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Jungstar Michelangelo Fortuzzi über seine Hauptrolle in der Serien-Adaption des 80er-Jahre-Drogen-Dramas „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“
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Für seine Rolle als reumütiger Vergewaltiger in „Alles Isy“ erhielt Michelangelo Fortuzzi (20) vor zwei Jahren den Deutschen Fernsehpreis. In der enorm erfolgreichen Jugendserie „Druck“ spielte er den sensiblen Teenager Matteo, der nicht weiß, ob er auf Jungs oder Mädchen steht. Dieses Problem hat er nun ebenfalls als Benno im Serien-Remake von „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“, seit 19. Februar auf Prime Video verfügbar, wo er als Stricher sein Geld verdienen muss, um an Heroin zu kommen. Mit dem Berliner, der in London auf die Schauspielschule geht, unterhielt sich unser Filmexperte Dieter Oßwald.

Herr Fortuzzi, seit zehn Jahren wurde Ihr Vorname in Ihrer Heimatstadt Berlin nur einmal vergeben, bundesweit wird nur einer von 100 000 Jungen so genannt. Wie nennen Sie Ihre Freunde?
Die meisten sagen Micki. Manche sagen Angelo. Und einige denken sich immer neue Spitznamen aus. Das hängt alles ein bisschen von der sozialen Gruppe ab. Mein italienischer Uropa hatte auch einen hübschen Namen, der hieß Hamleto, also Hamlet.

Sie bevorzugen gern rigorose Rollen, so auch in dieser Serie. Was halten Sie vom Prädikat „River Phoenix von Moabit“?
(Lacht) Der bekam ja ebenfalls einen schönen Vornamen, ist aber leider schon früh gestorben. Rigorose Rollen machen mir tatsächlich am meisten Spaß. Ich tauche gerne in Welten ab, in die ich im Privatleben lieber nicht abtauchen würde. Das ist ein bisschen wie die Erfahrung machen, ohne sie wirklich zu machen..
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Der Roman war einst ein Bestseller. Spielt er in Ihrer Generation überhaupt noch eine Rolle?
Wenngleich das Buch heute nicht mehr Pflichtlektüre in der Schule ist, wird „Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ noch von sehr vielen Leuten meiner Generation gelesen. Selber war ich noch nie der große Leser, deswegen habe ich lieber das Hörbuch genommen. Vor den Dreharbeiten hat mir das ein sehr gutes Gefühl von dieser Welt vermittelt.

Im Unterschied zur Serie „Druck“, die voll von Slang war, gibt es diesmal kaum Jugendsprache zu hören. Woran liegt das?
Von Anfang an war klar, dass die Serie ein zeitloses Gefühl haben sollte. Die Drehbücher habe ich mir wie ein Paralleluniversum vorgestellt, wo ich nach Ähnlichkeiten und Unterschieden zu unserer Zeit gesucht habe. Diese Methode hat für mich ganz gut funktioniert.

Wo liegen Ihrer Meinung nach die Ähnlichkeiten zum Berlin anno 2020?
Ich glaube, die Berliner Jugend hat heute dasselbe Gefühl von Unsterblichkeit. Es gibt dieses ähnliche Verlangen danach, in Schwierigkeiten zu geraten oder irgendwo einzubrechen, um irgendwie Spaß zu haben.
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David Bowie ist sehr stark auf dem Soundtrack vertreten. Gehören Sie zu den Fans seiner Musik?
Ich mag die Musik sehr gerne, der ganz große Fan bin ich allerdings nicht. Es sind immer so Phasen, wo ich Bowie höre. Entdeckt habe ich ihn erst ziemlich spät durch einen italienischen Onkel, der nach Berlin kam, um ein Buch über David Bowie zu schreiben. Meine Generation hat Bowie eigentlich erst mit seinem Tod richtig entdeckt.

Wie ist Ihr Verhältnis zu Drogen?
Wenn man in Berlin aufwächst, bekommt man diese Welt auf alle Fälle mit. Aber ich hatte immer Angst, dass mein Kopf mit Drogen platzt, weil der auch ohne schon immer total voll ist. Deswegen habe ich Drogen nie gebraucht.

Wie bekommt man dieses fahle Junkie-Gesicht – mit Schminke oder durchgefeierten Nächten?
Das macht die Maske. Gegen Ende der langen Dreharbeiten war unsere Energie ziemlich aufgebraucht, da war ein bisschen weniger Schminke nötig. So fertig auszusehen, geht allerdings nur mit Make-up. Für die Szenen mit dem Spritzen von Heroin wurden Silikon- Arme verwendet, die mit falschen Adern und Blut ausgestattet waren. Für uns war das Drehen damit immer etwas umständlich, weil wir den echten Arm bei solchen Szenen irgendwie verstecken mussten.

Die Serie „Druck“ hatte fast Kultstatus. Stiegen da die Selfie-Anfragen im Alltag rapide an?
Als die Serie lief, wurde man bisweilen schon auf der Straße erkannt. Mittlerweile passiert das aber kaum noch, was ich auch gar nicht so schlimm finde. Eine Tarnkappe benötige ich jedenfalls zum Glück noch nicht! (lacht) Sehr gefreut hat mich, dass nach der homosexuellen Rolle in „Druck“ viele Nachrichten von Jugendlichen kamen, die sich bedankten, weil sie sich dadurch bestärkt gefühlt haben, zu ihrer Sexualität zu stehen. Das war für mich ein schönes Gefühl, zu wissen, welchen positiven Einfluss man auf Menschen haben kann.

Haben Sie nach all diesen harten Rollen nicht Lust auf etwas entspanntere Typen?
Wenn mir solchen Rollen angeboten werden, würde ich das auch gerne machen. Es passiert mir allerdings im privaten Leben oft, wenn ich so neutral schaue, fragen Freunde, was denn mit mir los sei. Dieses neutrale Gesicht scheint irgendwie Abgründe auszustrahlen, ohne dass ich da viel mache.

War der Berufswunsch schon immer klar für Sie?
Ich wollte schon immer Menschen verkörpern. Als Kind war ich fasziniert vom Glöckner von Notre Dame, ich habe mir meinen Rucksack unters T-Shirt angezogen und versuchte, vor einem Spiegel so zu laufen wie er. Dass meine Tante das alles beobachtete, hat mich damals zwar unangenehm berührt, am Berufswunsch jedoch nichts geändert.

Wer sind Ihre schauspielerischen Vorbilder?
Al Pacino steht ganz weit vorne für mich. Mein Vater sagte immer: Wenn du in Filmen spielen willst, dann schau dir diesen Mann an! Allein, wie Pacino seine Stimme kontrolliert, ist grandios. Ansonsten stehen auf der Vorbild-Liste auch River Phoenix und Johnny Depp.

Was sollten die Zuschauerinnen und Zuschauer aus dem „Zoo“ mitnehmen?
Einen gesunden Blickwinkel auch auf Drogen zu entwickeln. Vor allem Menschen, die eine natürliche Faszination dafür haben, könnten entdecken, dass es besser dabei bleibt, nur mit den Gedanken zu spielen, als es tatsächlich zu probieren.

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Interview Dieter Oßwald
Fotos Constantin Television, Mike Kraus

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