VirtuaLounge in Braunschweig |

Man muss nicht jeden Trend mitmachen, aber man sollte auch keine wichtigen Entwicklungen verschlafen. Für die gesunde Balance zwischen digital und analog und damit
den vernünftigen Umgang mit neuer Technik zu lernen, sind Berührungspunkte wichtig. Virtuelle Realität (VR) ist eine davon. Simulierte Welten über spezielle Brillen
wahrnehmbar zu machen, ist nicht nur etwas für Hardcore-Gamer. Die vier Gründer: Irina Shiyanov, Denis Shiyanov, Konstantin Illiopol und Benjamin Weber wollen mit dem
ersten VR-Café an der Kleinen Burg diese Technik erlebbar machen. Neben den Brillen, die man für Feiern oder anderes mieten kann, wird in der VirtuaLounge mit
Live-Übertragungen auch den eSports gefrönt. Wir haben Irina dazu genauer befragt.

Wie seid ihr auf die Idee für diese VirtuaLounge gekommen?
Vor ein paar Jahren habe ich angefangen, mit ein paar Freunden „League of Legends“ zu zocken. Das war am Anfang meines Bachelor-Studiums, das lief in der Zeit auch nicht so gut. (lacht) Es war auch die Zeit, als es mit den Championships losging. Ich habe mit Freunden die ganzen Streams geguckt, was wirklich sehr unterhaltsam ist. Dazu haben wir uns bei mir und Dennis zu Hause getroffen. Und während alle anderen gechillt und die Weltmeisterschaften geguckt haben, sind wir rumgelaufen und haben alle versorgt. Das wurde mit jedem Jahr mehr, immer mehr Freunde hatten Lust dazu und irgendwann wurde das Wohnzimmer zu klein. Wir dachten, eigentlich wäre es cool, einen Ort zu haben, wo man das schauen kann und niemand den Gastgeber spielen muss, wie eine eSports-Bar. Solche Ideen nimmt man ja nie ernst und wir hatten auch viel mit dem Studium zu tun.

Wie ging es dann weiter?
Vor einiger Zeit haben wir nach einem Geschenk für einen Freund gesucht, da war gerade die VR-Brille HTC Vive herausgekommen und wir wollten ihm eine Probierstunde damit schenken – aber das gab es nirgendwo. Wir haben geforscht und Entwickler in Hamburg gefunden, die für VR ein Spiel entwickelt hatten, und bei denen konnten wir das privat ausprobieren. Das war super cool. Wir dachten, das könnte man besser machen: Wenn man ein Sofa hätte und Bier und eine große Leinwand, auf der man zuschauen kann, was die Person mit der Brille sieht, wäre das für uns der perfekte Ort. (lacht)
Was waren die folgenden Herausforderungen?
Wir haben angefangen, einen Businessplan zu schreiben, das war im September letzten Jahres. Dazu haben wir uns auch bei einem Existenzgründungsseminar informiert und bei der Industrie- und Handelskammer, die leider überhaupt nicht geholfen hat. (lacht) Denen musste man erst mal erklären, dass VR nichts mit „Second Life“ zu tun hat. Die Diskrepanz war sehr groß zwischen den Menschen, die gar keine Ahnung haben und denen, man erklären musste, was eSports sind. Und den Leuten, die wir bei den verschiedensten Games-Messen kennengelernt haben, also die Leute, die schon in dem Business drin waren, die VR- und Gaming-Community, die uns in unserem Vorhaben komplett bestätigt haben. Die Herausforderung war es, die Leute, die nicht aus diesem Bereich kommen, zu überzeugen. Dazu dann die ganze finanzielle Planung, das ist für Gründer wahrscheinlich die größte Hürde. Eigentlich will man ja am liebsten schon sofort loslegen, aber, um das nötige Geld von der Bank zu bekommen, braucht man einen guten Businessplan.

