Anzeige

Jungfilmer Xaver Böhm über seinen Debütfilm „O Beautiful Night“
FW O BEAUTIFUL NIGHT 17 cKomplizenFilm2019 PhotocJieun Yi art
Als Illustrator und Animationsfilmer hat Xaver Xylophon, 34, bereits etliche Preise abgeräumt. Sogar die „New York Times“ heuerte ihn für einen Werbefilm an. Für sein Spielfilm-Debüt „O Beautiful Night“ bekam Xaver Böhm, wie er mit richtigem Namen heißt, die stolze Fördersumme von zwei Millionen Euro. Als Produzenten holte er „Komplizen Film“ ins Boot, die schon „Toni Erdmann“ zum Erfolg führten. Erzählt wird die poetische Geschichte eines eingebildeten Hypochonders, der in einer Spielhalle auf den leibhaftigen Tod trifft – und die schönste Nacht seines Lebens verbringen wird. Auf der Berlinale erlebte das stilsichere Märchen seine Premiere. Mit dem Autor und Regisseur unterhielt sich unser Mitarbeiter Dieter Oßwald.

FW O BEAUTIFUL NIGHT Xaver Boehm am Set Photo c Marius Land art

Xaver Böhm (r. u.)

Herr Böhm, wie bekommt man für seinen Debütfilm gleich stolze zwei Millionen Euro Fördermittel?
Das ist einfach so passiert. (lacht) Ursprünglich wollte ich den Film mit zwei befreundeten Jungproduzenten machen, in einer Garage, mit einem Budget von 40 000 Euro. Aus sportlichem Ehrgeiz haben wir das Projekt bei der Förderung eingereicht und gingen leer aus. Wir waren kurz davor aufzugeben. Durch einen irrwitzigen Zufall hat Janine Jackowski von den „Komplizen“ das Drehbuch gesehen und wollte das Projekt mit uns zusammen machen – und plötzlich waren zwei Millionen Euro da. Wie das jetzt genau ging, weiß ich leider auch nicht.

Wie kommt man zur „New York Times“, um animierte Werbefilme für die zu machen?
Die „New York Times“ hat mir eine E-Mail geschrieben. Vermutlich ist man dort über meinen Künstlernamen Xaver Xylophon gestolpert. Der Name bleibt offensichtlich hängen und weckt Neugier, völlig egal, wie gut die Zeichnungen gewesen sind, die ich damals gemacht habe.
Wie kam es zu dem niedlichen Namen?
Bei meinem Studium in Augsburg gab es einen Professor namens Robert Rose. Sein Kollege und dessen Freundin hatten gleichfalls so einen Alliterations-Namen, was uns alle sehr beindruckt hatte. Bis der Professor bei einer Party seinen Ausweis verloren hat und wir feststellten, dass er in Wahrheit ganz anders hieß. Zum Spaß haben wir Studenten uns dann auch alle Alliterations-Namen gegeben. Bei mir war die Auswahl sehr bescheiden, nur Xenon oder Xylophon. Die anderen fanden den neuen Namen so witzig, dass er fortan einfach geblieben ist.

Weshalb haben Sie das Xylophon für den Film dann doch abgelegt?
Das ist ein ganz schmaler Grat. Für meine sehr naiven Animationsfilme kann man den Namen schon nehmen, da ist das lustig. Bei einem Spielfilm mit Schauspielern besteht schnell die Gefahr, dass man nicht ganz ernst genommen wird. Oder, wie mein Editor warnte, man könnte denken, dass man es nötig hätte, mit diesem Namen ein bisschen Extra-Aufmerksamkeit zu generieren. Zudem bin ich jetzt auch alt genug, als Schritt zum Erwachsenwerden zu meinem richtigen Namen zu stehen. (lacht)

„Je Älter ich werde, desto nüchterner erscheint mir das Leben. Nichts überrascht einen mehr, alles wird immer banaler“

Ist das Xylophon wenigstens im Personalausweis als Künstlername amtlich dokumentiert?
Das hatte ich einmal vorgehabt, aber es war bürokratisch zu schwierig. Mit Formularen bin ich ganz schlecht.

