Interview mit Comedian Carolin Kebekus

Zwischen Klassikern, Kult und Kunst bewegt sich das randvolle Programm des diesjährigen Filmfestes.
Zum Jubiläum gibt es sogar einen neuen Preis.

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Frau Kebekus, mit welchen Gefühlen gehen Sie in ein Interview? Müssen Sie die Schlagfertigkeitsqueen geben oder sind Sie entspannt?
Ich bin eigentlich immer ganz entspannt bei Interviews, bis diese Frage nach dem besten Witz in meinem Programm kommt. Da denke ich dann immer: „Oh nein! Ich kann doch nicht vorher schon meinen Lieblingswitz verraten – da wäre für das Publikum ja die ganze Überraschung futsch!“. (lacht)

Wie wichtig ist heute der Faktor Provokation für einen Comedian?
Für mich besteht das Hauptanliegen von Comedians vor allem darin, das Publikum zum Lachen zu bringen. Das alleine ist schwer genug. Wenn man dazu noch Shitstorms provozieren wollte, um Aufmerksamkeit zu erregen, hätte man wirklich sehr viel vor!

Ich müsste schon sehr, sehr viel verdrängen, wenn ich sagen würde, ich wäre privat nicht lustig.

Sie trauen sich auf der Bühne sehr frech zu sein. Wie frech waren Sie als Kind?
Das könnte man sich im Nachhinein ja wunderbar schön reden, man wäre schon immer gegen das Establishment angerannt. Aber so war das nicht. Ich war einfach nur ein Assi-Kind. (lacht)

Es gibt den Mythos vom Clown, der privat ganz traurig ist – trifft das bei Ihnen zu?
Ich müsste schon sehr, sehr viel verdrängen, wenn ich sagen würde, ich wäre privat nicht lustig. Ich bin tatsächlich ein fröhlicher und alberner Mensch, der unheimlich leicht zum Lachen zu bringen ist. Klar passieren mir bisweilen schlimme Dinge, da bin ich auch bedrückt und nicht gut gelaunt. Aber eigentlich bin ich echt ein Glückskind. Mir fällt es leicht, angstfrei zu sein und Humor in den Dingen zu finden.
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Welche Qualifikationen brauchen Comedians?
Man sollte Lust haben, Menschen zum Lachen zu bringen. Und dann muss man viel üben. Insbesondere muss man Sprechtechniken so beherrschen, dass einen die Zuschauer auch in der letzten Reihe noch verstehen. Es genügt nicht, zu glauben: „Hey, ich bin ein lustiger Typ. Ich stell’ mich mal auf die Bühne und dann läuft das schon von selbst!“.

Wie beurteilen Sie die Spaß-Qualitäten der Deutschen?
Wir sind zwar keine Nation mit einer langen Tradition von Standup-Comedy. Aber ich glaube schon, dass die Deutschen viel Humor haben. Ich finde uns jedenfalls nicht besonders spießig.

Die Story von „Schatz, nimm du sie“ könnte auch zu einer Klamotte geraten ...
Es ist aber eine Screwball-Comedy, die sehr viel Tempo, Situationskomik und Wortwitz bietet. Schon die Ausgangslage ist eine andere als üblich: Hier will nach der Scheidung keiner der Eltern die Kinder nehmen, sondern sie dem Partner aufdrängen. Für jeden, der Kinder hat, wird es ein Vergnügen sein, zu erleben, wenn die lieben Kleinen einmal ihr Fett abbekommen. Man leidet mit und lacht sich gleichzeitig tot.

Haben Frauen und Männer unterschiedliche Arten von Humor?
Bei mir ist das nicht so. Ich vergesse auf der Bühne jedenfalls irgendwann, dass ich eine Frau bin. Und ich hoffe, dass es den Zuschauern ähnlich geht. Mein Anspruch ist, dass ich einfach ein lustiger Mensch bin.

Was macht mehr Spaß: Filmdreh oder Live-Comedy-Show auf der Bühne?
Auf der Bühne gibt es einen ganz anderen Rhythmus als beim Film: Ich komme um 18 Uhr zum Soundcheck, zwei Stunden später trete ich auf und um halb elf bin ich fertig. Beim Drehen werde ich um sechs Uhr abgeholt, sitze stundenlang in der Maske und habe viele Wartezeiten beim Umbau von Licht und Kamera – und trotzdem muss man abends so spielen wie am Morgen. Andererseits spielt man mit tollen Kollegen, was eine ganz besondere Energie auslöst.

Wo ist für Sie zu Hause?
Zu Hause ist da, wo ich aufgewachsen bin. Wo meine Freunde und Familie sind. Mittlerweile ist zu Hause allerdings auch dort, wo ich mit meiner Crew unterwegs bin. Wir sind ein festes Team, das ich wirklich vermisse, wenn ich einmal länger Pausen zwischen den Auftritten habe.

Wird die Bekanntheit bisweilen nicht zum Fluch? Würden Sie sich mal eine Tarnkappe wünschen?
Ich empfinde das bislang nicht als belastend. Es gibt natürlich Situationen, wenn man verschwitzt vom Sport kommt, wo man nicht so gerne fotografiert wird. Aber insgesamt sind die Leute zu mir unheimlich nett und freuen sich über ein gemeinsames Bild. Und manchmal erkennt mich auch einfach keiner – das ist sogar öfter der Fall als umgekehrt! (lacht)

Welchen Rat würden Sie aus heutiger Sicht Ihrem 20-jährigen Ich geben?
Ich würde mir vielleicht sagen, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Ich würde mich gar nicht irritieren wollen und mir einen dummen Floh ins Ohr setzen. Ich würde mir einfach vielleicht ein bisschen Zuversicht geben. Ich war jetzt nie ängstlich. Aber es wäre schon nett gewesen, wenn da ein Ich aus der Zukunft gesagt hätte: „Ey, das wird schon alles cool“.

Mit wem würden Sie einen Tag das Leben tauschen wollen?
Mit einem superreichen Millionär mit Villa und Pool? Das reizt mich dann doch nicht. Ich würde vielleicht gerne einmal mit einem meiner Freunde tauschen – es könnte ein lustiger Tag werden.

Text: Dieter Oßwald
Fotos: Wild Bunch

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