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25 Jahre KOSATEC! Firmengründer Andreas Sander ist ein starkes Individuum – und musste sich in all den Jahren auf sich selbst verlassen können. Ein Interview weniger über Wirtschaft und Unternehmenshistorie, dafür mehr über Sanders Jugend, wilde Jahre und sein Verhältnis zur Musik.
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Wenn es um Computer geht, kommt man in Braunschweig an einem Player nicht vorbei. Seit 1993 ist Firmengründer Andreas Sander darum bestrebt, den Namen KOSATEC in die Welt zu tragen und mit seiner Dienstleistung – dem Vertrieb und der Verteilung von allem, was mit IT zu tun hat – Geld zu verdienen und zu wachsen. Und das ist ihm gelungen, seit er sich vor 25 Jahren in einer Garage in Rötgesbüttel selbstständig gemacht hat. Den konstanten Erfolg der Firma wollte der ehrgeizige und straighte Self-Made-Man schon 2013 feiern. Doch die 20-Jahre-Party musste kurzfristig abgesagt weden. Zu viele unerwartete Rück- und Tiefschläge kamen dazwischen. Nicht immer lief für Sander alles rosig. Neuorientierung der Firma, harte Konkurrenz, zwei geschiedene Ehen … Dennoch ist aus der grauen Garage von einst heute eine 15 000-Quadratmeter-Immobilie geworden, in der Millionen von Teilen lagern, die von einem leistungsstarken Vertriebsteam täglich tausendfach an den Mann gebracht werden. Eine Braunschweiger Unternehmer-Geschichte, wie es sie kaum ein zweites Mal gibt.
So wurde das 25-jährige Jubiläum am 9. Juni auf dem Firmengelände in der Carl-Miele-Straße ein voller Erfolg – und das in einem sehr viel gesünderen Lebensabschnitt von KOSATEC. „Die Feier jetzt war einfach eine Terminverschiebung und letztendlich war es gut so“, erzählt uns der durchtrainierte 54-Jährige. „25 Jahre klingt auch besser. 20 Jahre feiern ist, als ob man die 25 nicht abwarten kann“, lacht er. „Vielleicht wurden wir da ja auch ein bisschen vom Schicksal gelenkt.“
Glauben Sie denn an Schicksal oder günstige Zusammenhänge? Sind Sie spirituell?
Vielleicht kann man das spirituell nennen. Ich danke jedenfalls immer dem lieben Gott, dass es mir und uns allen hier verhältnismäßig besser geht als den meisten Menschen auf der Welt.

Wo kommen Sie her? Tüchtigkeit, Ehrgeiz, etwas aus seiner Situation machen, das alles hat für Sie immer eine große Rolle gespielt …
Ich komme aus sehr bescheidenen Verhältnissen, bin ohne Vater aufgewachsen und meine Mutter war Putzfrau. Während sie gearbeitet hat, musste ich mich um den Haushalt und um meine kleine Schwester kümmern. Nach der Schule die Wohnung aufräumen, dann habe ich Nicolette vom Kindergarten abgeholt, danach Schulaufgaben gemacht und erst dann konnte ich spielen gehen. Das war halt so. Meine Mutter musste es um uns herum immer sehr ordentlich haben. Dafür bin ich ihr heute dankbar, denn mir wird immer bewusster, wie wichtig das für meine Karriere und mein Unternehmen war. Durch die heutige Preistransparenz muss bei uns alles fehlerfrei laufen. Und das geht nur mit einer geordneten Umgebung. Mittlerweile leben das auch meine Mitarbeiter, wir nennen es unseren „KOSATEC Style“.
Wie gut waren Sie eigentlich in der Schule?
Also, ich bin durch alle Prüfungen meines Lebens durchschnittlich durchgerutscht, ob es nun Schule, Führerschein, Ausbildung oder sonst was war. Ich musste nichts zweimal machen. Ich würde mich als Generalisten bezeichnen. Ich weiß von allem ein bisschen und den Rest bringe ich in Erfahrung. Aber eins ist klar, wenn ich was mache, dann mache ich es richtig oder versuche es zumindest und nicht mal eben so. Da kommt wieder meine Mutter ins Spiel, die gesagt hat, du musst auch die Ecken sauber halten.