Wie kam es zum Wechsel vom Animationsfilm zum Realfilm?
Als die Geschichten narrativer wurden, bin ich im Animationsfilm bei den Figuren an meine Grenzen gestoßen. Eine Zeichnung ist in der Abstraktion grenzenlos, aber im zwischenmenschlichen Bereich bleibt sie sehr statisch. Wenn sich zwei Menschen unterhalten, sieht man bei Schauspielern jede kleine Bewegung, die Darstellung fällt vielschichtiger aus, was bei einer Zeichnung nicht geht.

Dafür mussten Sie jetzt die große Freiheit am Zeichentisch aufgeben und sich den Widrigkeiten der Wirklichkeit stellen.
Beides hat Vor- und Nachteile. Als Zeichner ist man wirklich der Schöpfer einer Welt, da hat man bis zuletzt die Kontrolle über alles. Und kann auch nachträglich noch verändern, was man möchte. Andrerseits habe ich beim Filmemachen jetzt erlebt, welche krasse Energie bei Dreharbeiten herrscht. Man weiß, es gibt nur diese eine Chance.

Der Film bietet reichlich Dialoge der poetischen Art. Wo fallen Ihnen Flirt-Sätze ein wie „Ich fände es schön, zu wissen, wie Du heißt.“
Wahrscheinlich würde ich das ganz genau so sagen! (lacht)
FW O BEAUTIFUL NIGHT 03 cKomplizenFilm2019 PhotocJieun Yi art
An einer anderen Stelle heißt es „Es ist eine der größten Ungerechtigkeiten, dass Menschen unterschiedlich schön sind“.
Ungerechtigkeit in unserer Welt ist ein Thema, mit dem ich mich viel beschäftigt habe. Manche Dinge sind sehr offensichtlich, etwa die Tatsache, dass wir nicht alle gleich schön sind oder über die gleiche Ausstrahlung verfügen. Wenn ich auf meinen Film schaue, frage ich mich auch, warum sind die alle wieder so schön? Eigentlich hatte ich mir unseren Helden Juri ganz anders und weniger attraktiv vorgestellt. Doch dann fiel die Wahl auf Noah Saavedra, weil er das Leid und die Angst so schön gespielt hat. Es gibt Leute, die leiden vor der Kamera und man fühlt sich unwohl oder schämt sich. Bei Noah hingegen kann man darüber lachen.
In welche Schublade lässt sich der Film „O Beautiful Night“ stecken?
Märchen war immer das Ziel. Und eine Sehnsucht nach Magischem im Alltag eines Erwachsenen. Ich habe gemerkt, je älter ich werde, desto nüchterner erscheint mir das Leben. Nichts überrascht einen mehr, alles wird immer banaler. Als Kind hingegen ist alles groß und magisch. Im Wald kann es Hexen und Geister geben, Schönheit und Grusel sind beide vorhanden – danach habe ich mich in dem Film gesehnt.

Was machen Sie als nächstes?
Derzeit bin ich ziemlich leer, das nächste Projekt dauert sicher noch eine Zeit. Den Arbeitstitel habe ich immerhin bereits, ein Zitat aus „Macbeth“: „Die Freude ist so groß, dass sie vom Kummer Tränen borgen musste, sich zu entladen.“ Worum es da gehen wird, weiß ich noch nicht, aber das wird auf jeden Fall der Titel für den nächsten Film.

Interview Dieter Oßwald
Fotos Marius Land, KomplizenFilm2019 PhotocJieun Yi

User Rating: 0 / 5

SUBWAY Newsletter

 

Mit SUBWAY verpasst Du kein Event mehr in Braunschweig und der Region. Hol Dir unseren Newsletter!

Kontakt

SUBWAY – Eine Region, ein Magazin

#Redaktion

oeding magazin GmbH
Erzberg 45
38126 Braunschweig

Telefon: 0531-48015-134
Telefax: 0531-48015-79
E-Mail: info@subway.de

Durch Nutzung dieser Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies für Analysen, personalisierte Inhalte und Werbung zu. Weitere Informationen über Cookies finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.