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Warum ein Kinobesuch so viel besser ist als
ein komatöser Serienmarathon auf der Couch.
C pexels pavel danilyuk 7234215
In diesem Jahr hat Streaming-Gigant Netflix zum ersten Mal seit über zehn Jahren Abonnent:innen verloren – das mag viele Gründe wie etwa das illegale Teilen von Accounts, die wachsende Konkurrenz durch Disney+ und Co. sowie den Rückzug vom russischen Markt haben, jedoch verzeichne zumindest auch ich in meinem Freundeskreis ein stark rückläufiges Interesse am Vergammeln vor dem TV. Trotz zweieinhalb Jahren Pandemie scheinen wir unsere Serien-Sucht allmählich überwunden zu haben – Streaming-Marathons sind so was von 2018 und jedenfalls bei mir persönlich wächst immer wieder der Wunsch nach einem gemeinschaftlichen Popcorn-Event im Kinosaal. Aber sind wir überhaupt noch in der Lage, Filme zu schauen – so ganz ohne Handy, Cliffhanger und der Bequemlichkeit der eigenen vier Wände?


Generation Goldfisch
Was uns der überfütterte Algorithmus auf der Startseite der Mediathek unseres Vertrauens anzeigt, sind letztlich doch random wirkende Titel – austauschbar und uninteressant. Die Serien, die uns wirklich reizen und noch in die Schar der „das muss man gesehen haben“-Qualitätsserien zählen – „Stranger Things“, „Peaky Blinders“ oder „Haus des Geldes“ – erscheinen jedoch so fragmentartig über eine lange Zeit gestreckt, dass längst sämtliche Handlungsstränge im Nirwana unseres Mediengehirns verschwunden sind und man eigentlich gar nicht mehr weiß, worum es eigentlich geht, wenn endlich die epische letzte Staffel an den Start geht. Vielleicht skippt man das große Finale sogar, weil man längst die Bindung zu den geliebten Charakteren verloren hat und das Ende eine Serie eh meist enttäuscht – Stichwort „Game of Thrones“. Was ist aus den einzigartigen Serien geworden, deren ikonische Namen wir noch vor einigen Jahren stolz auf unseren Kaffeetassen, Socken oder Fanshirts zur Schau getragen haben? Oder sind wir es, die sich verändert haben – die Generation Goldfisch, die nur noch von TikToks und Reels unterhalten werden kann?
Manchmal scheint es unvorstellbar, wie das Leben vor unserer Film-Faulheit aussah. Wie schafften wir es einst, „Herr der Ringe“, „Pulp Fiction“ oder „Titanic“ zu schauen? Zeiten, zu denen man stundenlang die Regale von Videotheken durchforstete, Filme blauäugig nach Cover auswählte und anschließend bis spät in die Nacht zwei oder drei Filme hintereinander schaute, wirken so weit entfernt, als hätten sie unsere Urgroßeltern noch erlebt.
Kinosessel statt Couchritze
Der Film hat eine lange Reise hinter sich. Wie eine Zaubershow entführte der Film einst in eine Traumwelt der fantastischen Illusion – ein unvergleichliches Spektakel und einzigartige Kunstform. Inzwischen herrscht mitunter große Langeweile vorm ständig verfügbaren Heimkino und wenn wir uns doch endlich für einen Titel entschieden haben, wird nebenbei am Smartphone gedaddelt. Ohne Second Screen kommen wir kaum noch aus – es sei denn, das Dispositiv verlangt es von uns. Und hier bleibt der Kinosaal nach wie vor unangefochten und beschert uns auch nach über hundert Jahren Filmgeschichte das beste Filmerlebnis: Ein abgedunkelter Raum, ein geführter Blick auf die riesige Leinwand, ein gigantischer Sound sowie das gemeinschaftliche Erleben des Geschehens intensivieren unsere Erfahrung dermaßen, dass wir uns sicherlich an die meisten unserer Kinobesuche erinnern können. Irgendwie scheint das Filmeschauen auch etwas mit Entschleunigung und Achtsamkeit zu tun zu haben – bewusstes Erleben und konzentriertes Wahrnehmen.

Selbstverständlich gibt es auch im großen Meer der Spielfilme eine unerschöpfliche Menge an „Must See“-Streifen: Endlich mal „Der Pate“, „Matrix“ oder „GoodFellas“ schauen, mitreden können und die ein oder andere popkulturelle Referenz verstehen. Immer wieder zeigen Kinos auch Kultfilme; oder Projekte wie das Sommerkino kramen ein paar Klassiker aus, die Filmgeschichte geschrieben haben. Aber nicht nur alte Kamellen, sondern auch neuere Filme wie „Parasite“ oder zuletzt „Top Gun: Maverick“ zählen zu den besten Filmen aller Zeiten und sind einen Gang ins Kino allemal wert. Auch mit „Dune“ wartet ein neues Epos darauf, uns die kommenden Jahre zu begleiten und zu fesseln. Also raus aus der Couchritze und ab ins Kino für ein nachhaltiges Filmerlebnis, das uns zu etwas mehr Aufmerksamkeit zurückführt. Und ein Film im Kino dauert einfach so lange, wie er dauert – und das soll er auch.

Text Louisa Ferch
Foto Pavel Danilyuk-pexels.com

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