Was wollten Sie ursprünglich mal werden?
Damals war es eher so: Realabschluss, dann Ausbildung, egal was. So bin ich dann als Funkelektroniker bei Blaupunkt in Hildesheim gelandet. Das war wirklich Zufall. Und Glück, denn uns wurden Computer vorgestellt, Apple 2, Apple Macintosh, Commodore PET 2001 – und das um 1980, wo das alles groß wurde. Das waren Schlüsselmomente, an die ich mich bis heute erinnere. Als der C64 kam, den man sich für zu Hause leisten konnte, war ich total fasziniert.

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Was hat das für eine Wirkung auf Sie gehabt?
Für mich ist das etwas ganz Besonderes gewesen, da ich damals schon viel Musik gemacht habe. Man konnte einen Drum-Computer oder Keyboardsounds über die MIDI-Schnittstelle steuern und aufnehmen und dann dazu spielen oder singen. Ich habe viel mit Steinberg 24 gearbeitet, das später zu Cubase wurde. Noch heute habe ich auf dem Dachboden ein kleines Tonstudio und produziere, wenn es meine Kinder erlauben, nach wie vor Musikstücke unter meinem Kopfhörer.

Hätten Sie sich vorstellen können, als Musiker Ihren Lebensunterhalt zu bestreiten?
Na klar, das war in meiner jungen Lebensphase einer meiner Hauptwünsche. Wir haben noch lange in der KOSATEC Club Lounge mit unserer Band geprobt. Immerhin habe ich mit einer meiner Bands vor zehn Jahren in der Stadthalle vor 2 500 Leuten gespielt. Heutzutage gehe ich gern ins Fitnessstudio, wenn ich dazu noch Bandproben hätte, würden mir meine kleinen Söhne auf den Kopf steigen. Nachher gehe ich mit meinem Fünfjährigen zum Kinderschwimmen und muss mich offensichtlich endgültig damit abfinden, dass ich kein Rockstar geworden bin (lacht).

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Auch in Ihrer Zeit in Los Angeles haben Sie als 24-Jähriger Musik gemacht …
Ja, als einziger Weißer in einer komplett schwarzen Band. Ich habe da die „funky guitar“ gespielt – und das ganz ordentlich. Ich war schon immer ein Fan von James Brown.

Warum sind Sie überhaupt nach L. A. gegangen?
Ich habe mir damals vorgenommen, dort hinzuziehen – und ich hab es durchgezogen. Heute weiß ich, dass das Jahr dort ein wichtiger Schritt in Richtung Selbstständigkeit für mich war. Dann kommt der Tag, wo Sie sich von Ihrer Mama und Ihrer Familie verabschieden müssen … Das ist furchtbar gewesen. Tränen ohne Ende, weil man ja nicht wusste, wie lange man sich nicht mehr sieht. Aber als ich ankam und vom Dach des Apartment-Buildings, in dem ich gewohnt habe, diese riesige leuchtende Stadt gesehen habe, hab ich mir gesagt: Alles richtig gemacht! Ist doch klar, als 24-Jähriger aus Salzgitter-Lebenstedt. Das war die große weite Welt, Flash, Oberhammer! Und wenn Sie ohne Familie in so einer Stadt sind, müssen Sie selbstständig sein. Es sorgt keiner für Sie. Diese Herausforderung sieht man mit 24 Jahren völlig naiv und das war auch gut so.
Wie haben Sie Ihr Leben dort gemeistert und wie haben Sie Ihre Freizeit verbracht?
Ich habe dort über Freunde schnell einen Job als Fahrer für antike Möbel bekommen und 350 bis 500 Dollar die Woche verdient, das war ziemlich cool. Ich habe Barbra Streisand beliefert, war bei Jeff Goldblum im Haus, der damals mit Geena Davis zusammen war. Die hatte einen Oscar gewonnen, der dort auf dem Kaminsims stand. Ich hab‘ gefragt, ob ich den mal anfassen darf, die Haushälterin hatte nichts dagegen. Da hatte ich also einen echten Oscar in der Hand. Wir haben uns in Hollywood zu viert eine Wohnung geteilt, zwei Deutsche, zwei Amerikaner. Ich habe eine Menge Leute kennengelernt, viel gearbeitet und viel gefeiert. Oh ja …

