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Das Braunschweiger Filmtheater Universum feiert seinen zehnten Geburtstag.
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Ein Programmkino in Zeiten globaler Streamingdienste und Special-Effects-Blockbustern zu halten ist eine große Herausforderung. Im vergangenen Jahrhundert war das Kino noch das Unterhaltungsmedium schlechthin – ein Ort des Zusammenseins, des Austauschs, der Kultur. Heute übernehmen Netflix und Co. diese Rolle – 90 Minuten Konzentration und dabei das Handy in der Tasche lassen ist gar nicht mehr so einfach. Dennoch besteht mittlerweile seit zehn Jahren im Herzen der Braunschweiger Innenstadt das Universum Filmtheater und hat es seit jeher geschafft, sämtliche Hürden zu meistern. Als Gastgeber des Internationalen Filmfests Braunschweig, welches schon zahlreiche namhafte Filmgrößen in die Löwenstadt brachte, begeistert das Universum jährlich tausende Besucher. Anlässlich des ersten runden Geburtstags des Universum Filmtheaters haben wir mit Geschäftsführer und Gesellschafter Volker Kufahl gesprochen und die Geschichte des sich stetig wandelnden Filmuniversums Revue passieren lassen.
Das Universum feiert seinen zehnten Geburtstag. Was ist für diesen besonderen Tag geplant?
Am Montag, den 9. September gönnen wir uns mal den Luxus und machen ab 19 Uhr die Tür zu, um zu feiern. Einen Tag später wird die Braunschweiger Regisseurin Nora Fingscheidt ihren weltweit beachteten Film „Systemsprenger“, den ich für einen der besten Filme des Jahres 2019 halte, persönlich im Universum vorstellen. Außerdem haben wir uns noch was Besonderes überlegt: Wir möchten über einen Zeitraum von zehn Monaten zehn Braunschweiger einladen, ihren Lieblingsfilm im Kino persönlich vorzustellen. Unser Geschenk an die Stadt: Wir stellen den Saal kostenfrei zur Verfügung und zahlen auch die Filmmiete. Alle Interessierten können sich dafür bei uns bewerben!
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Wie haben sich das Kino als Institution und das Universum im Speziellen in den vergangenen Jahren entwickelt?
Kinos sind technische Betriebe und der Film ist eine technische Kunst. Durch die Digitalisierung hat sich der Film in den letzten zehn Jahren endgültig vom Kino emanzipiert und das Kino ist nur noch eine unter vielen Möglichkeiten, sich einen Film anzuschauen – allerdings immer noch die beste, wie ich finde! Auf der anderen Seite ermöglicht uns die Digitalisierung, unser Programm zu differenzieren, auszuweiten und natürlich auch mit dem Publikum zu kommunizieren, sonst wären erfolgreiche Reihen wie „Sound on Screen“, „Exhibition on Screen“ für Kunstliebhaber oder „Can’t be silent“ für Geflüchtete nicht möglich. Die Kunst liegt darin, eine bewusste Filmauswahl aus der wachsenden Zahl an Neustarts zu treffen, Kooperationen mit politischen, sozialen und kulturellen Institutionen einzugehen, auf Popcorn zu verzichten und sich trotzdem sauberen Strom zu leisten. Das kriegen wir seit zehn Jahren ganz gut hin.

