eben ganz einzigartig.

Wie aufwendig waren die Spezialeffekte, um dem Kind einen glaubhaften Schafskopf zu verpassen?
Wie bei den Schafen muss man auch den Spezialeffekten ausreichend Zeit lassen. Für die Szenen hatten wir zehn verschiedene Kinder, vier Lämmer sowie eine Puppe. Anschließend wurden die Sequenzen in einem Effekt-Studio in Schweden zusammengeführt und verschmolzen.

Auffallenderweise trägt das Kind mit Schafkopf vorzugsweise einen blauen Wollpullover. Ist das der isländische Humor?
Gut möglich! (lacht) Es gibt noch einige andere Dinge dieser Art zu entdecken. Es werden zum Beispiel gerne Wollmützen getragen und auf dem Teller liegt nicht selten Lammbraten.

Ohne allzu viel zu verraten: Eine Fortsetzung wäre nach Ihrem Ende denkbar. Ist sie auch realistisch?
Stimmt, einige Leute haben mich schon darauf angesprochen. Vielleicht sollte ich darüber nachdenken. Und wir betreten dann die Welt der Böcke ...
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Interview Dieter Oßwald
Fotos Koch Films

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