Florian Braunschweig, Chief Operating Officer von Lovoo, im Interview

Online-Singlebörsen sind nichts Neues. Anfangs noch von vielen belächelt, haben sie sich fest auf unserem Smartphone als
Partnerbörse etabliert. Im Interview spricht Florian Braunschweig über Fake-Accounts, die
Gründungsgeschichte und den Unterschied zu vergleichbaren Apps.

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Florian, mit wem wurde Lovoo gegründet und wie lief das Ganze ab?
Das Gründerteam besteht aus sieben Jungunternehmern aus Sachsen. Mithilfe ihres Knowhows in unterschiedlichsten Bereichen wie beispielsweise Marketing,
Softwareentwicklung und Produktmanagement wurde Lovoo innerhalb von drei Jahren zum deutschen Marktführer im Segment der Dating-Apps.

Lovoo gibt es seit 2011. Welchen Auslöser gab es damals, eine Dating-App zu erschaffen?
Mitgründer Björn Bak lernte seine heutige Frau über ein Online-Angebot kennen und war fasziniert davon, welche technischen Möglichkeiten existieren, um anderen Menschen zu begegnen. Er fasste den Entschluss, ein Produkt zu entwickeln, das den damals fortschrittlichen Mobile-Trend aufgreift, um Gleichgesinnte miteinander zu verkuppeln. Das Konzept entstand im Austausch aller Gründer praktisch über Nacht.

Ein fester Bestandteil des Alltags, wie der tägliche Blick in den Spiegel.

Sind heute noch alle damaligen Gründer dabei?
Das Gründerteam unterstützt Lovoo nach wie vor im Management und in anderen operativen Unternehmensbereichen. Zwei der Mitgründer von Lovoo arbeiten derzeit an neuen Projekten, sind mit dem Unternehmen aber weiterhin eng verbunden und stehen als Berater zur Seite.  

Inwiefern unterscheidet sich Lovoo von anderen Dating-Apps wie Tinder oder Badoo?
Lovoo ist in erster Linie eine App, aber kann auch im Broweser genutzt werden. Im Fokus steht der ortsbasierte Charakter von Lovoo. Wir bieten dahingehend eine differenzierte Auswahl an Features, um neue Menschen zu kontaktieren. Nutzer, deren Daumen vom Match-Spiel müde sind, können ganz einfach in der sogenannten „Umgebungsliste“ nach neuen Kontakten in der Nähe stöbern oder mit Hilfe des Radar-Features schauen, wer sich im Umkreis befindet. Im Gegensatz zu anderen Apps, können Lovoo-Nutzer auch unabhängig von einem geglückten Match jemanden von sich überzeugen. Das funktioniert, indem sie eine nette Chat-Anfrage versenden. Wenn es auf den ersten Blick also nicht funkt, haben unsere Nutzer eine zweite Chance, um ihr Gegenüber von sich zu überzeugen.

Wie hat sich die App in den Jahren verändert?
Im Dezember 2012 konnten wir die 1-Millionen-Nutzermarke knacken und verzeichneten seither ein stetiges Wachstum. Nachdem sich die App in der DACH-Region etabliert hatte, folgte 2013 der Schritt in weitere europäische Märkte wie Spanien, Italien, Frankreich und Großbritannien. Ein Jahr später ging es sogar über den großen Teich nach Brasilien. Heute zählt Lovoo rund 65 Millionen Nutzer.

Früher traf man sich im Café oder im Bus. Es war meistens Zufall. Heute finden immer mehr Singles ihre Liebe per Touch – wird das zum Alltag?
Die App soll ein Alltagsbegleiter der Nutzer sein und gibt dem Zufall einen Anstoß. Die App hilft dabei, die Augen nach netten Bekanntschaften offen zu halten, egal ob man sich im Café oder im Bus auf dem Weg zur Arbeit befindet. Ziel von Lovoo ist es, ein fester Bestandteil des Alltags zu sein, wie der tägliche Blick in den Spiegel. Mit 22 Millionen Nutzern allein in Deutschland, sind wir auf dem besten Weg dazu.

Und wie steht es um das Ansehen einer Beziehung, die online entstanden ist?
Die Anwendung ist der Wegbereiter, um neue Leute kennenzulernen. Die Auswahl an potenziellen Partnern ist groß und Nutzer küssen häufig ein paar Frösche mehr als auf dem herkömmlichen Weg, bevor sie den Richtigen treffen. Doch haben sich zwei Personen gefunden, ist die Beziehung gleichwertig einer traditionell geschlossenen Verbindung, was auch aus dem Feedback unserer Lovoo-Pärchen hervorgeht. Viele Nutzer zweifeln zu Beginn daran, online Liebe finden zu können und sind dann überwältigt, wenn es geklappt hat. Oft verbindet genau dieser Aspekt die Paare noch tiefer.

