Hacken Open Air

2. - 5. August| Rötgesbüttel (GF)

Be there and be square! Das Hacken Open Air versammelt das gemischte Hackfleisch der Region zum
Coder-Camping. Es gibt Lagerfeuer, Electro und natürlich Tschunk.
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Packt eure Premium-Steckdosenleiste und ordentlich Duct-Tape ein: Das zweite Hacken Open Air des Braunschweiger Hackerspace Stratum 0 treibt wieder die Techies und Netz-Akrobaten der Region zusammen – in der echten Welt und draußen. Die gar nicht lichtscheuen Insider H. Acker und F. Nord erklären uns, wie gut das zusammenpasst. Begonnen hat alles, als vor sieben Jahren ein gewisser m00lean im damaligen IRC-Channel der TU-Informatik-Studis offen nach „nerdigen Linuxhackern“ fragte. Die Resonanz war groß – mit mittlerweile mehr als 100 festen Mitgliedsentitäten und größeren Räumlichkeiten bieten die Kreativ-Programmierer im Stratum 0 Bastlern, Codern und anderen Internet-Enthusiasten der Region nicht nur eine offene Werkstatt mit allerhand Geräten von CNC-Fräse bis Stickmaschine, sondern auch regelmäßige Vortragsabende und Workshops, die mit „Bierbrauen“ und „Wurstherstellen“ weit über das klassische Hacking hinausgehen. Am wichtigsten ist dabei das gemütliche Zusammentreffen Gleichgesinnter, darum bieten sie auch Plattformen für unter anderem die Ortsgruppen Freifunk Braunschweig, Kopter Club Braunschweig und Digital Courage Braunschweig.
Wofür braucht man einen Hackerspace?
Das Internet verbindet Menschen zwar weltweit und das wissen wir vermutlich noch am besten, aber Ressourcen teilen, sei es einen Lötkolben, Oszilloskop oder eine Stickmaschine, funktioniert nur, wenn man sich jederzeit aufs Fahrrad schwingen und darauf zugreifen kann.

Was bietet ihr bei Stratum 0 an?
Grundsätzlich erst einmal Räumlichkeiten, einen Verein und dazu ein paar Leute. In der Gesamtheit ist es aber doch mehr als die Einzelteile. Es ist eine Plattform, um sich auszutauschen, sich gegenseitig zu helfen, aber auch um andere zu begeistern und voneinander zu lernen – eine nichtkommerzielle Mischung aus offener Werkstatt und Community Center mit einer großen Bandbreite an Aktivitäten von Software schreiben über Diskussionen netzpolitischer Fehlentscheidungen der Regierung oder Zeit zwischen zwei Vorlesungen überbrücken bis hin zum Animes und Science-Fiction gucken.
Gibt es eine „Hackerkultur“?
Das wäre zum Beispiel, Dinge auch mal nicht für das zu verwenden, für das sie vorgesehen waren. Beim Auspacken neuer Geräte nicht nach der Verpackung aufhören, sondern den Schraubendreher in die Hand nehmen und gucken, wie es im Inneren aussieht. Einfach wissen zu wollen, wie Dinge im Detail funktionieren und sein Wissen für alle und jeden zur Verfügung zu stellen.

Steht ihr als „potentielle Gefährder“ selbst auf Geheimdienstlisten?
Wenn sie kompetent wären, würden wir nicht drauf stehen. Also ist es nicht auszuschließen.

