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Jungschauspieltalent Damian Hardung über seine Rolle in der Bestseller-Verfilmung „Auerhaus“
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Läuft für Damian Hardung. Mit der TV-Serie „Club der Roten Bänder“ spielte er in einem Quoten-Coup, der es bis zur Emmy-Auszeichnung brachte. In Aron Lehmanns hochgelobtem Teenie-Drama „Das schönste Mädchen der Welt“ war er als tapsiger Schönling Rick zu erleben. „Ich bin völlig pleite da oben!“, stöhnt er dort. Im echten Leben bekam Hardung als 14-Jähriger ein Stipendium für Hochbegabte an einer Privatschule in New York City. Neben seinem Auftritt im TV-Remake von „Der Name der Rose“ sowie der Comedy-Serie „How to Sell Drugs Online (Fast)“, übernahm er in der Kinoversion vom „Club der Roten Bänder“ abermals die Rolle des sensiblen Jonas. Nun spielt Hardung in der Bestsellerverfilmung von „Auerhaus“ einen jungen Wilden im Deutschland der 80er Jahre. Mit dem 20-jährigen Schauspieler, der in Köln gerade sein Medizinstudium begann, unterhielt sich unser Mitarbeiter Dieter Oßwald.
Herr Hardung, wie läuft die Uni?
Derzeit leider gar nicht. Wir drehen gerade die zweite Staffel von „How to Sell Drugs Online (Fast)“, deswegen kann ich in diesem Semester nicht studieren. Immerhin habe ich mich gestern in die Uni-Bibliothek gesetzt, um wenigsten ein bisschen Studenten-Gefühl gehabt zu haben.

Und Sie können mit dem Studentenausweis günstig in der Mensa essen ...
Theoretisch ja, allerdings koche ich sehr gern selbst und mag vor allem Gerichte mit vielen Gewürzen – das bietet die Mensa eher selten an. (lacht)

„Auerhaus“ spielt in den 80er Jahren – die gute alte Zeit ganz ohne Handy ...
Tatsächlich habe ich beim Dreh mein Handy stets im Wohnwagen gelassen, um besser in der Rolle zu bleiben – und das war eine wunderbare Erfahrung! In den Pausen habe ich keine SMS gecheckt, sondern einfach ein Buch gelesen.

Wie gefällt Ihnen Ihr Retro-Outfit?
Mein orangefarbener Anorak gefällt mir unglaublich gut, leider durfte ich ihn nicht behalten, weil er aus dem Fundus kam. Dasselbe ist mir bereits mit dem coolen schwarzen Mantel aus „Das schönste Mädchen der Welt“ passiert, den musste ich nach den Dreharbeiten leider auch wieder zurückgeben.
„Ich bin nicht so der Hopp- oder Top-Typ“ sagt Höppner im Film einmal. Inwiefern gilt das auch für Sie selbst?
Überhaupt nicht! Wenn ich etwas vorhabe, dann mache ich das zu 100 Prozent. Genau in diesem Unterschied zu der Figur lag für mich der Reiz der Rolle. Höppner lernt in dieser Geschichte, zu sich selbst zu stehen. Irgendwann wird er vielleicht einmal der Hopp- oder Top-Typ sein, viel entscheidender jedoch ist, dass er für sich entdeckt zu sagen: ‚Das ist jetzt etwas, was ich machen möchte.’

Beim Krebs-Drama „Club der Roten Bänder“ war die Stimmung beim Dreh bisweilen gedrückt. Wie fröhlich ging es diesmal am Set der wilden WG zu?
Den WG-Spaß gab es auf alle Fälle, gleichzeitig ging es allerdings auch hier um existenzielle Probleme: Wie schafft es die WG, ihrem deprimierten Freund Frieder das Leben wieder schmackhaft zu machen? Wie kommen wir eigentlich in diese Erwachsenen-Welt hinein? Diese Fragen und Zweifel machen vor allem dem sensiblen Höppner unglaublich zu schaffen.
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Selbstmord steht an zweiter Stelle der Todesursachen im Jugendalter. Wie gelingt ein verantwortungsvoller Zugang zu dem sensiblen Thema?
Entscheidend finde ich, dass „Auerhaus“ kein Psycho-thriller ist, in dem es darum geht, ob ein Suizid stattfindet oder nicht. Es geht auch nicht um ein Psychologie-Lexikon, weshalb sich jemand umbringt. Wir erzählen die Geschichte von Menschen, die das Leben zelebrieren. Für mich gehört auch die Wahl dazu, nicht leben zu wollen. Das wird überhaupt nicht glorifiziert, es wird allerdings auch nicht als verwerflich verteufelt. Dieser Spagat zwischen verstehen und nicht akzeptieren gelingt „Auerhaus“ sehr eindrucksvoll.