Wären Sie da geblieben, wenn Sie gekonnt hätten?
Das war am Anfang so gedacht, aber nach einem Jahr war mein Visum abgelaufen und ich hatte eh genug von Los Angeles. Ohne viel Geld ist es sehr anstrengend dort. Die Polizei fackelt nicht lange, es gibt viel Verbrechen und der Unterschied zwischen Arm und Reich ist enorm. Ich habe Villen in Beverly Hills und Bel Air beliefert und die Unterschiede erlebt.
Wie sind Sie nach all den bescheidenen Jahren mit dem Wohlstand durch KOSATEC umgegangen?
KOSATEC ist durch viel Arbeit permanent gewachsen. Dafür muss man die Gewinne zur Seite legen. „Big things start small!“ Man kommt nicht weiter, wenn man sein Geld verprasst, sondern man muss damit sehr sorgfältig umgehen. Geld ist wichtig, um was damit machen zu können. Natürlich ist es gut, wenn man sich nicht gleich Gedanken machen muss, wie man klar kommt, wenn der Auspuff vom Auto fällt. Solche Zeiten habe ich auch gehabt … Die Reihenfolge ist: Erst muss man gute Arbeit machen und Risiken eingehen, dann kommt vielleicht das Geld. Das ist wirklich ein interessantes Thema… Geld spielt eine sekundäre Rolle. Hat es schon immer. Je erfahrener ich werde, desto klarer wird mir das. Klar möchte auch ich einen ordentlichen Wagen fahren und eine coole Uhr tragen. Aber ich brauche keine zehn Uhren und keine zehn Autos. Das muss so oder so aber jeder selber wissen.
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Wie wichtig war und ist es Ihnen, etwas darzustellen?
Ich fühle mich schon immer zur Stärke hingezogen. Und so wie fast jeder junge Mann, wollte auch ich schon früh etwas darstellen. In einer Band zu spielen, ist ja eine Art von Darstellung. Natürlich auch, um die Mädels zu beeindrucken (lacht). Das ging natürlich gut, wenn wir aufgetreten sind. Im Leben eines Mannes dreht sich das erste Drittel nur um die Frauen, später alles um den Job und die Familie.

Waren Sie jemals Teil irgendeiner Subkultur?
Eigentlich nicht. Ich habe mich immer für viele Dinge interessiert. Ich war auf U2-Konzerten, dann wieder in Berlin auf der Tresor-Garden-Party mit Sven Väth während der Loveparade. Heute wäre ich gern mal bei Tomorrowland. Ich war aber auch in Wisconsin bei Slipknot und dachte mir, was ist das für ein kranker Shit. Ich finde die Band ziemlich genial. Ich war aber auch bei der Schlagerparade in Hamburg. Jeder so wie er möchte und alles hat seine Berechtigung.

Sie waren auch im Braunschweiger Nachtleben „umtriebig“ und haben nichts anbrennen lassen …
Ja, so wie viele junge Menschen. Olli Strauß war in der Zeit, als er sich gerade selbstständig gemacht hatte und das Fieber in der Wallstraße eröffnet hat, einer meiner engsten Freunde. Auf seinen Michael Ammer Partys haben wir auch legendäre Werbung für unsere Läden gemacht, mit blauen KOSATEC „Body gepainteten“ Go-Go-Girls und andere coole Sachen. Wir haben damals viel zusammen gemacht.
Sie waren ein Frauenheld?
Keine Ahnung, vielleicht ja. Ich habe mehr oder weniger erfolgreich versucht, die richtige Frau für mich zu finden. Wenn Sie erfolgreich sind, dann zieht das selbstverständlich auch ein paar Mädels an. Wenn einer gesagt hat, die sind doch nur wegen der Kohle hinter dir her, dann hat zum Beispiel mein Freund Karsten Hartmann gesagt: „Da sind sie bei mir an der richtigen Stelle!“ (lacht) Viel Kohle … Was heißt das überhaupt? Dass Sie in der Lage sind, mal zwei oder drei auszugeben? Immer schön bescheiden bleiben. Das steht so oder so jedem besser zu Gesicht.