Was sagt ihr zum aktuell geplanten niedersächsischen Polizeigesetz?
Das folgt leider sehr dem Trend, politische Probleme technisch lösen zu wollen. Aber mehr Kameras machen keine besseren Menschen. Besonders kritisch sehen wir die Einführung des Niedersachsentrojaners. Das ist eine staatlich betriebene Schadsoftware, die die Integrität und Sicherheit unfassbar vieler Geräte gefährden kann – auch von Handys und Kühlschränken. Es handelt sich da um einen gefährlichen Irrweg und ein echtes Risiko für die Innere Sicherheit. Vor so etwas sollte der Staat Leute lieber schützen.
Und was hackt ihr selbst so, damit ihr euch nicht strafbar macht?
Wer glaubt, Hacken sei eine Straftat, verwechselt dies mit dem kreativen Umgang mit Technik und Technologie. Das unerlaubte Eindringen in fremde Computer und Netze mag verboten sein, aber nicht das Hacken an sich. Seit 2012 beteiligen wir uns beispielsweise an „Capture The Flag“-IT-Security-Wettbewerben. Üblicherweise wird dabei ein Server mit Diensten mit bewussten Schwachstellen zur Verfügung gestellt, die zu finden man etwa 48 Stunden Zeit hat. Wer dann frühzeitig die meisten und schwierigsten Lücken entdeckt, gewinnt. Solche CTFs finden oft im Rahmen von Security-Konferenzen statt. Wir waren zum Beispiel schon zum CTF der Defcon in Las Vegas und das CTF zum jährlichen Chaos Communication Congress wird von uns mitorganisiert.

DH IMG 5668 Enno Koerner Art


Was meint ihr zu den „russischen“ Master-hackern unserer Bundes-Server und warum sind die überhaupt so schlecht gesichert?

Die Beweislage ist dünn, aber mit dem Finger auf andere zeigen ist einfach. Cyber-Security ist schwer und Attributierung noch viel schwerer. Das ist ein relativ junges Feld und es gibt täglich neue Sicherheitslücken, wodurch ein Arms Race zwischen Black Hats und White Hats entsteht. Dass Geheimdienste auf dem Schwarzmarkt um sogar noch unveröffentlichte Sicherheitslücken heftig mitmischen, macht die ganze Sache nicht gerade besser.

Wurdet ihr selbst schon mal gehackt?
Falls ja, dann ist uns in dieser Richtung bisher nichts bekannt. Wenn jemand anderes Zugriff auf das eigene Konto erhält, bedeutet das nicht immer, dass man es mitbekommt.

Was haltet ihr von der eingeführten DSGVO?
Uns betrifft sie in mehrerlei Hinsicht: Beim Hacken Open Air, dem Verein, unseren Räumlichkeiten, den Netzdiensten, die wir auf Vereinsinfrastruktur anbieten, und noch mehr. Wir haben das Glück, groß genug zu sein, dass wir uns damit auseinandersetzen können, aber für viele private Blogbetreiber zum Beispiel könnte es rechtliche Unsicherheiten bedeuten, wenn sie es überhaupt mitbekommen. Wir kennen auch Leute, die bisher betriebene Dienste einfach abschalten. Es sind schon einige gute Ideen dabei, die Standard sein sollten, nur liest sich der Text leider mehr als sei er von Anwälten geschrieben und nicht von Menschen, die sich mit der Technik auskennen.

Wann plant ihr, die Weltherrschaft endlich an euch zu reißen?
Das steht auf der Tagesordnung jeder unserer Mitgliederversammlungen. Leider wurde es bisher immer vertagt.
Was können Teilnehmer des Hacken Open Air 2018 erwarten?
Eine interessante Mischung aus Hacking, Lagerfeuer und guter Verpflegung. Man trifft Gleichgesinnte und lernt interessante Projekte kennen. Letztes Jahr hat sich couchsofa, der schon auf diversen „Chaos“-Veranstaltungen aufgelegt hat, um die Beschallung gekümmert. Für dieses Jahr hoffen wir, ihn wieder dafür begeistern zu können.