Eine Freundin soll Ihnen von dem Projekt abgeraten haben, damit Sie ihr Lieblingsbuch nicht zerstören. Warum haben Sie es dennoch gemacht?
Nachdem ich den Film gesehen habe, bin ich ganz guter Dinge, dass die Freundschaft weiter geht und sie wenigstens nicht ganz enttäuscht sein wird. (lacht) Beim Lesen eines Romans entwirft jeder seine eigenen Bilder. Da führt es automatisch zu Kollisionen, wenn im Film eine Figur von jemandem verkörpert wird, den man kennt. Jeder, der mit Schauspielern befreundet ist, weiß wie schwierig es ist, die private Person von der Rolle zu trennen.

„Es ist essenziell für meine generation, aufzustehen und zu protestieren“

Wie befreundet sind Sie selbst mit dem Schauspieler Max von der Groeben, der den Frieder gibt?
Max ist super! Da wir beide aus Köln kommen, war klar, dass wir gut miteinander auskommen werden. Es war für mich auch interessant, als er erzählte, wie es so ist, wenn beim „Fack ju Göhte“-Dreh an einer Schule plötzlich alle Kids vor dem Wohnwagen stehen. Gleichwohl ist Max ein total bodenständiger Typ geblieben, mit dem man den größten Schwachsinn machen kann, als würde es den ganzen Ruhm-Rummel gar nicht geben.

Sie haben über 175 000 Follower auf Instagram. Wird es langsam Zeit für eine Tarnkappe?
Ich habe unheimlich Respekt davor, was da vielleicht auf mich zukommt. Schon jetzt spüre ich, was es heißt, in der Öffentlichkeit zu stehen und etwas von seiner Privatsphäre aufzugeben. Man hat ständig das Gefühl, irgendwelche Dinge könnten von irgendwelchen Leute auf bestimmte Art interpretiert werden. Aber sich deswegen immer zu verstecken, macht schließlich auch keinen Spaß mehr.
Sie könnten gut als Model durchgehen. Ist gutes Aussehen Fluch oder Segen für den Schauspiel-Job?
Das ist immer ein zweischneidiges Schwert. Bei Netflix heißt der berühmte Spruch: ‚You can never be too beautiful for television.’ Die besetzen auch für unattraktive Rollen stets nur schöne Menschen, und schminken die dann herunter. Gleichzeitig finde ich es wichtig, nicht perfekt auszusehen. Sonst fällt das Mitgefühl der Zuschauer schnell auf null. Die Präsenz eines Joaquin Phoenix trägt viel mehr als eine objektive Schönheit. Meine Narbe im Gesicht lasse ich mir jedenfalls nicht wegschminken.

Gibt es Vorbilder unter den Schauspielern?
Mein absoluter Lieblingsschauspieler ist Timothée Chalamet. Seine Darstellung in „Call Me By Your Name“ fand ich grandios, die DVD liegt bei mir noch immer auf dem Esszimmer-Tisch. Die Mischung aus Verletzlichkeit und gleichzeitigem Mut begeistert mich jedes Mal aufs Neue.

In „Auerhaus“ spielt Kriegsdienstverweigerung eine nicht unwichtige Rolle. Wie sehen Sie das heutige politische Engagement der Jugend?
Es ist immer schwierig, wenn nur alte Menschen die Welt regieren. Deswegen ist es essenziell für meine Generation, aufzustehen und zu protestieren. Für mich ist es gar keine Frage, bei den Fridays for Future-Demonstrationen dabei zu sein. Es bleibt schließlich nicht mehr viel Zeit, wenn es um den Klimawandel geht.

Interview Dieter Oßwald
Fotos Warner Bros

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