Bis in die 90er Jahre gab es zahlreiche Kinos in Braunschweig – heute sind es nur noch zwei. Verliert das Kino zunehmend an Bedeutung?
Ich persönlich denke, dass die Schließung aller Traditionskinos in Braunschweig bis ins Jahr 2009 ein Fehler war. Die Gründung von „filmfest in der Brücke“ und die Wiedereröffnung des Universum Filmtheaters waren Reaktionen von kinobegeisterten Braunschweigern, die sich mit der filmischen Monokultur außerhalb des Filmfestes nicht abfinden wollten. Wir haben heute zehn gewerbliche Leinwände in Braunschweig – das ist für eine Großstadt am untersten Ende. Klar ist aber auch, dass es eine Kinoneugründung in Braunschweig schwer hätte, sich angesichts der Profile der beiden existierenden Häuser zu behaupten. Eine sinnvolle Ergänzung des Angebots sähe ich dagegen in der Einrichtung eines kommunalen Kinos, das sich unter anderem der Vermittlung von Filmgeschichte, der Bewahrung der analogen Filmprojektion, der Veranstaltung größerer Retrospektiven und dem Experimentalfilm widmen könnte. Kino ist zwar nicht mehr das kulturelle Leitmedium, aber es hat Zukunft: Der Boom an Filmfestivals beweist das.
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Für was steht das Universum? Was macht euer Programm aus?
Den Kern unseres Programms bilden aktuelle, gute Arthouse-Filme und sorgfältig ausgewählte Dokumentarfilme, zu denen wir die Filmemacher einladen. By the way: Das Universum wurde 2017 vom Bund für das beste Dokumentarfilmprogramm Deutschlands ausgezeichnet. Erfolgreiche Reihen wie „Sound on Screen“ machen unser Profil aus. Parallel basteln wir ständig an neuen Ideen: Vor einem Jahr haben wir den „Kurzen Mittwoch“ eingeführt – wo kann man sonst außerhalb des Filmfestes Kurzfilme sehen? Wir wollen ein Kino von Braunschweigern für Braunschweiger sein. Vernetzung und Kooperationen machen unser Programm im Besonderen aus. Und als politisch denkende Kinomacher werden wir uns mit unseren Mitteln weiter in aktuelle Themen einmischen, sei es gegen TTIP und CETA, sei es gegen das neue Polizeigesetz in Niedersachsen, für die Solidarität mit den Kurden und mit Geflüchteten – wir haben unsere Themen. Wichtig bei all dem ist, den Spaß an der Sache nicht zu vergessen.

Das Internationale Filmfest steht in wenigen Monaten wieder vor der Tür: Welche prominenten Gesichter haben das Universum schon mal besucht?
Wir haben das Universum 2009 auch deshalb wiedereröffnet, um dem Filmfest angesichts der Kinoschließungen einen sicheren Spielort für die Zukunft zu erhalten. Europa-Preisträgerin Hanna Schygulla hat sich als erste mit ihrer Signatur im Abspann verewigt. Stellan Skarsgard war da, Barbara Sukowa, John Hurt, Olivier Gourmet, Niki Reiser, Shigeru Umebayashi, Marcel Barsotti, um nur wenige internationale Namen zu nennen.
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Welches verrückte Universum-Erlebnis ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?
Nicht nur im, sondern auch am Universum! 2011 war die Hamburger Künstlergruppe „A Wall is a Screen“ zu Gast beim Filmfest und hat Kurzfilme auf Häuserwände in der Innenstadt projiziert – auch auf die Rückwand des Universum Filmtheaters. 200 Leute haben sich im November eine Erkältung geholt, weil wir die Hülle des Kinos zur Leinwand gemacht haben. Das war schön, aber nur mit Flachmann und Glühwein zu ertragen. (lacht)

Zu guter Letzt: Was bedeutet Kino für Sie?
Ich bin seit 1992 Kino- und Festivalmacher, die Beschäftigung mit Film ist Berufung für mich. Kino war für mich immer ein kollektiver Ort, ein gemeinschaftliches Projekt mit anderen, ein Ort der ästhetischen und politischen Utopie: Filme anders zeigen und sehen. Meine Schule des Sehens liegt in einem selbstverwalteten Kino am Bodensee, das hat mich geprägt, genauso wie die folgenden 13 Jahre als künstlerischer Leiter des Filmfest-Vereins in Braunschweig. Die Wiedereröffnung des Universum Filmtheaters mit fünf anderen Mitstreitern als modernes Programmkino aus dem Festival heraus war für mich die Verwirklichung eines Traums. Kino bedeutet für mich im Grunde mein Leben.

Interview Louisa Ferch
Fotos FilmLand M-V Andre Lehmann, Universum

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