Warum gerade ein Open Air? Pflegen viele Hacker nicht eher eine vornehme Blässe?
Hacker pflegen vielleicht vornehme Bässe, aber dem Klischee der Sonnenflüchtigkeit möchten wir doch vehement widersprechen: Der Chaos Computer Club veranstaltet das Chaos Communication Camp schon seit 1999, zuletzt mit mehr als 4 500 Teilnehmern.
Wahrscheinlich spricht das Selbstbestimmte, Freie beim Campen viele aus der Szene an.
Ihr setzt beim Vortragsprogramm auf Selbstorganisation. Wie hat das 2017 geklappt?
Die angebotenen Vorträge und Workshops waren gut. Es gab zum Beispiel etwas zum ASM-Lernen mit dem Spiel „Human Resource Machine“ oder auch „Prokrastinieren für Fortgeschrittene“. Wo wir dieses Jahr nachbessern, ist eine stärkere Verbreitung der Termine während der Veranstaltung.

Was wollt ihr außerdem verbessern?
Durch den späten Termin war das Wetter 2017 etwas durchwachsen, dieses Jahr treffen wir uns einen Monat früher. Und in Peine hatten wir leider eine sehr nahegelegene Zugstrecke nicht bedacht. Das Camp in Rötgesbüttel liegt in einem Wald, ganz weit weg von jeglichen Zugstrecken. zudem stellt die neue Location mehr Infrastruktur hinsichtlich Strom und Wasser bereit.

„Es gibt Pläne, einen Pool über das Lagerfeuer zu beheizen“

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Ist es schwierig, ausreichend Internet- und Strom für so einen Event bereitzustellen?

Gar nicht so einfach, obwohl wir hier schon etwas Erfahrung hatten. Zu unserem Easterhegg 2015 mitten in Braunschweig konnten wir über eine 700-Meter-Funkstrecke und eine gesponserte Glasfaseranbindung noch 750 Megabit pro Sekunde synchron anbieten. Zum HOA 2017 konnten wir über drei verschiedene Uplinks gerade mal 120 Megabit pro Sekunde zusammenkratzen, ein Drittel davon über eine 13-Kilometer-Funkstrecke zur PTB in Braunschweig. Und das war auch nur dank eines kooperativen Industriebetriebs vor Ort möglich.
Habt ihr auch mal überlegt, ob man so ein Event autark veranstalten könnte?
Sicher, im letzten Jahr hatten wir schon einige Campende, die einen Teil ihrer Energie aus Solaranlagen bezogen haben, aber auf eine gesamte Eventorganisation sind unsere Systeme noch nicht angepasst. Es gibt jedoch Pläne, zum Beispiel einen Pool über das Lagerfeuer zu beheizen.

Wie kann man sich die „Food-Hackings“ und das Gemeinschafts-Frühstück vorstellen?
Wir verfügen inzwischen über ein gutes Repertoire an Gastronomieequipment, was schon eine umfangreichere Gruppenverpflegung ermöglicht. Im letzten Jahr geschah das vielfach auf spontaner Basis, dieses Jahr wollen wir das koordinierter organisieren. Entsprechende Gesundheitseinweisungen für leitende Entitäten gehören wie im letzten Jahr selbstverständlich dazu.
Wie geht es eigentlich mit dem Freifunk voran? Die Störerhaftung ist gekippt worden …
Dass Knotenbetreiber dank des Haftungsprivilegs unseres Providers aus der Störerhaftung genommen wurden, war nur ein Nebeneffekt der Struktur des Freifunks. Nach wie vor können Anbieter von offenem WLAN mindestens auf Unterlassung belangt werden, wenn jemand etwas über ihren Internetanschluss macht, was sie nicht kontrollieren können. Das, die Trennung vom eigenen Heimnetz, die automatische Verbindung der Freifunk-Router untereinander über WLAN, die einheitliche SSID und noch einige Sachen mehr sind nach wie vor Gründe, einen Freifunk-Router bei sich aufzustellen. Zudem arbeiten wir seit einiger Zeit an einer neuen Architektur des Netzes, um den Durchsatz zu erhöhen.

Wollt ihr zum Schluss noch was loswerden?
Ja. Das niedersächsische Polizeigesetz, den Überwachungs- und Aufrüstungswahn der deutschen Regierung allgemein und Paragraf 202c Strafgesetzbuch.
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Interview Evelyn Waldt
Fotos Steffen Arntz, Enno Körner, Lars Andresen

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