Wie habt ihr diese Räumlichkeiten an der Kleinen Burg gefunden?
Das war absolutes Glück. Wir haben uns viele Räume angeguckt, aber es hat nichts gepasst. Wir hatten uns eine große offene Fläche vorgestellt, das ist aber kaum zu finden. Dann sind wir hier drauf gestoßen. Das Gebäude gehört seit Kurzem der Bauen + Wohnen eG und das ganze Gebäude wird momentan umgedacht und neu aufgestellt. Es hat alles gepasst. Es sah anfangs noch anders aus, hier waren Büros und überall Wände. Das musste alles raus. Zum Glück fanden die Besitzer unser Vorhaben gut und haben den Umbau für uns gemacht.

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Wie habt ihr euer Konzept den Braunschweigern anfangs nähergebracht?
Wir hatten zum Beispiel Promo-Stände mit VR-Brillen in der Innenstadt und haben den Passanten gezeigt, wie sich das anfühlt, das ist sehr gut angekommen. Zur Eröffnung haben wir unter anderem die Stadt Braunschweig und die Braunschweig Zukunft GmbH eingeladen.

Was ist das Besondere an VR und wie erklärt man das jemandem, der es nicht kennt?
Das ist auch unser ganz großes Problem gewesen. Jemand sagte mal dazu, „Über VR zu reden, ist wie über Architektur zu tanzen.“ (Anm. d. Red.; Stefan Domke, „VR-Task-Force“, WDR). Es ist einfach unerklärlich, deswegen haben wir auch die Promo-Stände mit kurzen VR-Demos gehabt, wo man noch am ehesten eine Ahnung davon bekommt. Es gibt ja bei den Menschen, die es nicht kennen, nicht plötzlich die Nachfrage danach. Wir mussten uns die Nachfrage erst erzeugen. Bei der Gruppe Schüler, Schülerinnen und Studierende ist es nicht so schwer, die kennen VR und eSports und deshalb kamen die Promo-Stände in der Mensa wirklich sehr gut an, aber den anderen Menschen mussten wir das tatsächlich zeigen. Der Rest hat sich eigentlich über Mundpropaganda entwickelt.

Denen musste man erst mal erklären, dass VR nichts mit „Second Life“ zu tun hat. Die Diskrepanz war sehr groß zwischen den Menschen, die gar keine Ahnung haben und denen man erklären musste, was eSports sind. Und den Leuten, die wir bei den verschiedensten Games-Messen kennengelernt haben.

Wen wollt ihr speziell mit dem VR-Brillen-Angebot ansprechen?
Bei VR sind unsere Zielgruppen breit gefächert, da konzentrieren wir uns eher darauf, den älteren Menschen keine Angst zu machen. Unser Raum ist sehr offen und freundlich gestaltet. Weil es ein kleines persönliches Ziel von mir ist, auch ältere Menschen hier rein zubekommen, denen man mit dieser Technik den Horizont nicht nur erweitert, sondern komplett sprengt. (lacht) Die jüngeren Menschen werden schon davon erfahren und wer Bock hat, kommt auch. Wir hatten schon zahlreiche Buchungen und auch einige Geburtstage, da waren Neunjährige bis 60-jährige dabei und alle sind beeindruckt davon. Nur Ältere trauen sich an neue Technik nicht so einfach heran, da braucht man etwas mehr Überzeugungskraft. Viele erfahren das etwa über Firmenevents zum Teambuilding. Wenn man da einmal war, kommt man gern mit der Familie noch mal wieder. Meiner Oma gefällt es zum Beispiel richtig gut.
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Welche Anwendung hat sie denn ausprobiert?
Bei älteren Menschen fangen wir gern mit „The Blue“ an, das ist eine Unterwasser-Welt, dann habe ich ihr noch das Fahrstuhlfahren gezeigt, wo man das Gefühl hat, auf einem Hochhaus zu stehen. Sie hat auch gemalt. Das klingt vielleicht erst mal langweilig, aber bei „Tilt Brush“ von Google malt man mit unterschiedlichen Substanzen und einfach räumlich. Man kann es sich gar nicht vorstellen, nicht auf einem Blatt Papier zu malen, sondern komplett um sich herum. Man kann aus dem Bild heraustreten oder rein und ist selbst im Bild drin. Es gibt schon Künstler, die darauf spezialisiert sind, in dieser Anwendung ganze Welten zu erschaffen. Es ist verrückt.