Bei Lovoo geht es beim ersten Eindruck nur um das Äußerliche. Stimmt das?
Durch eigene Erhebungen wissen wir, dass mehr als 60 Prozent unserer Nutzer nach einer langfristigen Partnerschaft suchen und allein aus diesem Grund stärker hinter die Fassade eines schönen Profilbildes schauen. Ein hübsches Profilbild kann die Chancen auf ein Treffen zwar erhöhen, ist aber nur ein kleiner Faktor unter vielen. Feedback von unseren Nutzern hat gezeigt, dass der erste Eindruck oft täuscht und am Ende eine Person das Rennen macht, die nicht im Rampenlicht stand.  Häufig spielt der Chat-Austausch, insbesondere die erste Nachricht, eine wichtige Rolle, um den wirklichen Favoriten zu entlarven. Wir haben bei unseren Nutzern nachgeforscht und die höchste Antwortwahrscheinlichkeit erhält man mit einer interessierten „Warum-Frage“ in der ersten Nachricht, beispielsweise: „Warum bist du so spät noch wach?“. Am Ende muss jedoch jeder Nutzer mit seinem Gesamtpaket beim Date überzeugen. Wir empfehlen, die App unterwegs zu nutzen, beispielsweise um auf einem Konzert spontan Leute mit dem gleichen Musikgeschmack kennenzulernen und zusammen Spaß zu haben. Das Teilen gemeinsamer Aktivitäten schafft sofort interessante Gesprächsthemen und gestaltet das Treffen leichter. Das perfekte Profilbild rückt damit in den Hintergrund.

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Mit eurer Anwendung gehört ihr zu den erfolgreichsten deutschen mobilen Startups. Kannst du verraten, in welchen Märkten und auf welchen Kanälen ihr derzeit am stärksten wachst?
Wir fokussieren uns im Moment auf den europäischen Markt. Vor allem in Frankreich, Spanien und Italien wächst Lovoo stark. Vom Jahr 2015 auf das Jahr 2016 konnten wir beispielsweise in Frankreich ein Nutzerwachstum von mehr als 75 Prozent verzeichnen und zählen nun 6,5 Millionen Registrierungen.  Medial ist vor allem Facebook unser stärkster Kanal. Hier teilen wir alles, was für unsere Nutzer interessant ist: News, Tipps, Sonderangebote und vieles mehr.

Wie sieht eurer Marketingplan aus?
Unser Marketingmix beinhaltet, neben klassischen Kommunikationskanälen wie PR, auch neue Trends im Social-Media- und Content-Marketing-Bereich. Vor allem mit Influencer-Marketing und neuen Werbeformaten auf Facebook und Co. erreichen wir unsere Zielgruppe. Dazu gehören auch Brand-Kooperationen, bei denen wir wichtige Themen unserer Community aufgreifen und öffentlich diskutieren. So beispielsweise zuletzt über mehr Verantwortung beim Sex in der jungen Generation, mit der Organisation „Jugend gegen Aids“, im Rahmen des Welt-Aids-Tags 2016.

Damit die Apps im App-Store weit oben bleiben, muss die Bewertung stimmen. Wie haltet ihr die Bewertung hoch?
Das funktioniert nur durch ein Wechselspiel mit unseren Nutzern. Sobald Änderungen am Produkt vorgenommen werden, achten wir auf die Reaktionen unserer Nutzer in den App-Store-Bewertungen. Wir holen uns deren Feedback über Umfragen ein, um diese in das Produkt einfließen zu lassen, und stehen mit unserem Support-Team bei Fragen und Kritik unterstützend zur Seite.

Wie in jedem sozialen Netzwerk hört man, dass es auch bei euch Fake-Profile geben soll. Stimmt das? Wie hoch ist der prozentuale Anteil und wie geht ihr dagegen vor?
Bei einer großen internationalen Plattform wie Lovoo ist Missbrauch nicht gänzlich auszuschließen. Der Kombination von Maschine und Mensch, gestützt durch Algorithmen und unsere Nutzer, verdanken wir es, dass im Schnitt nach 2,2 Stunden die meisten Arten von Fake durch unser internes Anti-Spam-System blockiert werden. So schafft es die App, dass Fake-Profile lediglich einen sehr geringen Anteil unserer Nutzerbasis ausmachen. Genau genommen sind es im Durchschnitt nur 0,3 Prozent der täglich aktiven Nutzer.
Unsere Präventionsmaßnahmen sind vielseitig. Beispielsweise setzen wir auf unser Verifizierungssystem in der App. Nutzer können durch eine spezielle Kennzeichnung der Profile deren Echtheit erkennen.

Derzeit habt ihr über 60 Millionen User. Wie viele davon öffnen die App mindestens einmal im Monat?
Allein in Deutschland verzeichnen wir 22 Millionen Nutzer, davon sind 2,5 Millionen Nutzer monatlich aktiv.

Im Jahr 2014 konntet ihr einen achtstelligen Umsatz erzielen. Wie genau verdient ihr Geld?
Lovoo basiert auf einem Freemium-Modell. Das bedeutet unsere Mitglieder können die App kostenfrei nutzen und auf Wunsch verschiedene Pakete kostenpflichtig hinzubuchen, um ihre Erfolgschancen zu maximieren. Des Weiteren bieten wir unseren Partnern Werbeflächen an, aus denen wir Einnahmen generieren.
Es passieren doch mit Sicherheit auch besondere Geschichten.

Bekommt ihr eigentlich auch Feedback, wenn Leute zusammenfinden? Bei so vielen Nutzern dürfte das
regelmäßig der Fall sein.
In der Tat erhalten wir regelmäßig Feedback von glücklichen Lovoo-Paaren, die nicht nur zusammenfinden, sondern sogar heiraten und eine Familie gründen. Einige Paare haben wir mit der Kamera begleitet, um ihre Geschichten mit anderen Nutzern zu teilen. Auf unserer Presseseite zeigen wir einige Stores, beispielsweise die Geschichten von Pia und Mario oder Sophia und Chris.

Text: Lisa Matschinsky
Fotos: LOVOO GmbH, Drobot Dean - Fotolia.com

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