Haben Sie heute noch einen Bezug zum Nachtleben?
Ich bin immer noch gerne im Tresor oder in der Okercabana. Mit meiner Belegschaft habe ich vor einigen Wochen im Flamingo Rosso KOSATEC 25 gefeiert. Eine Hammer Rooftop-Bar – sowas mag ich natürlich immer noch gerne. Ich gehe jetzt aber nicht mehr ins Fieber oder so … Mit 54 ist man da auch nicht mehr so authentisch (lacht). Vor einiger Zeit bin ich allerdings nach unserer „Treppenhaus Party“ im Langerfeldt-Haus noch mit meinen Stammtischfreunden im Black Button versackt, das war aber okay, nachdem wir an dem Abend über 200 000 Euro an Spendengeldern zum Wohle bedürftiger Kinder für den Raum Braunschweig eingesammelt haben.

„Wer feiern kann, kann auch arbeiten“, stimmt das?
Das ist eine gute Frage! Party ist Party und die Arbeit war für mich immer ganz strikt davon getrennt. Erfolg hat viel mit Disziplin, Fleiß und Engagement zu tun.
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Wie sind Sie als Chef?
Die Tür zu meinem Büro ist immer offen. Jeder darf jederzeit zu mir rein, wenn es was zu bereden gibt. Mir sind die Menschen wichtig und ich schätze ein offenes Wort sehr. Ich bin zwar der oberste Verantwortliche, aber ich packe mich nicht auf einen Thron. Wenn ich nicht sozial wäre, wären meine Leute weg. Klar kriege ich es nicht immer hin, alle gleich zu behandeln, aber ich versuche es so gut wie möglich und lerne aus meinen Fehlern. Dennoch muss ich manchmal auf den Tisch hauen, denn die Verantwortung über das Unternehmen wiegt schon ordentlich.

Was würden Sie jemandem mit auf den Weg gehen, der sich selbstständig machen will?
Ich glaube, dass man erfolgreich ist, wenn man für seine Sache brennt. Und wenn man 50 zu 50 denkt. Ich tu dir Gutes, du mir. „Give and take“! Und nicht nur darüber reden, sondern es auch leben. Das ist kein Erfolgsgeheimnis, aber sicher ein Garant für ein besseres Miteinander. Herzlichen Dank!
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Frage-Antwort: Ein Assoziationsspiel mit Andreas Sander:

Internet
Große Chance, nach wie vor

Smartphone
Fluch und Segen

Erfolg
Wichtig für das Selbstbewusstsein
 
Azubis
Unsere Zukunft

Reisen
Horizonterweiterung

Leben
Gegenwart, jetzt und hier

Achterbahn
Gehört dazu. Vor allem vorne sitzen!

Familie
Der Sinn des Lebens

Frauen
Frauen sind wichtig, aber die Richtige ist am wichtigsten. Mit meiner Frau Yvonne geht für mich die Sonne auf und unter

Sport
Zufriedenheit. Wahres Selbstbewusstsein hat man nur, wenn man sich wohl fühlt

Religion
Jeder, wie er möchte

Politik
Sollte man sich dran beteiligen

Musik
verbindet

Alkohol
Ich trinke gern ein Bierchen, komme aber nicht mehr dazu

Gesundheit
kann man steuern – 80 Prozent Ernährung

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Braunschweiger Kulturgut

Interview Benyamin Bahri
Fotos Andreas Sander Privat Archiv, Gideon Rothmann

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