Wie kommt ihr an eure Anwendungen, gibt es da Probleme mit Lizenzen?
Einer der Gründe, warum wir auf die HTC Vive gesetzt haben, war, dass es überhaupt eine kommerzielle Version davon gibt, Oculus und Sony machen das nicht. Auf Steam gibt es viele Spiele als kommerzielle Version. Und wir haben außerdem auf den Messen viele Entwickler kennengelernt, bei denen wir die Lizenzen direkt erwerben. Die sind aus dem Indie-Bereich aus allen möglichen Sparten. Die Spiele sind echt gut und machen sehr, sehr viel Spaß!
eSports sind auf dem Weg ein Milliarden-Geschäft zu werden – und trotzdem finden diese Events außerhalb der öffentlichen Wahrnehmung statt. Was gefällt euch an eSports und wie erklärt ihr Non-Gamern diese Faszination?
Es ist die gleiche Faszination wie beim Fußball: eine professionelle Art Sport zu machen. Nur weil Menschen das gerade nicht als Sport sehen, heißt es nicht, dass es keine Sportart ist. Die Teams trainieren genauso und kriegen mittlerweile das gleiche Gehalt. Die Preise sind millionenschwer. Jedes Spiel und jedes Team hat seine eigene Fangemeinde, es gibt einen großen Zusammenhalt und eine tolle Atmosphäre, wenn man zusammen zum Beispiel „League of Legends“ guckt. Ich komme aus Hamburg, da haben sie schon vor einiger Zeit angefangen, die League-of-Legends-Championships im Kino zu übertragen.

Welche Spiele spielt ihr selbst?
Oh, momentan spielen wir gar nichts, weil wir so viel zu tun haben. (lacht) Aber eigentlich „League of Legends“, „Escape from Tarkov“, das ist ein Survival-Multiplayer, wie auch „DayZ“. Wir spielen auch viel auf Konsolen: „Super Mario“ und all die Klassiker. Ziemlich oldschool. Auch auf Lan-Partys: „Call of Duty“, „Counter-Strike“, „Quake“. (lacht)
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Wie wird sich das Thema „VR“ noch entwickeln?
Das ist schwer vorherzusagen, weil es sich gerade in alle Richtungen entwickelt. Das macht es auch für uns schwer, sich zu fokussieren. Es gibt so viele Möglichkeiten. Für Ingenieure gibt es etwa eine Anwendung, um CAD-Modelle in VR anzugucken. Auch im Bereich „Edutainment“ tut sich einiges: So kann man Dinosaurier in ihrer Lebenswelt besuchen. Ich glaube auf jeden Fall, dass VR die Zukunft ist. Es ist ein neues Medium und an manchen Stellen muss man natürlich auch stark aufpassen.

Was wünscht ihr euch für 2018?
Wir hoffen, dass die Community wächst und die Menschen von dem Angebot erfahren. Wir sind selbstständig und hoffen, dass wir weiterhin das machen dürfen, was uns interessiert und Spaß macht. Man arbeitet zwar 24/7, aber das gerne.Wir haben außerdem einige Künstler kennengelernt, die die Räumlichkeit nutzen wollen, um ihre Kunst auszustellen. Wir haben ja noch viele weiße Wände. Ab Dezember stellt ein Braunschweiger Fotograf seine Bilder aus. Man wird die Räume auch nutzen können, wenn man zum Beispiel einen Pen-&-Paper-Abend oder Brettspiele machen möchte, das ist ja meistens eine überlappende Menschengruppe der analogen und digitalen Gamer.

Text: Kathleen Kalle
Fotos: VirtuaLounge, Braunschweig Stadtmarketing GmbH

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